Basketball in Deutschland

Zeit des Umbruchs

Die Giants Düsseldorf stehen als zweiter sportlicher Absteiger dieser Saison fest. Trotz großen Kampfs verloren die Rheinländer mit 71:72 gegen die BG Göttingen und den direkten Vergleich gegen die Konkurrenz aus Hagen. Wie es bei den Rheinländern weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen.

Von Thomas Käckenmeister
 28.04.2010 |

Vorbei die Zeit der Derbys, vor die Zeit der Rivalitäten und hitzigen Gefechte im Rheinland. Nach den Köln 99ers, die 2009 den Profibetrieb einstellen mussten, verliert die Region binnen kürzester Zeit einen weiteren Erstligisten. Die Giants Düsseldorf sind seit dem 27. April 2010 zweitklassig, die 71:72-Pleite vor eigenem Publikum war das Zünglein an der Waage, das den Gang ins Unterhaus besiegelte.

Zur Saison 2008/09 folgte der Umzug der Giants von Leverkusen nach Düsseldorf. Dort sollte gewissermaßen ein Neuanfang starten, von einem "Projekt" war vielerorts die Rede, denn neben dem BBL-Standort Düsseldorf blieb in der Leverkusener Heimat der Fokus aus den Nachwuchs (ProB) gerichtet.

Nun also bröckelt innerhalb eines Jahres die Struktur in Nordrhein-Westfalen. Das Kölner BBL-Team ist nicht mehr da, die Giants Düsseldorf spielen wohl - wenn überhaupt - künftig in der ProA. Einzig die Telekom Baskets Bonn und die Nutznießer des Düsseldorfer Abstiegs, Phoenix Hagen, halten die Fahne der Erstklassigkeit in der Region hoch. In diesem Fall aber von einem Traditionsduell zu sprechen, ist grob fahrlässig. Die Donnervögel entstanden 2004 aus der 2. Bundesligamannschaft der BG Hagen und sind keinesfalls mit den altehrwürdigen Zwiebäcken von Brandt Hagen zu verwechseln.

Was bleibt sind somit zwei BBL-Clubs, der eine am oberen, der anderen am unteren Tabellenende und ab der Saison 2010/11 voraussichtlich gleich vier Mannschaften auf engstem geografischen Raum, die in der ProA ihr Glück versuchen werden. Neben den Giants und den ETB Wohnbau Baskets aus Essen kommen die zwei ProB-Aufsteiger aus Herten und Rhöndorf hinzu.

Noch ist aber die Zusammensetzung der drei oberen Basketballligen in Deutschland (Beko BBL, ProA, ProB) nicht endgültig. Theoretisch besteht für Düsseldorf die Chance auf eine Wildcard-Vergabe im Juli, da ProA-Vizemeister Cuxhaven auf den Aufstieg verzichtet. In der Praxis sieht das aber etwas anders aus, denn für den Verbleib im Oberhaus fehlt den Giants schlicht und ergreifend der finanzielle Spielraum. Von bis zu 400.000 Euro ist da die Rede. Hinzu kommt ein "Startgeld" für die BBL in Höhe von 100.000 Euro.

Hansi Gnad, der während der Saison das Ruder als Head Coach von Achim Kuczmann bei den Giants übernahm, stellt im Online-Portal derwesten.de fest, dass "der Klub eben finanziell nicht in Ordnung ist". Trotzdem scheinen die Verantwortlichen alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um den Basketball in Düsseldorf zu retten. Allerdings kursieren derweil auch schon Gerüchte, dass der Klub möglicherweise gar nicht in der zweiten Liga antreten könnte.

Es scheint sich also Geschichte zu wiederholen, wenn eine Stadt zwar sportlich mitspielt, das Potential aber wegen der Konkurrenz anderer Sportarten nicht ausschöpfen kann. In Köln wie auch in Düsseldorf liegen die Parallelen auf der Hand. Es gibt u.a. Fußball (1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf) und Eishockey (Haie, DEG Metro Stars) in beiden Städten. Da überschneiden sich Spieltermine schonmal und Sponsoren konzentrieren sich in der Regel hauptsächlich auf die beliebten bzw. besser besuchten Sportarten. Gleiche Probleme gibt es in Hamburg, Leipzig und München - attraktive Standorte mit enormem Potential, jedoch auch einer Pluralität an Bundesligisten, die Zuschauer und Sponsorengelder für sich beanspruchen.

Wie es letztlich mit den Giants Düsseldorf weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten entscheiden. Nicht nur im Rheinland müssen sich die Fans dann wohl auf neue Gegner, Hallen und Anfahrtswege einstellen. Auch die ProB soll ein neues Gesicht bekommen. Ab der Saison 2010/11 treten dort 24 Teams (bisher 16) an, die in einer geografisch unterteilten Doppelliga (jeweils zwölf Mannschaften, Nord/Süd-Staffel) um Auf- und Abstieg kämpfen werden.

Es wird also noch viel Wasser den Rhein herunterfließen, ehe die Mannschaften für die oberen Ligen hierzulange feststehen. Für Düsseldorf sieht es aktuell relativ unwahrscheinlich aus, aber nicht unmöglich, die Klasse zu halten. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", flüchtet Gnad in Durchhalteparolen.




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von Webocat 28.04.10 um 15:26:04


Echt schade, einst noch Serienmeister (Leverkusen) und vor ein paar Jahren noch ordentlich mitgespielt...



von Äneas 28.04.10 um 23:31:12


Nicht mal 400.000€ können sie generieren? Selbst für die ProA sind ab 10/11 bereits 350.000 Pflicht. Schade, von Anfang an waren die Ziele in Düsseldorf zu hoch gegriffen.

Schade, ich fand bereits die Entlassung von Kuczmann für selten dämlich. Nichts gegen Gnad, aber wirklich "flashy" ist er nicht. Winters, Archibong und Bailey hätten eigentlich für den Klassenerhalt reichen müssen.



von tamarindenpulpe 29.04.10 um 10:13:31


Die Entlassung von Kuczmann kam einfach nur viel zu spät.... ich weiß nicht wie so jemand Trainer des Jahres werden konnte, von Spielzügen oder ähnlichem hat der wohl nie was gehört, da gab es nur wildes Rumballern von der Dreierlinie. Und obwohl Gnad kaum Zeit hatte was zu ändern konnte man in manchen Spielen Verbesserungen sehen. Das Problem ist dass die Mannschaft allein in der Hinrunde gefühlte 10 mal nach OT verloren hat oder in den letzten Sekunden die Siege durch fehlende Cleverness verspielt hat. Mit nur ein bisschen Glück wäre die Mannschaft wirklich niemals abgestiegen...



von tamarindenpulpe 29.04.10 um 10:18:14


Außerdem spielt Winters wie ne Schlaftablette und nimmt nur seine Dreier und Bailey is ständig verletzt und glänzt auch gerne mit wilden, unnötigen Würfen.



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