BBL-Wochenrückblick
Hochspannung bis zum Schluss
Robin Benzing (Foto) krönt sein Rookie-Jahr, Düsseldorf sagt adieu, Quakenbrück vergibt die letzte Playoff-Chance, Lou Campbell liefert ein Triple Double und Göttingen gewinnt die EuroChallenge. Der 34. Spieltag der Beko BBL hatte es nochmal in sich.
Von Johannes Beyer |
03.05.2010 | |
Am letzten Spieltag fielen in der Beko BBL noch zwei Entscheidungen. Während in Düsseldorf bereits am Dienstag die Lichter ausgingen, mussten die Phantoms aus Braunschweig bis zur letzten Sekunde um den begehrten achten Playoff-Rang bangen. In den restlichen Partien standen entweder Derby-Stimmung oder eine gute Ausgangslage in den Playoffs im Vordergrund.
Düsseldorf steigt ab
Für Düsseldorf platzten bereits am vergangenen Dienstag die letzten Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Gegen die BG Göttingen verloren die Giants denkbar knapp mit 71:72 und müssen vermutlich den Weg in die ProA antreten (sofern es keine Wildcard gibt). Vor knapp 2.000 Zuschauern im Burg-Wächter Castello kämpften die Giants bis zum bitteren Ende. Doch bereits zur zur Halbzeitpause mussten die Giants einem kleinen Rückstand hinterherlaufen (25:32). Meist fanden die Rheinländer keine Mittel gegen die starke Verteidigung der Veilchen und die treffsicheren John Little (19 P) und Chris Oliver (18 P). Nach der Pause konnten die Mannen von John Patrick ihre Führung weiter ausbauen und verwalteten ihren gewonnen Vorsprung souverän. Doch die Giants steckten nicht auf und bäumten sich gegen die bevorstehende Niederlage. Zwei Minuten vor Ende lag Düsseldorf sogar mit vier Punkten in Führung, doch konnten sie diese nicht verwalten. Angeführt von Taylor Rochestie (10 P) legten die Veilchen einen starken Schlussspurt aufs Parkett und behielten am Ende knapp die Oberhand. Am Ende reichten 25 Punkte von Antonio Carter nicht für einen Düsseldorfer Sieg. Für die Giants heißt es als Tabellenvorletzter (8-26) nun, den harten Weg in die Zweitklassigkeit anzutreten. Göttingen sicherte sich hingegen den dritten Tabellenplatz (24-10) und hat eine gute Ausgangsposition für die Playoffs.
Kein Playoff-Feuer der Drachen
Geplatzt ist auch die Playoff-Teilnahme der Artland Dragons. Im letzten Spiel der Saison hätten die Drachen noch die Chance auf den letzten Playoff-Platz gehabt, standen aber nach der knappen 80:82-Niederlage im Nord-Derby gegen die Eisbären Bremerhaven mit leeren Händen da. Die 6.400 Zuschauer in der Bremen-Arena sahen trotz nervösen Beginns beider Mannschaften ein hart umkämpftes und ansehnliches Spiel. Die Dragons hatten bereits in der Anfangsphase Probleme, den athletischen Torrell Martin (19 P) zu kontrollieren, und fanden keine Mittel gegen die Distanzschützen der Eisbären. Bereits zur Halbzeitpause schienen alle Hoffnungen der Drachen auf einen Sieg in weite Ferne gerückt zu sein (46:35). Auch in der zweiten Halbzeit fanden die Dragons, trotz kämpferischer Leistung, keinen Weg in die Partie. Louis Campbell (12P, 11 R, 10 A) kontrollierte die Partie zu jedem Zeitpunkt und setzte auch seine Mitspieler immer wieder in Szene. Erst im Schlussabschnitt wurde es nochmal richtig eng für die Seestädter. Trotz eines zwischenzeitlichen Zwölf-Punkte-Rückstands kämpften sich die Gäste nochmals auf zwei Zähler heran, konnten aber die Niederlage nicht mehr verhindern. Während bei den Dragons neben Alexander Seggelke (19 P) lediglich noch zwei weitere Spieler zweistellig punkteten, konnten sich die Hausherren auf eine geschlossene Mannschaftsleistung und auf Campbells Triple Double verlassen. Als Tabellensechter (21-13) können die Eisbären nun für die Playoffs planen. Quakenbrück schrammt als Tabellenneunter (19-15) hingegen hauchdünn an den Playoffs vorbei.
Doppelerfolg für Alba Berlin
Auch für die EnBW Ludwigsburg sind viele Träume und Hoffnungen dieser Saison geplatzt. Für die Barockstädter stand bereits vor der Partie gegen Alba Berlin fest, dass die Playoffs nicht mehr zu erreichen sind. Folglich traten die Schwaben befreit auf und boten den favorisierten Hauptstädtern einen großen Kampf. Bis zur Halbzeitpause führte die EnBW mit 40:38 und blieb auch im weiteren Spielverlauf an den Berlinern dran. Ludwigsburg fehlte in der Schlussphase ein wenig das Glück, und die Albatrosse behielten ein ums andere Mal ihre Nerven. Am Ende stand ein 74:67-Erfolg der Berliner auf dem Konto. Während bei den Gästen Michael King mit 17 Zählern überzeugte, führte Derrick Byars (13 P) eine geschlossene Berliner Mannschaft an. Nach den verpassten Playoffs ist Tolga Öngörens Zukunft beim Tabellenelften (17-17) ungewiss. Dennoch fand Öngören positive Worte für seine Mannschaft: „Als vor den letzten beiden Spielen klar war, dass es für uns um nichts mehr geht, sind wir trotzdem stark aufgetreten. Das ist nicht einfach, ohne Ziel.“ Für Berlin war es der zweite Sieg binnen vier Tagen.
Bereits vergangenen Mittwoch gewannen die Albatrosse gegen die Eisbären Bremerhaven mit 74:73. In einer spannenden Partie schafften es die Eisbären, die Berliner Mannschaft nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Erst in der Schlussphase schafften es die Berliner, sich entscheidend abzusetzen. Zwar schmolz der erarbeitete Acht-Punkte-Vorsprung, doch hatten die Albatrosse Glück und behielten die zwei Punkte in der heimischen o2 World. Damit sicherte sich Berlin den zweiten Tabellenplatz (25-9). „Mit den letzten beiden Heimspielen hatten wir die Chance, Platz zwei zu sichern. Beide Spiele waren hart, denn beide Mannschaften, Bremerhaven und Ludwigsburg, haben hier auf Sieg gespielt. Nun geht es in eine komplett neue Saison“, resümierte Alba-Coach Luka Pavicevic nach dem zweiten Sieg in Folge.
Erste Playoff-Teilnahme seit sieben Jahren
Es schien ein wenig grotesk als die Spieler der New Yorker Phantoms Braunschweig nach dem verlorenen Spiel gegen die Deutsche Bank Skyliners in Jubel ausbrachen. Doch der Grund war schnell zu finden: Die Braunschweiger erreichte die Mitteilung, dass die Artland Dragons soeben ihr Spiel gegen die Eisbären Bremerhaven verloren hatten und somit nicht mehr an den Phantoms vorbeiziehen konnten. Folglich war die klare 62:71-Niederlage bei den Deutsche Bank Skyliners von keiner Bedeutung mehr und die Braunschweiger konnten ihren achten Tabellenplatz (19-15) erfolgreich behaupten. Bereits zur Halbzeit zeichnete sich ab, dass die Phantoms noch bis nach Spielende zittern müssen, um ihr großes Ziel zu erreichen (41:30). Zu keinem Zeitpunkt fanden die Braunschweiger in die Partie und zollten ihrer schwachen Wurfquote von nur 39 Prozent Tribut. In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Gäste deutlich aggressiver und konnten bis auf zwei Punkte an die Skyliners herankommen. Doch dieser dritte Abschnitt sollte nur ein Strohfeuer bleiben und die Frankfurter bauten dank eines starken Derrick Allen (18 P) ihren Vorsprung wieder aus. Am Ende fuhren die Hausherren einen über weite Strecken ungefährdeten Sieg ein und finden sich nach dem 34. Spieltag auf dem siebten Tabellenplatz (21-13) wieder.
Kellerduell ohne Bedeutung
Für Phoenix Hagen war vor dem Spiel bei den webmoebel Baskets Paderborn nur eines wichtig: Zu Spielbeginn mussten fünf spielberechtigte Spieler auf dem Spielfeld stehen, um den Klassenerhalt zu sichern. Das gelang den Feuervögeln und so spielten beide Mannschaften ohne großen Druck auf. Die Fans wurden mit tollen Offensivaktionen belohnt und auch die Nachwuchsspieler konnten sich ohne Druck beweisen. Dennoch wurde es kein Spaßspiel, beide Mannschaften gaben nochmals alles und zeigten sich äußerst motiviert, noch ein Erfolgserlebnis zu erleben. Zu motiviert schien wohl auch der Hagener Chase Griffin, der nach zwei unsportlichen Fouls bereits vor der Halbzeitpause unter die Dusche musste. Hagen kontrollierte über weite Strecken das Spielgeschehen und sah vor dem letzten Spielabschnitt wie der sichere Sieger aus (59:71). Doch der bestens aufgelegte Malik Moore (29 P) bereitete den Hagenern weiterhin große Probleme und plötzlich führten Hausherren mit drei Punkten. In einer hektischen Schlussphase konnten sich die Feuervögel aber auf ihre Freiwurfschützen verlassen und feierten neben dem Klassenerhalt auch den neunten Saisonerfolg (78:85). Während Tabellenschlusslicht Paderborn (5-29) bereits vor dem Spiel als Absteiger feststand, hatte Hagen bereits mit dem Sprungball den 16. Platz (9-25) sicher.
Wenig Mühe für Bamberg und Weißenfels
Kleinere Probleme hatten die Brose Baskets Bamberg gegen die TBB Trier. Vor heimischer Kulisse setzten sich die Franken am Ende dennoch mit 69:53 gegen die Moselstädter durch. Ohne ihren Kapitän Casey Jacobsen fanden die Baskets nur schwer in die Partie. Trier schaffte es, das Spiel der Bamberger immer wieder zu stören und lag zur Halbzeit mit zwei Zählern in Front (30:32). Die Franken starteten jedoch besser in die zweite Halbzeit. Nach einem 10:0-Lauf schienen die Hausherren das Spiel zu kontrollieren. Doch angeführt von Jamal Shuler (16 P) meldeten sich die Trierer nochmals zurück. Erst in den Schlussminuten setzten sich Tibor Pleiß (15 P) und Co. entscheidend ab. Für Bamberg beginnen am kommenden Samstag die Playoffs (gegen Bonn), die sie vom fünften Tabellenplatz (22-12) aus angehen. Trier beendet die Saison als 15. (10-24) und kann für eine weiter Spielzeit in der Beko BBL planen.
Die Erwartungen voll erfüllt hat der MBC Weißenfels. Durch einen ungefährdeten 84:65-Erfolg gegen die Gießen 46ers sicherten sich die Wölfe am letzten Spieltag noch den zehnten Tabellenplatz (18-16). In einer für beide Seiten belanglosen Partie mussten die Mittelhessen auf Lorenzo Williams (Mittelhandbruch) und Maurice Jeffers (Bluterguss im Unterschenkel) verzichten. Gleich zu Beginn spielte der MBC befreit auf und sah sich schon früh auf der Siegerstraße. Den 49:39-Halbzeitstand bauten die Hausherren in der zweiten Hälfte kontinuierlich aus und musste zu keinem Zeitpunkt um den Sieg bangen. Fünf Wölfe punkteten zweistellig, Ade Dagunduro war dabei mit 22 Zählern am erfolgreichsten. Bei Gießen, die mit dem 14. Tabellenplatz (10-24) die beste Bilanz seit der Saison 2005/2006 erzielten, konnte nur Max Weber (15 P) im zweistelligen Bereich punkten.
Spitzenspiel mit Playoff-Vorgeschmack
Ein Ausrufezeichen vor Beginn der Playoffs setzten die Telekom Baskets Bonn. Gegen den Tabellenführer aus Oldenburg gewannen die Mannen von Mike Koch mit 84:80 und konnten nach zuletzt schwachen Leistungen wieder ein starkes Spiel zeigen. Bonn hatte den besseren Start in das Spiel und lag bereits nach dem ersten Viertel mit 18:10 in Führung. Doch Oldenburg kämpfte sich zurück und schaffte mit der Halbzeitsirene den Anschluss (33:32). Die zweite Hälfte bot weiterhin ein packendes Spiel zweier leidenschaftlich kämpfender Mannschaften. Bonn baute den Vorsprung aus, lag zwischenzeitlich mit 13 Punkten in Führung, schaffte es aber nicht, diese zu verteidigen. Angeführt von Jasmin Perkovic (21 P) und Rickey Paulding (17 P) legte der Deutsche Meister einen 18:0-Lauf aufs Parkett und sah sich plötzlich mit elf Punkten in Front. Bonn verlor in dieser Phase die Orientierung und schien an die schwachen Leistungen der vergangenen Wochen anzuschließen. Doch wer glaubte, das Spiel sei entschieden, der irrte. Ronald Dupree (25 P) und Chris Ensminger (17 P) riefen zur Aufholjagd und schafften tatsächlich noch den Sprung in die Verlängerung. Dort zeigten die Bonner weiterhin große Moral und konnten sich dort auf die Nervenstärke von Aufbauspieler Jared Jordan (13 P, 7 R, 9 A) verlassen. Für den Tabellenfünften (24-10) aus Bonn ist die Generalprobe für die Playoffs geglückt. Auch für Oldenburg bleibt die Niederlage ohne Folgen. Als Tabellenführer (25-9) hat die Mannschaft von Predrag Krunic die vermeintlich beste Ausgangslage für die Mission Titelverteidigung.
Benzings Buzzerbeater besiegt Tübingen
Für ratiopharm Ulm erfüllte sich im schwäbischen Derby der Traum vom ersten Derbysieg der Saison. In einer hochklassigen Partie zeigten beide Mannschaften noch mal alles und überzeugten durch gute Verteidigung und spektakuläre Offensivaktionen. Lediglich in den ersten Minuten schien es eine eindeutige Angelegenheit für die Tigers zu werden, aber die 9:0-Führung der Raubkatzen egalisierten die Donaustädter noch im ersten Viertel. Von da an wechselte die Führung ununterbrochen. Keine der Mannschaften konnte sich entscheidend absetzen. Erst im letzten Viertel schafften es die Hausherren, sich auf sieben Punkte davonzustehlen. Einen 15:2-Lauf der Neckarstädter, 13 Punkte davon alleine durch Michael Jenkins (21 P) ließen die Hausherren einen 11:0-Zwischenspurt folgen. In einer dramatischen Schlussphase sorgte dann der ehemalige Ulmer Romeo Travis für eine knappe Zweipunkteführung für seine Tiger. Diese sollte jedoch nicht reichen, denn Nationalspieler Robin Benzing (9 P) versenkte mit der Schlusssirene den entscheidenden Dreipunktewurf zum 80:79. Tübingen wurde vor allem die unterirdische Freiwurfquote von 39 Prozent zum Verhängnis, mit der man kaum ein Spiel gewinnen kann. Bester Spieler für die Spatzen war Roderick Trice, der neben 20 Punkten auch noch neun Abpraller pflückte. Ulm beendet die Saison auf dem 13. Tabellenrang (13-21), für Tübingen steht am Ende ein zwölfter Platz zu Buche (16-18).
Top der Woche: Die BG Göttingen setzt sich mit 83:75 gegen Krasnye Krylia im Finale der FIBA EuroChallenge durch und feiert den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Nach Alba Berlin und dem MBC Weißenfels ist Göttingen die dritte deutsche Mannschaft, die einen europäischen Wettbewerb gewinnen kann.
Flop der Woche: Alba Berlin hat seine Drohung wahr gemacht und sich aus allen Ligagremien zurückgezogen.
Die besten Deutschen der Woche
G: Heiko Schaffartzik (Braunschweig gg. Frankfurt: 9 P)
G: Robert Kulawick (Göttingen gg. Düsseldorf: 11 P)
F: Alexander Seggelke (Quakenbrück gg. Bremerhaven: 19 P, 7 R)
F: Daniel Lieneke (Paderborn gg. Hagen: 13 P, 8 R)
C: Tibor Pleiß (Bamberg gg. Trier: 15 P, 3 R)
Die erste Fünf der Woche
G: Louis Campbell (Bremerhaven gg. Quakenbrück: 12 P, 11 R, 10 A)
G: Jared Jordan (Bonn gg. Oldenburg: 13 P, 7 R, 9 A)
F: Jeff Gibbs (Bremerhaven gg. Quakenbrück: 18 P, 10 R)
F: Jasmin Perkovic (Oldenburg gg. Bonn: 21 P, 10 R)
C: Chris Oliver (Göttingen gg. Düsseldorf: 18 P, 13 R)



von rajonrondo9 03.05.10 um 13:31:18
ouis campbell ???
von Äneas 03.05.10 um 22:34:42
Wer ist Elton Brown? Bamberg hat Tibor Pleiß! Guter Mann, ich glaube für ihn wird bald mal ein Plätzchen in der NBA frei sein. Allein schon aufgrund seiner irren Spannweite.
von rajonrondo9 04.05.10 um 13:50:46
gut verbessert
von dreiergott 04.05.10 um 17:34:32
der spieler duesseldorfs heisst nicht antonio parker, sondern antonio carter.
und wieso ist der rueckzug aus den bbl-gremien von alba der flop der woche? nach den schiedsrichterentscheidungen der letzten monate - allein das spiel gegen ludwigsburg am samstag zeigt das - kann man albas entscheidung doch nur nachvollziehen.
deshalb sollten eher die entscheidungen der schiris der flop der woche sein...