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Die Basketball-Bundesliga für Juristen

Auch im Jahr 2009 ist Basketball noch immer mehrheitlich ein Sport für Studenten. Die Frage, wer im kommenden Jahr in der Basketball-Bundesliga spielen darf ist, kann seit Pfingstsonntag wohl nur noch durch gewiefte Juristen erklärt werden.

Von Martin Vogel
 01.06.2009 |

Eigentlich dürfte es bei der Basketball-Bundesliga niemanden mehr überraschen: Sportliche Absteiger sind nicht unbedingt die Regel im Spielbetrieb der BBL, Wildcards, Lizenzentzüge und andere Verfahren am vielbeschworenen "grünen Tisch" spielen fast jedes Jahr eine Rolle, wenn es um die Ligenzusammensetzung der deutschen Eliteklasse im Korbsport geht. Nach dem Rückzug der Giants Nördlingen am Pfingstsonntag ist auch dieses Jahr das Glück wohl wieder einem der beiden eigentlichen Absteiger hold. Und nun wälzen in Gießen und Bremerhaven die Verantwortlichen das BBL-Regelwerk, vergleichen den Wortlaut der BBL-Spielordnung mit demjenigen des BBL-Lizenzstatuts und der Ausschreibung der Meisterschaft, um herauszufinden, was passiert. Denn zum ersten Mal zog mit den Bayern ein Team nach dem Abschluss der Hauptrunde, aber vor Ende der Meisterschaft zurück - und nun fragt man sich auch in der BBL-Zentrale in Köln, ob man sich auf ein Wildcard-Verfahren einstellen muss oder ob die LTi Gießen 46ers, seit 42 Jahren und damit als einziges Team seit Beginn in der Bundesliga vertreten, seit dem 31.05. einmal mehr den Klassenerhalt gesichert haben.

Denn die Regeln sind eben nicht so eindeutig, wie man vielleicht vermuten dürfte: Abschnitt II, § 2, Absatz 3 der BBL-Spielordnung besagt: "Verzichtet ein Bundesligist, nach dem letzten Spiel der Hauptrunde bis zum Abschluss des Wettbewerbs oder wird ihm das Teilnahmerecht in diesem Zeitraum gekündigt, so erlischt es ersatzlos. Der freiwerdende Platz wird nicht neu besetzt. Im Übrigen gilt Absatz 2 Satz 4 entsprechend." Jener Satz 4 wiederum lautet: "Im Falle des Verzichts und/oder bei Kündigung des Teilnahmerechtes für einen oder mehrere Bundesligisten sind diese sportlicher Absteiger." Die Giants Nördlingen sind damit nun also auf den ersten Blick betrachtet sportlicher Absteiger. Die Frage, die sich nun also gestellt werden muss, lautet: Was bedeutet "sportlicher Absteiger" eigentlich? Nach allgemeinem Verständnis sind die beiden sportlichen Absteiger diejenigen Teams, welche nach dem Ende der Saison die Tabellenplätze 17 und 18 einnehmen ("Die Bundesligisten, die nach Rechtskraft der offiziellen Abschlusstabelle die Tabellenplätze 17 und 18 einnehmen, verlieren das Teilnahmerecht an der 1. BBL.", Punkt 5.3 der Ausschreibung der Basketball-Bundesliga). Wann allerdings die offizielle Abschlusstabelle erstellt wird, darüber schweigt sich die Ausschreibung aus. Werden die Nördlinger nun automatisch an das Ende an der Tabelle gesetzt, weil noch keine offizielle Abschlusstabelle vorliegt, obwohl bereits 14 der 18 Bundesligisten ihre Saison beendet haben?

Ulms Manager Thomas Stoll dagegen interpretiert in einem Internet-Forum Abschnitt II, § 2, Absatz 3 als Schreibfehler. Anstatt, wie der Wortlaut vorgibt, auf "Absatz 2 Satz 4" zu verweisen, sollte die Regel ursprünglich auf Abschnitt II, § 2, Absatz 4 verweisen. Dieser lautet nämlich: "Verzichtet ein Bundesligist nach Abschluss des Wettbewerbs aber vor dem 1. Spieltag des neuen Wettbewerbs auf sein Teilnahmerecht oder wird ihm das Teilnahmerecht in diesem Zeitraum gekündigt,verliert er sein Teilnahmerecht ersatzlos. Der freiwerdendeTeilnehmerplatz wird von der BBL nach Maßgabe des Lizenzstatutes neu besetzt." Ein solches Wildcardverfahren würde der BBL GmbH wahrscheinlich nicht schlecht gefallen, schreibt doch das Lizenzstatut vor, dass derjenige, der eine Wildcard erhält, der Liga die stolze Summe von 100.000,- Euro überweisen muss.

Damit kommt nun aber eine ganz neue Regel in das Blickfeld der interessierten Basketball-Fans: Punkt 5.1 der BBL-Ausschreibung, mit dem Inhalt, was denn eigentlich ein Wettbewerb ist: "Die 1. Bundesliga besteht aus 18 Mannschaften. Der Wettbewerb der 1. Bundesliga ist in Teilwettbewerbe untergliedert. Teilwettbewerbe sind

- die Hauptrunde

- die 1. Playoff-Runde (VF)

- die 2. Playoff-Runde (HF)

- die Finalrunde (F)"

Ob mit dem Abschluss des Wettbewerbs nun nur der Teilwettbewerb gemeint ist, für den sich ein Team qualifiziert hat? Oder ob am Ende alles ganz anders kommt? Die BBL selbst scheint sich nicht sicher zu sein, was sie von all dem halten soll. "Uns liegen noch nicht alle nötigen Informationen vor. Wir werden den Fall am Dienstag genau beleuchten und dann eine Entscheidung treffen", äußerte sich BBL-Sprecher Dirk Kaiser am Montag. Und damit zeigt sich wohl einmal mehr, dass Basketball auch nach Jahrzehnten in Deutschland immer noch ein Studentensport ist - und zwar vornehmlich derjenigen, die sich der Juristerei verschrieben haben.



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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von PPP 03.06.09 um 20:03:24


irgendwie ist das doch nur noch lächerlich. anstatt jedes jahr aufs neue wildcardszu vergeben, sollte man die liga einfach verkleinern. das ist doch auch nicht gut fürs image.



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