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Basketball in Deutschland

Deutschenquote – Fluch oder Segen?

Die Einführung einer Quotenregelung für deutsche Spieler galt schon immer als großer Diskussionsstoff zwischen den Verantwortlichen der BBL und des Deutschen Basketball-Bundes, allen voran bei Bundestrainer Dirk Bauermann. Er befürchtete, dass durch die Amerikanisierung der BBL die Qualität der Nationalmannschaft leiden könnte. Aber ist die BBL wirklich komplett in ausländischer Hand? Nehmen die Amerikaner &Co. deutschen Talenten die Spielzeit weg?

Von Daniel Wellmann
 26.07.2011 |

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir die vergangenen Spielzeiten genauer unter die Lupe nehmen, angefangen bei der Saison 2008/2009 bis hin zur letzten Spielzeit 2010/2011.

2008/2009 standen in den 18 BBL-Vereinen insgesamt 103 Spieler mit deutschem Pass im Aufgebot. Von diesen 103 Spielern kamen 79 Spieler zum Einsatz. Damals galt folgende Quotenregelung: Auf den Spielberichtsbogen dürfen maximal zwölf Spieler genannt werden und davon müssen drei Spieler einen deutschen Pass besitzen.

Ligaprimus bei deutschen Spielern in den eigenen Reihen war damals Braunschweig mit neun Spielern. Lediglich fünf Spieler davon erhielten regelmäßig Spielzeit. Ligaschlusslicht war Oldenburg mit drei Spielern. Ligaweit hatte jede Mannschaft durchschnittlich sechs deutsche Spieler im Kader und ließ davon vier regelmäßig spielen.

Angesicht dieser Situation geriet Dirk Bauermann bei einer Podiumsdiskussion in der Bamberger Jako-Arena
(heute Stechert-Arena) am 13. März 2009 in Rage. Bauermann schüttete während der Diskussion sein Herz aus und ließ verlauten: „Die BBL ist ein entferntes Produkt, das niemandem weiterhilft: den Fans nicht, den Sponsoren nicht und der Nationalmannschaft schon gar nicht.“(Crossover berichtete: Bauermanns Bemühungen).

Auch die damals aktuelle Quotenregelung bedauerte der Bundestrainer zutiefst und bezog sich auf sein letztes besuchtes Spiel der BBL. Bauermann äußerte sich zum Spiel folgendermaßen: „Wir brauchen ein stärkeres deutsches Profil und mehr Identität. Was bringt mir als Bundestrainer ein Spiel zwischen Ludwigsburg und Oldenburg, in dem kein deutscher Spieler auch nur eine einzige Sekunde Einsatzzeit erhält?“

Hatte Bauermann mit seiner Kritik recht? Waren in den letzten Jahren wirklich zu viele amerikanische Spieler bei BBL Vereinen unter Vertrag?

Beim Blick auf die nackten Zahlen fällt auf, dass die US-Amerikaner, prozentual gesehen, den größten Anteil mit 44 Prozent ausmachten, aber dicht dahinter mit 43 Prozent kommen schon die deutschen Spieler. „Nur“ 13 Prozent stammten weder aus den USA noch aus Deutschland. Betrachtet man aber die Spielzeit, so stellt man schon einen großen Unterschied fest: So standen die oben genannten 79 Spieler nur durchschnittlich 243 Minuten auf dem Spielfeld. Angeführt mit der meisten Spielzeit wird das Feld von Heiko Schaffartzik (Foto) mit über 1075 Minuten (33:37 MpG). Sein amerikanisches Pendant war in der Saison Monta McGhee (Nördlingen), der 1224 Minuten (36:00 MpG) auf dem Feld stand.

Am 17.März 2009 bekräftigte Bauermann seine Forderungen nach einer strengeren Quotenregelung. An Stelle der gedachten „8+4“-Regelung wollte er eine „6+6“-Regelung einführen. Aber die BBL hörte nicht auf die Forderung des Nationaltrainers und hielt an der Regelung „8+4“ für die Spielzeit 2009/2010 fest. Wie reagierten nun die Mannschaften nach der „Brandrede“ des Nationaltrainers?

Eine der ersten positiven Veränderungen war, dass insgesamt 111 Spieler mit deutschem Pass im Aufgebot der 18 Bundesligisten standen, und davon kamen 84 Spieler tatsächlich zum Einsatz. Leider musste ein leichter Rückgang der durchschnittlichen Spielzeit auf 240 Minuten verbucht werden. Anführer in puncto Einsatzzeiten der deutschen Akteure war erneut Heiko Schaffartzik, trotz seines Wechsels von Gießen nach Braunschweig.

Er erhielt das Vertrauen seines Coachs Sebastian Machowski und durfte insgesamt 1072 Minuten (31:32 MpG) auf dem Platz stehen. Aber auch der sowieso schon als freundlicher Verein für deutsche Spieler bekannte Klub ratiopharm Ulm ließ seine Schützlinge Per Günther und Robin Benzing über 825 Minuten auf dem Spielfeld agieren. Die meisten Minuten erhielt Louis Campbell, der damals für die Eisbären Bremerhaven 1120 Minuten Einsatzzeit (33:58 MpG) erhielt.

Unter den BBL-Klubs war der Ligaprimus einmal mehr Schaffartziks neuer Verein Braunschweig mit zehn deutschen Spieler in ihrem Kader. Von den zehn Spielern erhielten sogar acht Spieler die Gelegenheit, sich auf dem Spielberichtsbogen mit Einsatzzeit wiederzufinden. Schlusslicht war in dieser Spielzeit erneut Oldenburg, aber man teilte sich die rote Laterne mit den Düsseldorf Giants. Beide Mannschaften erfüllten exakt die Anforderungen der Deutschquote und hatten vier deutsche Spieler im Kader. In Oldenburg erhielt Nationalspieler Daniel Hain fast 310 Minuten, da bekam Gordon Geib von Düsseldorf mit insgesamt 600 Minuten mehr Vertrauen von seinem Coach.

Als erfreuliches Signal bezüglich deutscher Spieler in der BBL war zu vermelden, dass in der Spielzeit 2009/2010 die deutschen Spieler prozentual gesehen an der Spitze waren: 47 Prozent aller Spieler besaßen einen deutschen Pass, gefolgt von 44 Prozent von Spielern aus dem angloamerikanischen Bereich und mit neun Prozent zierten die Spieler, die weder einen deutschen noch amerikanischen Pass hatten, die Spielberichtsbögen der BBL-Vereine.

Konnten diese positiven Zeichen mitgenommen werden in die abgelaufene Spielzeit 2010/2011?

Die positive Entwicklung der Spielzeit 2009/2010 konnte tatsächlich in der letzten Saison fortgeführt werden und sogar noch ausgeschmückt werden. So stand die letzte Spielzeit fast komplett im Zeichen der deutschen Spieler.

Wenn man die Spielberichtsbögen betrachtet, so fanden sich von den insgesamt 239 Akteuren 117 Spieler wieder, welche einen deutschen Pass besaßen. Das sind zwar „nur“ sechs Spieler mehr als in der Vorsaison, aber auch der Einsatz der „Lokalhelden“ wurde gesteigert. So bekamen 95 Spieler mit deutschen Papieren tatsächlich Einsatzzeit.

Vielleicht basierte diese positive Entwicklung auf der Befürchtung, dass die deutschen Klubs ihre Identität als „deutsche“ Vereine verlieren könnten, wie es einst der jetzige Trainer von Ulm, Thorsten Leibenath, in einem Interview sagte: „Das Thema mit der Identifikation kann auch andersherum betrachtet werden. Nicht nur die Fans identifizieren sich mehr mit einem deutschen Spieler, sondern der Spieler identifiziert sich meistens auch mehr mit dem Verein.“

So durften die deutschen Spieler im Spieljahr 2010/2011 im Schnitt 252 Minuten auf dem Feld stehen. Ligaprimus in der vergangenen Spielzeit war Ludwigsburg mit zehn deutschen Spielern im Kader, davon wurden lediglich fünf Spieler regelmäßig eingesetzt. Die rote Laterne trugen Oldenburg und Bayreuth, da beide Mannschaften nur vier deutsche Spieler im Kader hatten und sich auf ihre amerikanischen Spieler verließen.

Mannschaften dagegen wie Ulm, Trier oder Bamberg hatten Leistungsträger in Form von deutschen Spielern in ihren Reihen. So durften Nationalspieler wie Günther, Robin Benzing (Foto rechts; deutscher Minutenkönig mit 989 Minuten (29:58 MpG) vs. Rickey Paulding mit 1198 Minuten (35:16)) oder Tibor Pleiß durchschnittlich 25 Minuten auf dem Parket stehen. Ihre direkten Konkurrenten auf der Position, welche aus den USA stammten, kamen nur auf 15 Minuten im Schnitt. Dieses Vertrauen zur nationalen Garde ist ein weiterer Grund für eine positive Entwicklung der Einsatzzeiten über die letzten Jahre.



Es braucht keine Quote für deutsche Spieler auf den Spielberichtsbögen, sondern vielmehr eine Quote für deutsche Einsatzzeiten, denn oftmals findet man Spieler in den Reihen der 18 BBL Vereine, die insgesamt nur zehn oder weniger Minuten auf dem Parkett stehen, aber dennoch immer wieder auf dem Spielberichtsbogen erwähnt werden.

Zwar gibt es einen „Deutsch-Ruck“ in der Beko BBL, aber es ist noch lange nicht so, dass man davon sprechen kann, dass die Liga deutsch spreche. Ein möglicher Grund ist die mangelnde Ausbildung für junge deutsche Talente, denn schon in der ProA oder in der ProB sind die Leistungsträger Amerikaner.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Dennis Wucherer brachte es einmal auf den Punkt: „(…) Es gibt genügend talentierte Spieler in Deutschland. (…) Und auch in der ProA und der ProB laufen genügend Talente herum. Wir müssen die Jugend einfach spielen lassen. Die sind besser als wir denken.“

Mehr über die Deutschenquote in der Beko BBL auf waskommtnachDirk.de.




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von knorke 27.07.11 um 01:18:11


Eine Regel, die den Teams vorschreibt, immer mindestens einen deutschen Spieler auf dem Feld zu haben, würde die Klubs motivieren, in deutsche Talente zu investieren...



von eightch 27.07.11 um 08:26:18


es geht nicht darum ob nicht deutsche spieler den deutschen in der bbl die arbeitszeit stehlen... das ist nur symptom und nicht die ursache... das problem ist das es für die vereine günstiger/verlockender ist sich fertige spieler zu holen als eigene talente aufzubauen und hier liegt der hund begraben.
würde mehr in die jugend/kinder-förderung investiert (zeit/geld) bräuchten wir uns diese frage gar nicht stellen weil es dann egal wäre wie viele spieler welcher nation bei den vereinen spielen, weil immer genug qualifizierte einheimische talente vorhanden wären...



von realbaum 27.07.11 um 09:15:02


schöner artikel der das problem der deutschen in der bbl gut beschreibt. ich kann die politik von vielen vereinen nicht nachvollziehen. es mag sicher durchaus günstiger sein auf fertige spieler zu setzten, aber langfristig schneidet man sich damit doch ins eigene fleisch. deutsche spieler, die am besten noch lange bei ihrem verein sind, sind in­te­g­ra­ti­ons­fi­guren für die fans und führen langfistig (im besten fall) zu volleren hallen und stärkerer fanbindung. es muss im interesse der vereine liegen deutsche spieler so viel wie möglich einsatzzeit zu geben. dies ist auch ein wichtiger punkt hinsichtlich der nationalmannschaft. je mehr erfahrung die deutschen spieler auf hohem niveau sammeln können umso wertvoller werden sie für die nationalmannschaft und es zeigt sich ja bei fussball, dass ein großteil der aufmerksamkeit, internationale turniere bekommen und wenn deutsche mannschaften gut abschneiden steigert es die popularität des sports. bei der em 1993 hats ja geklappt und damals sah die bbl noch etwas anders aus...



von acidflash11 27.07.11 um 10:56:31


Leider steht hier nicht wieviele "deutsche" auch wirklich deutsch sind. es sind noch etliche amis etc dabei die nen deutsche Pass haben aufgrund diverser Verwandschaften, aber niemals fürs Nationalteam interessant werden.



von KB-24 27.07.11 um 11:08:05


hoffnungen geben da einfach die aktuellen jahrgänge der u-20 u u-18.
grade die u-20 hat seit dem lockeren pflichtsieg in bernau im Juni so dermaßende fortschritte gemacht u gezeigt was in ihm steckt,das man sich eig drauf einstellen kann das die post nowitzki ära üppiger ausfallen wird als man denkt.

wer das spiel damals live erlebt hat wird zustimmen das wenn dieser kader so in der form noch ne weile zusspielt dabei auch kräftig noch was rumkommt.

Burschen wie Heckmann,Mönninghof,Giffey oder Theis sind da echte Lichtblicke.



von AC 28.07.11 um 16:10:18


Ich hab grad auf sport1.de gelesen, dass Kaman sich vorstellen kan "in einer Liga in Deutschland" zu spielen. Welche Liga meint der denn? Vieleicht die 2.?



von eightch 28.07.11 um 16:22:51


nee schon die erste aber vielleicht ja die feldhockeyliga?



von Hurricane 28.07.11 um 16:36:46


Oder die Volleyball liga, dammit er sich als Partner von K.Love empfählen kann :D



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