BBL-Wochenrückblick
Mit Pauken und Trompeten
Mit vielen Geschichten beginnt das Jahr 2009 in der Basketball-Bundesliga. Bremerhaven wechselt den Trainer und verliert weiter, Quakenbrück ist im Winterschlaf, für Berlin startet die "Woche der Wahrheit". Das und noch vieles mehr gibt es im Wochenrückblick.
Von Thomas Käckenmeister |
05.01.2009 | |
Das neue Kalenderjahr in der Basketball-Bundesliga begann mit zwei Paukenschlägen: Nach 15 Niederlagen in Folge trat Bremerhavens Cheftrainer Dr. Sarunas Sakalauskas von seinem Amt zurück, und Alexander Johnson, als Star-Center eingekauft, wurde den Erwartungen in Bamberg nicht gerecht und vor der Partie gegen die Telekom Baskets Bonn entlassen.
Dass die Franken dem Verlust ihres bulligen US-Centers keine Träne nachweinen mussten, hatte einen guten Grund. Eric Taylor dominierte die Zone gegen die Bonner und sammelte neben 27 Punkten ganze 15 Rebounds ein. Doch das half wenig. Nach dem Seitenwechsel sahen die 5.800 Zuschauer im Telekom Dome, wie sich ein 36:40-Rückstand zur Halbzeit in einen 81:76-Sieg zugunsten Bonns wandelte. Es war der sechste Erfolg hintereinander für das Team von Michael Koch.
Dabei ließen die Hausherren sich beinahe noch die Butter vom Brot nehmen. ?Mit sechs Punkten Führung drei Minuten vor Schluss muss man ruhiger bleiben. Das ist in einer solchen Halle nicht immer ganz einfach, aber ein 9:0-Lauf des Gegners darf uns in dieser Phase natürlich nicht passieren", blickte Bambergs Assistant Coach Volker Stix auf die Schlussphase zurück. ?Mit dem Endergebnis können wir sicher nicht zufrieden sein, mit der Leistung mit Ausnahme der letzten drei Minuten schon. Sie hat gezeigt, dass wir hart gearbeitet haben und es in der Mannschaft stimmt." Auch ohne Johnson, für den bis zum Ende der Wechselfrist am 28. Februar (24 Uhr) Ersatz geholt werden kann, ist die Chemie im Team in Ordnung. "Wir halten ohne Hektik die Augen offen, ob wir noch einen neuen Spieler verpflichten", lässt Coach Chris Fleming hingegen die Frage nach verstärkung offen.
Auch bei Alba Berlin gibt es derzeit keine Probleme. Zwar nagt die Dreifachbelastung - Liga, Pokal und Euroleague - an der Substanz des Hauptstadtklubs. Der Leistung tut dies jedoch keinen Abbruch. Gegen Frankfurt strömten mehr als 10.000 Zuschauer in die o2 World, die nach 40 Minuten einen lockeren 87:71-Erfolg feierten. Bereits nach zehn Minuten lagen die Albatrosse mit 19 Punkten in Führung. Insbesondere das Ballverteilen eines Immanuel McElroy (neun Assists; außerdem: neun Punkte, vier Rebounds, zwei Steals) steckte seine Kollegen an. Berlin spielte 19 Pässe vor Korberfolgen, Frankfurt kam nur auf sieben, obwohl sie in Lorenzo Gordon (30 Punkte, acht Rebounds) den besten Mann auf dem Parkett hatten.
Während Skyliners-Chef Murat Didin nach der Partie von einem "Unfall" sprach, fand Berlins Head Coach Luka Pavicevic aufbauende Worte: "Frankfurt hat sich als Mannschaft etabliert, die in allen Belangen um die Meisterschaft mitspielt", sagte Pavicevic. "Nach der Weihnachtspause war es wichtig für uns, einen direkten Konkurrenten um den Titel zu schlagen. Wir hatten heute von Anfang an den richtigen Fokus, die richtige Aggressivität und das richtige Tempo und haben dadurch das Spiel schnell unter Kontrolle bekommen."
In der von der Berliner Morgenpost als "Woche der Wahrheit" titulierten, bevorstehenden Spielphase hat Alba die erste Hürde erfolgreich genommen. Am kommenden Mittwoch steht mit der Partie gegen DKV Joventut Badalona "ein absolutes Endspiel" (Marco Baldi) in der Euroleague an, ehe am kommenden Samstag die Begegnung gegen die EWE Baskets Oldenburg auf dem Spielplan steht.
Die Donnervögel aus Niedersachsen hatten derweil unerwartete Schwierigkeiten gegen die Walter Tigers Tübingen. Nachdem sich die Truppe von Predrag Krunic zu Beginn schnell einen Zehn-Punkte-Vorsprung erspielt hatte, witterten die Gäste aus dem süddeutschen Universitätsstädtchen Morgenluft. Nach und nach kämpften sie sich zurück ins Spiel und konnten sogar vereinzelt bis auf zwei Zähler herankommen. Am Ende sicherte jedoch der beste Akteur des Spiels den Sieg für die Oldenburger: Jason Gardner verwandelte in den letzten zwei Spielminuten insgesamt sechs Freiwurfe. Am Ende hatte der Point Guard 19 Punkte, sechs Rebounds, vier Assists und drei Steals auf seinem Konto.
Eine herausragende Leistung lieferte auch der Kanadier Osvaldo Jeanty ab. Mit den Giants Nördlingen trat er bei den Eisbären Bremerhaven an. Nach dem Trainerwechsel zum Jahreswechsel - Assistenztrainer Algirdas Milonas löste den zurückgetretenen Sarunas Sakalauskas ab - erwischten die Seestädter einen Start nach Maß. Im ersten Abschnitt zogen sie frühzeitig auf zwölf Punkte davon. Das Publikum peitsche das Team nach vorn, Schilder mit der Aufschrift "Yes, you can!" sollten die Wende nach 14 Niederlagen in Folge einleiten.
Doch die Rechnung hatten sie nicht mit der Nummer 43 des Gegners gemacht. Jeanty punktete im zweiten Viertel nach Belieben, markierte bis zur Halbzeit 19 Punkte und münzte seine Feuerkraft auch in der restlichen Spielzeit in zählbaren Erfolg um. 17 Sekunden vor Ende des vierten Viertels, in dem beide Teams zusammen nur 16 Punkte erzielen konnten, warf Bremerhavens Craig Calahan einen Airball von der Freiwurflinie. Somit ging es, nach missglückter Schlussaktion seitens der Gäste, mit 68:68 in die Verlängerung.
In der Overtime machte Jeanty dort weiter, wo er in der regulären Spielzeit aufgehört hatte. Mit zwei Dreiern in Folge und weiteren vier Freiwürfen unterstrich er seine Galavorstellung. Am Ende standen für ihn 39 Punkte, davon acht von zehn Dreier, und sechs Rebounds zu Buche.
Als Nördlingens Neuverpflichtung Derrick Lang einen weiteren Dreier in der Verlängerung mit Brett und ablaufender Schussuhr versenkte, betrug der Unterschied zwischen beiden Teams neun Zähler. Am Ende hieß es 87:78 für Nördlingen, dem damit ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt gelang. Einziger Wermutstropfen für das Team von Andy Wagner: Center Brian Butch musste mit Verdacht auf einen Fußbruch ins Krankenhaus. Bremerhaven bleibt hingegen weiterhin erfolglos, trotz des neuen Trainers Algirdas Milonas, dessen Handschrift in Ansätzen in der Partie bereits zu lesen war.
Neben den Bremerhavenern hoffen auch die Köln 99ers darauf, schnell die Treppe aus dem Tabellenkeller zu finden. Die Domstädter hatten mit 73:77 gegen Trier das Nachsehen, da der ehemalige Kölner Derek Raivio in den letzten 62 Sekunden des Spiels fünf Freiwürfe einnetzte.
Somit bleiben die 99ers, die von Neuzugang Edin Bavcic - er kam als Ersatz für Guido Grünheid, der nach Griechenland zu Egaleo Athen wechselte - 14 Punkte und vier Rebounds erhielten, am Tabellenende, während die Moselstädter, bei denen Rückkehrer Norman Richardson 22 Punkte und sechs Rebounds markierte, auf den elften Platz vorrückten.
In einem weiteren Aufeinandertreffen besiegten die Giants Düsseldorf die Artland Dragons. Vor heimischer Kulisse unterlagen die Quakenbrücker mit 77:88. Der kleine Durchhänger im Artland hält also an; die Dragons verloren das dritte Ligaspiel in Folge. Es war sogar die zweite Heimpleite mit mehr als zehn Zählern hintereinander.
Großen Anteil am Sieg der Gäste hatte Brendan Winters. Mit heißer Hand half er seinem Team im ersten Viertel, mit 20:10 in Führung zu gehen. 13 Zähler hatte der Scharfschütze zu diesem Zeitpunkt bereits auf seinem Konto, ehe Thorsten Leibenath reagierte und ihm Crossover-Tagebuchschreiber Flavio Stückemann auf die Füße setze.
Bis zur Mitte des zweiten Viertels konnten die Drachen noch mitspielen, ehe die Düsseldorfer erneut zweistellig davonzogen. Am Ende buhten sogar die Zuschauer ob der desolaten Leistung ihrer Spieler. Dabei kündigte Head Coach Leibenath unter der Woche an, im Training intensiver arbeiten zu wollen. "Wir arbeiten noch härter als vorher. Gerade auch, wenn wir müde sind, denn diesen toten Punkt müssen wir bekämpfen und damit unsere Schwäche im Spiel abstellen, weil wir immer wieder einen schlechten Lauf haben?, wurde der Cheftrainer in den Bramscher Nachrichten zitiert. Es gibt also noch Nachholbedarf beim Vizemeister von 2007. Mit einem schweren Programm in den kommenden Wochen (u.a. Frankfurt und Berlin) ist die Playoff-Teilnahme bei einem derzeitigen zehnten Platz (Bilanz: 8-8) alles andere als in trockenen Tüchern.
Die Tickets für die Postseason können unterdessen fast schon bei der BG 74 Göttingen in Druck gehen. Das Team von John Patrick verlor erst drei Ligaspiele in dieser Saison und steht derzeit mit elf Siegen auf dem dritten Tabellenplatz. Nach einem 77:68 gegen EnBW Ludwigsburg feierten die "Guard-Terroristen" dank eines 28:16-Schlussviertels den dritten Erfolg in Serie. Matchwinner war Charles Lee, der vor kurzem seinen Vertrag verlängerte, mit 26 Punkten.
Der 16. Spieltag wird im Laufe dieser Woche mit den Partien Paderborn gegen Ulm (7. Januar) und Gießen gegen Braunschweig (8. Januar) komplettiert.
Die deutschen TopTen der Hinrunde
Was in der NBA täglich produziert wird, haben die Kollegen von sportdigital.tv nun auch auf die Beine gestellt. Aus dem vorhandenen Material des aktuellen Spieljahres wurde ein Filmchen produziert, in dem viele heiteren Momente und krachende Höhepunkte festgehalten sind.
BBL All-Star Day 2009
Es dauert nicht mehr lange. Am 17. Januar trifft sich die Crème de la Crème des deutschen Basketballs in Mannheim. Beim BBL All-Stay Day 2009 gibt es neben einem bunten Unterhaltungsprogramm vor allem sportliche Feinkost. Neben den Offenen Deutschen Dreipunkte- und Dunking-Meisterschaften treten die besten Spieler der NBBL gegeneinander an, ehe am Abend die All-Stars ihr Stelldichein geben. CROSSOVER ist auch in diesem Jahr live für Euch dabei, um exklusiv über das Korbsport-Spektakel zu berichten.
Flop der Woche
Die Heimschwäche der Eisbären Bremerhaven. Acht Spiele wurden in der bisherigen Saison in der Stadthalle Bremerhaven ausgetragen, acht Geschenke verteilten die Hausherren an die Gäste.
Top der Woche
Nördlingens Osvaldo Jeanty. Sowohl 39 Punkte als auch acht verwandelte Dreier bedeuten jeweils Saisonrekord in der Basketball-Bundesliga.
Erste Fünf der Woche
G: Jason Gardner (Oldenburg gg. Tübingen, 19 Pkt, 6 Reb, 4 Ast)
G: Osvaldo Jeanty (Nördlingen gg. Bremerhaven, 39 Pkt, 8/10 3FG)
F: Lorenzo Gordon (Frankfurt gg. Berlin, 30 Pkt, 8 Reb)
F: Eric Taylor (Bamberg gg. Bonn, 27 Pkt, 15 Reb)
C: Darren Fenn (Quakenbrück gg. Düsseldorf, 21 Pkt, 10 Reb, 4 Ast, 2 Stl)



von Nolte 05.01.09 um 17:00:49
wo ist der Göttinger Charles Lee in der Top5 ?