BBL-Wochenrückblick
In letzter Sekunde
Romeo Travis traf nichts, aber gegen Bamberg den wichtigsten Wurf des Spiels. Auch Paderborn fand einen späten Helden, während David McCray für Ludwigsburg fast zur tragischen Figur wurde. Außerdem bekam Heiko Schaffartzik vom aktuell besten Spielmacher der Liga eine Lehrstunde erteilt.
Von Jens Möller |
11.01.2010 | |
| Ergebnisse | ||
| 05.01. | Giessen - Weißenfels | 73:84 |
| 06.01. | Paderborn - Düsseldorf | 65:64 |
| 08.01. | Giessen - Frankfurt | 68:69 |
| 09.01. | Braunschweig - Bremerhaven | 66:82 |
| 09.01. | Ulm - Weißenfels | 84:80 OT |
| 09.01. | Tübingen - Bamberg | 73:71 |
| 09.01. | Trier - Berlin | 59:68 |
| 10.01. | Ludwigsburg - Göttingen | 94:92 OT |
| 10.01. | Quakenbrück - Bonn | 78:72 |
| 10.01. | Oldenburg - Hagen | 77:63 |
Als Tigers-Spielmacher Branislav Ratkovica dann 0,76 Sekunden vor dem Ende beim Stand von 71:71 den Ball zum Einwurf in die Hand nahm, rechneten bereits die meisten mit einer Verlängerung. Aber der an diesem Abend überragende Ratkovica (16 Punkte, sieben Assists) lobte den Ball Richtung Brett, wo ausgerechnet der so glücklose Travis die Kugel irgendwie zum 73:71 in den Korb bugsierte (siehe Video).
Tigers-Trainer Igor Perovic war hinterher stolz wie Oskar: „Ein klasse Spielzug.“ Sein Gegenüber Chris Fleming sah „Probleme im Spielaufbau“ als Grund für die Niederlage seiner Mannschaft. Aber ganze neun Punkte seiner Center gegen körperlich unterlegene Tübinger zeigen, dass die Franken wie so oft einfach ihre Qualitäten nicht ausspielten.
Haynes Heldentat in Paderborn
Eines war klar: Bei einer Niederlage gegen die Giants Düsseldorf hätten die Paderborn Baskets langsam auf die Relegation hoffen müssen. Und bis zur letzten Sekunde des Spiels sah es auch danach aus. Dann stieg Paderborns DeAndre Haynes zum Dreipunktewurf hoch und schickte den Ball 1,1 Sekunden vor dem Ende zum 65:64 für die Ostwestfalen durch das Netz. Hier das Video:
Irgendwo unter den tobenden Zuschauern freute sich auch jener Ehemann, der in der Halbzeitpause vor RTL-Kameras um seine zerrüttete Ehe gekämpft hatte. Ob die bekniete Ehefrau nach dem Spiel so froh war wie Paderborns Trainer Olaf Stolz, ist nicht überliefert. „Es ist überlebenswichtig, dass wir dieses Spiel heute gewonnen haben“, sagte Stolz über den vierten Saisonsieg des Tabellensiebzehnten. Haynes und Düsseldorfs Brendan Winters waren mit jeweils zwölf Punkten die besten Werfer der Partie.
McCray versagen die Nerven
Eine richtig enge Kiste sahen die Zuschauer beim 94:92-Erfolg von EnBW Ludwigsburg über BG Göttingen, die seit dieser Woche wieder fast mit altem Namen spielen. Nachdem Ludwigsburgs Quadre Lollis (14 Punkte) 16 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 90:90 ausgeglichen hatte, wurde David McCray in der letzten Aktion des Spiels beim Kampf um den Ball gefoult und konnte per Freiwurf den Sieg holen. Aber dem bis dahin starken McCray versagten die Nerven, er vergab beide Versuche von der Linie. Es ging in die Verlängerung, wo McCray (14 Punkte) im ersten Angriff seinen vierten Dreier der Partie traf. Göttingens Dwayne Anderson (18 Punkte) holte mit zwei erfolgreichen Dreipunktewürfen in Serie die Führung für die Veilchen zurück, ehe der überragende Michael King (28 Punkte) elf Sekunden vor dem Ende der Verlängerung per Dreier zum 94:92 traf. Die Göttinger brachten im letzten Angriff den Ball nicht im Korb unter.
Nach dem 68:59-Erfolg von Alba Berlin beim TBB Trier gab es von Alba-Trainer Luka Pavicevic Streicheleinheiten für seine Profis: „Wir hatten eine schwierige Woche mit vielen Tagen, in denen wir unterwegs waren, umso mehr muss ich die Leistung meines Teams loben." Auf den Einzug in die nächste Runde im Europacup unter der Woche folgte der dritte souveräne Ligasieg in Folge. Gegen Trier sorgten Julius Jenkins (17 Punkte) und Immanuel McElroy (16) für den Erfolg. Ohne den verletzten Chris Copeland kann der TBB nach der sechsten Pleite in Folge langsam die Abstiegsränge sehen.
Alba-Verfolger Telekom Baskets Bonn verlor dagegen sein Spiel bei den Artland Dragons mit 72:78. Ein starker Ronald Dupree (22 Punkte) war nicht genug gegen die Niedersachsen, die besser aus dem Feld (54,5 Prozent) als von der Freiwurflinie (50 Prozent) trafen. Quakenbrück zog im zweiten Spielabschnitt davon (Viertelergebnis: 25:15). Bonn kam wieder heran, doch Toby Bailey sicherte in der letzten Spielminute den Erfolg der Dragons an der Freiwurflinie. Darren Fenn war mit 19 Punkten bester Werfer bei den Siegern.
Routinier Campbell zockt Schaffartzik ab
Souverän setzten sich die Eisbären Bremerhaven bei den New Yorker Phantoms Braunschweig mit 82:66 durch. Die von Verletzungen dezimierten Braunschweiger konnten nur bis zum Beginn der zweiten Halbzeit mithalten, dann setzten sich die Bremerhavener ab, angeführt von Louis Campbell, der sechs Dreier versenkte und am Ende 24 Punkte auf dem Konto hatte. Die Phantoms-Spielmacher Heiko Schaffartzik (1/7 FG) und Kevin Hamilton (2/8) erlebten dagegen einen Alptraum gegen die starke Verteidigung der Eisbären.
Zu Jeff Gibbs fehlen Christian Burns zwar noch ein paar Kilo, aber sportlich hat der Power Forward den heißgeliebten Ex-Spatzen Gibbs in Ulm gut ersetzt. Gegen den MBC wühlte sich Burns durch eine hart umkämpfte Partie plus Verlängerung zu 24 Punkten und half ratiopharm Ulm zum 84:80-Erfolg. Die Ulmer hatten zwar dank Burns und Coleman Collins (19 Zähler) früh in der Partie geführt, waren aber im dritten Viertel böse von einer cleveren Zonenverteidigung des Aufsteigers aus Weißenfels überrascht worden. Trotz seines Schachzugs, der den MBC immerhin wieder ins Spiel brachte, war Trainer Björn Harmsen nach dem Spiel überhaupt nicht zufrieden: „Wir hatten einige Mittel besprochen, Ulm zu stoppen, aber fast nichts davon umgesetzt.“ Radenko Pilcevic war mit 17 Punkten bester Werfer für Weißenfels.
Unten wird’s eng
Für Paderborn war es nicht nur wegen Haynes Heldentat ein schönes Wochenende. Auch die Konkurrenz im Tabellenkeller sorgte für gute Laune bei den Ostwestfallen. Die Giessen 46ers fuhren gleich zwei Niederlagen ein, wobei die 73:84-Pleite im Nachholspiel gegen Aufsteiger MBC 46ers-Trainer Vladimir Bogojevic mehr schmerzte als die anschließende 68:69-Niederlage im Hessenderby gegen die Deutsche Bank Skyliners Frankfurt. "Wir haben uns nach den letzten Spielen, die nicht so gut für uns gelaufen sind, zusammengerauft und Frankfurt einen anständigen Fight geliefert“, sagte Bogojevic. Die Skyliners, immerhin Tabellendritter, trafen nur 37 Prozent ihrer Würfe, behielten am Ende aber die Nerven. „Letztlich sollte heute jeder von uns zu Gott beten dafür, dass wir hier gewonnen haben“, sagte Trainer Murat Didin. Lorenzo Williams war mit 17 Zähler bester Werfer für Gießen, Grayson Moyer kam für Frankfurt auf zwölf Punkte.
Auch für Aufsteiger Phoenix Hagen gab es nach zuletzt drei Siegen in Folge gegen die EWE Baskets Oldenburg nichts zu holen. Der Deutsche Meister 2009 siegte mit 77:63. Nur kurz hatte Hagens Michael Jordan per Dreier zum 25:28 aus Sicht des Aufsteigers dem Favoriten in die Seite gepikst, worauf die trägen Oldenburger wach wurden und das Spiel mit einer halbwegs konzentrierten Vorstellung nach Hause brachten. Jason Gardner markierte für die Baskets 16 Zähler, Quentin Pryor und John Turek kamen für Hagen auf je zwölf Zähler.
Und sonst noch
Braunschweig sucht dringend nach einem neuen Center. Unter der Woche gab das Team bekannt, dass Nate Fox wegen eines seltenen Risses der Plantarsehne im Fuß drei Monate ausfällt. Michael Hicks fehlt nach erfolgreicher Operation an der Hand ebenfalls noch drei Wochen.
Anton Gavel und Maurice Jeffers können endlich ihre Koffer auspacken, denn beide bleiben bis zum Rest der Saison bei ihren Teams. Bamberg verlängerte den Kurzzeitvertrag mit Gavel ebenso wie Gießen den Kontrakt mit Jeffers, der bei der Niederlage gegen den MBC 18 Punkte sammelte.
Top der Woche
Igor Perovic und Walter Tigers Tübingen: Das scheint eine Kombination zu sein, die langsam funktioniert. Das Team des Trainerneulings hat jetzt sieben der letzten zehn Partien gewonnen und sich aus dem Tabellenkeller in die Playoffränge hochgearbeitet.
Flop der Woche
Dass Göttingens Manager Marc Franz die Rückkehr nach der MEG-Pleite zum alten Namenskürzel "BG" ausgerechnet mit der Pflege der Tradition begründete, dürfte ein paar Veilchen-Fans zum Schmunzeln gebracht haben. Sentimentale Gefühle hielten Franz im vergangenen Jahr jedenfalls nicht davor zurück, den Teamnamen zu verkaufen. Klar, die Göttinger folgten in die finanzschwachen Liga dem fast verbindlichen Trend, der all die "Brose", "EWE", "Telekom" und "sonstwas Baskets" hervorbrachte. Auch Göttingen braucht Geld, darum soll jetzt ein neuer Namenssponsor her. Dessen Firmenschriftzug soll dann laut Franz mit dem Kürzel "BG" harmonieren. Wir schlagen vor: "BG Group Göttingen" (Gasunternehmen), "BG Metall Nord-Süd Göttingen" (Berufsgenossenschaft) oder "AFA Abgasförderanlagen Göttingen".
Die fünf besten Deutschen der Woche
G: Per Günther (Ulm gg. MBC, 9 P, 4 R, 3 A, 3 TO)
G: David McCray (Ludwigsburg gg. Göttingen, 14 P, 4 R)
F: Robin Benzing (Ulm gg. MBC, 14 P, 5 R, 3 A, 3 S)
F: Guido Grünheid (MBC gg. Gießen, 15 P, 6 R)
C: Yassin Idbihi (Braunschweig gg. Bremerhaven, 14 P, 4 R)
Die erste Fünf der Woche
G: Louis Campbell (Bremerhaven gg. Braunschweig, 24 P, 6/8 3FG, 3 A)
G: Michael King (Ludwigsburg gg. Göttingen, 28 P, 3 R)
F: Immanuel McElroy (Berlin gg. Trier, 16 P, 7 R, 4 A)
F: Christian Burns (Ulm gg. MBC, 24 P, 7 R)
C: Darren Fenn (Quakenbrück gg. Bonn, 19 P, 5 R)



von Smush_1 11.01.10 um 19:24:18
Wahnsinn hammer los, Romeo!!!!!!!! hoffentlich kann YTübingen die Form konservieren und zumindest noch ein paar große Teams ärgern;)
von justuskoch 11.01.10 um 22:25:24
lebron war von travis so begeister das er für 1000 im monat nach tübingen wechselt!!!