Blick auf die Deutschen
Von Ademola bis Wysocki
Sieben Spieltage ist die neue BBL-Saison mittlerweile alt. Wir schauen, wie sich die Deutschen geschlagen haben.
Von Max Lambertz |
07.11.2007 | |
Die Statistik
Laut Regelbuch müssen stets mindestens drei deutsche Spieler auf dem Spielberichtsbogen eines Teams eingetragen sein. Doch welches Team setzt ernsthaft auf diese Deutschen, und welches Team sieht es eher als lästige Pflicht an? Sieht man sich die Einsatzminuten der deutschen Profis je Team einmal genauer an, kommt man zu der Erkenntnis, dass insbesondere Nationaltrainer Dirk Bauermann sich seiner Verantwortung gegenüber seinen Landsleuten bewusst ist: Mit großem Abstand gibt Bamberg die meisten Spielminuten an deutsche Spieler. Gefolgt werden sie in dieser Statistik unmittelbar von Aufsteiger Science City Jena, wo man - zumindest zum Teil ? auf kostspielige Ausländer verzichtete und stattdessen einheimischen Akteuren eine Chance gab.
Die einst für die Ausbildung deutscher Spieler bekannten Teams aus Leverkusen und Berlin enttäuschen in dieser Beziehung hingegen etwas. Berlin belegt mit 266 Einsatzminuten nur einen schwachen neunten Platz in dieser Statistik, während Leverkusen mit 143 Minuten gar nur auf dem 13. Platz landet. Ganz weit hinten landen die Teams aus Tübingen und Braunschweig. Besonders das schlechte Abschneiden Braunschweigs überrascht dabei etwas, ist Coach Emir Mutapcic doch gleichzeitig auch deutscher U20-Nationaltrainer.
Die Nationalspieler
Nationalcenter Patrick Femerling (Foto) musste sich während der Europameisterschaft leichte Kritik aus der Heimat gefallen lassen und dürfte eventuell schon daran gezweifelt haben, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, aus dem sonnigen Spanien nach Berlin zurückzukehren. Doch dort hat er sich mit starken Leistungen mittlerweile in die Herzen der Fans gespielt. Er trifft hochprozentig aus dem Feld (79,5 Prozent) und hat offensichtlich auch an seiner Schwäche, den Rebounds, gearbeitet. So holte er gegen die Bayer Giants Leverkusen derer 12 und kam dank zusätzlicher 15 Punkte auf einen starken Effizienzwert von 28. Bei solch starken Leistungen ist es kein Wunder, dass in Berlin niemand mehr Ex-NBA Center Michael Bradley hinterhertrauert.
Eine Art Klassentreffen der Nationalspieler findet jeden Spieltag in Bamberg statt. Laufen dort doch mit Demond Greene, Ademola Okulaja, Robert Garrett, Steffen Hamann und Tim Ohlbrecht gleich fünf Spieler auf, die den Bundesadler bereits auf der Brust trugen. Kein Wunder also, dass Bamberg die ersten sechs Spiele in Folge gewann und erst am siebten Spieltag gegen Braunschweig verlor, weil Okulaja mit einer Verletzung aussetzen musste. Der "Warrior" ist neben Pedrag Suput stets bester Spieler Bamberg und wird damit den großen Erwartungen gerecht. Immerhin hatte sich Coach Dirk Bauermann vor der Saison für Okulaja und gegen Aleksandar Nadfeji ? einen der besten BBL-Power-Forwards der vergangenen Jahre ? entschieden.
Auch Greene, Hamann und Ohlbrecht liefern regelmäßig solide Spiele ab, während Robert Garrett das Sorgenkind des Teams bleibt. Eine schwache Wurfquote und ein leichter Hang zum Übergewicht sorgen bei ihm dafür, dass er weit von seiner Topform entfernt ist. Wäre der Nationaltrainer nicht auch gleichzeitig sein Vereinstrainer, hätte Garrett in dieser Form wohl keinen Platz mehr im Nationalteam.
Ebenfalls große Probleme hatten Pascal Roller (Foto) und Kirsten Zöllner, die eigentlich gemeinsam mit Coach Murat Didin die Deutsche Bank Skyliners wieder zurück in die
deutsche Spitze führen sollten. Doch zunächst lief alles ganz anders. Roller war dem Druck des zurückgekehrten Sohnes ? er hatte zuletzt ein Jahr in Italien gespielt ? offensichtlich nicht gewachsen, warf miserabel aus dem Feld und konnte das Spiel nie wirklich an sich reißen und dirigieren. Noch schlechter sah es für Zöllner aus, der den Sprung in die Rotation nicht schaffte und bis heute lediglich auf insgesamt 25 Minuten Einsatzzeit gekommen ist. Immerhin scheint Roller seine Form gefunden zu haben und spielte in den letzten beiden Partien jeweils ordentlich. Prompt gewannen die Skyliners auch beide Spiele.
Sicherlich anderes vorgestellt hatten sich auch Misan Nigkagbatse und Yassin Idbihi den Beginn der neuen Saison. Geplagt von hartnäckigen Verletzungen zeigten beide aber bisher nicht mehr als ordentliche Leistunen und konnten nicht verhindern, dass ihr neuer Verein Köln bisher nur auf einem enttäuschenden 15. Platz landete.
Die Überraschungen
Eine wirkliche Überraschung ist Rouven Roessler eigentlich nicht mehr, gehörte er doch bereits im vergangenen Jahr stets zu den besten deutschen Scorern. Doch in diesem Jahr hat er endgültig den Sprung zum Leader seines Teams geschafft. Zwar sind seine Wurfquoten noch immer nicht das Gelbe vom Ei; wichtiger ist aber, dass Roessler in der entscheidenden Phase eines Spiels immer wieder Verantwortung übernehmen und richtige Entscheidungen treffen kann. So führte er die Giessen 46ers mittlerweile schon zu drei Siegen, während man im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keinen Punkt auf dem Konto hatte.
Richtig überraschend allerdings sind die starken Leistungen von Konrad Wysocki. In der vergangenen Saison zumeist noch von der Bank kommend, bekam er am ersten Spieltag gegen Braunschweig seine Chance in der Anfangsformation. Er nutzte diese, indem er sich gleich 15 Rebounds schnappte und sich an die Spitze der BBL-Rebound-Wertung setzte. Diesen Platz hat er bis heute nicht mehr hergegeben und legt mit zwölf Punkten (zweitbester deutscher Punktesammler hinter Roessler) und elf Rebounds ein Double Double im Schnitt auf.
Bei solchen Zahlen kann Alexander Seggelke von Science City Jena noch nicht mithalten. Dennoch hat sich der gerade 28 Jahre alt gewordene Deutsche mit elf Punkten und vier Rebounds seinen Platz in der ersten Liga erarbeitet und ist sicherlich nicht der Grund dafür, dass sein Team noch immer sieglos am Ende der Tabelle steht. Ebenfalls schuldlos an den vielen Niederlagen seiner Mannschaft ist Jonathan Moore in Trier. Der Deutsch-Amerikaner war vor der Saison aus Bayreuth gekommen und galt eigentlich als klassicher Quotendeutscher. Doch mit starken Spielen gegen Gießen (16 Punkte) und Ludwigsburg (zehn Punkte) widerlegte er die Meinungen seiner Kritiker.
Nachwuchsspieler des Monats
Bisher verlief die Karriere des Sebastian Betz (Foto) ungewöhnlich gradlinig. Seine Basketballkarriere begann logischerweise in seinem Heimatort Walheim. Von dort aus zog es in vor zwei Jahren in Richtung Bamberg, wo man ihn gemeinsam mit seinem Bruder Johannes und Dimitry McDuffie unter Vertrag nahm. In Oberfranken lief er für den Bamberger Kooperationspartner TSV Tröster Breitengüßbach in der zweiten Liga auf und steigerte sich dort von anfänglich sieben auf 17 Punkte im Schnitt. Auch seine Dreierquote machte eine erstaunliche Entwicklung durch und verbesserte sich letztlich auf starke 44 Prozent. Belohnt wurde er dafür mit der zweimaligen Auszeichnung zum Nachwuchsspieler des Monats in der Zweiten Liga.
Kein Wunder, dass vor dieser Saison mehrere Erstligisten auf den Scharfschützen aufmerksam wurden. Bamberg versuchte den mittlerweile 22-jährigen zwar dazu zu bewegen, mit einer Doppellizenz in der Pro A für Nürnberg aufzulaufen, doch Betz fand, dass es an der Zeit war, zu einem Erstligisten zu wechseln und dort mehr als nur einige Kurzeinsätze zu bekommen. Aus mehreren Angeboten interessierter Bundesligisten entschied er sich schließlich für das nur 135 Kilometer von seinem Heimatort entfernte Ulm.
Zuvor spielte er im Sommer aber noch für die A2-Nationalmannschaft bei der Universiade in Bangkok auf und erzielte dort starke 16 Punkte und sechs Rebounds im Schnitt. An diese Leistungen konnte er in Ulm zwar nicht ganz anknüpfen, erhält im Schnitt aber über zehn Minuten Einsatzzeit und spezialisiert sich dabei auf die Dreipunktewürfe. So traf er beim Heimsieg gegen die Giessen 46ers drei seiner fünf Dreier. Zwar gingen seine Einsatzzeit und seine Wurfversuche in den letzten Spielen ein wenig zurück, auf Dauer sollte Betz aber eine Bereicherung werden - sowohl für das Ulmer Spiel als auch für die Bundesliga.



von Crossover 17.05.2012 um 09:42:04
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