Basketball in Deutschland
Kalte, sonnige Beko BBL
Namenssponsor, TV-Vertrag, ein neuer Ausstatter - die Liste der jüngsten Erfolge in der Beko Basketball-Bundesliga ist lang. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Die Quote deutscher Spieler bleibt Thema Nummer eins. Heute ist eine Entscheidung gefallen.
Von Björn Lehmkühler, Florian Lindemann |
04.10.2009 | |
Der Himmel über Oldenburg ist sonnig, als wir um etwa Viertel nach elf auf dem Parkplatz der EWE AG anhalten. Dort hat die BBL – oder korrekt gesagt Beko BBL – im Rahmen des so genannten „Champions Cup“ zu einem Saisonauftakt für Clubs und Journalisten geladen. Es sind nicht nur alle Teams mit mindestens einem Vertreter anwesend, um kurz ihr Konzept vorzustellen und auf die neue Saison einzustimmen, sondern auch eine Auswahl von Medienvertretern aus ganz Deutschland. Dazu zählen lokale und überregionale Tageszeitungen, Fernsehen, Fachzeitschriften und natürlich das führende Online-Medium im Lande – Crossover.
Doch als wir die Wärme unseres Autos verlassen, merken wir schnell, dass der Sonnenschein trügerisch ist – es ist bitterkalt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Dieses sonderbare Gefühl, hinaus unter den klaren Himmel zu treten und dennoch vor Kälte zu erstarren, stellt einen Vorgeschmack auf das dar, was an diesem Tag kommen wird. Denn auch die Bundesliga verkörpert diese Ambivalenz von Sonne und Kälte.
Auf der einen Seite stehen große Erfolge, die Geschäftsführer Jan Pommer nicht müde wird hervorzuheben. Da wäre zum einen der Vertrag mit dem türkischen Haushaltsgeräte-Hersteller Beko, der als Namenssponsor einsteigt. Dieser Coup ist vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht hoch genug zu bewerten, da er in den nächsten Jahren für finanzielle Stabilität sorgen dürfte und der Partner sich in Oldenburg als sehr dynamisch präsentiert.
Hinzu kommt der neue TV-Vertrag mit dem DSF, welches sich wieder mehr dem „S“ in seinem Namen – sprich: dem Sport – zu widmen scheint. Diese Präsenz im „Free TV“ ist enorm wichtig und dürfte die Bekanntheit und Beliebtheit der Beko BBL zweifellos steigern. Und man könnte durchaus mit den Lobeshymnen fortfahren. Pommer tut dies sehr gerne. Das Niveau sei hoch, der Wettbewerb sei spannend, das Lizensierungsverfahren sei hart, die Liga attraktiv. Hier wäre nicht einmal der Konjunktiv notwendig, denn dem kann man soweit durchaus zustimmen.
Doch diese sonnige Beko-BBL-Welt, wie Pommer sie beschreibt und wie wir sie uns alle wünschen, ist nur die halbe Wahrheit. Denn dort ist eben auch diese Kälte. Jene Kälte, welche im Foyer, im Fahrstuhl, im Pressebereich und im Konferenzraum immer dann aufzieht, wenn das Wort „Quote“ fällt. Gemeint ist natürlich die Quote für deutsche Spieler in der Bundesliga.
Die Manager reden untereinander. Manche sind gegen einen zu starken Eingriff, anderen geht es zu langsam. Oft wird den Journalisten an diesem Tag vorgeworfen, zum Thema Quote einseitig zu berichten. Der Beko-BBL-Präsident Dr. Thomas Braumannn wirft der Presse vor, sich von „arbeitslosen Nationalspielern“ instrumentalisieren zu lassen. Die BBL sei eine „stabile Liga“. Dass alles nicht so schlecht sein könne, hätte das überraschend gute Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM bewiesen. Thomas Stoll, Geschäftsführer von Ulm, sagte: „Eine Pyramide baut man nicht von oben auf“. Ein Robin Benzing sei bisher „kein Erstligaspieler, sondern nur Nationalspieler“. Er sei gegen eine Deutschen-Quote, da er der Überzeugung ist, dass sich deutsche Talente auch so durchsetzen werden.
6+6 wird hier gelobt, dort abgelehnt. Ebenso 4+1. Es gibt Befürworter und Nein-Sager. Gleichzeitig diskutieren die Beko-BBL-Bosse in Oldenburg hinter verschlossenen Türen mit ihrem wohl größten Kritiker, Dirk Bauermann, den die Journalisten übrigens nicht zu Gesicht bekamen. Ohne konkretes Ergebnis, wie Pommer auf der Pressekonferenz verkündet. Doch man tausche sich aus und versuche konstruktiv zu einer Lösung zu kommen. Man wolle noch einmal über alles schlafen und am nächsten Tag den Dialog fortsetzen. Dann am besten mit konkretem Ergebnis.
| Saison | Spieler auf Spielberichtsbogen | Deutsche |
| 2010/2011 | 10 -- 11 -- 12 | 4 -- 4 -- 5 |
| 2011/2012 | 10 -- 11 -- 12 | 4 -- 4 -- 5 |
| 2012/2013 | 10 -- 11 -- 12 | 4 -- 5 -- 6 |
| 2013/2014 | 10 -- 11 -- 12 | 4 -- 5 -- 6 |
| 2014/2015 | 10 -- 11 -- 12 | 4 -- 5 -- 6 |
Das Thema Deutschenquote polarisiert. Denn was kommt zuerst – Quote oder Talent? Muss man erst die Quote erhöhen, um den deutschen Talenten die Möglichkeit zur Entwicklung zu geben und irgendwann aus einem großen Reservoir an BBL-tauglichen Spielern schöpfen zu können? Oder muss man warten, bis jenes Reservoir vorhanden ist, bevor man über Quoten reden kann. Schließlich, so das Argument vieler Kritiker, sei einfach nicht genug Talent vorhanden um in jedem BBL-Team zu jedem Zeitpunkt einen Deutschen aufs Feld zu schicken.
Pommer betont im Exklusiv-Interview mit Crossover (ab morgen hier zu lesen), wie ernst er das Thema Jugendförderung und Quote nimmt. Und man glaubt es ihm. Er spricht auch von Erfolgen, schließlich wäre ein Großteil der überraschend guten deutschen Nationalmannschaft ja in der BBL aktiv. Und auch die Clubs unterstreichen in ihren Präsentationen, wie viel Geld in die Jugendarbeit fließt. Bamberg nennt 700.000 Euro, Alba-Manager Marco Baldi spricht von einem „hohen sechsstelligen Betrag“. In Bonn wird für zwei Millionen ein Ausbildungszentrum errichtet, erklärt Baskets-Präsident Wolfang Wiedlich. Auch die wirtschaftlich schwächeren Teams heben hervor, wie essentiell das Thema Jugendarbeit ist. Und auch ihnen glaubt man. Schöne sonnige Beko-BBL-Welt?
Nicht ganz...Denn alleine der „Champions Cup“ zwischen Meister Oldenburg und Vizemeister Bonn am selben Abend verdeutlicht das Dilemma. Man hat eine moderne Spielstätte, begeisterte Fans, einen stolzen Sponsor, Live-Übertragung im DSF (wenn auch diesmal nur im Internet-Stream) und nicht zuletzt zwei Teams auf höchstem athletischem und spielerischem Niveau. Doch erst 7,8 Sekunden vor Schluss des ersten Viertels kommt mit Alex King der erste Deutsche ins Spiel. Und bis zur Mitte des Schlussabschnitts punktet kein Akteur aus der Bundesrepublik. Zugegeben, letzteres hat auch mit den 0/6 Dreiern von Nationalspieler Tim Ohlbrecht zu tun. Dennoch: Es ist ein Fleck auf der ansonsten blütenweißen Weste dieses Abends.
Die Menschen wollen deutsche Spieler auf dem Feld sehen. Bauermann berichtete kürzlich auf einer Podiumsdiskussion, dass ihn nach der EM so viele Menschen wie noch nie zuvor auf die deutsche Mannschaft ansprachen. Dies beweist, dass die Leute die jungen Spieler auch in der BBL sehen wollen. Mit ihnen wäre das Identifikationspotential der Liga noch größer und sie dürften die Fangemeinde vergrößern.
Es muss also weiter gearbeitet werden. Die Beko BBL befindet sich auf einem mehr als ordentlichen Weg, doch man muss sich der Kritik von außerhalb annehmen. Kritische Berichterstattung über die Beko BBL wird nicht gemacht, um der Liga zu schaden, wie es die Beko-BBL-Verantwortlichen den anwesenden Journalisten offen vorwerfen. So etwas wäre in niemandes Interesse. Nein, kritische Berichterstattung ist notwendig, da es offensichtliche Probleme gibt: zu wenig Deutsche, zu wenig Identifikation. Diese Probleme müssen im Sinne des deutschen Basketballs angegangen und gelöst werden. Denn nicht nur der DBB profitiert von den Quoten – es ist eine Symbiose. Nur wenn die einheimischen Ligen mehr gute deutsche Spieler haben, kann auch die Basketball-Bundesliga ihr großes Potential ausschöpfen. Nur dann ist eine perfekte sonnige Beko-BBL-Welt vorstellbar.



von boingo23 04.10.09 um 18:00:05
Schade,
das Ergebnis sieht nach einer Pseudo-Verbesserung aus,
ohne fest Regelung, dass deutsche Spieler auch auf dem Feld stehen müssen, werden wir wohl weiterhin einige "Busfahrer" in den Kadern sehen!!!
von Headache21 04.10.09 um 18:04:49
true
von kuebelhacker 04.10.09 um 20:56:46
word
von Whiteboy 05.10.09 um 00:06:54
Wie will man denn mit 6 Busfahrern erfolgreich Basketball spielen?
Das wird wohl eher nichts. Mag sein, dass man dann 4 Quotendeutsche hat, das heißt aber gleichzeitig, dass es 2 nicht sind. Auch ein Erfolg oder?
von m-dubb 05.10.09 um 15:00:14
Selbstverständlich würde ich liebend gerne einen Deutschen zu jeder Zeit auf dem Spielfeld sehen (oder zwei wie in Spanien, wenn ich mich nicht irre), doch auch die neue Regelung halte ich für einen guten ersten Schritt und stellt mittelfristig sicher, dass Deutschen Spielern Spielzeit gegeben wird.
Abgesehen davon: Ein sehr guter Artikel mit kritischen Anmerkungen und ner Tonne an Infos! Dickes Lob!
von Ace Game 05.10.09 um 18:27:46
kann meinem vorredner nur recht geben...
von Cabalios 10.10.09 um 11:42:33
sehr guter artikel :-)