BBL-Wochenrückblick
Sagenhafte Sternstunden
In der vergangenen Woche jagte ein Highlight das nächste in der Beko BBL. Während Bamberg und Berlin als einzige Teams noch ungeschlagen sind, stehen Ulm und Düsseldorf mit je vier Pleiten am Tabellenende. Außerdem wurde in der Liga geworfen, bis die Netze glühen und es gab Double-Doubles, die an den großen Bruder namens NBA erinnern.
Von Thomas Käckenmeister |
18.10.2010 | |
Es gibt Tage im Leben eines Basketballers, an denen einfach alles fällt. Jeder Treffer sitzt, egal wie schwer der Wurf auch scheint. David Bell von Phoenix Hagen hatte einen solchen Sahnetag beim Gastspiel in Bremerhaven. Der Guard, der im Sommer von den Dakota Wizards zu den Feuervögeln wechselte, netzte neun von zehn Dreiern ein. Eine solche Leistung zeigte zuletzt Hurl Beechum. Der Bonner Schütze verwandelte in der Saison 1998/1999 zwölf Dreier bei 19 Versuchen gegen Trier und kam am Ende auf 40 Zähler. Bell beendete seinen Arbeitstag „nur“ mit 29 Zählern, aber auch starken fünf Assists. „Das war ein sehr gutes Spiel von uns“, lobte Hagens Coach Ingo Freyer die Leistung seiner Mannschaft. „Wir haben mit einer Dreierquote von 61 Prozent und 95 Prozent aller Freiwürfe zusammen 72 Punkte gemacht. Wenn man über 40 Minuten eine so hohe Quote hat, hat man es verdient, hier in Bremerhaven zu gewinnen.“ Der 77:107-Auswärtssieg wurde frenetisch von lediglich 40 mitgereisten Hagener Fans bejubelt. Es war bereits der dritte Sieg im vierten Saisonspiel.
Ebenfalls beeindruckend war die Leistung der TBB Trier am vergangenen Donnerstag. Mit viel Herzblut und Leidenschaft setzte sich das Team von Henrik Rödl nach Verlängerung mit 83:76 gegen den MBC Weißenfels durch. Oskar Fassler und Philip Zwiener kamen zusammen auf 31 Punkte.
Von der Offensivleistung her haben sich die Nationalmannschaftskollegen Robin Benzing und Per Günther vom quotenschwachen Saisonauftakt erholt. Mit kollektiven 29 Zähler gegen Quakenbrück bzw. 32 Punkten in Gießen unterstreichen sie ihren Aufschwung. Doch Ulm sucht weiter nach einem Erfolgserlebnis. Die vierte Pleite in Folge (88:81 gegen Gießen) konnte auch nicht die Galavorstellung von John Bryant (24 P, 16 R, 2 A) verhindern.
Während der Ulmer Center für die Donaustädter überragte, brillierte auf Seiten der LTi Giessen 46ers der US-Forward Zachery Peacock mit 27 Punkten (11/13 FG) und drei Steals. Die Mittelhessen erwecken nach den ersten Saisonspielen den Eindruck, als wollten sie in diesem Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun haben. So machte nach dem dritten Saisonsieg auch folgender Spruch die Runde in der Sporthalle Ost: „Was fühlt sich das geil an. Jetzt weiß ich auch, warum die Berliner immer so arrogant sind.“
Ein Video des 46ers-Jubels zeigt die aktuelle Stimmung beim BBL-Traditionsverein:
Alba Berlin mischt seit letzter Woche auch endlich in der Beko BBL mit. Am Freitag machte der Hauptstadtklub in Bonn keine Gefangenen (62:82). Zwei Tage später kam die EnBW Ludwigsburg heftig unter die Räder (86:60). Beide Male war Tadija Dragicevic bester Punktesammler der Albatrosse. Gegen die Barockstädter legte er beeindruckende Statistiken von 23 Punkten (9/13 FG), zehn Rebounds und fünf Assists auf. „Zwei Siege zum Bundesliga-Auftakt waren nach dem Euroleague-Aus natürlich wichtig“, sagte der Serbe nach Spiel. „Aber das lag nicht nur an mir. Das Zusammenspiel mit den Jungs klappt immer besser.“
Womöglich lag es auch daran, dass Dragicevic familiäre Unterstützung erhielt. Sein Zwillingsbruder ist momentan am Kreuzband verletzt und stattete Tadija einen Besuch ab. Wenn schon von Familiengeschichten die Rede ist: Anatoly Kashirov ist Vater geworden. Der Center der Walter Tigers Tübingen brachte seine Freude beim 84:76-Sieg über Bayreuth mit 22 Punkten und vier Rebounds zum Ausdruck. Die Tigers feierten damit den ersten Saisonerfolg, während die Wagnerstädter bereits die dritte Pleite nach dem Aufstieg hinnehmen mussten.
Doch der BBC konnte am Freitag gegen die BG Göttingen den ersten Sieg einfahren. Beim 70:66-Sieg dominierte US-Center Jared Reiner (17 P, 9 R). Göttingen rehabilitierte sich kurz darauf, als es die noch unbezwungenen EWE Baskets Oldenburg in die Knie zwang. Am Sonntag rockte Mike Scott ein Double-Double (20 P, 10 R) beim 80:68 aufs Parkett.
Zu den Spitzenteams in diesem Jahr sind eindeutig die Brose Baskets und Artland Dragons zu zählen. Die Bamberger überzeugen mit defensivstarkem Teambasketball und thronen mit fünf Siegen aus ebenso vielen Spielen an der Tabellenspitze. Die Drachen treten ebenfalls homogen und konzentriert auf und mussten sich in vier Begegnungen nur einmal geschlagen geben. Am Sonntag gab es einen deutlichen 91:68-Sieg über Düsseldorf. Bereits am kommenden Freitag kommt es zur Neuauflage der Finalserie 2007, wenn die Drachen in Freak City antreten.
Verletzungspech
Tim Ohlbrecht fällt vier Wochen mit einem ausgekugelten Daumen aus. Bremerhavens Guard Donald Copeland zog sich gegen Hagen eine Bänderdehnung zu. Auch der MBC Weißenfels muss weiterhin auf seine Bigmen Johnnie Gilbert und Velimir Radinovic verzichten. Bei den Bayern in der ProA droht das Lazarett auch anzuwachsen: Neben Steffen Hamann, Demond Greene und Artur Kolodziejski hat sich auch Neuzugang Chad Prewitt verletzt. Eine Diagnose steht noch aus.
ProA: Bayern weiter auf dem Vormarsch
Fünf Spieler punkteten zweistellig für den FC Bayern in der ProA. Beim 67:83-Sieg gegen Rhöndorf kamen auch die Neuzugänge Robert Garrett (9 P, 4 R) und Sebastian Greene zum Einsatz. Der FCB bleibt damit weiterhin ungeschlagen, ebenso wie die GiroLive-Ballers Osnabrück und Aufsteiger s.Oliver Baskets aus Würzburg.
In der ProB Süd benötigte der Nürnberger BC drei Verlängerungen, um sich gegen Konstanz mit 107:104 durchzusetzen. In der Nordstaffel kam Andreas Seiferth zwar auf 19 Punkte und 19 Rebounds, doch auch er konnte die 69:76-Pleite im Derby gegen Stahnsdorf nicht verhindern.
Spieler der Woche: Tadija Dragicevic
Er wurde 2008 an 53. Stelle von den Utah Jazz gedraftet und spielte seither für Roter Stern Belgrad und Lottomatica Rom. Alba Berlin sicherte im Sommer die Dienste von Tadija Dragicevic. Der 24-jährige Serbe überzeugte bei den ersten beiden Ligaspielen jeweils mit einem Double-Double. Gegen Ludwigsburg sammelte der Forward 23 Punkte, zehn Rebounds, fünf Assists und zwei Blocks.



von BerlinAir 18.10.10 um 14:10:11
"Während Bamberg als einziges Team noch ungeschlagen ist"
...jaaaaaa....wer findet den Fehler?
von Tomrock 18.10.10 um 14:19:55
... neben Berlin ... ;)
von Bob!!! 18.10.10 um 14:49:07
Ich hab's ja gesagt mit Hagen ^^ mit dem Abstieg ham wir sicher nix zu tun...
von dreiergott 18.10.10 um 18:07:36
ich meine, mike penberthy hatte in der saison 05/06 im spiel alba-ludwigsburg auch mal 9 von 10 dreiern versenkt...
von Tomrock 18.10.10 um 18:32:15
Stimmt. Am Ende waren es 33 Zähler.
[statistik.basketball-bundesliga.de]
von Krueschi 20.10.10 um 19:48:33
einer der talentiertesten spieler ever in der bbl...leider in spiel 4 die entscheidenden fw verworfen und mit hängendem kopf (ohne verabschiedung) vom parkett....der hass den er von vielen dafür bekommen hat, kann ich nicht nachvollziehen....wahnsinnsdreierquote in der hauptrunde
von dreiergott 20.10.10 um 19:56:46
die freiwuerfe, die penberthy verworfen hatte, waren aber nicht in spiel 4, sondern in spiel 3 der finalserie gegen koeln 2006.
in der serie stand es 1:1 und das dritte spiel fand in der max-schmeling-halle statt. alba fuehrte zur pause bereits mit 20, verspielte aber in der 2. haelfte die komplette fuehrung.
kurz vor schluss fuehrt alba mit 2 und penberthy hat 2 freiwuerfe, die er beide verwirft - daraufhin macht mcelroy (damals noch auf koelner seite) einen dreier und koeln gewinnt das spiel und im naechsten spiel auch die meisterschaft.
penberthy war uebrigens grade erst wieder von einer verletzung genesen und hatte vorher in der finalserie nicht wirklich viele spielanteile - deswegen wahrscheinlich auch die verunsicherung bei den freiwuerfen, obwohl er eigentlich mit abstand der beste freiwerfer war...