BBL-Wochenrückblick

Neue Besen kehren gut

Eine Handvoll neuer Spieler in der Beko BBL hat in der vergangenen Woche einen guten Eindruck hinterlassen. In Bremerhaven führten die Neuverpflichtungen Elvir Ovcina und Osvaldo Jeanty die Giessen 46ers sogar zu einem überraschenden Erfolg.

Von Joshua Wiedmann
 08.02.2010 |

Ergebnisse
03.02. Düsseldorf - Oldenburg 51:75
05.02. Bremerhaven - Gießen 81:84
06.02. Bamberg - Weißenfels 74:55
06.02. Quakenbrück - Braunschweig 60:66
06.02. Ludwigsburg - Paderborn 84:79 OT
06.02. Berlin - Tübingen 99:83
06.02. Frankfurt - Ulm 84:77
06.02. Hagen - Bonn 64:67
07.02. Göttingen - Trier 77:64

Manchmal kann der Basketball schon eine verrückte Sportart sein. Das durften am vergangenen Wochenende auch die Artland Dragons und vor allem die Phantoms aus Braunschweig erfahren. Das Duell zwischen den beiden Playoff-Aspiranten schien nach einer Hälfte quasi schon entschieden zu sein: Mit 43:26 lagen die Gäste aus Braunschweig in Quakenbrück zur Halbzeitpause zurück und hatten bis dato keinen Fuß auf den Boden bekommen. Auch nach dem dritten Viertel (52:42) wies noch nicht sehr viel auf den drohenden Umschwung hin, den der letzte Spielabschnitt mit sich bringen sollte. Zu Beginn des letzten Viertels gingen die bis dahin recht lethargisch wirkenden Gäste aus Braunschweig aber plötzlich mit mehr Aggressivität und Einsatz zu Werke, netzten einige Würfe ein und waren im Handumdrehen zurück im Spiel (57:57). Die bis dato überlegenen Dragons gerieten nun völlig aus dem Konzept und erzielten in den letzten fünf Spielminuten gerade noch fünf Punkte. „Wir haben in drei Vierteln ordentlich verteidigt, und es gibt absolut keinen Grund, dass wir im letzten Viertel 24 Punkte zulassen. Außerdem haben wir neun Freiwürfe vergeben und das zeigt, dass wir die Hosen voll hatten“, fand Dragons-Coach Thorsten Leibenath nach der Partie klare Worte. Sein Gegenüber, Sebastian Machowski, konnte sich dagegen über den 60:66-Sieg seiner Mannen freuen: „Mit ein, zwei Veränderungen sind wir in die zweite Halbzeit gestartet und haben mit der richtigen Intensität und Aggressivität in der Defense das Spiel gedreht“, meinte Machowski. Der Schlüssel zum Erfolg war letztlich auch die gute Rebound-Arbeit der Braunschweiger, die den Dragons nur 30 Boards gestatteten und ihrerseits 41 Bretter abgriffen.

Das Duell unter den Körben gewann auch die EnBW Ludwigsburg im Duell mit den Paderborn Baskets deutlich (41:26 Rebounds). Lange Zeit war dies jedoch die einzige Statistik, in der der Tabellenletzte das Nachsehen hatte. Die Gäste aus Paderborn starteten überraschend gut in die Partie und erspielten sich bis zur Halbzeit einen recht komfortablen Vorsprung (31:42). Ludwigsburg hingegen fand offensiv kaum einen Rhythmus. Erst nach dem Seitenwechsel kamen die Schwaben besser in Tritt und erhöhten auch in der eigenen Hälfte nun die Intensität. Die Folge: Paderborn verzettelte sich immer öfter in Einzelaktionen und schmiss reihenweise den Ball weg (19 Turnovers). Knapp zwei Minuten vor Schluss ging Ludwigsburg durch Freiwürfe von Michael Haynes erstmals seit der Anfangsphase wieder in Führung. Der EnBW-Swingman traf anschließend jedoch nur einen vom "Stripe" zum 69:66. Baskets-Center Matt Terwilliger (16 P, 4 R) nutzte die Chance zum Ausgleich und rettete seine Truppe mit einem Dreier in die Verlängerung. In der fünfminütigen Zusatzschicht behielten die routinierteren Hausherren aber die Oberhand und gewannen schlussendlich mit 84:79. „Nach so einem Spiel ist es schwer, die richtigen Worte zu finden“, sagte ein enttäuschter Baskets-Coach Olaf Stolz, dessen Mannschaft mit vier Saison-Siegen nunmehr weiterhin auf dem letzten Tabellenrang liegt.

Berlin und Oldenburg in der Erfolgsspur

Am anderen Ende des Spektrums sonnt sich Alba Berlin weiterhin auf dem ersten Tabellenplatz. Die Albatrosse verwiesen in eigener Halle auch die zuletzt stark aufspielenden Walter Tigers aus Tübingen in die Schranken und siegten in einem offensivstarken Spiel mit 99:83. „Alba war gut vorbereitet und wir hatten keine große Chance“, gestand Tigers-Coach Igor Perovic. Alba-Coach Luka Pavicevic wollte hingegen nicht von einer einfachen Angelegenheit für seine Auswahl sprechen: „Für die Zuschauer war es bestimmt eine tolle Partie. Aber unser Gegner hat das Spiel bis kurz vor Schluss offen gehalten“, meinte der Berliner Coach. Herausragend war neben einem tollen Zusammenspiel der Albatrosse (26 Assists) auch das Duell der beiden Jenkins-Namensvettern: Während auf Berliner Seite Julius mit 30 Punkten (u.a. 8/11 3FG) ein wahres Offensiv-Feuerwerk zündete, stemmte Michael sich bei den Tigers mit 28 Zählern gegen die drohende Pleite seiner Mannschaft.

Gut in Schwung sind inzwischen auch die EWE Baskets Oldenburg. Der amtierende Meister machte bei den Giants Düsseldorf Nägel mit Köpfen und hatte den Sieg bereits nach einer Halbzeit (17:44) so gut wie in der Tasche. „Bei uns fiel kaum ein Wurf, Oldenburg hat in dieser Phase seine ganze Klasse gezeigt“, musste Giants-Coach Achim Kuczmann anerkennen. Tatsächlich trafen die Düsseldorfer schier beängstigend schlecht von der Dreierlinie (16,7) und aus dem Feld (24,6 Prozent). „Mit unserer schlechten Wurfquote hätten wir heute aber auch gegen andere Mannschaften verloren“, äußerte Kuczmann lapidar. Die Hausherren konnten lediglich im letzten Viertel noch etwas Schadensbegrenzung betreiben, was jedoch wenig am klaren Erfolg der „Donnervögel“ änderte (51:75).

Einen klaren Triumph konnten auch die Brose Baskets Bamberg verbuchen. Die Franken kamen gegen den Mitteldeutschen BC trotz durchschnittlicher Trefferquote (40,0 % FG) zu einem nie wirklich gefährdeten Sieg 74:55-Sieg. Nach einem von beiden Seiten schwachen ersten Viertel (13:13) zog Bamberg in der Folge das Tempo an und ging insbesondere deutlich aggressiver zu Werke, was die 33 gezogenen Freiwürfen belegen. Obendrein führte Combo-Guard Brian Roberts solide Regie und konnte seinen Coach offensiv (21 Punkte) wie defensiv überzeugen. „Ich habe oft seine Verteidigung kritisiert, heute hat er sehr gut gespielt“, lobte Chris Fleming seinen Schützling. MBC-Coach Björn Harmsen warf seiner Mannschaft besonders mangelnden Einsatz vor: „Wenn Bamberg besser und aggressiver verteidigt und auch noch mehr kämpft als wir das tun, dann ist das Ergebnis auch so gerechtfertigt, wie es ausgefallen ist“, fand der jüngste Coach der Liga klare Worte.

Gießen der Gewinner im Abstiegskampf

Im Ligakeller ist den Giessen 46ers ein Überraschungs-Coup gelungen. Die Mittelhessen, die sich zuletzt noch mit Guard Osvaldo Jeanty (letzte Saison Nördlingen) und Center Elvir Ovcina (einst EWE Baskets Oldenburg) verstärkt hatten, setzten sich im hohen Norden bei den Eisbären Bremerhaven mit 81:84 durch und fuhren somit den lange erhofften sechsten Saisonsieg ein. „Bei den Eisbären, die eine tolle Serie hingelegt haben (zuletzt sieben Siege, Anm. d. Red.), in dieser Form zu gewinnen, tut gut“, meinte ein sichtlich glücklicher 46ers-Coach Vladimir Bogojevic. Dessen Mannschaft spielte in der Rolle des klaren Underdogs stark auf, bewegte den Ball gut (21 Assists) und nützte offene Wurfgelegenheiten mit traumwandlerischer Sicherheit aus (64,0 % FG). Besonders Center Ovcina zauberte – abgesehen von seinen sieben Ballverlusten – eine überragende Leistung auf das Parkett und konnte am Schluss einen prall gefüllten Statistik-Bogen vorweisen (19 P, 9 R, 8 A, 5 B). Bremerhaven hingegen ließ die nötige Intensität und Hingabe vermissen. „Wir haben teilweise wie im Schongang gespielt“, bekundete Eisbären-Coach Doug Spradley. Dessen Team rangiert dennoch weiterhin auf einem Playoff-Rang, während die 46ers die erbrachte Leistung kommendes Wochenende gegen die BG Göttingen manifestieren müssen.

Weniger Fortüne hatten die beiden ärgsten Keller-Kontrahenten der Gießener, Phoenix Hagen und ratiopharm Ulm. Der Aufsteiger aus Hagen schien im Heimspiel gegen Vizemeister Bonn lange auf einem guten Weg zum siebten Saison-Erfolg zu sein, gab die Begegnung in den Schlussminuten aber noch aus der Hand. „Die Ballverluste im letzten Viertel haben uns das Genick gebrochen“, meinte Phoenix-Coach Ingo Freyer nach der 64:67-Pleite. Eine ähnliche Erfahrung machten auch die Ulmer Basketballer, die nach einem ausgeglichenen Spiel in der Frankfurter Ballsporthalle schlussendlich doch noch den Kürzeren zogen (84:77). Die Verantwortlichen der Spatzen echauffierten sich anschließend vor allem über die Schiedsrichterleistung, wodurch ganze 35 Freiwürfe für die Skyliners entstanden waren: „Ich will jetzt keine Strafe bekommen, aber ich denke, jeder hat gesehen, was hier abgelaufen ist“, ließ Ulms Manager Thomas Stoll in der „Südwest Presse“ verlauten.

Eine beeindruckende Serie konnte die BG Göttingen am Leben erhalten: Die „Veilchen“ fuhren gegen die TBB Trier einen 77:64–Erfolg ein und blieben damit auch im zehnten Heimspiel der Saison ungeschlagen. Die Göttinger legten vor 3.210 Zuschauern los wie die Feuerwehr und erspielten sich schnell einen Zehn-Punkte-Vorsprung (13:3), den sie bis zur Halbzeit (48:36) kontinuierlich ausbauten. Auch nach der Halbzeit behielt die BG die Kontrolle und das Geschehen. Erst als die Gastgeber im letzten Viertel einen Gang zurück schalteten, rochen die Trierer Lunte und kämpften sich noch einmal auf bis zu acht Punkte heran (71:63, 36. Minute). Richtig eng wurde es in der Schlussphase jedoch nicht mehr. „Wir haben zum Schluss gutes Teamplay gezeigt und den Sieg nach Hause gebracht“, meinte BG-Coach John Patrick.

Top der Woche: Oft sind Nachverpflichtungen ja aus der Not geborene Eiltransfers. Nicht so bei einigen Spielern, die zuletzt neu in die Beko BBL kamen: Elvir Ovcina und Osvaldo Jeanty (16 P) geben Gießen eine ganz neue Dimension im Spiel, Marcus Goree (10 P, 9 R, 5 B) dominiert für Braunschweig unter den Körben, Andrew Drevo ballert sich im hohen Norden zu guten Leistungen (19 P gg. Gießen) und auch Zygimantas Jonusas (Hagen) und Drew Neitzel (Trier) scheinen sinnvolle Verstärkungen zu sein.

Flop der Woche: Es muss schon einiges schief gehen, wenn man in eigener Halle 6:24 Punkte im letzten Viertel zulässt und dem Gegner damit quasi den Sieg in den Rachen stopft – so geschehen bei den Artland Dragons im Spiel gegen Braunschweig. „Wir haben Angst vorm Gewinnen, vor der eigenen Courage“, analysierte Dragons-Coach und Chefpsychologe Thorsten Leibenath. Gut möglich, dass dieser letztere Rolle zukünftig noch öfter ausfüllen muss, um ähnliche Komplettabstürze wie gegen Braunschweig zu vermeiden.

Die besten Deutschen der Woche
G: Heiko Schaffartzik (Braunschweig gg. Q’brück, 11 P, 2 R, 2 A)
G: Alexander Seggelke (Quakenbrück gg. B’schweig, 13 P, 3 A, 2 R)
F: Robin Benzing (Ulm gg. Frankfurt, 20 P, 2 A)
F: Guido Grünheid (MBC gg. Bamberg, 16 P, 5 R, 2 A)
C: Bernd Kruel (Hagen gg. Bonn, 13 P, 11 R, 3 A)

Die erste Fünf der Woche
G: Julius Jenkins (Berlin gg. Tübingen, 30 P, 5 A, 8/11 3FG)
G: Michael Jenkins (Tübingen gg. Berlin, 28 P, 5 R, 8/11 3FG)
F: Seth Doliboa (Frankfurt gg. Ulm, 18 P, 15 R, 4 S, 2 A)
F: Romeo Travis (Tübingen gg. Ulm, 18 P, 7 R, 4 A)
C: Elvir Ovcina (Gießen gg. B’haven, 18 P, 9 R, 8 A, 5 B)




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von Crossover 05.02.2012 um 06:48:11


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