Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Basketball in Deutschland

Würzburgs weiter Weg

Die s.Oliver Baskets Würzburg stehen kurz davor, den dritten Aufstieg innerhalb von drei Jahren perfekt zu machen und sich einen Platz in der Beko BBL zu sichern. Aber das Management der Franken möchte die Euphorie etwas bremsen, weil die erste Liga noch ein gutes Stück weit entfernt ist.

Von David Hein
 27.02.2011 |

Beim Spitzenspiel am 20. Februar gegen Tabellenführer FC Bayern München kamen die Würzburger nicht mit dem Blitzstart der Bayern zurecht. Vor der berauschenden Kulisse von 12.200 Zuschauern in der Münchner Olympiahalle schienen die Unterfranken anfangs zu beeindruckt.

Nach nur zehn Minuten lagen die Gastgeber schon mit 31:14 in Führung. Im zweiten Abschnitt wuchs der Vorsprung sogar auf 22 Punkte an. Würzburg fand daraufhin endlich zu seinem Spiel. Dank Lee Jeka verkürzten die Gäste bis auf einen Punkt in den letzten vier Minuten. Danach zeigte sich die Erfahrung der Bayern, das Spiel endete 82:75. Den Würzburgern bleibt im Nachhinein nur der Gedanke an den Konjunktiv: Wie wäre die Partie wohl ausgegangen, wenn sie zu Beginn besser ins Spiel gefunden hätten?

„Es war absolut die Nervosität. Da sieht man den Unterschied, dass die Bayern eine Erstligamannschaft auf dem Platz haben, die es gewöhnt ist, vor solch einer Kulisse aufzutreten. Und wir haben – sagen wir im Vergleich zu den Bayern – nur eine gute Zweitligamannschaft, die so ein Event und so ein Publikum nicht gewöhnt ist. Das war unser Untergang im ersten Viertel“, lautete das Fazit des Würzburger Geschäftsführers Jochen Bähr nach der Niederlage.

Trotz des Misserfolgs sind die s.Oliver Baskets nach wie vor auf dem zweiten Tabellenplatz. Die Unterfranken haben jedoch eine wichtige Lehre aus dem Spiel ziehen können: Man muss von Anfang an hell wach sein.

„Man muss immer darauf gefasst sein, dass der Gegner seinen härtesten Schlag gleich am Anfang auspackt. Und wenn man dafür nicht gewappnet ist, dann kann es ganz schnell so sein, dass man schon im ersten Viertel in eine Situation kommt, in der das Spiel fast verloren scheint“, sagte Schröder nach dem Bayern-Spiel.

„Wir können erneut daraus lernen – aber das haben wir schon mehrfach in dieser Saison gezeigt –, dass wir mit Kampf und Leidenschaft auch aus einer aussichtlosen Situation heraus Spiele wieder drehen und sogar gewinnen können.“

Diese Lehre wird enorm wichtig sein, denn im nächsten Spiel empfing Schröders Truppe die GiroLive-Ballers Osnabrück mit dem Ziel, den zweiten Platz bis zur Saisonende zu verteidigen. Nach der Pleite bei den Bayern rehabilitierten sich die Würzburger schließlich mit 95:72.

Während die Würzburger vergangenes Wochenende in München verloren, gewann der BV Chemnitz 99 mit 76:77 in Osnabrück und 77:73 gegen Cuxhaven, um den Rückstand hinter Würzburg auf zwei Punkte in der Tabelle zu verkürzen. Die Crailsheim Merlins liegen einen weiteren Punkt dahinter auf dem vierten Rang.

Coach Marcel Schröder: "Keine Mannschaft unterschätzen"

„Gegen Osnabrück wird es ein sehr wichtiges und sehr entscheidendes Spiel für uns sein, was wir auf jeden Fall gewinnen müssen“, sagte Schröder vor dem Spiel. Nach der Begegnung behielt er den kritischen Ton bei: „Für uns zählt nur, dass wir jedes Spiel erfolgreich gestalten. Unser Restprogramm wird nicht einfach. Jedes Spiel wird ein hartes Stück Arbeit, weil für uns der Druck sehr hoch ist und alle Gegner personell noch einmal nachgelegt haben. Wir werden in jedem Spiel hart arbeiten müssen, um erfolgreich zu sein.“

Nach dem Spiel gegen die Niedersachsen stehen sieben Spiele gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte auf dem Spielplan, drei davon bestreiten die Würzburger zuhause. Schröder weiß aber, dass auch die Qualität dieser Gegner nicht in Frage zu stellen ist. „Man darf keine Mannschaft in dieser Liga unterschätzen. Jede Mannschaft kann ein Stolperstein sein, wenn man nicht voll konzentriert ins Spiel geht.“

„Es liegen noch genug schwere Spiele vor uns. Das werden keine leichten Aufgaben. Aber ich denke, dass wir in einer guten Position sind. Und das bringt noch Motivation mit sich, um hart zu arbeiten und hart zu spielen, damit diese Aufgaben bewältigt werden können“, erklärt Schröder weiter.

Würzburg bestreitet sein letztes Spiel der Saison am 23. April zuhause gegen Chemnitz. Die Unterfranken hoffen natürlich, dass der Aufstieg bis dahin unter Dach und Fach ist. „Für meine Nerven wäre das schon besser“, hofft Bähr.

Bauermann: "Würzburg gehört in die erste Liga"

Das Spiel in München zeigte, dass Würzburg sportlich absolut reif für die BBL ist. „Es steht für mich außer Frage, dass Würzburg ein Programm ist, das in die erste Liga gehört“, sagt Bayern-Coach Dirk Bauermann. „Sie haben uns nach der Pause das Leben sehr schwer gemacht. Das war eindeutig ein Spiel mit Erstligaqualität – ohne Wenn und Aber.“

Würzburg kam vor der Saison aus der ProB mit dem Ziel, unter die ersten Sechs zu kommen. „Jetzt stehen wir auf dem zweiten Platz. Das ist bis jetzt natürlich zufriedenstellend“, meint Schröder.

Die fünf Niederlagen dieser Saison der Würzburger waren alle auswärts – gegen die ehemaligen Erstligisten BG Karlsruhe und webmoebel Baskets Paderborn sowie Aufstiegskonkurrenten Chemnitz, Crailsheim und den Spitzenreiter Bayern. Hinzu kommt, dass die Würzburger die einzige Mannschaft dieser Saison ist, die die mächtigen Münchner bisher bezwingen konnten.

Dabei sei erwähnt, dass Würzburg vor vier Jahren noch in der Regionalliga spielte, deren Coach gerade mal 31 Jahre alt ist und in seiner Rookie-Saison als Head Coach eines ProA-Teams steht – Schröder übernahm die Leitung der Würzburger in der ProB während der Saison 2009/2010. Davor war der gebürtiger Jenaer Head Coach bei USC Dresden in der 2. Regionalliga in 2005/2006.

„Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Wir haben ihm die Chance gegeben, die Mannschaft sportlich zu übernehmen. Und wir finden, dass er seine Sache sehr gut macht. Er ist noch sehr jung. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir den Weg mit ihm weitergehen können“, sagt Bähr über die Leistung Schröders, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft.

Ausgewiesenes Basketballpublikum in Würzburg

Der Bayern-Event in München machte auch zugleich auch deutlich, wie stark die Unterstützung der Fans in Würzburg ist. „Die Tatsache, dass Würzburg mit 2.000 Fans in München vertreten war, hat dieses Event immens aufgewertet“, ergänzte Bauermann.

„Basketball hat in Würzburg Tradition. Wir haben ein ausgewiesenes Basketballpublikum. Dementsprechend wird die Mannschaft auch unterstützt“, sagt Bähr.

Mit dem Aufstieg als kurzfristiges Ziel in greifbare Nähe lenken die Basketballmacher allmählich die Aufmerksamkeit auf die langfristige Planung. „Die langfristigen Pläne lauten, sich in der BBL über mehrere Jahre zu halten. Ansonsten sehe ich die Entwicklung in Würzburg auch abgeschlossen, weil die Halle einfach nicht mehr hergibt“, gibt Bähr offen zu.

Die s.Oliver Arena hat eine Kapazität von 3.029 Zuschauern für Basketballspiele. Im Schnitt kamen 2.977 Fans zu Würzburgs zehn Heimspielen in dieser Saison. „Daheim sind wir bisher eine Macht. Da haben wir noch nichts abgegeben. Das liegt auch an der sensationellen Unterstützung des Publikums“, sichert Bähr zu.

Da den Würzburgern keine andere Halle zur Verfügung steht, bleiben die Baskets im Falle eines Aufstiegs in der s.Oliver Arena für die Saison 2011/2012. Mit einer Kapazität von über 3.000 erfüllt die Halle auch die BBL-Auflagen.

Bähr ist auch zuversichtlich, dass Würzburg die finanziellen Auflagen der BBL erfüllen wird. „Wenn wir den Aufstieg sportlich hinbekommen, dann gehen wir davon aus, eine Lizenz zu bekommen. Wir werden auf jeden Fall den geförderten Etat der Liga erfüllen können.“

Bähr bremste aber zugleich die Euphorie der Fans. Würzburg werde sehr wahrscheinlich nie ein Spitzenclub in der BBL – hauptsächlich wegen der Halle und des Geldes: „Ich wüsste nicht, wie wir einen Etat von drei, vier oder fünf Millionen Euro aufbringen sollen. In Würzburg scheiterte es schon immer irgendwie am Geld.“

Bähr blickt realistisch in die Zukunft: „Ich sehe, dass Würzburg niemals zu den Top-Teams in der ersten Liga zählen wird. Es wird nicht dafür reichen, wegen unseren Strukturen und relativ wenig Industrie. Das macht aber nichts.“ Denn die Euphorie bei Dirk Nowitzkis erster Profistation bleibt ungehalten.




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von Crossover 17.05.2012 um 09:33:50


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