Beko BBL
Lasst die Spiele beginnen!
Basketball-Deutschland steht vor bedeutsamen Tagen: Am Montag startet die Beko BBL in die 46. und wohl stärkste Saison aller Zeiten. Nie war der Wettbewerb dichter, nie gab es mehr Topspieler – und selten war die Gelegenheit günstiger, ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit vorzudringen. Die Liga könnte anno 2011/2012 vor dem großen Wurf stehen.
Von Joshua Wiedmann |
03.10.2011 | |
Jan Pommer (Foto) schlug alles Mögliche entgegen –uneingeschränkte Zustimmung war selten dabei. „Wir wollen im Jahr 2020 die stärkste Liga Europas sein“, hatte Pommer im Rahmen des BBL All-Star Days 2011 in Trier verkündet. Sowohl in puncto Medieninteresse als auch in sportlicher Hinsicht wolle die Beko BBL die spanische ACB als besten nationalen Wettbewerb in Europa ablösen, hatte der Geschäftsführer auf dem Großevent im Januar bekräftigt.
Dass er mit seiner Aussage auf Kritik und Skepsis stoßen und sich zugleich einigen Druck aufhalsen würde, dürfte dem 40-Jährigen wohl bewusst gewesen sein. Auf welche Weise die BBL das ehrgeizige Ziel ihres Chefs erreichen sollte, entzog sich zu diesem Zeitpunkt dem Vorstellungsvermögen der Basketball-Gemeinde. Wie sollte die Bundesliga in weniger als zehn Jahre die hochklassigen Ligen im Süden Europas einholen? Ligen, in denen mancher Absteiger über mehr Geld verfügt als deutsche Playoff-Teilnehmer. Woher sollte plötzlich das TV-Interesse für Spiele kommen, die zuletzt gerade einmal 70.000 Zuschauer im Schnitt im Fernsehen hatten sehen wollen? Ohnehin: Wie sollte eine Sportart die internationale Spitze erreichen, wenn sie nicht einmal national die Nummer eins ist? Pommers ehrgeizige Zielsetzung begleiteten viele Fragen, aber wenige Antworten.
Ein Aufsteiger, der keiner ist
Kein Dreivierteljahr später steht die einst kontroverse Äußerung in einem anderen Licht. Das Trachten des BBL-Bosses hat sich zwar nicht kurzfristig als weise Vorahnung erwiesen, ist aber inzwischen zumindest mehr als eine vage Vision. Denn an der Front tut sich etwas. Wenn die BBL am Montag in die neue Spielzeit startet, erwartet Basketball-Deutschland die wohl stärkste Bundesliga aller Zeiten. „Wir sind in die richtige Richtung unterwegs“, sagt ein zufriedener Jan Pommer mit Blick auf den Saisonbeginn. „Es gibt sehr viele positive Entwicklungen.“
Eine davon ist zweifellos der FC Bayern München. Im Zeitraffer sind die Münchener von einer grauen ProA-Maus zum Basketball-Krösus mutiert. Unter der Schirmherrschaft von Uli Hoeneß gelang dem FCB quasi mühelos der Aufstieg in die Bundesliga. Der Vereinspräsident kalkuliert in der kommenden Saison bereits mit einem Etat von „sieben bis acht Millionen“ – damit katapultieren sich die Bayern direkt unter die Schwergewichte der Liga. Der neue Kader der Münchener beinhaltet insgesamt vier aktuelle A-Nationalspieler (Steffen Hamann, Robin Benzing, Philipp Schwethelm, Jan Jagla (Foto)) sowie mehrere klangvolle Namen des europäischen Basketballs. „Was da heranwächst, ist bislang einzigartig im deutschen Basketball“, betont Pommer.

Profitieren vom Lockout
Dass in der Beko BBL in der nächsten Saison das vermutlich ausgeglichenste Teilnehmerfeld aller Zeiten an den Start gehen wird, ist zweifellos auch mit dem Geschehen in der NBA verknüpft. Der Lockout (Streik) in der nordamerikanischen Profiliga hat schon in diesem Sommer erste Auswirkungen gezeigt: Diverse Spieler, die sonst um einen Platz in der besten Basketball-Liga der Welt gekämpft hätten, haben den Weg nach Europa angetreten. Die talentierten US-Amerikaner Jon Leuer (Frankfurt), Kenny Hasbrouck (Oldenburg) oder Gilbert Brown (Würzburg) galten als NBA-Kandidaten, ehe im Juli der Lockout einsetzte. Dank des Streiks in der besten Liga der Welt gab es selten mehr NBA-Potenzial in der Beko BBL als heute.
Die Bundesliga profitiert allerdings nicht nur vom Tarifkampf in den USA. Auch dem europäischen Basketball stehen teils schwere Zeiten ins Haus. Die Geldknappheit in den Ligen Griechenlands oder Spaniens geht mittlerweile d’accord mit den Finanzkrisen in den betroffenen Ländern. „Die Situation ist besorgniserregend“, unterstreicht der spanische Staatssekretär für Sport mit Blick auf die ACB. Die Verschuldung anderer Ligen ist zum Vorteil der BBL geworden. Während im Süden Gehälter immer öfter mit Verzögerung (oder gar nicht) gezahlt werden, kann sich die Bundesliga mit ihrer Beständigkeit brüsten. „Hier weißt du, dass du dein Geld pünktlich auf dem Konto hast“, bestätigt Oldenburgs Bobby Brown. Der Guard wechselte im Sommer vom griechischen Halbfinalisten Saloniki zu den „Donnervögeln“. Vor einigen Jahren noch wäre solch ein Transfer wohl nahezu unmöglich gewesen.
Eine Liga vor dem Boom
Einzelkönner wie der frühere NBA-Akteur Brown haben Anteil daran, dass der Fanzuspruch für die Bundesliga immer größer wird. Der Wettbewerb ist attraktiver denn je. Hierfür ist die große Auslastung der BBL-Hallen ein klares Indiz: Die Zuschauerzahlen steigen seit nunmehr zehn Jahren von Saison zu Saison. In der vergangenen Spielzeit kamen erstmals in der Ligageschichte durchschnittlich mehr als 4.000 Basketball-Fans in die Hallen. „Im europäischen Vergleich sind wir da schon deutlich die Nummer zwei“, sagt Jan Pommer. Nur noch die spanische Liga ACB zieht mehr Publikum zu ihren Spielen.
Leider war die BBL bislang hauptsächlich an den Bundesliga-Standorten eine große Nummer, deutschlandweit dagegen häufig eine sportliche Randnotiz. Doch Besserung ist in Sicht. Im Sog des FC Bayern München könnte sich die BBL demnächst öfter in den Medien wiederfinden. „Von der Strahlkraft der Marke wird die Liga profitieren“, glaubt Sport1-Geschäftsführer Zeljko Karajica, der sich auch für die Live-Spiele seines Senders einen Quotenanstieg erhofft. Das „Projekt FCB“ interessiert die Öffentlichkeit – und das ist positiv für die BBL.
Ebenfalls „nur gut tun“ (Jan Pommer) kann dem Basketball hierzulande der Triumphzug des Dirk Nowitzki (Foto): Mit dem frischgebackenen NBA-Champ als Leitfigur stand die Nationalmannschaft bei der EM in Litauen plötzlich im Rampenlicht, auch wenn der große Erfolg des DBB-Teams ausblieb. Schon die Vorbereitungsspiele des deutschen Teams war fast restlos ausverkauft gewesen. Lange nicht mehr war das Interesse am Basketballsport hierzulande größer.

Foto: Sebastian Hader / court-vision.de
Wer sich im Zuge der „Dirk-Mania“ mit dem Basketball-Virus infiziert, könnte in den kommenden Wochen und Monaten auch an der Beko BBL Gefallen finden. Denn selten war es einfacher, sich für die Bundesliga zu begeistern. Mit Berlin, Bamberg und München gibt es drei Schwergewichte, die sich in noch vielen epischen Schlachten gegenüber stehen werden. Das Teilnehmerfeld ist das dichteste aller Zeiten; eine formidable Prognose der Playoff-Teilnehmer ist schier unmöglich. Die Bundesliga ist auf ihrem vorläufigen Höhepunkt angelangt. Und wenn es nach Jan Pommer geht, ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.



von Hackenbusch 03.10.11 um 12:17:49
Mit Gary Flowers wurde hier aber ein schlechtes Beispiel gewählt.
Zitat von dieser Seite vom 30.08.: "Die Eisbären Bremerhaven haben den Vertrag mit Gary Flowers aufgelöst. Der US-Amerikaner, der erst Anfang August verpflichtet worden war, hatte die Verantwortlichen der Eisbären in einer ersten Tryout-Phase nicht überzeugen können."
von Sevent 03.10.11 um 12:34:24
@Hackenbusch: Danke für die Info!