BBL-Wochenrückblick
Lust auf mehr
Zum Saisonauftakt in der Beko Basketball-Bundesliga ging es gleich hoch her. Zwei Partien gingen in die Verlängerung, neue Helden aus der Heimat traten ins Rampenlicht und ein Aufsteiger ist Tabellenführer. Das alles und noch mehr gibt es im Wochenrückblick, nur echt mit wackligen Zähnen und Handgelenken.
Von Thomas Käckenmeister |
12.10.2009 | |
Hungrige Wölfe spielen wie alten Hasen
Romeo Travis von den Walter Tigers Tübingen war der herausragende Akteur des ersten Spieltags der Beko BBL-Saison 2009/10. Zum Auftakt punktete der Forward gegen Aufsteiger MBC Weißenfels aus allen Lagen, beendete die Partie mit 35 Punkten (9/14 FG) und 16 Rebounds. Dank seines Einsatzes am eigenen Brett sorgte Travis kurz vor Ende der regulären Spielzeit für die entscheidenden Punkte, um sein Team in die Verlängerung zu schicken.
Doch ein Held, der mit 36 Effektivitätspunkten herausragte, reichte nicht gegen die geschlossene Mannschaftsleistung der Wölfe von Björn Harmsen. In der ersten Hälfte liefen die Gäste aus Sachsen-Anhalt einem Elf-Punkte-Rückstand hinterher, am Ende hatten sie mit 95:91 gewonnen. "Wir hatten die tiefere Bank und konnten mit Energie und Qualität die Partie zu unseren Gunsten entscheiden", meinte MBC-Teammanager Martin Geissler. Sieben Wölfe erzielten mindestens acht Punkte, der Russe Anatoly Kashirov sammelte sieben seiner 19 Zähler (dazu neun Rebounds) in der Overtime.
Nach fünfjähriger Pause ist der MBC wieder zurück im Oberhaus des deutschen Basketballs - und die hungrigen Wölfe treten auf wie alte Hasen. Ziemlich abgezockt zwangen die Weißenfelser nicht einmal 48 Stunden nach ihrem Auftakterfolg das Team von ratiopharm Ulm in die Knie (96:84). Coach Harmsen nannte den Grund der Erfolgs: "Unser Vorteil war die tiefer besetzte Bank, vom Freitagsspiel konnten wir noch Energie mitnehmen. Bis zur Halbzeit haben wir die schwierigsten Würfe getroffen, in der zweiten Halbzeit ging der Ball weiterhin gut nach innen, nur so konnten wir bestehen.“ Der Fehlstart der Donaustädter, bei denen Nationalspieler Robin Benzing keinerlei Eingewöhnungsprobleme zeigte, war ebenso perfekt wie die Überraschung des Aufsteigers.
Hatten die Spatzen aus der Münsterstadt am Freitag noch deutlich mit 81:89 gegen Bonn verloren, so lief das Team von Head Coach Mike Taylor auch im ersten Auswärtsspiel früh einem deutlichen Rückstand hinterher; 9:0 stand es nach knapp drei Minuten, 25:9 nach dem ersten Viertel. Zwar sorgten fünf schnelle Ulmer Dreier wieder für ein offenes Spiel (33:32; 17. Min), doch der Harmsen-Express fuhr daraufhin unaufhaltsam Richtung Sieg. "Wir haben zu viel Kraft gebraucht, um aus dem Loch herauszukommen, das wir uns selbst gegraben haben", meinte Ulms Manager Thomas Stoll nach dem Auftritt in Weißenfels, "am Ende hat dann diese Kraft gefehlt."
Jared Jordan dominiert, Quakenbrück weiter unbesiegt
Wie schon gegen Bonn war Benzing gegen den MBC mit 17 Zählern Topscorer, dennoch reichte es auch diesmal nicht zum Punktgewinn. Sechs Weißenfelser mit zweistelliger Zählerausbeute waren zuviel. Ähnlich ging es auch am Freitag zu, als den Ulmer auf der Gegenseite die Dominanz in Person von Jared Jordan gegenüberstand. Der Bonner Neueinkauf überzeugte mit zehn Punkten, sechs Rebounds, 14 Assists und drei Steals als neuer Denker und Lenker des Bonner Spiels. Auch Tim Ohlbrecht zeigte mit neun Zählern und acht Rebounds eine ordentliche Leistung. Nach dem Spiel meinte er: "In Ulm ist es immer schwer zu spielen. Meine Statistiken sahen hier nie so gut aus, aber heute bin ich zufrieden. Für die Mannschaft war wichtig, dass wir in der kritischen Phase Charakter gezeigt haben."
Auf den Boden der Realität knallte Ohlbrecht am Sonntag beim Heimspiel gegen Quakenbrück. Nur zwei Punkte brachte er in achteinhalb Minuten zustande, als die Koch-Truppe hauchdünn mit 75:76 gegen die Artland Dragons unterlag. "Wir sind am Ende an unserer Unerfahrenheit gescheitert", urteilte Baskets-Coach Mike Koch im Anschluss.
Die Drachen legten derweil einen ebenso erfolgreichen Start hin wie der MBC: Bereis am Freitag feierte die Mannschaft von Thorsten Leibenath einen knappen 75:73-Erfolg. Beide Male punktete Rookie Folarin Campbell zweistellig in einem Team, das mit einer äußerst tiefen Rotation aufwarten kann. "Das wichtigste sind die zwei Siege, auch wenn sie knapp waren", meinte Leibenath.
Ludwigsburg und Braunschweig überzeugen
Ebenfalls mit einem tiefen Kader ausgestattet ist EnBW Ludwigsburg. Bei der Erstliga-Hallenpremiere am Freitag gegen die Eisbären Bremerhaven war die Arena in der Barockstadt zwar nur zu knapp 60 Prozent gefüllt (3.200 von 5.000 Plätze), die Anwesenden sahen aber feinsten Teambasketball der neu formierten Mannschaft von Tolga Öngören. Auf der Gegenseite war Louis Campbell mit 19 Punkte und acht Assists der auffälligste Akteur, doch bereits zur Halbzeit lagen die Norddeutschen mit 52:38 in Rückstand. "Ich denke, wir haben das Spiel heute in der ersten Halbzeit verloren. Wir waren in der Verteidigung immer einen Schritt zu spät und haben eigentlich nie auf dem Niveau gespielt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Die zweite Halbzeit war okay, darauf können wir aufbauen", fasste Eisbären-Coach Doug Spradley die Leistung seines Teams zusammen.
Ebenfalls in der zweiten Halbzeit wies der Deutsche Meister, die EWE Baskets Oldenburg, die Brose Baskets aus Bamberg in die Schranken. Hatten die Franken in den ersten 20 Minuten noch deutlich geführt (6:18, 8. Min), fanden die Donnervögel daraufhin zurück zu ihrer starken Form der Vorsaison. In den letzten 32 Minuten des Spiels erzielte Bamberg ledlich 37 Pünktchen, Oldenburg fuhr einen lockeren 67:55-Sieg vor allem dank Ruben Boumtje Boumtje ein, der an den Brettern die Brose-Big-Men mit 15 Punkten, sieben Rebounds und drei Blocks dominierte. Elton Brown und Casey Jacobsen kamen bei den Gäste zusammen nur auf zehn Zähler (3/11 FG, 3/7FT) - zu wenig für eine Spitzenmannschaft.
Bereits am Montag treffen die Bremerhavener auf die New Yorker Phantoms Braunschweig, die bei ihrem ersten Saisonspiel einen überzeugenden 80:67-Sieg gegen die Giants Düsseldorf einfuhren. Neben Heiko Schaffartzik (15 Punkte, drei Assists) dominierte vor allem Kevin Hamilton (je acht Punkte, Rebounds und Assists sowie vier Steals und ein Block). Mal sehen, wie schwer es die Eisbären den Phantomen im eigenen Käfig machen werden.
Bei den Braunschweigern soll Yassin Idbihi auflaufen, nachdem sich bei ihm am Freitag gegen Düsseldorf bei einer Aktion unter den Körben zwei Zähne lockerten, als er zu Boden fiel. "Der Gegenspieler wollte ein Offensivfoul annehmen, ist aber nach hinten gefallen, bevor ich ihn berührt habe. Da habe ich in der Luft meine Balance verloren", berichtete der 26-jährige der Braunschweiger Zeitung. "Weil ich den Ball in der Hand hatte, konnte ich mich nicht mit den Händen abfangen und bin voll mit dem Mund auf den Boden geknallt." Jetzt muss der Center zwei Wochen lang eine Spange tragen, um den Zähnen Halt zu geben. Dann kommt womöglich ein Zahnschutz zum Einsatz. "Ich habe das schon ein paarmal ausprobiert, doch er stört beim Atmen", erklärte Idbihi. "Aber sobald die Spange weg ist, werde ich nun wohl trotzdem einen tragen."
Wackelige Handgelenke in Gießen
Dass Auswärtsspiele stets schwerer für die Gäste als für die Hausherren zu spielen sind, ist offensichtlich. Dass sich aber die Begegnung zwischen Aufsteiger Phoenix Hagen und den Giessen 46ers von einem vermutlichen Selbstläufer zu einer wahren Zitterpartie entwickelte, hätten wohl die wenigsten der 3.648 Zuschauer in der Gießener Sporthalle Ost für möglich gehalten.
Die Feuervögel legten los wie die Feuerwehr, nach fast acht gespielten Minuten lagen sie bereits mit 16 Punkten vorn. Die zweistellige Führung hielt bis zur Mitte des dritten Abschnitts Stand, ehe die 46ers vor allem dank David Teague (23 Punkte) Punkt um Punkt herankamen. 1:48 Minuten vor Schluss stand es 75:76, die Führung wollte den Hausherren aber nicht gelingen.
"Wir hatten am Ende nochmal die Chance, in Führung zu gehen, doch wir haben in entscheidenden Phasen unsere Freiwürfe nicht getroffen und Punkte nach Fastbreaks kassiert, die man nicht kassieren darf. Unser Unvermögen, Hagen im Eins-gegen-eins zu stoppen, hat uns heute den möglichen Sieg gekostet", analyisierte 46ers-Coach Vladi Bogojevic nach der Partie. "Wir haben zu spät angefangen, dagegen zu halten. Wir müssen als Mannschaft reifen und lernen, mit dem Druck umzugehen."
Der Grund für die Niederlage der Gießener war auch in der Derby-Pleite gegen Frankfurt (69:80) eklatant: Die miserable Freiwurfquote bescherte den 46ers die erste Auszeichnung zum Flop der Woche in dieser Saison (siehe unten).
Nach dem erstem Bundesligasieg der Feuervogel aus Hagen folgte gegen die Paderborn Baskets der erste Dämpfer. In einer vorgezogenen Partie des 17. Spieltags (aufgrund des Euroleague-Qualifikationsspiel von Alba Berlin, s.u.) siegten die Baskets mit 85:79. Vor allem der ehemalige Chemnitzer Nate Gerwig überzeugte bei Paderborn unter den Brettern mit 18 Punkten und elf Rebounds, während Bernd Kruel wie schon gegen Gießen auftrumpfte, als hätte er Tipps von Shaquille O'Neal aus der letzten Saison bekommen (gg. GIE: 7P, 9R, 4A, 2S, 1B; gg. PAD: 13P, 17R, 1A).
Fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen
Beim 71:67 nach Verlängerung zwischen TBB Trier und den Deutsche Bank Skyliners sahen die fast 4.000 Fans in der Arena Trier ein über weite Strecken sehr dürftiges Auftaktspiel: Trier musste kurzfristig auf Topscorer Chris Copeland (Adduktorenprobleme) verzichten, schaffte es aber dank einer mannschaftlich geschlossenen und kämpferisch zu jeder Zeit überzeugenden Leistung, die Hessen nach Verlängerung zu besiegen.
Fast auffälliger als das Auftreten der Spieler war die "Leistung" der drei Unparteeischen Enrico Streit, Jens Hegemann und Moritz Reiter. Mit teils haarsträubenden sowie fragwürdigen Entscheidungen und zahlreichen unglücklichen Pfiffen trugen die Schiedsrichter entschieden dazu bei, dass sich kein allzu schönes Spiel entwickeln konnte und zogen sich einigen Unmut der Zuschauer zu. Erfreulicherweise war die "Linie" der drei Männer in schwarz-gelb definitiv nicht ausschlaggebend für das Endresultat, sondern ausgeglichen konfus und für Kopfschütteln sorgend.
Beste Trierer waren George Evans (14 Pkt, 11 Reb, 6/7 FG), Derek Raivio (15 Pkt, 13 davon in der Schlussphase), Brian Brown (14 Pkt, 4 Reb, 5 Ast) und Jamal Shuler (13 Pkt, 10 Reb, 2 Blk), bei Frankfurt konnte lediglich der ehemalige BBL-Topscorer Derrick Allen (18 Pkt) überzeugen.
Alba Berlin startet im EuroCup
Zu guter Letzt noch ein Blick auf Alba Berlin. Die Hauptstädter verpassten am Sonntag den Einzug in den Euroleague-Wettbewerb trotz eines 75:70-Erfolges gegen Maroussi Athen. Das Hinspiel verloren die Albatrosse in Griechenland mit neun Zählern Unterschied. Nun startet Berlin im EuroCup.
"Es tut mir für meine Spieler leid. Sie haben gut gearbeitet", sagte Trainer Luka Pavicevic nach dem Spiel, in dem Julius Jenkins mit 32 Punkten überragte. "Darüber kann ich mich nicht freuen", meinte Berlins bester Korbjäger. Die Niedergeschlagenheit dominierte. Sportdirektor Henning Harnisch erklärte: "Das ist ein bitterer Sieg. Wir haben gut gespielt und auch die Chance gehabt, haben sie aber leider nicht genutzt."
Am Freitag startet für Alba Berlin die Beko BBL-Saison, wenn sie von den Gießen 46ers empfangen werden. Am Sonntag reisen dann die Donnervögel aus Oldenburg in die Bundeshauptstadt.
Flop der Woche: Die Giessen 46ers machen dort weiter, wo sie letzte Saison aufgehört haben: am Tabellenende. Die zwei Niederlagen zum Auftakt lagen vor allem in der unterirdischen Freiwurfquote begründet. Gegen Hagen trafen die Mittelhessen nur 38,9 Prozent (7/18 FT), gegen Frankfurt waren es mikrige 42,1 Prozent (8/19 FT). Ist das erstligawürdig?
Top der Woche: Während Benzing und Ohlbrecht dank ihrer gelungenen Einstände bei ihren neuen Arbeitgebern den Sprung in die deutsche "Starting Five" der Woche schafften, musste Nikita Khartchenkov außen vor bleiben. Stattdessen gebührt ihm die Top-der-Woche-Auszeichnung. Der 22-Jährige Small Forward vom MBC Weißenfels traf gegen Tübingen und Ulm jeweils vier Dreier (bei insgesamt zehn Versuchen) und dürfte bei anhaltender Leistung lautstark an die Tür zur Nationalmannschaft pochen.
Die fünf besten Deutschen der Woche
G: Heiko Schaffartzik (B'schweig gg. D'dorf; 15 P, 3 A)
G: Alexander Seggelke (Q'brück gg. Göttingen; 13 P, 8 R)
F: Robin Benzing (Ulm gg. Bonn; 15 P, 1 R, 1 S)
F: Tim Ohlbrecht (Bonn gg. Ulm; 9 P, 8 R, 1 A)
C: Bernd Kruel (Hagen gg. Paderborn; 13 P, 17 R, 1 A)
Die erste Fünf der Woche
G: Jared Jordan (Bonn gg. Ulm; 10 P, 6 A, 14 A, 3 S)
G: Louis Campbell (Br'haven gg. Lu'burg; 19 P, 5 R, 8 A)
F: Romeo Travis (Tübingen gg. MBC; 25 P, 16 R, 3 A)
F: Derrick Allen (Frankfurt gg. Gießen; 22 P, 8 R)
C: Anatoly Kashirov (MBC gg. Tübingen; 19 P, 9 R, 3 A)



von eightch 12.10.09 um 14:51:08
wer soll sich die spiele anschauen, wenn sie a) nicht in der fernsehzeitung zu finden sind und sie b) um zeiten ausgestrahlt werden, zu denen jeder normale mensch arbeiten ist...
von Webocat 12.10.09 um 16:32:36
toll sind die stats von unserem jungen robin, hoffentlich scort er konstant zweistellig diese saison.
und respekt für center-oldie kruel, da kann sich ohlbrecht mal ne scheibe von abschneiden
von blazerfan72 12.10.09 um 22:01:04
@ eightch
will ja jetzt nicht rummosern
aber a ) in meiner TV Zeitschrift steht es drin
und b) Samstag und Sonntag sind jetzt nicht gerade die Tage wo die meisten arbeiten müssen
falls es in deiner zeitung nicht steht am Sonntag den 18. Oktober läuft wieder ein Spiel auf DSF , viel Spass beim schauen
von eightch 13.10.09 um 16:56:02
@blazerfan72
schau da hat mich das rumgemoser wieder weitergebracht ;)
hab jetzt a) ne neue fernsehzeitschrift in der es hoffentlich drin steht und bin b) dieses we sogar mal im lande so dass ich mir das spiel anschauen kann...
wenns einmal läuft dann läufts eben - danke ;)
von Vanjo 13.10.09 um 23:24:19
Dann lass es laufen........
von blazerfan72 14.10.09 um 10:21:05
@ eightch
dann viel Spass
die Jungs vom DSF machen das ganz gut (kritik kann man immer ansetzen , aber sind wir erstmal froh das es wieder was zu sehen gibt)
von Alexbrose 14.10.09 um 16:03:01
Freue mich für unsere Jungen Spieler die allesamt einen guten Saisonstart in der BBL hingelegt haben. Hoffe es geht weiter so.