Blick auf die Deutschen
Einzelkämpfer, Talente, Heldentaten...
Auch hinter den Nationalspielern und Allstars laufen in der BBL interessante deutsche Spieler auf. Wir schauen, wie sich die Jungs aus der zweiten Reihe so geschlagen haben.
Von Max Lambertz |
27.12.2007 | |
Die Einzelkämpfer
Wenn Gordon Geib (Foto)auf dem Spielfeld Deutsch reden möchte, hat der mittlerweile 24-Jährige genau zwei Möglichkeiten: Entweder er wendet sich an einen deutschen Gegenspieler oder guckt, ob einer der beiden auf der Bank sitzenden Spöler-Zwillinge vielleicht Zeit für einen kleinen Plausch hat. Keine fünf Jahre nachdem man in Leverkusen mit einem Konzept antrat, dass auf deutschen Leistungsträgern basierte, ist Geib so etwas wie der letzte Überlebende in einem ansonsten von Amerikanern dominierten Team. Zu Saisonbeginn sah es zumindestens noch so aus, als könne Geib sich gegen die Konkurrenz behaupten. Doch nachdem er an den ersten beiden Spieltagen zwar stark aufspielte, die Giants aber beide Spiele verloren, verpflichteten die Verantwortlichen kurzerhand Altmeister Tyron McCoy (zuvor u.a. in Frankfurt und Oldenburg).
In der Folge zeigte sich, dass Geib zwar in seine mittlerweile achte Saison geht, seine Entwicklung aber weitestgehend stagniert ist. Sein Wurf ist unkonstant wie eh und je, so dass Geib es in den letzten zehn Spielen auf eine unterirdische Wurfquote von 30 Prozent aus dem Feld bringt. Zwar ist seine Defense noch immer sehr bemüht und auch sein Aufbauspiel sehr sicher und abgeklärt, doch fehlt auch hier noch das gewisse Etwas, was einen mittelmässigen Point Guard von einem richtig guten unterscheidet. Im letzten Spiel gegen Science City Jena zeigte Geib immerhin mal wieder vermehrt seinen energischen Zug zum Korb und konnte für Punkte von der Freiwurflinie sorgen.
Noch schlechter als für Geib ist die Situation momentan für Matthias Goddeck. Der hochtalentierte Aufbauspieler hatte vor der Saison einige Angebote aus der Pro A ausgeschlagen, weil er gute Chancen sah, es in Leverkusen in die Rotation zu schaffen. Spätestens nach McCoys Verpflichtung ist diese aber voll, so dass Goddeck in dieser Saison noch keine Minute Bundesligaluft schnuppern konnte. Stattdessen läuft er für die Leverkusener Regionalliga-Mannschaft auf. Es scheint aber ausgemachte Sache, dass dies seine letzte Saison in Leverkusen sein wird. Die Jagd auf ihn ist also eröffnet.
Jan Lipke in Bremerhaven hat zumindestens den Sprung in die Rotation des nördlichsten Bundesligisten geschafft. Da sein Trainer Sakalauskas nicht gerade für die Förderung deutscher Talente bekannt ist, ist das schon eine Leistung. Allerdings leidet sein Spiel noch unter erheblicher Unkonstanz. Guten Spielen wie gegen Trier und Leverkusen ? in denen er jeweils elf Punkte auflegte und hochprozentig aus dem Feld traf - folgen immer wieder auch schwache Auftritte. Dies allerdings hat zum Teil auch seinen Grund in höchst schwankenden Einsatzzeiten, so dass Lipke teilweise kaum seinen Rhytmus finden konnte.
Noch trauriger ist allerdings die Situation bei Lipkes ehemaligem Verein in Braunschweig: Nach der Verletzung von Peter Fehse gibt es dort keinen deutschen Spieler mehr mit ernsthaften Ambitionen für zweistellige Minutenzahlen. Die beiden Talente Nikita Khartchenkov und Flavio Stueckemann bekommen zwar ab und an die eine oder andere Minute, wenn das Spiel aber in die entscheidende Phase geht, sitzen beide nur auf der Bank. Vorwürfe kann man Trainer Mutapcic deswegen im Moment aber eher keine machen. Immerhin ist Braunschweig so gut platziert wie seit Jahren nicht mehr, und weder Stueckemann noch Khartchenkov haben sich mit ihren bisherigen Leistungen aufgedrängt.
Jeden Menge Minuten bekommt Marius Nolte in Paderborn. Dieser ist nun mittlerweile im zweiten Jahr in Folge der zweitbeste deutsche Center der Liga ? erst hinter Robert Maras, nun hinter Patrick Femerling ? ; wirklich wahrgenommen werden seine Leistungen außerhalb Ostwestfalens allerdings nicht. Zu Unrecht: Ist Nolte doch ein Kämpfer vor dem Herrn, der dahin geht, wo es wehtut, den man aber auch immer im Lowpost anspielen kann. Von dort aus verwandelt er seine Würfe dann hochprozentig. So traf er in den letzten vier Spielen 65 Prozent seiner Zwei-Punkte-Würfe. Damit hat er nicht unwesentlichen Anteil daran, dass Paderborn nach miserablem Saisonstart mittlerweile die Abstiegsränge verlassen hat, obwohl Starting Center Greg Jenkins zwischenzeitlich in den USA weilte.
Auf Dauer könnte Nolte so zu einer Kultfigur werden, wie es Jan Rohdewald heute in Quakenbrück schon ist. Der 34-jährige Haudegen drückt dort zumeist die Bank, verrichtet seine Arbeit in den limitierten Minuten aber mit beeindruckender Effektivität. Oftmals kommt Rohdewald, wenn es bei seinem Team gerade nicht so gut läuft, streut dann den ein oder anderen Dreier ein, reißt Fans und Mitspieler wieder mit und leitet somit einen Lauf der Dragons ein. Anschließend setzt er sich dann wieder ohne zu murren auf die Bank. Zuletzt aber hatte er ein wenig Pech an den Fingern und traf in den letzten fünf Spielen nur magere 23 Prozent seiner Dreier. Ein Wert, den man sonst eigentlich nicht von ihm gewohnt ist. Die Fans der Artland Dragons hat dies aber nicht daran gehindert, Rohdewald in die Starting Five des Nordens beim diesjährigen All-Star-Game zu wählen.
Die Talente
Des einen Leid ist oftmals auch des anderen Freud. Denn während bei Alba Berlin die Spieler reihenweise mit kleineren und größeren Verletzungen zum Pausieren gezwungen werden, kann Phillip Zwiener die so entstehende Zeit auf dem Feld für Eigenwerbung nutzen. Seine Statistiken sehen dabei zwar nicht wirklich berauschend aus, doch Zwiener ackert in der Defense, hält auch im Post gut dagegen und ist offensiv zumindest nicht völlig impotent. Sein ganzes Potential kann er bei Alba zwar momentan noch nicht entfalten; er deutet dies aber oftmals in der Pro B beim Tus Lichterfelde an, wo er zu den besten Spielern der Liga gehört.
Normalerweise nur dort auflaufen würde Phillip Heyden. Doch weil Johannes Herber (Kreuzbandriss) und Nicolai Simon (anhaltende Rückenprobleme) momentan verletzt ausfallen, muss Heyden oftmals als dritter Deutscher mit auf der Bank sitzen, um die von der Liga vorgegebene Quote zu erfüllen. Spielen darf er allerdings nie. Im Uleb-Cup muss er zudem ab und an auf der Bank aushelfen, damit Berlin die vorgeschriebene Mindestanzahl an Spielern aufbieten konnte. So kam es, dass Heyden im schon jetzt legendären Fünf-Verlängerungen-Spiel gegen Bosna mit einem krachenden Dunk plus Foul einen würdigen Schlusspunkt setzen konnte.
Sich dauerhaft in der ersten Liga zu etablieren ? das ist auch das Ziel von Heiko Schaffartzik. Dieser hatte die Saison in der Regionalliga beim Berliner Verein Central Hoops begonnen, sich schnell als zu gut für diese Liga erwiesen. Nun hat EnBW Ludwigsburg ihn unter Vertrag genommen und gibt ihm ordentlich Spielzeit. Und Schaffartzik macht das, was er kann. Er wirbelt herum und findet immer wieder den freien Mitspieler, wodurch er es auf knapp vier Assists pro Spiel in den letzten drei Wochen bringt. Sein Wurf allerdings ist noch stark verbesserungswürdig, vor allem von der Dreierlinie schießt er noch jede Menge Fahrkarten. Für Schaffartzik musste allerdings David McCray aus der Rotation weichen, der sich konzentriert fortan ? trotz guter Budesligaspiele ? wieder auf die Kirchheim Knights in der Pro B konzentriert.
Regelmäßig in der Bundesliga auflaufen darf mittlerweile auch Marko Buljevic. Der Nachwuchsscharfschütze hat seine Spielminuten im Laufe der Saison sogar steigern können und bedankte sich dafür in seinen letzten drei Spielen, als er vier seiner acht Dreier traf und damit seine Qualitäten aus der Distanz unter Beweis stellte.
Deutsche Heldentaten
Yassin Idbihi ist kein Spieler, der viel punkten muss, um ein Spiel zu beeinflussen. Dank vollem Einsatz, viel Spielverständnis und gutem Rebound-Verhalten, kann er auch mit null Punkten schonmal ein gutes Spiel gemacht haben. Genau dies scheint er beim Spiel gegen die Brose Baskets Bamberg versucht zu haben, als er 39 Minuten lang keinen einzigen Treffer aus dem Feld landen konnte. Dann allerdings stand Misan Nikagbatse wenige Sekunden vor Schluss an der Freiwurflinie, hatte noch einen Freiwurf, der Kölner Rückstand betrug jedoch noch zwei Punkte. Logisch, dass Nikagbatse den Ball verwarf. Idbihi reagierte anschließend am schnellsten, erkämpfte sich den Rebound und netzte zur Verlängerung ein. Diese konnten die Kölner dann für sich entscheiden und stürzten den deutschen Meister damit in die schon obligatorische Winterkrise.
Emeka Ereges Saison war lange Zeit von einer langwierigen Verletzung beeinträchtigt, die dafür sorgte, dass er von den ersten acht Partien nur in einer einzigen mitwirken konnte. Im Spiel gegen die EWE Baskets Oldenburg machte er aber all das vergessen. Sekunden vor Schluss führte Oldenburg noch mit zwei Punkten, und als Jason Gardner unter dem Korb den völlig freien Bigman Branimir Longin fand, schien das Spiel endgültig entschieden. Doch der Oldenburger versemmelte den einfachen Korbleger, Gibbs angelte sich den Rebound, spielte den Pass zu Erege und dieser drückte noch in der eigenen Häfte ab. Der Ball wurde immer länger und länger und landete letztlich tatsächlich im Korb der Gastgeber, wodurch Erege nicht nur seinen ersten Dreier der Saison verwandelte, sondern die EWE-Arena auch zu einem Ort fassungslosen Entsetzens machte.



von Le-Roi-Diaw 28.12.07 um 02:10:31
Mal ne frage warum wird eigentlich emeka erege aufgelistet? der ist doch von der normalen staatsangehörigkeit doch nigerianer und hat doch den deutschen pass nur als zweitpass oder ?
von Jensen 28.12.07 um 13:41:04
ich studiere kein jura, aber ich denke, dass es bei der doppelten staatsangehörigkeit keinen "ersten" und "zweiten" pass gibt, sondern beide staatsangehörigkeiten "gleichberechtigt" sind, zumindest formal. es kommt dann wohl noch darauf an, in welchem der beiden länder der mensch wohnt. in deutschland ist erege deutscher, also mit allen pflichten und rechten.
zum beispiel dem recht, in unserem rückblick zu erscheinen ;)
von TNT 29.12.07 um 02:18:43
Den Wurf von Schaffartzik als stark verbesserungswürdig zu bezeichnen finde ich etwas übertribieben. Zwar fällt er im Moment nicht, trotzdem ist er insbesondere von der Dreierlinie ein Schütze vor dem Herren.
von Veritas 31.12.07 um 17:02:03
Man hätte auch durchaus Artur Koloziesjski von den Telekom Baskets Bonn erwähnen sollen:
Nachdem er durch die Verletzung von SG und S5'ler Winsome Frazier mehr Spielzeit erhält, nutzt er sie in den letzten 3 Spielen in knapp 22 Minuten mit 13,67 pkt bei 75% und 9 von 13 dreiern!
Zuletzt das Spiel gegen Berlin wo er mit 5/5 Treffern (100 %, 3 davon von jenseits der 3-Punkte-Linie) auf insgesamt 14 Punkte, 4 Rebounds, 2 Assists und 2 Steals kam.
Durchaus gute Zahlen von einem sogenannten "Role-Player" !
von Veritas 31.12.07 um 17:28:44
Man hätte auch durchaus Artur Koloziesjski von den Telekom Baskets Bonn erwähnen sollen:
Nachdem er durch die Verletzung von SG und S5'ler Winsome Frazier mehr Spielzeit erhält, nutzt er sie in den letzten 3 Spielen in knapp 22 Minuten mit 13,67 pkt bei 75% und 9 von 13 dreiern!
Zuletzt das Spiel gegen Berlin wo er mit 5/5 Treffern (100 %, 3 davon von jenseits der 3-Punkte-Linie) auf insgesamt 14 Punkte, 4 Rebounds, 2 Assists und 2 Steals kam.
Durchaus gute Zahlen von einem sogenannten "Role-Player" !