Blick auf die Deutschen
Lichtblicke am Horizont (1)
Dirk Bauermann hat angekündigt, auch bei der Olympia-Qualifikation wieder auf bekannte Kräfte zu setzen. Wer darauf keine Lust mehr hat, kann sich schon mal auf diese Herren freuen...
Von Max Lambertz |
18.01.2008 | |
Die meisten Experten sind sich einig: Die Zukunft des deutschen Basketballs nach dem Rücktritt Nowitzkis wird düster aussehen. Das mag zwar richtig sein, doch wo viel Schatten ist, da muss auch irgendwo Licht sein. Deshalb werden wir in einer dreiteiligen Serie jeweils eine Starting Five der Zukunft vorstellen. Hier also nun das All-Crossover-3rd-Youth-Team. Das zweite bzw. erste Team folgen dann in den nächsten beiden Teilen.
Point Guard: David McCray (Kirchheim Knights), 21 Jahre (06.11.1986)
Bereits als 16-jähriger lief McCray für die deutsche U18-Nationalmannschaft auf und galt als eines der größten deutschen Talente auf der Aufbauposition. Dank seiner Athletik und Schnelligkeit spielte er sich sogar bis in die Notizbücher der NBA-Scouts. Bei der U18-EM-Qualifikation 2004 konnte er dann allerdings auch nicht verhindern, dass sich das deutsche Team ? noch hinter "Basketball-Weltmacht" England ? mit dem fünften Gruppenplatz zufrieden geben musste. Dies lag nicht zuletzt an McCrays großer Schwäche, seinem unkonstanten Wurf. So traf er im wichtigen Spiel gegen Lettland keinen seiner fünf Dreier und auch gegen Finnland fand keiner seiner drei Versuche den Weg ins Ziel. Beim Albert-Schweitzer-Turnier des selben Jahres sah er dann zusammen mit Jan Lipke (heute Eisbären Bremerhaven) und Nikita Khartchenkov (heute Braunschweig) die meisten Minuten und hatte nicht unwesentlichen Anteil daran, dass das deutsche Team zumindest einen respektablen siebten Platz erreichte. Sein Aufbauspiel während des Turniers war allerdings von zahlreichen Turnovers gekennzeichnet, was den ansonsten guten Gesamteindruck schmälerte.
Anschließend schnupperte er im Trikot der BG Karlsruhe erste Minuten Bundesligaluft, konnte sich dort aber nicht durchsetzen und saß die meiste Zeit auf der Bank, wurde aber dennoch in den Jahren 2005 und 2006 jeweils für das Rookie All-Star-Game der BBL nominiert. Nach dem Abstieg Karlsruhes im letzten Jahr verließ er den Verein schließlich und entschied sich für die Kirchheim Knights, bei denen er in der ProB aufläuft, dank einer Doppellizenz aber auch in der Bundesliga für die ENBW Ludwigsburg auflaufen darf.
Dort zeigte er zwar einige starke Leistungen, sicherte beispielsweise mit sechs sicher verwandelten Freiwürfen in der Schlussphase den Sieg der Schwaben gegen Paderborn, musste dann aber ? nachdem Ludwigsburg Heiko Schaffartzik verpflichtete ? wieder zurück ins zweite Glied. Dort, bei den Kirchheim Knights, allerdings kann er voll und ganz überzeugen. Zwar fällt sein Drei-Punkte-Wurf noch immer nicht gerade hochprozentig, dafür hat er jedoch mit 16 Punkten im Schnitt erheblichen Anteil daran, dass die Knights momentan an der Tabellenspitze stehen und um den Aufstieg in die ProA mitspielen. Der Lohn dafür? Die ProB wählte ihn im Monat Dezember zum Nachwuchsspieler des Monats.
Lange bleiben wird er dort allerdings nicht mehr. Es gilt als sicher, dass McCray spätestens zur neuen Saison vollständig in den Bundesligakader Ludwigsburgs rücken wird. Man darf also gespannt sein.
Shooting Guard: Marko Buljevic (Giessen 46ers), 20 Jahre (26.03.1987)
Der aus Konstanz stammende Flügelspieler ist einer der zahlreichen Spieler, die ihre basketballerische Grundausbildung an der renomierten Urspringschule bzw. deren Kooperationspartner Erdgas Ehingen erhielten. Dort konnte er dann auch seine ersten Erfolge als Basketballspieler einfahren, stand mit der U16 im Finale der deutschen Meisterschaft und holte schließlich mit der U18 sogar den Titel. Bereits in der U16 lief er dann auch für die deutsche Nationalmannschaft auf und durfte 2005 an der U18-Europameisterschaft in Serbien und Montenegro teilnehmen, wo er neben Leuten wie Tim Ohlbrecht (Bamberg), Johannes Lischka (Lich) und Nicolai Simon (Berlin) nur eine Nebenrolle spielte, es aber immerhin auf fünf Punkte pro Spiel brachte.
Zudem lief er in der Zweiten Bundesliga Süd für Ehingen auf und gehörte dort mit einer Quote von knapp 50 Prozent zu den erfolgreichsten Scharfschützen der Liga, obwohl er stets mindestens zwei Dreier pro Spiel nahm. Kein Wunder, dass auch die deutschen Bundesligisten auf ihn aufmerksam wurden. Den Zuschlag bekamen schließlich die Giessen 46ers und deren Kooperationspartner, der TV Lich. Der damalige Gießener Co- und heutige Cheftrainer Thorsten Leibenath zeigte sich schon damals von den Qualitäten des schmächtigen Scharfschützen begeistert: Buljevic sei ein ?gut ausgebildeter, intelligenter und für sein Alter ziemlich effizienter Spieler, der auch die notwendige Einstellung und den Willen mitbringt?.
Aus dem Plan, dass Buljevic zunächst für Lich in der zweiten Liga auflaufen sollte, wurde allerdings kaum etwas. Ganze sieben Spiele bestritt er dort, fand nie seinen Wurf und kam nur noch auf magere fünf Punkte pro Spiel, bevor er sich entschied, nicht mehr für Lich zu spielen und sich stattdessen voll auf Gießen zu konzentrieren. Im letzten Jahr erhielt er dort von Trainer Ken Scalabroni über zehn Minuten im Schnitt und gefiel mit starkem Einsatz und viel Willen, auch wenn sein Wurf noch immer Probleme bereitete.
In diesem Jahr steht der neue Trainer Thorsten Leibenath allerdings unter gehörigem Druck, muss er doch unter allen Umständen den Abstieg verhindern. Kein Wunder also, dass sich Buljevics Spielzeit reduziert hat. Buljevic allerdings lässt sich nicht hängen und versucht auch in seiner limitierten Spielzeit Akzente zu setzen: Er hat seinen wurf stabilisiert und ist dabei, sein Spiel vor allem im athletischen Bereich zu verbessern. Sein Trainer jedenfalls traut ihm einiges zu, Buljevic bringe alles mit, ?um sich auf höchstem deutschem Niveau durchzusetzen?, hatte dieser bereits bei Buljevics Verpflichtung verkündet. Bisher gibt es keinen Grund daran zu zweifeln.
Small Forward: Nikita Khartchenkov (Braunschweig), 18 Jahre (14.09.1989)
Der Sohn des berühmten, ehemaligen russischen Nationalspielers Alexander Khartchenkov, hat eine eher außergewöhnliche Geschichte hinter sich. Nur nach Deutschland gekommen, weil sein Vater hier als Trainer arbeitete, entschied er sich als damals 15-Jähriger, alleine in Deutschland zu bleiben, als seine Eltern nach Russland zurückkehrten. Schon damals groß gewachsen und mit einem tödlichen Dreier ausgestattet, waren gleich mehrere Bundesligisten an einer Verpflichtung des Teenagers interessiert. Dieser entschied sich schließlich für die Skyliners aus Frankfurt und deren Partner den TV Langen. Dort schnupperte er zunächst in der Regionalliga, später dann auch in der zweiten Bundesliga erstmals am Profi-Basketball.
Dann allerdings traf Khartchenkov eine eher ungewöhnliche Entscheidung: Er entschied sich nämlich, sich fortan zuerst einer guten Schulausbildung zu widmen und brach deshalb seine Zelte in Deutschland ab. Er kehrte nach Moskau zurück, wo er in der zweiten Mannschaft von Khimky Moskau auflief und von seinem Vater trainiert wurde. Nachdem er dort die Schule abgeschlossen und ein Fernstudium an der Universität Moskau aufgenommen hatte, lief er für die deutsche U20-Nationalmannschaft bei der EM in der Türkei auf. Obwohl er aufgrund eines gebrochenen Fußes einen Teil der Vorbereitung verpasste, wurde er zum besten deutschen Spieler des Turniers gewählt, musste mit der Mannschaft aber trotzdem den bitteren Abstieg in die B-Gruppe hinnehmen.
Immerhin lernte er aber dort den Nationaltrainer und Braunschweiger Vereinstrainer Emir Mutapcic kennen. Mutapcic gefiel Khartchenkovs Spiel, so dass man bald zu einer Einigung kam. Khartchenkov lief fortan hin und wieder für die New Yorker Phantoms Braunschweig in der Bundesliga sowie hauptsächlich für die SG Braunschweig in der zweiten Liga auf. Mit über 20 Punkten im Schnitt gehörte er dort zu den besten Scorern der Liga und traf vor allem sicher aus der Distanz. In diesem Jahr allerdings versucht er den Sprung in die Rotation des Braunschweiger BBL-Teams zu schaffen, bisher allerdings noch ohne Erfolg. Im starken Braunschweiger Team ist er zwar teilweise der einzige Deutsche, der aufläuft, kommt aber auch nur auf magere vier Minuten pro Spiel. Arbeitet er allerdings - vor allem in der Verteidigung - an seiner Schnelligkeit und entwickelt sein Spiel weiter, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Khartchenkov auch in der BBL eine größere Rolle spielen wird.
Power Forward: Fabian Thülig (Telekom Baskets Bonn), 18 Jahre (21.09.1989)
Neben dem Weltenbummler Khartchenkov wirken Fabian Thüligs bisherige Stationen eher bescheiden. Um genau zu sein gibt es nämlich nur eine: die Telekom Baskets Bonn. Folgerichtig lief er in der vergangenen Saison auch für deren NBBL-Mannschaft auf, das Team Bonn/Rhöndorf. Das Spiel, dass ihn dabei vielleicht am besten beschreibt, fand im vergangenen Jahr im Achtelfinale der NBBL statt. Nachdem man im Hinspiel zu Hause mit zehn Punkten unterlegen war, standen die Chancen für ein Weiterkommen in Berlin eher schlecht. Drei Viertel lang blieb Thülig dort unauffällig, nahm kaum einen Wurf und kam auf gerade einmal acht Punkte. Doch dann, im entscheidenden Viertel, explodierte er, machte alleine 15 Punkte und führte sein Team zu einem 92:74-Triumph. Anschließend schaltete man im Viertelfinale noch den rheinischen Rivalen aus Köln aus und zog ins Final Four ein, wo man einen beachtlichen dritten Platz belegte (LINK).
Diese Leistungen sind auch anderen nicht verborgen geblieben, so dass Thülig im vergangenen Jahr für die U18-Nationalmannschaft nominiert wurde und seinen Teil dazu beitrug, dass man bei der EM in Spanien einen beachtlichen neunten Platz belegte. Diese Saison läuft er erneut in der BBL auf, steht aber auch im Kader des Bundesligateams, ohne allerdings großartig Einsatzzeit zu bekommen. In der NBBL hingegen gehört er erneut zu den besten Spielern und wird folgerichtig auch beim Rookie-Game der BBL beim All-Star-Day auflaufen.
Auf Dauer allerdings wird Thülig Probleme mit seiner Position bekommen. Seine derzeitige Spielweise ähnelt der eines Power Forwards, mit Post Moves und Spiel mit dem Rücken zum Korb. Mit nur 1,98 Meter ist er dafür aber eigentlich etwas klein geraten. Als Flügelspieler hingegen ist er allerdings ein wenig zu langsam, und auch sein Dreier ist zwar ab und an zu gebrauchen, aber weit davon entfernt, eine sichere Waffe zu werden. Ob und wie es ihm gelingen wird, mit den großen und schweren Jungs in der BBL in der Zone zu konkurrieren, wird darüber entscheiden, ob Thülig später auch einmal gegen das BBL-Team von Alba Berlin wird groß auftrumpfen können. Die Skills dazu sind jedenfalls vorhanden.
Center: Tibor Pleiß (Köln 99ers), 18 Jahre (02.11.1989)
Er ist 2,13 Meter groß und besitzt dazu riesig lange Arme. Eigentlich hat Tibor Pleiß Gardemaß für einen Center. Das Problem ist allerdings sein Gewicht. Angeblich wiegt er zwar mittlerweile immerhin 110 Kilogramm und hat damit im vergangenen Jahr um stolze 15 Kilogramm zugelegt. Tatsache ist aber, dass er noch immer eher einem Leichtgewicht ähnelt und damit hin und wieder Probleme beim Rebound bekommt ? insbesondere wenn es gegen Gegner in ähnlicher Größenordnung geht. Sich mit diesen Gegnern zu messen, dürfte dann auch der nächste Schritt in Pleiß? Karriere sein, scheinen ihm doch in der NBBL die Gegner auszugehen.
Bereits letztes Jahr war er einer der besten Rebounder der NBBL, konnte sich aber offensiv noch nicht wirklich in Szene setzen, vor allem weil er oftmals zu phlegmatisch agierte anstatt aggressiv den Abschluss am Korb zu suchen. Dies kam insbesondere beim bitteren Viertelfinal-Aus gegen das Team Bonn/Rhöndorf zum Vorschein. Trotzdem wurde er für die U18-Europameisterschaft nominiert und durfte dort als Center starten. Dafür bedankte er sich mit zehn Punkten und neun Rebounds im Schnitt sowie einer 50-prozentigen Wurfquote.
In dieser Saison scheint Pleiß nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung hin zum dominanten Offensivspieler gemacht zu haben. Nachdem er die ersten drei Spiele verpasste, weil er in der Bundesligamannschaft aushelfen musste, kehrte Pleiß am vierten Spieltag in die NBBL zurück und dominiert seitdem zusammen mit Phillip Schwethelm die Nachwuchsliga. 23 Punkte und 13 Rebounds pro Spiel bei einer Wurfquote von 67 Prozente sprechen Bände.
Eigentlich sollte Pleiß dafür auch mit einer Einladung zum Rookie All-Star-Game belohnt werden. Er brach sich allerdings vor kurzem den Fuss und musste die Teilnahme absagen. Kann Pleiß nach seiner Verletzung an die zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen, wird über kurz oder lang auch Sasa Obradovic (Head Coach der Köln 99ers) längerfristig nicht an ihm vorbeikommen und er seinen Platz in der Bundesligamannschaft finden.



von rodman10 18.01.08 um 19:21:25
Merkt euch auch den Namen: HARRIS, Elias
mehr unter: www.diejungeliga.de
von k4utz1 18.01.08 um 23:31:44
der harris wird wohl im ersten team sein
was der da abzieht in der pro B :D
hab ihn vor 2-3 jahren mal gesehn, hammer hart
von rüdi 19.01.08 um 08:43:36
Blick auf die Deutschen?
von c-dub 19.01.08 um 19:07:08
auch wenn es sich nicht so anhört aber harris ist deutscher ;) (geanu wie garret, green usw)
klassische deutsche namen...aber der junge is einfach hammer gut, mit 16 jahren is der in der regionalliga schon ziemlich abgegangen...hat alle tools und auch schon was an muskeln auf den knochen
von Tomdawg 19.01.08 um 19:23:03
... und nicht zu vergessen: Er wurde vor wenigen Stunden erneut MVP des All-Star-Spiels der besten Nachwuchsspieler ;)
von Blackhawk 20.01.08 um 10:38:48
den kennt ihr sicher nicht aber julien lippert ist in ein zwei jahren auch ne große nummer (17 jahre) ist erst seit zwei monaten in der nbbl und topscorer, sowie rebounder seines teams als SF....
von HouseBaller 20.01.08 um 13:18:18
Aber ich fand die Nummer 9 deutlich besser,er war deutlich wichtiger^^
also beim rookiegame
von Bratfisch 27.03.08 um 00:18:33
@Max: Wo hast du die Daten zu Khartchenkov her? Der Junge ist Jahrgang 1987, 12. Januar!
Und wie Redemption im Forum angemerkt hat: Was ist mit den anderen Teilen?