BBL-Wochenrückblick

Pausenloser Ballzauber

Obwohl die Beko Basketball Bundesliga am zurückliegenden Wochenende keine Ligaspiele austrug, wurde das orange Leder dennoch bewegt. Auf dem Programm standen unter der Woche Nachholspiele, um die letzten Mannschaften für den reformierten Pokalwettbewerb zu ermitteln und natürlich der 22. All-Star Day mit jeder Menge Unterhaltung.

Von Thomas Käckenmeister
 25.01.2010 |

  Ergebnisse  
19.01. Oldenburg - Göttingen 58:72
20.01. Berlin - Weißenfels 86:65
21.01. Bamberg - Hagen 77:54
21.01. Braunschweig - Paderborn 90:65
22.01. Frankfurt - Trier 71:69
22.01. Göttingen - Düsseldorf 66:62
23.01. NBBL Süd - NBBL Nord 72:68 OT
23.01. BBL Süd - BBL Nord 102:92

Die Mischung aus Unterhaltung und Business passte perfekt. Die Liga präsentierte sich am Wochenende zum zweiten Mal überhaupt mit einer All-Star-Veranstaltung in Bonn.

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer war im Halbzeitinterview bei der Sportübertragung im DSF die Freude an der Nasenspitze abzulesen, dennoch antwortete er mit gewohnt sachlicher Gelassenheit auf die Fragen von Feldreporter Manfred Winter. "Es ist wie nach Hause zu kommen", antwortete der Ligaboss auf die Frage nach der Stimmung im ausverkauften Telekom Dome.

Zugleich aber ließ Pommer durchblicken, dass die Verantwortlichen im Hintergrund über eine Änderung des Tabellenformat in der BBL nachsinnen. "Die jetzige Tabelle ist unhaltbar. Sie spiegelt die sportlichen Kräfteverhältnisse nicht wider, und das kann nicht sein", sagte Pommer am Rande des Wochenendes. Seit Einführung des internationalen FIBA-Standards zur BBL-Saison 2009/10, dass der Gewinnermannschaft zwei Punkte, dem Verlierer ein Punkt gutgeschrieben wird, hagelte es einige Kritik von Fans, Medien und Aktiven. Eine Alternative, das bestehende Format beizubehalten, wäre, die Spieltermine derart zu fixieren, dass alle Mannschaften beispielsweise stets sonntags die gleiche Anzahl an Spielen hätten, um eine bessere Vergleichbarkeit innerhalb der Liga zu gewährleisten. Zu welchem Zeitpunkt eine Änderung publik gemacht wird, ist noch offen.

Am Ende des BBL All-Star Day waren jedoch alle zufrieden: "Die Veranstaltung hat unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt. Bonn ist seinem Ruf als basketballbegeisterter Beko BBL-Standort vollauf gerecht geworden", gab Pommer bekannt. Dass die Massen letztlich auch mit dem Bonner Center Chris Ensminger den MVP in den eigenen Reihen wussten, setzte dem Ganzen sicherlich noch die Krone auf.

Da der Spaß im Vordergrund stand, konnten auch die krankheits- bzw. verletzungsbedingten Ausfälle von Tim Ohlbrecht (Bonn, Magenverstimmung), Julius Jenkins (Berlin, Sprunggelenk) und Chris Oliver (Göttingen, Knie) halbwegs verziehen werden, die somit nicht am Spiel der Besten mitwirkten. Neben David Teague (Gießen), Rodney Buford (ehemals Bremerhaven) und Koko Archibong (Düsseldorf), deren Fehlen bereits im Vorfeld bekannt war, bekamen die Fans aber insgesamt schmackhafte Kost geboten.

Die drei besten BBL All-Star-Leistungen

1. Chris Ensminger (MVP, Bonn): 16 P, 9 R, 3 A
2. Jeff Gibbs (Bremerhaven): 16 P, 6 R, 6 A, 2 S
3. Aleksandar Nadjfeji (Tübingen): 12 P, 6 R, 3 A, 2 S

Die drei besten NBBL All-Star-Leistungen

1. Patrick Heckmann (MVP, Mainz): 19 P, 2 A, 3 S, 1 B
2. Niels Giffey (Berlin): 22 P, 4 R
3. Philipp Neumann (Nürnberg): 12 P, 7 R, 5 B

Taylor Rochestie (Göttingen) gewann den Dreipunktewettbewerb. Der nachnominierte Trierer Guard Jamal Shuler (für den verletzten Bonner Bryce Taylor) triumphierte beim Dunking-Contest.

Pokalteilnehmer stehen fest

Auf ein weiteres Basketball-Highlight dürfen sich auch die Mannschaften aus Bamberg, Berlin, Bonn, Bremerhaven, Oldenburg und Göttingen freuen. Diese sechs Teams stellen das Feld der Qualifikanten für den neu geschaffenen BBL-Pokal dar. Frankfurt ist als Ausrichter des Miniturniers am 10./11. April gesetzt, sodass die ersten sieben Mannschaften der Hinrunde teilnehmen werden.

Die Hinrundentabelle (alle Teams mit je 17 Spielen)

# Team S N Punkte
1 Berlin 14 3 31
2 Göttingen 11 6 28
3 Oldenburg 11 6 28
4 Bonn 11 6 28
5 Frankfurt 11 6 28
6 Bamberg 10 7 27
7 Bremerhaven 10 7 27
8 Weißenfels 10 7 27
9 Braunschweig 9 8 26
10 Quakenbrück 9 8 26
11 Ludwigsburg 9 8 26
12 Trier 7 10 24
13 Tübingen 7 10 24
14 Ulm 6 11 23
15 Hagen 5 12 22
16 Düsseldorf 5 12 22
17 Gießen 5 12 22
18 Paderborn 3 14 20

Die BG Göttingen sicherte sich das Los für das Top-Four-Qualifikationsspiel am 17. Februar - alle drei Paarungen werden am 30. Januar ausgelost - mit zwei Siegen in den vergangenen sieben Tagen. Zunächst fügten die Veilchen den EWE Baskets in Oldenburg die erste Heimniederlage der Saison zu (58:72). Die Begegnung schien bereits nach 20 Minuten entschieden, als die Göttinger mit 21:40 führten. Dwyane Anderson (23 P, 10 R) und Taylor Rochestie (16 P) waren die besten Korbjäger der Südniedersachsen, die auch den Ausfall von MVP-Anwärter Chris Oliver verkrafteten. Je'Kel Foster stemmte sich mit 20 Punkten vergeblich gegen die Heimpleite.

Der Göttinger Topscorer Oliver (17,0 PpG) kam am vergangenen Freitag gegen Düsseldorf (66:62) zurück und sogleich zu einem zwölfminüten Kurzeinsatz. Ob es seine vier Zähler waren, die am Ende den Unterschied machten, sei dahingestellt. Vielmehr wirkte sich die Göttinger Rebound-Überlegenheit (46:34) als spielentscheidend aus. John Little und Brant Bailey erzielten jeweils 20 Punkte.

Dank starker Teamverteidigung setzten sich die beiden anderen Pokaljäger aus Berlin und Bamberg in ihren Partien durch. Die Hauptstädter trafen beim 86:65-Kantersieg gegen den MBC Weißenfels gut zehn Prozentpunkte besser aus dem Feld (51,9% FG ggü. 40,7% FG), während die Franken beim 77:54-Heimerfolg den Aufsteiger aus Hagen nicht einmal jeden dritten Feldwurf gestatteten (49,2% FG ggü. 32,0% FG).

In Paderborn gerät Coach Olaf Stolz immer stärker in die Kritik, nachdem er mit seinen Baskets in Braunschweig mit 90:65 unterging. Fünf erzielte Punkte im ersten Abschnitt ließen alle Hoffnungen auf den fünften Saisonsieg wie eine Seifenblase platzen. Somit dümpeln die Westfalen weiterhin am Tabellenende und können, ähnlich wie die Düsseldorfer, zusätzlich neben der Bundesliga- auch eine ProA-Lizenz beantragen.

Schließlich trafen noch die Deutsche Bank Skyliners auf TBB Trier. Die engste Begegnung der abgelaufenen Woche (71:69) glich vom Spielverlauf her eher einer Achterbahnfahrt. Zur Pause lagen die Hausherren mit elf Punkten vorn (37:26), ehe die Moselstädter nach dem Seitenwechsel aufdrehten und zu Beginn des Schlussviertels mit 47:53 führten. So entwickelte sich eine umkämpfte Schlussphase. Pascal Roller (13 P) brachte die Südhessen 15 Sekunden vor Schluss mit zwei Freiwürfen in Führung, Aubrey Reese (13 P, 5 R, 4 A) netzte vier Sekunden vor Feierabend den finalen Zähler vom Streifen ein. Trier konnte im letzten Spielzug keinen Wurf mehr abfeuern. Derrick Allen traf für 17 Zähler, bei Trier erzielten Derek Raivio und Miladin Pekovic zusammen 29 Punkte.

Neue Halle für den Deutschen Meister

Oldenburgs Oberbürgermeister Prof. Gerd Schwandner sorgte kürzlich für zufriedene Gesichter unter den Verantwortlichen der EWE Baskets und bei den Sponsoren des amtierenden Deutschen Meisters. "Die EWE Baskets sind das Aushängeschild des Oldenburger Sports", würdigte er den Stellenwert des Vereins. In Sachen Hallensituation erklärte Schwandner: „Wir wollen das Projekt Weser-Ems-Halle 2014 vorantreiben.“ Auf dem Gelände des Hallenkomplexes soll eine neue Multifunktionshalle entstehen, von der auch die EWE Baskets profitieren würden.

Top der Woche: Dass das Show-Spektakel nach zwei Jahren in Mannheim wieder zu einem BBL-Standort zurückgekehrt ist, hat sich gelohnt. Ein ausverkaufter Telekom Dome (6.000 Zuschauer) ist der beste Beleg dafür.

Flop der Woche: Lucca Staiger verlässt das College. Nachwuchsarbeit und deutsche Spieler in der Beko BBL sind gefragt, doch nicht auf Kosten von Loyalität. Staiger verließ inmitten der Saison sein College Iowa State, weil er mit seiner Rolle bei den Cyclones unzufrieden war. Alba Berlin nahm den 21-jährigen Nationalspieler für zweieinhalb Jahre unter Vertrag (mehr in Crunchtime, Vol. 13).

Die besten Deutschen der Woche

G: Gordon Geib (Düsseldorf gg. Göttingen: 13 P, 3 R, 2 S)
G: Pascal Roller (Frankfurt gg. Trier: 13 P, 2 R)
F: Robert Garrett (Bamberg gg. Hagen: 9 P, 2 A, 2 S)
F: Yassin Idbihi (Braunschweig gg. Paderborn: 15 P, 9 R, 2 S)
C: Tibor Pleiß (Bamberg gg. Hagen: 8 P, 3 R, 4 B)

Die erste Fünf der Woche

G: John Allen (Braunschweig gg. Paderborn: 14 P, 7 A, 2 S)
G: DeAndre Haynes (Paderborn gg. Braunschweig: 25 P, 2 R, 2 A)
F: Dwayne Anderson (Göttingen gg. Oldenburg: 23 P, 10 R, 2 A, 3 S)
F: Jason Cain (Braunschweig gg. Paderborn: 22 P, 8 R, 3 A)
C: Elton Brown (Bamberg gg. Hagen: 14 P, 9 R)




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
5.00
(2 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(0 Kommentare bisher)

von Crossover 12.02.2012 um 13:03:30


Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?