Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Basketball in Deutschland

Drei Zutaten für den Erfolg

In Marburg ist der Weg das Ziel. Seit Jahren arbeitet Cheftrainerin Aleksandra Kojic mit Geduld an ihrem Team, das durch Konstanz, Ausgewogenheit und einer ordentlichen Portion Identität daherkommt. Das Ergebnis: Die Blue Dolphins spielen in diesem Jahr ganz vorn mit.

Von David Hein
 10.02.2011 |

Ein Blick auf die Spitze der Damen Basketball Bundesliga (DBBL) erstaunt, denn der BC Pharmaserv Marburg steht ganz oben – und zwar mit nur zwei Niederlagen nach 17 Spielen. Normalerweise gehört der Spitzenplatz der DBBL-Tabelle einem Serienmeister wie der TSV 1880 Wasserburg oder dem zweifachen Titelverteidiger TV Saarlouis Royals.

Aber ein genauer Blick in den Kader des DBBL-Meisters von 2003 zeigt, warum Cheftrainerin Aleksandra Kojic mit den Blue Dolphins ganz oben steht: Konstanz, Ausgeglichenheit und Vertrauen in junge deutsche Spielerinnen sind die Zutaten für den Erfolg.

Ein nachhaltiges Konzept

Sechs Spielerinnen von Kojics Neuner-Rotation sind schon seit 2007 oder länger bei Marburg. Natürlich hilft das immens beim Zusammenspiel sowie bei der Integration von ein oder zwei neuen Spielerinnen. „Wenn man mehrere Jahre zusammen spielt, funktionieren auch die Automatismen wesentlich einfacher, als wenn man sich neu einspielt“, sagt Kojic, die seit 2005 Trainerin bei Marburg ist. „Wir fangen immer relativ spät mit Teamtaktik an, bis die Nationalspielerinnen wiederkommen. Das war mir immer das wichtigste, dass wir versuchen die Spielerinnen auf individuellem Niveau weiterzubringen und das dann als Mannschaft umzusetzen. Das sieht man auch an unserer Spielweise, und dass wir uns wirklich von Jahr zu Jahr weiter entwickelt haben.“ Die Blue Dolphins gewannen 2003 die DBBL-Meisterschaft und den DBBL-Pokal, aber warten seitdem auf einen neuen Titel.

Seit der Ankunft Kojics aus Dorsten beendete Marburg keine Saison schlechter als auf dem vierten Platz der Endtabelle. In den Playoffs war von 2006 bis 2009 immer im Viertelfinale Schluss. Dann schaffte Marburg 2010 den Durchbruch und besiegte Halle, um ins Halbfinale einzuziehen. Jedoch bekamen es die Delfine dann mit Saarlouis zu tun – genauso wie im Viertelfinale in den Jahren 2006 und 2008. Und wieder war für Marburg die Saison vorbei.

Den Marburgerinnen gelang jedoch am achten Spieltag dieser Saison ein 72:68-Heimsieg gegen Saarlouis. Es war der achte Sieg in den ersten zehn Spielen für Kojics Truppe. Die Siegesserie endete mit einer 66:64-Niederlage in Wasserburg, als die Gastgeberinnen ein starkes drittes Viertel hinlegten. Den Marburger Mädels hat am Ende einfach das nötige Glück gefehlt.

„Das Entscheidende war, dass die Spielerinnen bemerkt haben, dass wenn wir in der Lage sind, uns für 40 Minuten an den Gameplan halten und gemeinsam arbeiten, können wir gegen Topmannschaften wie Wasserburg oder Saarlouis gewinnen … Wir haben in dem Spiel einfach nicht auf höchstem Level gespielt“, meint Kojic.

Anschließend folgten gleich fünf Siege hintereinander, bevor die zweite Saisonniederlage am 6. Februar beim viertplatzierten Heli Donau-Ries (Bilanz: 11-6) die Serie nach einer 66:56-Pleite nach Verlängerung beendete. Die Niederlage in Nördlingen war laut Kojic nicht unbedingt überraschend. Die Trainerin musste mit ansehen, wie ihre beiden Topscorer Shenita Landry und Margret Skuballa in der Extrazeit jeweils ihr fünftes Foul kassierten.

„Es ist kein Beinbruch. Es ist nicht zu erwarten, dass wir einfach so durch die Liga marschieren“, bemerkt Kojic. Die Marburg-Chefin sieht den Kampf um die Meisterschaft nicht nur als Dreierschlacht zwischen Marburg (15-2), Wasserburg (14-3) und Saarlouis (14-3). „Donau-Ries traue ich es durchaus zu. Donau-Ries ist durchaus in den engen Favoritenkreis zu zählen. Sie haben eine gute Mannschaft. Sie haben erfahrene Spielerinnen. Sie haben mit Doro Richter eine gute Aufbauspielerin. Vor allem die erste Fünf ist hervorragend. Das gehört zum Besten, was es in der Bundesliga gibt. Und wenn sie gesund bleiben, muss man sie ganz ernst nehmen. Ich glaube, das sind die vier Mannschaften, die ganz oben mitspielen werden“ prognostiziert Kojic.

Der Star ist die Mannschaft

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg in dieser Saison für Marburg ist die Ausgeglichenheit. Vier Spielerinnen erzielen 10,7 oder mehr Punkte im Schnitt – mit Skuballa führend mit 13,6 Punkten – und Amanda Davidson liefert weitere 9,8 Punkte pro Spiel.

„Es ist unsere Stärke, dass wir nicht einfach auszurechnen sind, weil jede Spielerin in der Lage ist, einem guten Spiel den Stempel aufzudrücken. Im Grunde genommen ist es immer so, dass wir fünf bis sechs Spielerinnen haben, die zweistellig punkten“, sagt Kojic.

Der Kern des Erfolgs der Marburger liegt allerdings in einem seiner Hauptschwachpunkte – nämlich am Mangel finanzieller Ressourcen. „Als ich nach Marburg gekommen bin, hatten wir relativ wenig Mittel, um eine Mannschaft aufzubauen“, erinnert sich Kojic.

Um Spielergehälter in Grenzen zu halten, haben das Marburg-Management und Kojic sich dazu entschieden, auf junge deutsche Spielerinnen zu setzen. Und in Kojic fanden die Hessen genau den richtigen Coach für dieses Konzept.

Die in Belgrad geborene Kojic coachte im Jahr 2003 die deutsche U18-Frauen-Nationalmannschaft erfolgreich durch die EM-Qualifikation. Die 41-jährige diplomierte Sportwissenschaftlerin trainierte außerdem die deutsche U20 der Damen von 2005 bis 2007. „Seitdem ich Trainerin bin – seit 1989 – arbeite ich im Jugendbereich“, berichtet Kojic, die als Spielerin in Dorsten, Osnabrück, Marburg, Langen und Frankfurt aktiv war. Mit Dorsten gewann sie 2004 den DBBL-Pokal – ebenfalls mit jungen Deutschen.

„Auch als ich Trainerin in Dorsten war, habe ich versucht, dort junge Spielerinnen zu integrieren. Damals war Natalie Gohrke auch eine junge Spielerin – mit 19 Jahren –, die danach zum festen Kader der deutschen Nationalmannschaft zählte. Es liegt mir am Herzen, junge Leute zu fördern. Und es macht mir einfach riesigen Spaß. Ich versuche, den jungen Frauen den Basketball beizubringen.“

Eine ganz große Zukunft sieht Kojic in der 18-jährigen Marburgerin Finja Schaake, die zu einem festen Bestand des Teams geworden ist – mit durchschnittlich 4,7 Punkten und 0,9 Assists in 12,9 Minuten. „Ich hoffe, dass sie ihren Studienplatz in unserer Umgebung bekommt, so dass sie weiterhin bei uns spielen kann, weil ich sehr gern um sie herum die Mannschaft für die Zukunft aufbauen möchte“, hofft der Coach.

Marburg holte im Jahr 2005 die Hessin Sandra Weber vom Zweitligisten TV Hofheim, als diese gerade 20 Jahre alt war. Die Marburgerin Lisa Koop verließ Deutschland, um in den USA zu studieren, und Kojic ist überglücklich, dass es klappte, die Nationalspielerin zurückzuholen. Die Amerikanerin Davidson kam aus der 2. Liga.

„Es war geplant, keine überragende Spielerin zu holen, sondern wir wollten jede einzelne Spielerin weiterbringen, so dass es als Team funktioniert. Das ist natürlich eine Sache, die etwas länger braucht. Gott sei Dank haben wir es geschafft, das Team zusammen zu halten und die Fluktuation in der Mannschaft nicht allzu groß werden lassen. In diesem Jahr kann man die Fürchte dieser Arbeit ernten“, erklärt Kojic den Schüssel des Erfolges.

Erste Top4-Teilnahme seit sechs Jahren

Der Erfolg dieses Jahres bescherte Marburg bereits einen Platz im DBBL Top4-Pokal – zum ersten Mal seit sechs Jahren. Das Marburg-Management hat geprüft, ob sie Gastgeber für das zweitägige Turnier sein könnten, das würde etwa Kosten in Höhe von 10.000 Euro für Übernachtungen, Verpflegung, Schiedsrichter usw. verschlingen. „Ich persönlich als Trainer würde mich darüber freuen. Aber ich weiß auch um das wirtschaftliche Interesse des Vereins“, äußert Kojic ihre Bedenken.

Am Ende sicherte sich Wasserburg das Recht auf die Ausrichtung des Top4 am 19. und 20. März 2011. Die vier teilnehmenden Vereine sind: Wasserburg, Marburg, Donau-Ries sowie Wolfenbüttel. Die Auslösung findet am 13. Februar statt.

In der Saison geht es aber bis dahin weiter: Marburg muss noch in Saarlouis (20.2.) und zuhause gegen Wasserburg (am letzten Spieltag 12.3.) antreten. „Ich mache mir keine Gedanken, ob wir in der Rückrunde noch ein oder zwei Niederlagen einstecken, die Mannschaft auch nicht. Wir wollen das Team fokussiert weiter aufbauen und uns wirklich die beste Position für die Playoffs erarbeiten. Wir rücken nicht ab von unseren Saisonziel, unter die ersten drei zu kommen“, gibt Kojic die Marschroute vor.

Und was stellt Marburg an, um 2010/11 Meister zu werden?

„Ich rede nicht davon, weil es nicht unser primäres Ziel ist. Natürlich will ich deutscher Meister werden, wenn ich in der 1. Bundesliga spiele. Darum machen wir das ja alles. Wir müssen aber schauen, dass wir die nächsten Monate nutzen, um uns taktisch weiterzuentwickeln und dass wir uns in den entscheidenden Spielen wirklich 40 Minuten lang an die Sachen halten und diszipliniert und clever spielen. Und alle Spielerinnen müssen topfit sein.“

Dann könnte die Vormachtstellung von Saarlouis (Meister 2009 und 2010, Pokalsieger von 2008 bis 2010) in diesem Jahr womöglich vorbei sein.




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von Crossover 17.05.2012 um 09:32:55


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