Blick auf die Deutschen
Von Bandentritten und kaltem Wasser
Während Pascal Roller sich selbst mehrere Wochen außer Gefecht setzte, haben einige deutsche Talente den Sprung in die Rotation geschafft. Vermeintlich Etablierte laufen dafür ihrer Form hinterher.
Von Max Lambertz |
28.11.2007 | |
Die Guards
Eigentlich wollten wir an dieser Stelle die weitere Entwicklung Pascal Rollers genauer unter die Lupe nehmen. Doch dann verletzte er sich auf höchst unglückliche Art und Weise, gerade als sowohl Roller als auch seine Frankfurter Teamkollegen sich nach einem miserablen Saisonstart wieder gefangen zu haben schienen. Beim Versuch, einen Fastbreak David McCrays zu verteidigen trat Roller diesem auf die Ferse und knickte unglücklich um. Zu allem Überfluss entschieden die Schiedsrichter anschließend auch noch auf Unsportliches Foul gegen den Frankfurter Spielmacher, weil McCray ins Straucheln geraten war und den Fastbreak nicht erfolgreich hatte abschließen können. Roller akzeptierte diese Entscheidung zunächst mit erhobener Hand und humpelte vom Feld. Vor Wut über die Situation, trat er dann allerdings mit voller Wucht gegen die sich vor der Bank befindliche Werbebande und zog sich dabei eine Sprunggelenksverletzung zu. Diese wird ihn wohl mindestens bis zum Jahresende außer Gefecht setzen.
Dafür aber kann man vielleicht schon bald einen weiteren Aufbauspieler der Nationalmannschaft in der Basketball-Bundesliga bewundern. Der ehemalige Berliner Mithat Demirel ist weder in der Türkei, noch in Italien je richtig glücklich geworden und brachte nicht mehr als drei magere Punkte pro Spiel zu Stande. Nun wird er mit den Brose Baskets Bamberg in Verbindung gebracht, bei denen er den etwas enttäuschenden Mark Dickel als Backup für Steffen Hamann ersetzen soll. Demirel wäre - sollte es denn so kommen - bereits der sechste Nationalspieler im Dress der Franken.
Noch kein Nationalspieler, aber ein Mann für die Zukunft ist David McCray. Der pfeilschnelle Guard galt einst als größtes deutsches Scoring-Talent und zog auch international Aufmerksamkeit auf sich. In den vergangenen Jahren in Karlsruhe spielend, gelang ihm allerdings nie wirklich der Sprung in die Rotation des Bundesliga-Teams. Auch in Ludwigsburg, wohin er nach dem Abstieg Karlsruhes wechselte, kam er zunächst nicht zum Zuge. Dies änderte sich, als Trainer Silvano Poropat im Spiel gegen die digibu Baskets Paderborn genug von seinem Amerikaner Ronald Ross gesehen hatte und McCray ins kalte Wasser warf. Dieser nutzte die Chance, brachte das Spiel zum Laufen und legte selbst noch 13 Punkte auf. Seitdem ist er aus der Rotation nicht mehr wegzudenken und überzeugt durchschnittlich mit sieben Punkten pro Spiel.
In einer ganz ähnlichen Situation befindet sich auch Johannes Strasser (Foto) in Bonn. Ihm vor der Nase sitzt mit Miah Davis ein Amerikaner, der die Erwartungen bisher noch nicht erfüllen konnte. Mit dieser Rolle kennt sich Strasser allerdings bereits aus. In der Saison 2005/06 setzte er - noch in Köln spielend - Darren McLinton von der Bank aus unter Druck und wurde von vielen als der bessere der beiden angesehen. Dann allerdings riss er sich das Kreuzband und konnte nur von der Bank verfolgen, wie sein Team McLinton durch Michael Jordan ersetzte und letztlich Deutscher Meister wurde. Mittlerweile für Bonn auflaufend, gehört er zu den positiven Überaschungen der Saison und erhält mit knapp 20 Minuten im Schnitt ordentlich Spielzeit. Allerdings sollte er zunächst noch an seiner Konstanz arbeiten und an Erfahrung gewinnen, um auf lange Sicht als Starter in Frage zu kommen.
Bisher noch in der Anfangsformation ist Misan Nigakgbatse. Der Deutsch-Nigerianer war vor der Saison mit hohen Erwartungen aus Italien nach Köln gekommen, konnte diese bisher aber nur selten erfüllen. Zwar kann er an guten Abenden mit hervorragenden Assist-Zahlen aufwarten, seine Wurfquote ist mit 31 Prozent aus dem Feld allerdings auch dann noch indiskutabel. Negativer Höhepunkt war dabei das Spiel gegen Science City Jena, in dem er nicht einen Wurf traf und ohne Punkte vom Feld ging.
Die Forwards
Nach den Verletzungen von Jimmy McKinney (Riss eines Bauchmuskels) und Pascal Roller (siehe oben) mussten in Frankfurt andere in die Bresche springen. Höchsterfreulich ist dabei die Tatsache, dass sich insbesondere zwei Deutsche diese Chance zu Nutze machten. Zunächst aber hatte Dominik Bahiense de Mello große Probleme mit seiner eigentlichen Stärke den Drei-Punkte-Würfen. So traf er in den ersten sieben Spielen nur magere 14 Prozent von außen. Dank stets vorbildlichen Einsatzes und guter Verteidigungsarbeit erhielt er sich aber seinen Platz in der Rotation und zahlte in den beiden letzten Wochen das in ihn gesteckte Vertrauen zurück, als er unter anderem gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück 16 Punkte und sechs Rebounds erzielte.
Lange abgeschrieben hatte man in Frankfurt hingegen schon Nino Garris. Der ehemalige Nationalspieler wurde zwar immer noch fürstlich entlohnt, hatte in den vergangenen Jahren aber nie die erhoffte Leistung gebracht. Dies schien sich auch in dieser Saison nicht zu ändern. Zum Auftakt gegen Jena erzielte er beispielsweise überhaupt keinen Punkt. Im Spiel gegen die Telekom Baskets Bonn platzte dann allerdings der Knoten zumindest vorübergehend. Mit 13 Punkten und drei von fünf Dreiern deutete er an, dass er noch nicht alles verlernt hatte. Zwei Wochen später gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig traf er dann sogar vier von sieben Dreiern und kam auf 17 Punkte. Danach allerdings hat er sich wieder auf mittlerweile gewohntem Niveau eingependelt und erzielte in den letzten beiden Spielen drei bzw. vier Punkte.
Ebenfalls wieder weit von der Normalform entfernt ist Arthur Kolodziejski (Foto). Der im polnischen Grojec geborene und in Rheinbach bei Bonn aufgewachsene Verteidigungsspezialist hatte in den vergangenen Playoffs die Fans mit bärenstarker Defense gegen den späteren MVP Casey Jacobsen begeistert. In diesem Jahr ist die Defense zwar weiterhin überdurchschnittlich, sein Offensivrythmus hingegen scheint völlig verlorengegangen zu sein. Eigentlich ein ordentlicher Drei-Punkte-Schütze, trifft er gerade mal 25 Prozent von jenseits der Linie. Das allerdings bringt ihn nicht dazu, seinen vergleichweise starken Zug zum Korb mal des Öfteren zu nutzen. Nur ganze 31 Prozent seiner Wurfversuche kommen von innerhalb der Drei-Punkte-Linie. Ob man sich deswegen sorgen machen muss, bleibt abzuwarten. Auch in den vergangenen Jahren begann Kolodziejski die Saison stets schwach und ohne Rythmus, war aber zu den Playoffs immer in Topform.
Von Bundesliga-Playoffs nur träumen kann Johannes Lischka im Moment. Das für Gießen und den TV Lich auflaufende Talent, konnte am achten Spieltag gegen die EWE Baskets Oldenburg aber immerhin eine erste Duftmarke setzen. In nur 16 Minuten Spielzeit traf er sieben seiner acht Versuche aus dem Feld und kam somit auf starke 14 Punkte. Bereits zuvor im Spiel gegen Jena hatte er seine Klasse angedeutet und in nur fünf Minuten, fünf Punkte und fünf Rebounds erzielt. Bezeichnend für den deutschen Basketball ist allerdings die Tatsache, dass er in den letzten beiden Spielen wiederum nur insgesamt drei Minuten Einsatzzeit bekam, obwohl er doch längst bewiesen hat, bei angemessener Spielzeit gute Zahlen produzieren zu können.
Immerhin ordentliche Zahlen produziert mittlerweile Yassin Idbihi. Der direkt vom College in Buffalo nach Köln gewechselte Deutsche, hatte die ersten fünf Spiele verletzungsbedingt aussetzen müssen, sich anschließend aber als wichtiger Rollenspieler etabliert. Schön zu sehen ist dabei, dass er stets das liefert was das Team gerade benötigt. War es zu Beginn das Scoring, so hat er sich mittlerweile - nach der Verpflichtung der beiden Amerikaner Toby Bailey und Derrick Byars - auf das Rebounden konzentriert und pflückte sich in den letzten beiden Spielen jeweils acht Abpraller. An Idbihi liegt es jedenfalls nicht, dass Köln bisher noch nicht richtig in Schwung gekommen ist.
Die Center
Nach den positiven Erfahrungen mit dem Einsatz David McCrays (siehe Guards) hat sich Ludwigsburgs Trainer Poropat anscheinend dafür entschieden, auch seinem zweiten Nachwuchsspieler Sascha Kesselring das Vertrauen zu schenken. Gegen die Brose Baskets Bamberg warf er den kräftigen Center für immerhin knapp zwölf Minuten in die Schlacht, obwohl er an den sieben Spieltagen zuvor stets lediglich für Kirchheim in der Pro B aufgelaufen war. Zwar konnte Kesselring dieses Vertrauen nicht unmittelbar bestätigen und kam nur auf zwei Rebounds und einen Punkt, anschließend zeigte er aber eine stete Entwicklung, die in neun Punkten und fünf Rebounds gegen die Telekom Baskets Bonn gipfelte.
Bei den Brose Baskets Bamberg trägt derweil Tim Ohlbrecht (Foto) seinen Teil dazu bei, den entlassenen Luke Schenscher zu ersetzen. Dabei hat er allerdings mit schwankenden Einsatzzeiten zu kämpfen. So durfte er gegen die Walter Tigers Tübingen nur drei Minuten aufs Parkett. Es spricht für ihn, dass er sich davon nicht unterkriegen ließ und bereits zwei Spieltage später mit elf Punkten und acht Rebounds gegen die ENBW Ludwigsburg ein sportliches Statement für mehr Spielzeit abgab. Geholfen hat es allerdings nicht viel. In den letzten beiden Wochen gegen Quakenbrück und Gießen kam Ohlbrecht nur auf acht bzw. gar keine Minute und konnte nicht wirklich überzeugen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Ohlbrechts Spielzeit entwickelt, wenn eventuell zusätzlich noch ein Nachfolger für Schenscher gefunden wird.
Michael Schröder hingegen genießt das uneingeschränkte Vertrauen seines Trainers, hatte allerdings lange Zeit Probleme mit der Umstellung auf die erste Liga. Nach zwei Siegen zu Sasionbeginn, zu denen auch Schröder mit guten Rebound-Werten seinen Beitrag leistete, wurden die Ergebnisse des Teams schlechter, und auch Schröder brachte nicht mehr die aus der zweiten Liga gewohnten Leistungen. Er konnte sich vor allem nur magere zwei Rebounds pro Partie angeln. Am letzten Wochenende gegen die digibu Baskets Paderborn explodierte er dann allerdings. 21 Punkte und zehn Rebounds schenkte er den Ostwestfalen ein. Zwar verlor Göttingen das Spiel knapp und selbstverschuldet in letzter Sekunde, Schröder allerdings scheint endgültig in Liga eins angekommen zu sein.
Längst dort angekommen ist auch Bernd Kruel. Der aus Hagen stammende Veteran geht mittlerweile in seine zweite Saison im Dress der Telekom Baskets Bonn, hatte zu Saisonbeginn aber ein gewaltiges Formtief zu überwinden, welches nicht etwa in seiner neu zugelegten Haarfarbe, sondern vielmehr in einer Mandel-Operation im Sommer, sowie zahlreichen schlaflosen Nächten des stolzen Papas seine Ursache hatte. Mittlerweile liefert er aber wieder Woche für Woche seine gewohnt soliden Leistungen ab und traf in den letzten drei Spielen zehn seiner elf Würfe aus dem Feld. Auch bei den Rebounds hat er sich inzwischen wieder verbessert und kommt - auch wenn er wohl in diesem Leben kein Spezialist mehr wird - mittlerweile auf konstante drei Abpraller pro Spiel. Eine klare Verbesserung im Vergleich zum Saisonbeginn, als er in den ersten vier Spielen, drei mal gar keinen Ball vom Brett abgreifen konnte.



von Limitless 28.11.07 um 14:59:04
Irgendwie fehlen mir beim "Blick auf die Deutschen" Rouven Roessler und Konrad Wysocki, immerhin die beiden besten deutschen Scorer der Liga...
von Tomdawg 28.11.07 um 17:23:06
Über die großen deutschen Namen der BBL haben wir bereits im ersten "Blick auf die Deutschen: Von Ademola bis Wysocki" berichtet:
[crossover-online.de]
Wir wollen in dieser Serie dem BBL-Fan einen Überblick über die deutschen Spieler liefern.
von Limitless 28.11.07 um 20:24:05
alles klar, wenn ich nicht vorher mal nachgucke sollte ich die klappe nicht so weit aufreißen ;) my bad ;)
von mariofour 29.11.07 um 00:18:56
Martin...immer große Klappe am Start, was?
von Vince 29.11.07 um 08:41:32
Schöne sache, nur schade das viele Trainer ihren jungen deutschen Talenten nicht vertrauen und ihnen somit keine Spielzeit geben. Siehe Braunschweig.....
von Arne2000 29.11.07 um 12:30:44
Ohlbrecht hat wohl eher mit schwankenden Einsatzzeiten zu kämpfen, weil er in den letzten Wochen krank war (Mandelentzündung)
von Ana.Lyzer 29.11.07 um 15:50:29
Schöne Übersicht, aber schade, dass der Artikel nur auf Statistiken aufgebaut ist.
von Hegel 30.11.07 um 06:47:31
Mir fehlt Marius Nolte dabei, der in Paderborn eine durchweg gute Saison spielt, fest in der Rotation ist und sich als BBL Forward/Center etabliert hat.
von De Dreier 30.11.07 um 18:30:50
Misan Nikagbatse gibt allabendlich den absoluten Defensivterror. Da stört mich seine dürftige Quote nicht wirklich, auch wenn es schön wäre, wenn die endlich normales Niveau erreichen würde.
Wäre nett gewesen, wenn das auch erkannt worden wäre.