Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Basketball in Deutschland

Ausbildungsmosaikstein (2)

Crossover hat das Teilzeitinternat in Langen besucht und sich bei den Verantwortlichen Fabian Villmeter und Jochen Kühl nach den Ausbildungsmosaiksteinchen erkundigt, die sie Spielern und Spielerinnen wie Pascal Roller, Robin Benzing oder Steffi Wagner mit auf dem Weg gegeben haben. Im zweiten Teil des Interviews spricht Villmeter über die Entwicklung von Robin Benzing.

Von Martin Schenk
 13.01.2011 |

Im ersten Teil des Interviews geht es die Gründung des Internats, den Alltag und die sportliche Entwicklung in den letzten 25 Jahren.

Crossover: Fabian, du hast mit Robin Benzing eines der größten Talente der letzten Jahre in seiner menschlichen und basketballerischen Entwicklung begleitet. Kannst du beschreiben, wie sich die „Erfolgsstory Robin Benzing“ aus deiner Sicht zugetragen hat? Vom ersten Kennenlernen bis zum letztjährigen Wechsel nach Ulm? Welches Ausbildungsmosaiksteinchen konntest du ihm mit auf den Weg geben?

Fabian: Robin war ein idealtypischer BTIler, den wir über die Dauer von sechs Jahren sehr intensiv betreut haben. Ich habe Robin und seinen Zwillingsbruder Marian bei einem U14-Spiel des SC Bergstraße gegen den TV Langen kennengelernt. Robin und sein Bruder (damals noch auf Seiten des SC Bergstraße) stachen mir bei dieser Partie ins Auge, obwohl ihr Team ziemlich deutlich unterlag. Ich knüpfte Kontakt zu Robins Mutter – und schon kurz danach trainierten Marian und Robin zusätzlich mit der U14 des TV Langen sowie an zwei Nachmittagen der Woche im BTI.

Robin war dabei zurückhaltender als sein Bruder. Er war auch im Tennis und Handball erfolgreich, Basketball wurde erst etwas später seine Nummer eins. Dann aber, als er sich für Basketball als „seine“ Sportart entschieden hatte und vier- bis fünfmal pro Woche in Langen trainierte, waren seine Entwicklungssprünge enorm. Robin hat dabei sicherlich immer von seiner guten sportlichen Grundschule und den Impulsen aus anderen Sportarten profitiert.

Ich erinnere mich an ein Badminton-Match gegen den 15-Jährigen Robin, in dem ich mich bereits deutlich geschlagen geben musste. Er hat einfach alle Bälle zurück gebracht, mit viel Ballgefühl und mit einer für seine Körpergröße unglaublich guten Koordination.

Gleiches spiegelte sich in den Basketballtrainings mit Robin wider. Er hatte koordinativ kaum Limits, lernte technische Dinge unglaublich schnell hinzu – und das immer gepaart mit einer beeindruckenden Dynamik. Manchmal, wenn man ihn alleine an einem Korb trainieren sah, konnte man glatt vergessen, dass er bereits knapp zwei Meter groß war, so wie er sich bewegte.

Häufig trainierte Robin zusammen mit Kai Barth, einem 1,85 Meter großen Point Guard. Ich habe im Techniktraining zwischen diesen beiden Jungs fast nie einen Unterschied gemacht. Robin sollte alles lernen, unabhängig von Positionen: das komplette Spektrum des modernen Basketballs – und er tat es. Er sog alles in sich auf und stellte auch an mich als Trainer immer die Anforderung, ihm den nächsten Schritt zu präsentieren. Die Arbeit mit Robin war nie langweilig.

In seiner letzten Langener Saison trainierte ich Robin dann endlich wieder, damals in der ProA. Zwar hatte ich Robin schon als Spieler in der U14 und in der zweiten Herrenmannschaft in der Oberliga und Regionalliga (damals war er 16 Jahre alt), aber die gemeinsame Saison in der ProA bildete auch für mich einen schönen Abschluss unserer gemeinsamen Zeit. Es war etwas ganz Besonderes, ein Team von Erwachsenen um einen 19-Jährigen herum aufzubauen. Ein junger Mann, der eine sehr junge Mannschaft durch die 2. Liga führte – das war nicht immer ganz einfach, aber letztlich auch nicht „unerfolgreich“.

Robin spielte eine starke Saison, war vielleicht der stärkste deutsche Spieler dieser ProA-Saison (2008/2009: 18,3 PpG, 4,5 RpG) und machte klar, dass der nächste Schritt für ihn anstand. Der Wechsel nach Ulm war eine gute Entscheidung. Coach Taylor setzte früh viel Vertrauen in Robin, so dass er schnell auf dem BBL-Niveau angekommen ist und nun für die Zukunft eventuell noch größere Herausforderungen angehen kann.

Ich glaube aber auch, dass es für Robin eine gute Entscheidung war, dieses letzte ProA-Jahr in Langen mitzunehmen. Er ist von seinem Charakter her ein „Macher“ und Leader-Typ sowie in bestimmten Spielsituationen auf dem Feld an Kaltschnäuzigkeit kaum zu übertreffen. Diese letzte ProA-Saison hat ihm die Möglichkeit gegeben, diese Attribute auch auf hohem Herrenlevel auszuprobieren und zu verfeinern.

Die basketballerische Ausbildung beim TV Langen und dem BTI genießt immer noch ein hohes Ansehen. Nun ist es jedoch so, dass die Konkurrenz auch im Sportbereich nicht schläft. In Ehingen, Breitengüßbach, Jena und in anderen Städten gibt es ebenfalls gute Trainer und Ausbildungszentren, die um Talente werben und eine Art „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ anbieten. So entschied sich zuletzt eines der deutschen Supertalente, der aus Offenbach stammende Malik Müller, für den Standort in Ehingen. Was unternehmt ihr zusammen mit euren Mitstreitern, um das BTI auch zukünftig attraktiv für Talente zu gestalten?

Jochen: Ich kenne bisher keine Einrichtung in Deutschland, die in gleicher Weise sowohl Jungen als auch Mädchen auf hohem Niveau fördert. Es gibt gute Gründe, dass Talente sich für Vollzeit-Internate (z.B. Ehingen, Jena, Halle) oder „Betreutes Wohnen“ wie in Breitengüßbach / Bamberg oder Leverkusen entscheiden. Zumeist liegen diese im schulischen oder familiären Bereich. Wer aber in seinem gewohnten sozialen Umfeld (Wohnen, Schule, Verein, Freunde) bleiben möchte und dennoch eine Leistungs-Basketballförderung auf hohem Niveau erhalten möchte, für den sind Teilzeit-Internate die beste Form der Förderung – zusätzlich zur normalen Vereinsförderung. Natürlich prüfen wir immer wieder die Möglichkeiten, Vollzeit-Internatsplätze in Rhein-Main für Talente von außerhalb der Rhein-Main-Region zu schaffen. Aber die Erfahrung hat uns auch gelehrt, dass in den vielen Basketballvereinen dieses Großraumes sehr viele Talente vorhanden sind, die wir mit unserem Teilzeit-Internat zu Nationalspielern und -spielerinnen entwickeln können.

Fabian: Gerade im Jungenbereich machen wir solche Erfahrungen schon seit längerem. So hat sich neben Malik Müller z.B. auch Philipp Neumann früh für das Programm in Nürnberg / Breitengüßbach / Bamberg entschieden. Natürlich hätten wir beide auch gerne weiter bei uns gehabt.

Bei den Mädchen geht es auch langsam in diese Richtung, dass Vollzeit-Internatslösungen die eine oder andere junge Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet weglocken. Wie Jochen richtig sagt, gibt es eine Vielzahl von Talenten in unserem unmittelbaren Einzugsgebiet. Mein Wunsch wäre trotzdem, dass wir das BTI Langen RheinMain weiterentwickeln. Eine Region wie das Rhein-Main-Gebiet, mit einer solchen basketballerischen Infrastruktur, hätte eine Vollzeit-Betreuungslösung verdient und würde auch den hiesigen Standort, mit all seinem Wissen und Know-how, das sich über Jahre hinweg gesammelt hat, noch besser machen. Talente aus strukturschwachen Gegenden könnten davon profitieren. Und in Basketballdeutschland würden noch viel mehr Talente eine hochwertige Basketballausbildung erhalten. Aktuell scheint diese Entwicklung leider nicht umsetzbar zu sein.

Zum Schluss hätte ich von euch gern noch gewusst, in welche Richtung sich der deutsche Basketball und dessen Talentförderung entwickeln wird bzw. müsste, um den Basketball hierzulande noch erfolgreicher zu machen?

Jochen: In manchen Ländern sind junge SportlerInnen früher bereit, sich einer professionellen Ausbildung im Sport zu unterziehen, als es in Deutschland der Fall ist. Vor allem die Jungen verzichten dabei teilweise bereits ab 16 Jahren auf eine weiterführende schulische Ausbildung. Doch das war auch schon so, als Deutschlands Männer 1993 Europameister wurden.

Nach meiner festen Überzeugung müssen wir weiterhin auf eine gut abgestimmte duale Ausbildung Wert legen, also sportliche und schulische Förderung bis zum Abitur. Dabei mögen wir bei den Jugend-Europameisterschaften Nachteile in Kauf nehmen, aber nicht deshalb zwangsläufig bei den internationalen Meisterschaften der Erwachsenen.

Um bei den Männern auch „nach Dirk“ international erfolgreich zu bleiben und es bei den Frauen zu werden, brauchen wir nach der dualen Ausbildung bis zum Abi professionelle Einrichtungen für die danach folgenden Jahre der sportlichen Entwicklung; das können zurzeit in Deutschland nur die Einrichtungen der 1. Bundesligen der Herren und Damen leisten. Hier sind wir mit den „Deutschen-Quoten“ auf gutem Wege – wir müssen jedoch noch besser werden.

Fabian: Ich sehe es ähnlich. Wir können uns nicht mit Ländern wie Serbien oder Litauen messen, was den Bereich bis U18/U20 angeht. Talente in solchen Ländern trainieren häufiger, härter und ausdauernder als Spieler des gleichen Alters in Deutschland. Im Anschluss an die Schulzeit müsste mehr jungen, deutschen Spielern die Möglichkeit offen stehen, in Proficlubs oder semi-professionelle Vereine zu wechseln, um dann ihr Trainingspensum auf zwei Trainingseinheiten pro Tag zu erhöhen. Letztlich geht es nur über Training – da kannst du so talentiert sein, wie du willst.

Ich erlebe täglich, wie eng die Zeitfenster bei Schülern für Basketball manchmal sind. Abitur nach zwölf Jahren, Hausaufgaben, Wege zwischen Heimat, Schule und Trainingsstätte – all dies nimmt Zeit in Anspruch. Die wenige Zeit, die junge Basketballer während ihrer Schulzeit zum Training haben, müssen wir deshalb bestmöglich nutzen. Und hier lohnt sehr wohl der Blick nach Serbien, Litauen, aber auch nach Spanien oder Frankreich. In diesen Ländern wird gerade individual- und gruppentaktisch immer noch besser gearbeitet als in Deutschland. Gerade in diesen Bereichen müssen wir unsere Talente auf spätere, vielleicht größere Aufgaben vorbereiten. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich also.

Fabian und Jochen, ich danke euch vielmals für das Interview.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von KidDaigoro 14.01.11 um 09:35:34


Weiß jemand mehr zu dem "betreutem Wohnen" in Leverkusen?
Das könnte etwas für meinen in Köln lebenden Cousin sein - bei google fand ich eben auf Anhieb nichts dazu.



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