Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Gordon Herbert

Des einen Leid ist des anderen Freud

Alba Berlin hat sich mit Gordon Herbert einen grandiosen Coach gesichert. Die Frankfurt Skyliners währenddessen können sich darüber gar nicht freuen.

Von Johannes Goedeking
 29.06.2011 |

Als die Frankfurt Skyliners im April 2010 Gordon Herbert als Cheftrainer an den Main zurückholten, hatte kein Basketballfan Hoffnungen, dass die Skyliners noch irgendetwas reißen könnten. Zu viel Stress gab es mit Ex-Coach Murat Didin, und vom siebten Platz in der Tabelle aus hat man eh nicht viele Chancen in den Playoffs. Es folgte allerdings ein magischer Monat: Angeführt von Aubrey Reese und Derrick Allen spielen die Frankfurter den besten Basketball seit Jahren und schlagen Favorit Alba Berlin und die Eisbären aus Bremerhaven auf dem Weg ins Finale der Beko BBL. Dort verlieren die Südhessen nach einem langen, engen Kampf über fünf Spiele gegen die Brose Baskets Bamberg, die in den ersten beiden Runden kein Spiel verloren hatten.

Hätten die Skyliners in den diesjährigen Playoffs ein Spiel gegen Berlin geklaut, hätte sich keiner über ein verfehltes Ziel beschwert; die Skepsis vor den Playoffs war groß, kaum einer glaubte an das Team. Doch dank Herberts Philosophie von harter Verteidigung und schnellem Zusammenspiel schaffte die Mannschaft den Schritt von einem durchschnittlichen Haufen zu einem großartigen Kollektiv. Fast hätte man in der Main-Metropole Euroleague-Basketball bestaunen können.

Nun verlässt Herbert Frankfurt gen Berlin. Offensichtlich konnten Gunnar Wöbke und sein Team das Geld, um ihren Coach zu halten, nicht aufbringen. Der nämlich betonte noch, dass er gerne in Frankfurt bleiben wollte, es wäre zur „Heimat geworden“. Alles was „Herbie“ dort aufgebaut hat, wird jetzt zusammenfallen. Zwar konnten die Skyliners sich dank Sponsor Fraport vor der Insolvenz retten, aber man verliert neben Identifikationsfigur Pascal Roller (Foto) nicht nur den lokalen Helden, sondern nun auch den Wundercoach, der das Team erst zum Meisterschaftsanwärter gemacht hat.

Wie es nun weitergeht, weiß noch keiner. Frankfurts Sportdirektor Kamil Novak kündigt einen „sportlichen Neuanfang“ an, aber ohne Geld ist das schwierig. Auch MVP DeShaun Wood, der eigentlich bis 2013 unter Vertrag steht, umgeben Wechselgerüchte; ob der Mannschaft nach den Abgängen von Aubrey Reese und Derrick Allen noch ein ähnlicher Glücksgriff gelingen kann, ist fraglich.

Alba Berlin allerdings gelang ein Coup. „Er hat an verschiedenen Stationen immer das Optimum aus den gegebenen Möglichkeiten herausgeholt“, betont Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Die Berliner hoffen, dass er das gleiche in der Hauptstadt machen kann: Sie wollen in die Euroleague zurückkehren und endlich wieder eine deutsche Meisterschaft feiern. Herbert freut sich ebenfalls: „Ich wollte auf Euroleague-Level trainieren, und in Berlin haben wir in der Qualifikation die Möglichkeit dazu. Außerdem spielt Berlin in einer neuen Halle, wo die Möglichkeiten unbegrenzt sind.“

Einen besseren Trainer hätte es nicht geben können: erfahren in der BBL, verhältnismäßig günstig und verdammt gut. Alba hat sich endlich den lang ersehnten genialen Coach gesichert, und Herbert darf sich nun auf internationaler Bühne beweisen.

Wieder mal ist es so ein Wechsel, der ein einzelnes Team in der Liga schockiert, im Großen und Ganzen aber gut für den deutschen Basketball ist. Neben Bayern München ist nun die zweite deutsche Mannschaft, die über viel Geld verfügt, mit einem Elitetrainer, der Dirk Bauermann oder Chris Fleming ebenbürtig ist, ausgestattet, der Hoffnungen aufkommen lässt. Vielleicht kann Alba nun wirklich in Europa angreifen. Wer noch skeptisch ist, soll mal die Skyliners fragen: Denen hat Gordon Herbert nämlich bewiesen, wie gut er sein kann, wenn keiner an ihn glaubt.



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von Crossover 17.05.2012 um 09:56:59


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