Basketball in Deutschland

Gehen in Köln die Lichter aus?

Das Konzept der Köln 99ers, in der kommenden Saison ein "Team Germany" mit deutschen Perspektivspielern aufzubauen, droht zu scheitern. Sponsorengelder fehlen, eine erneute Insolvenz würde das Ende des Profibasketballs in der Domstadt am Rhein. Eine Zusammenfassung der jüngsten Meldungen.

Von Thomas Käckenmeister
 10.07.2009 |

Bereits am Donnerstag meldeten der "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Express", dass die Köln 99ers vor dem Rückzug aus der Bundesliga stehen. Der Spielbetrieb für die Spielzeit 2009/10 sei nicht gesichert. Grund sei ein Loch, das im Budget des Vereins klafft.

Zwar wurde seitens des Lizenzausschlusses der Liga das Startrecht für den dreifachen Pokalsieger eingeräumt, doch die Zweifel blieben. Das Konzept, mit hauptsächlich deutschen Nachwuchsprofis ein wettbewerbsfähiges Team an den Start zu bringen, geriet immer weiter ins Rutschen. Der Etat von circa zwei Millionen Euro musste nochmals auf etwa 1,3 Millionen Euro gesenkt werden, nachdem keine Sponsoren gefunden wurden.

Zudem gab es Absagen von Hoffnungsträgern des deutschen Basketballs, die an der Seite von Tibor Pleiß oder Philipp Schwethelm die 99ers in deutschem Fahrwasser anführen sollen. Nachdem beispielsweise Robin Benzing bei Ulm unterschrieb - um den 20-Jährigen A2-Nationalspieler hatten sich die Kölner bemüht -, setzten erneute Überlegungen ein, inwiefern das geplante Gerüst wirklich tragfähig sei.

Spätestens als die BBL am Donnerstag bei der Vergabe der Gießener Wildcard mitteilte, dass die Köln 99ers "offenbar aktuell Überlegungungen" anstrengen, "ob und wenn ja auf welche Weise sie am Spielbetrieb der BBL-Saison 2009/2010 teilnehmen", wurde auch die Medienwelt erneut auf die langsam in Fahrt kommende Lawine aufmerksam.

Der "Express" stellte die These auf, dass Köln den Spielern nach den finanziellen Niederlagen der letzten Jahre wohl zu risikoreich ist. So unrealistisch ist das nicht, denn der Pleitegeier kreist seit mehreren Spielzeiten über der Domstadt, im Februar 2008 setzte er sogar zum Sturzflug an, konnte aber "fünf nach Zwölf" (Kölns Sportdirektor Stephan Baeck) noch abgefangen werden.

Lars Richter vom "Kölner Stadt-Anzeiger" kommentierte am Donnerstag den Sinn eines Rückzug der 99ers-Basketballer folgendermaßen: "Sollte sich Köln zu einem Rückzug entscheiden, wäre das ein schwerer Schritt, der Respekt verdient, denn sie würden dem Versuch widerstehen, eine kaum konkurrenzfähige Mannschaft im sportlichen Überlebenskampf zu verschleißen."

Ebenso berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) über das Ende der 99ers und erklärt, warum der Kölner Verein auch nicht in der ProA starten wird: "Ein Ausweichen in die zweite Liga ProA sei ebenfalls nicht möglich, da die Zusagen der bisherigen Sponsoren von der Erstligazugehörigkeit abhingen." Weiter heißt es: "Die Spielbetriebs-GmbH der Köln 99ers wird Insolvenz beantragen und ein vorläufiger Insolvenzverwalter die Geschicke der 99ers bestimmen."

Mit dem Verlust der Köln 99ers ändert sich Tabellenbild für das kommende Spieljahr erneut. Neben Gießen bleibt damit auch der zweite sportliche Absteiger der Saison 2008/09 der ersten Liga erhalten; die Eisbären Bremerhaven bleiben dank einer weiteren Wildcard im Oberhaus des deutschen Basketballs.

Radio Köln meldet, dass sich die Köln 99ers endgültig auflösen, denn "der Verein hatte Probleme ausreichend Sponsoren zu finden." Der WDR2 berichtet in seinen Nachrichten vom Freitag um 13:31 Uhr: "Nach Angaben des Gesellschafters und Sponsors Anton Bausinger wird der Club den Spielbetrieb einstellen. Grund seien große Lücken in der Finanzierung, die auch trotz intensiver Suche nach neuen Geldgebern nicht gedeckt werden könnten, sagte Bausinger dem WDR." Und auch die Konkurrenz der Giants Düsseldorf twittert am Frietag um 18:03 Uhr: "GIGANTEN machen mit bangem Blick nach Köln jetzt Feierabend. Offizielles gibt es zwar noch nicht, aber die Anzeichen verdichten sich anscheinend.Mist!"

Am Freitagabend sorgt eine Pressemitteilung auf der offiziellen Webseite der BBL für Klarheit: Die Köln 99ers stellen mit Datum 10. Juli 2009 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Köln. BBL-Geschäftsführer Jan Pommer wird mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Je nach Ausgang dieser Gespräche könnte es zu einer Kündigung des Teilnahmerechtsvertrags mit sofortiger Wirkung seitens der BBL GmbH kommen, was ein Erlöschen der Lizenz nach sich ziehen würde. Somit würde dann Bremerhaven automatisch den frei gewordenen Platz in der BBL einnehmen.

Es dauert also noch einige Tage, bis endgültig feststehen wird, ob Basketball in Köln der Vergangenheit angehören wird. Dennoch bleibt es dabei: Es ist ein Teufelskreis, dass Sport sich mit der Wirtschaft nur bei großen Erfolgen verträgt. Geld ist wie Strom, der Lampen zum Leuchten bringt. Nun sind in Köln scheinbar die Lichter ausgegangen.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von J0J0 10.07.09 um 22:00:04


Also doch ein Fall für Peter Zwegat...aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht...hoffe mal, die BBL ist jetzt konsequent und verweigert den Kölnern die Starterlaubnis-ist zwar aus sportlicher Sicht schade (auch SChade um den BBL-Standort Köln)-aber mMn hat die BBL zu oft die Augen zugedrückt...und wer in der Winterpause mit dem Geld rumschmeißt und anscheinend nicht aus der Vergangenheit lernt, darf sich nicht wundern...schade um den Kölner Basketball-aber auf ein drittes "Wunder" kann man wohl nicht mehr hoffen...



von Schammelsdorf 11.07.09 um 17:13:15


Bin ich der selben Meinung
andere teams können auch mit 1.3 millionen vernüftigen basketball spielen warum nicht auch köln
schade aber wenn Köln nichts aus der 1. insolvenz gelernt hat dann müssen sie eben gehen



von Son$on 11.07.09 um 18:31:21


versuch mal mit 250 000 ein "Team Germany" mit dt Perspektivspielern und drei,vier besseren amis zusammenzustellen ...



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