Basketball in Deutschland

Der blinde Fleck

Der Nordosten Deutschlands steht in Sachen Basketball im Hintertreffen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keinen Profibasketball. Der EBC Rostock ist der beste Club des Landes und zockt in der Regionalliga. Mit viel Elan und Herzblut will der Verein den attraktiven Sport an der Ostseeküste vom Schattendasein befreien.

Von Thomas Käckenmeister
 24.05.2010 |

Die Halle kocht. Beim letzten Heimspiel des EBC Rostock ist die Heimstätte bis zum letzten Platz gefüllt. Selbst die Fluchtwege sind verstopft. Für den ersten Basketballclub Rostocks geht es um den Verbleib in der 1. Regionalliga Nord. Zu Gast sind die Itzehoe Eagles, die früh im Spiel wie beflügelt aufspielen.

Rostock jedoch muss unbedingt siegen, um die Klasse zu halten. Doch der Druck scheint zu groß, die Punktedifferenz zwischen beiden Teams beträgt zur Halbzeit 18 Zähler. Mit 41:59 geht es in die Pause.
Was aber unmittelbar nach dem Seitenwechsel geschieht, hätten wohl nur wenige für möglich gehalten. Innerhalb von nur vier Minuten kämpfen sich die Hansestädter zurück in die Partie, verkürzen in dieser Phase den Rückstand auf lediglich sechs Zähler und sorgen für eine ausgeglichene Schlacht bis in die Schlussminuten. Letztlich reicht es aber nicht zum Sieg.

Coach André Jürgens entscheidet sich zwar rechtzeitig, die gegnerischen Angriffsbemühungen durch Fouls einzudämmen, doch die Itzehoer zeigen von der Freiwurflinie kaum Nerven. Am Ende verlieren die Rostocker mit 102:108. Für die Zuschauer war dieses Spiel der Beweis, dass Rostock sich basketballtechnisch keinesfalls verstecken muss. Neben den Traditionssportarten Handball und Fußball wächst seit den letzten Jahren ein zartes Pflänzchen heran, das bald erste Früchte tragen könnte.

Rostocker ALL STAR DAY soll für Basketball begeistern

Bereits am 30. Mai können sich die Korbsportfreunde des Nordens auf den 1. OSPA - ALL STAR DAY in Rostock freuen. In einem Basketball-Benefizspiel engagieren sich Sportgrößen der Hansestadt verschiedenster Sportarten für die Kinder ihrer Stadt und treten gegen die U19-Mannschaft von Alba Berlin an. Die Nachwuchstruppe ist NBBL-Champion 2009 und wird in Rostock wohl ein letztes Mal von Henrik Rödl gecoacht, der ab der neuen Spielzeit als Übungsleiter in Trier tätig sein wird.

Die Veranstalter André Jürgens (Foto, 3.v.l.) und Christian Stecher (Foto, rechts) sammeln mit dem 1. OSPA - ALL STAR DAY für den guten Zweck und spenden 50 Prozent der Ticketeinnahmen an die Schmarler Kinderhilfe e.V. „Wir hoffen natürlich auf den breiten Zuspruch der Rostocker Sportfans“, erklären die Organisatoren. Auch der Oberbürgermeister Roland Methling (Foto, 3. v.r.) ließ sich für das Projekt begeistern und hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft für das Sportereignis zu übernehmen.

Die Veranstaltung soll für Basketball begeistern, denn in Mecklenburg-Vorpommer gilt das Spiel mit dem hohen Wurfziel noch immer als Trendsportart. Für die Saison 2010/11 ist in Rostock eine Grundschulliga geplant, die eng mit der Sportjugend M-V kooperiert; die schwachen Strukturen sollen Konturen erhalten, um mit Geduld an der Zukunft zu bauen. Möglicherweise gibt es dann auch bald ein NBBL-Team an der Ostseeküste.

Vorerst stehen aber die Planungen für die kommende Regionalligasaison auf dem Programm. Die 1. Herrenmannschaft des EBC ist sportlich in die 2. Regionalliga abgestiegen, versucht aber noch weiterhin ein mögliches Teilnahmerecht für die 1. Regionalliga Nord zu bekommen. Der Grund ist der gewaltige Leistungsunterschied zwischen 1. und 2. Regio. In der Spielzeit 2008/09 rauschten die Rostocker zum 15-jährigen Vereinsjubiläum ungeschlagen zum Meistertitel. In der abgelaufenen Saison war das Niveau wesentlich höher.

Die Verhandlungen ums zukünftige Teilnahmerecht an der 1. Regionalliga entscheiden auch darüber, in welcher Liga die 2. EBC-Herren im kommenden Spieljahr starten werden. Immerhin sind sie Meister der Oberliga des Basketballverbandes Mecklenburg-Vorpommern geworden und verfügen über das sportliche Aufstiegsrecht in die 2. Regionalliga Nord.

Strukturschwache Region Mecklenburg-Vorpommern

Die Strukturen im bevölkerungsschwächsten Bundesland der Republik sind offensichtlich und wirken sich somit auch auf den Sport aus. Der Bundesverband MV zählt insgesamt 20 Basketballvereine, die in Landesliga, Oberliga und Regionalliga auf Korbjagd gehen. Einzig die Rostocker Herren sind in der kommenden Saison überregional vertreten, die restlichen Clubs des Landes sind kaum konkurrenzfähig, da zum einen der Nachwuchs fehlt und zum anderen die Ausbildungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

„Auf dem Basketball-Boom der 1990er Jahre hat sich der Verband zu lange ausgeruht“, beschreibt Christian Stecher die Lage. Der kürzlich neu gewählte Vizepräsident des Basketballverbandes in Mecklenburg-Vorpommern will den Basketballsport im Bundesland an der Ostseeküste wiederbeleben.

„Die aktuelle Situation ist im Vergleich mit anderen Bundesländern sehr ausbaufähig. Bisher hatte der Basketballverband in M-V noch keine hauptamtliche Trainerstelle, was sich vor allem im Jugendbereich bemerkbar macht. Für die Zukunft haben wir eine engere Zusammenarbeit der Vereine im Land geplant und wollen gemeinsam Konzepte entwickeln, wie wir wieder mehr Kinder begeistern können. Dabei ist die enge Verzahnung zwischen Regionalliga/2.Bundesliga und Breitensport sehr wichtig. Schon früh sollten den Kindern Perspektiven gezeigt werden, wo sie mit viel Spaß und Trainingsfleiß einmal spielen können“, erklärt Stecher weiter.

Besonders deutlich wurde die Situation beim Pokalwettbewerb der Saison 2009/10. Drei Spiele wurden kampflos abgegeben, weil entweder die Kosten zu hoch waren oder das Spielerpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand. Hinzu kam die Dominanz der Rostocker Basketballer vom EBC, die mühelos den Titel gewinnen konnten. Im Finale ließen sie Grevesmühlen nicht den Hauch einer Chance und gewannen überlegen mit 136:46. Die 1. Herrenmannschaft der Hansestädter gewann die drei Partien des Pokalwettbewerbs mit durchschnittlich 88 Punkten Vorsprung. Auch die 2. Herren des EBC hatten zunächst keine Probleme gegen Wismar (140:26), mussten sich dann aber dem Greifswalder SV geschlagen geben (72:83).

Damit ist auch schon der zweite Club aus MV genannt, der in der 2. Regionalliga Ost um Punkte kämpft. Der Greifswalder SV 04 entstand Anfang 2004 nach der Fusion der Vereine SSV Grün-Schwarz Greifswald, ESV/Empor Greifswald und dem Greifswalder SV 98. Derzeit zählt die Abteilung Basketball etwa 150 Mitglieder; sechs Teams nehmen am Spielbetrieb teil.

In Rostock sieht es da wesentlich freundlicher aus. Es gibt zwei Damenteams, fünf Herrenmannschaften, zehn Jugendmannschaften (U12 bis U20) sowie vier weitere Mannschaften für Schüler. Ab der kommenden Schulzeit wird es noch weitere acht Stützpunkte in der EBC-Stadtliga geben. Mit 300 Mitgliedern ist der EBC Rostock der größte Basketballverein des Bundeslandes.

Dieses Potential soll in den nächsten Jahren genutzt werden, um den blinden Fleck auf der Basketballlandkarte bekannter zu machen. Der 1. OSPA - ALL STAR DAY am 30. Mai in der Rostocker Scandlines Arena ist der erste Schritt auf diesem Weg.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von Maik92 24.05.10 um 10:05:52


Schöner Artikel...ich wünsche dem MeckPommer Basketball viel Erfolg und hoffe dass sich da bald was entwickelt



von nachtmuffel 24.05.10 um 17:18:56


Endlich mal wieder Nachrichten aus der Heimat !

Schöner Artikel, Grüße aus Stade ;)



von BigD 24.05.10 um 20:24:30


vielen Dank für die Aufklärung über meine Heimat, hab in Schwerin auch nur mal über Hörensagen was von nem Verein gehört.



von Tomrock 24.05.10 um 23:13:21


Hier noch die 20 Vereine aus MV:

BIG Rostock
SV Blau-Weiß Grevesmühlen
Greifswalder SV 04 e.V.
Anklamer Basketball Club e.V.
PSV Wismar
Tollense Flyers
ESV Lokomotive Stralsund 1911
PSV Schwerin
Schweriner SC Breitensport
VfL Grün Gold Güstrow
WSV Neustrelitz
Grimmener SV
TSV Graal-Müritz 1926
BSV 99 Sanitz
EBC Rostock
PSV Ribnitz-Damgarten
TSG Warin
VC Parchim
Dömitzer SV
Sport und Freizeit Herrnburg e.V.



von Daniel Otto 25.05.10 um 00:30:48


Was ist eigentlich "Zonenverteidigung"? Man sollte einfach zur Kenntnis nehmen, dass nicht überall hochklassig Basketball gespielt werden kann, denn dafür braucht es einige Zutaten wie Zuschauerinteresse (gebe ich zu, das kann bei Vorhandensein wiederbelebt werden) und vor allem potente Sponsoren. Kurzum, die Region darf sich nicht verzetteln, von daher muss die Priorität weiterhin auf den Fussball gelegt werden. Bevor mir jemand einen "Qasi-Defätismus" vorwirft, mache ich selber eine Rechnung auf ,ich mache sie aber nicht zu, weil mir nicht alle Zahlen vorliegen bzw. ich den offiziellen Zahlen nicht glaube, aber unbestritten sollte das Faktum sein, dass Hansa Rostock auf die Saison gerechnet deutlich mehr Zuschauer hat als die ersten zehn M-V-Basketball-Teams.
Ich entschuldige mich für den post insoweit, als es für mich als Westfalen vor zwanzig Jahren undenkbar war, dass
nicht jeder Ortsteil seine eigene, möglichst hochklassige Handballmannschaft hatte: Demut ist angesagt! Demut und sehr viel Geduld!



von Cabalios 21.07.10 um 23:58:42


interessanter artikel, aber irgendwie trübe aussichten.



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