BBL-Wochenrückblick
Enge Kisten
Paderborn siegt nach 55 Minuten in einem Overtime-Krimi, Jamal Shuler zaubert einen neuen Saisonrekord aufs Parkett, Johannes Herber steht vor einem Neubeginn, Bonn rehabilitiert sich von der Demütigung gegen Berlin, Heiko Schaffartzik beweist sich als Scharfschütze und die Albatrosse lassen Federn.
Von Johannes Beyer |
01.03.2010 | |
| Ergebnisse | ||
| 27.02. | Gießen - Braunschweig | 65:71 |
| 27.02. | Oldenburg - Ludwigsburg | 77:58 |
| 27.02. | Tübingen - Göttingen | 75:77 |
| 27.02. | Bonn - Düsseldorf | 54:52 |
| 27.02. | Hagen - Quakenbrück | 71:83 |
| 27.02. | Bamberg - Frankfurt | 77:58 |
| 27.02. | Weißenfels - Berlin | 71:69 |
| 27.02. | Ulm - Bremerhaven | 99:87 |
| 28.02. | Trier - Paderborn | 98:101 OT |
Krimi an der Mosel
Selbst Alfred Hitchcock hätte wohl viel Mühe gehabt, für mehr Spannung als bei der Partie des TBB Trier und den Paderborn Baskets zu sorgen. Zum Abschluss des 25. Spieltags legten die beiden Mannschaften einen wahren Basketballkrimi aufs Parkett. „Das war ein unglaubliches Spiel“, staunte der neue Baskets-Coach Dirk Happe nach der Partie. Insgesamt drei Verlängerungen, 199 Punkte und 98 Rebounds brauchte das Spiel, um schlussendlich einen Sieger zu finden.
Dabei hatten die Hausherren aus Trier mit 98:101 das Nachsehen und waren trotz kämpferischer Leistung restlos bedient: „Wir haben nicht unseren Basketball gespielt und unseren großartigen Kampf durch Fehler im Rebound und der Verteidigung wieder zunichte gemacht“, resümierte ein geknickter Yves Defraigne.
Trotz sagenhafter 39 Punkte wurde der Trierer Jamal Shuler zum tragischen Helden des Spiels. Hatte der Guard seine Mannschaft mit einem Wahnsinnsdreier bei Ertönen der Schlusssirene noch in die zweite Verlängerung gerettet, verlor er 21 Sekunden vor Ende der dritten Extrazeit, beim Stand von 98:99, den Ball. Im anschließenden Angriff netzte Malik Moore zum 98:101-Endstand ein und entschied die Partie für die Westfalen. Während die Baskets wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt einfahren konnten, geht es für die Trierer nach der sechsten Niederlage in Folge langsam aber sicher nach unten.
Scharfschütze Schaffarztik schießt ehemaliges Team ab
Eine weitere Niederlage im Abstiegskampf mussten die LTI Giessen 46ers gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig hinnehmen. Dabei führten die auf dem 16. Tabellenrang liegenden Hessen eine Minute vor Ende noch mit 63:61 und hatten den Sieg zum Greifen nahe. Doch ausgerechnet Heiko Schaffartzik, letzte Saison noch im Trikot der 46ers, sorgte mit zwei Dreiern in der Schlussphase für die 65:71-Niederlage der Hausherren.
Über die gesamte Partie hinweg nahm Schaffartzik keinen Wurf innerhalb der Dreipunktelinie, aber erzielte 21 Punkte bei zehn Versuchen von Downtown. Somit avancierte der Aufbauspieler zum Matchwinner für die Niedersachen, die ihren sechsten Sieg in Folge einfahren konnten. Während sich die Gießener nur einen Punkt vor den Abstiegsplätzen befinden, konnten die Phantoms einen wichtigen Schritt in Richtung Playoffs machen.
Ebenfalls einen Rückschlag im Kampf um den Ligaerhalt erlitt Phoenix Hagen. Ohne ihren verletzten Aufbauspieler Michael-Hakim Jordan, dafür aber mit Neuzugang Rolandas Alijevas, konnten die Feuervögel lediglich bis zur Halbzeitpause mithalten, ehe die Gäste aus Quakenbrück die Kontrolle an sich nahmen. Mit 11:28 gaben die Hagener das dritte Viertel und folglich auch das gesamte Spiel aus der Hand.
Auf der Seite der Dragons feierte ebenfalls ein Neuzugang sein Debüt: Hollis Price wusste mit neun Punkten und fünf Assists in gut 23 Minuten Einsatzzeit schon in seinem ersten Spiel für die Drachen zu überzeugen. Entscheidend für den ungefährdeten 83:71-Sieg der Dragons war jedoch das Trio Darren Fenn, Nathan Peavy und Toby Bailey, das insgesamt 54 Punkte zum Erfolg seiner Mannschaft beisteuerte. Bei Hagen zeigte lediglich Quentin Pryor eine starke Leistung und erzielte mit 20 Punkten eine persönliche Bestmarke.
Quakenbrück schnuppert wieder an den Playoffplätzen und liegt nur noch einen Sieg hinter den achtplatzierten Phantoms aus Braunschweig. Die Hagener sind dagegen durch die Niederlage auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht und müssen weiter um den Klassenerhalt zittern.
Spannendes Rheinland-Derby
Angeführt von Nationalspieler Tim Ohlbrecht haben sich die Telekom Baskets Bonn von der katastrophalen Vorstellung gegen Alba Berlin rehabilitiert. Gegen die Giants Düsseldorf mussten die Baskets nach einer 19-Punkte-Führung Mitte des dritten Viertels jedoch bis zur letzten Sekunde zittern, um mit 54:52 als Sieger den Platz zu verlassen.
Eigentlich hatten die Hausherren die Parie unter Kontrolle, bauten in der ersten Halbzeit und zu Beginn des dritten Viertels ihren Vorsprung stetig aus und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch dann „sind wir von Minute zu Minute mehr verkrampft“, resümierte ein erleichterter Michael Koch und fügte hinzu: „Meine Jungs sind im Moment mental sehr angeknackst und nach den zwei Klatschen der letzten Woche war dieser Sieg sehr wichtig für unser Selbstvertrauen“.
Bei den Giants feierte der aus Bamberg verpflichtete Eric Taylor seine Premiere im Düsseldorfer Trikot. Mit einem Punkt und fünf Rebounds blieb der Routinier jedoch unter seinen Möglichkeiten. „Eric Taylor hat uns heute schon sehr geholfen. Er hat die Persönlichkeit, das Team zu führen“, ist Giants-Coach Achim Kuczmann dennoch von seinem Neuzugang überzeugt. Während sich die Baskets über den Sieg freuen konnten, bleiben die Giants weiter im Tabellenkeller stecken.
Olivers Treffer erlegt Raubtiere
Eine knappe Niederlage mussten auch die Walter Tigers Tübingen hinnehmen. In einer intensiv geführten Partie konnte sich keine Mannschaft konkret absetzen und so entschied sich die Partie erst mit der Schlusssirene. Nachdem die Tigers noch einen Vorsprung von acht Punkten aus der Hand gaben, erzielte Chris Oliver mit dem letzten Wurf der Partie das 77:75 für die Veilchen.
Während auf Seiten der Tigers Aleksandar Nadjfeji die Hausherren mit insgesamt 27 Punkten und fünf Assists im Spiel hielt, waren es auf der Seite der Göttinger vor allem Ben Jacobson und Taylor Rochestie, die zusammen 37 Punkte und acht Vorlagen erzielten. Während die Göttinger ihren Playoff-Platz festigten, haben die Tigers nach der zweiten Niederlage in Serie nun zwei Siege Rückstand auf den achten Tabellenplatz.
Ebenfalls einen Rückschlag im Kampf um die Playoffs musste die EnBW Ludwigsburg hinnehmen. Gegen die EWE Baskets Oldenburg hatte die Mannschaft von Tolga Öngören keine Chance und unterlag 55:77. Vor allem die Ludwigsburger Guards Michael King und T.J. Thompson erwischten einen schlechten Tag und erzielten zusammen nur zehn Punkte. Nur in der ersten Halbzeit blieben die Ludwigsburger in Schlagweite, mussten dann aber der geschlossenen Oldenburger Mannschaft Tribut zollen. Angeführt von Milan Majstorovic bauten die Donnervögel ihre Führung kontinuierlich aus und fuhren am Ende einen ungefährdeten Heimsieg ein. Für die mit hohen Erwartungen in die Saison gestarteten Ludwigsburger wird es im Endspurt um die begehrten letzten Playoff-Plätze langsam eng. Oldenburg hingegen hält den Anschluss an Ligaprimus Alba Berlin.
Einen Schritt in Richtung Playoffs machte dagegen der MBC Weißenfels. Gegen Tebellenführer Alba Berlin gewannen die Wölfe in heimischer Halle überraschend mit 71:69. Bereits zur Halbzeitpause war der Erfolg absehbar. Nach einer überzeugenden ersten Halbzeit führte der MBC bereits mit 49:35. Doch die Berliner kämpften sich nochmals heran und konnten nach einem 16:0-Lauf den 57:57-Ausgleich erzielen. Es war vor allem Julius Jenkins, der mit 22 Punkten die Albatrosse zurück in die Partie führte. Doch die Wölfe wollten sich nicht abschütteln lassen.
„Für uns war es das Spiel des Jahres, jeder im Team war bis in die Haarspitzen motiviert“, erklärte der Weißenfelser Head Coach Björn Harmsen die Bissigkeit seiner Mannschaft. Vier Sekunden vor Ende musste dann Radenko Pilcevic an die Freiwurflinie. Der Aufbauspieler der Wölfe blieb cool und versenkte beim Stand von 69:69 beide Würfe sicher zum viel umjubelten 71:69 Heimsieg des Außenseiters. „Der MBC hat heute in einem sehr aufregenden Spiel eine exzellente Leistung abgeliefert“, lobte Alba-Coach Luka Pavicevic die ausgeglichene Leistung der Wölfe, die wieder auf einen Platz unter den besten Acht hoffen dürfen.
Auch die Brose Baskets Bamberg werden ihren Ambitionen allmählich gerecht. Durch einen souveränen 77:58-Erfolg über die Deutsch Bank Skyliners Frankfurt kletterten die Franken auf den vierten Tabellenplatz. In einer Partie, die bereits zur Halbzeitpause so gut wie entschieden war, mussten die Hausherren nie um den Erfolg bangen. Am Ende waren 18 Ballverluste der Skyliners und eine Wurfquote von 42,2 Prozent aus dem Feld für die Niederlage ausschlaggebend. Für Bamberg war Predrag Suput mit 20 Zählern der erfolgreichste Punktesammler, bei den Skyliners wusste Seth Doliboa (16 P) zu überzeugen. Durch den Sieg schoben sich die Bamberger an den Frankfurtern vorbei und können so langsam für die Playoffs planen. Für Frankfurt heißt es nun, den fünften Tabellenplatz zu festigen.
Ulm zu heiß für die Eisbären, Gibbs an alter Wirkungsstätte
Eine überzeugende Leistung bot auch ratiopharm Ulm beim 99:87 gegen die Eisbären Bremerhaven. Schon in den ersten zehn Minuten zeigten die Ulmer, wer Herr im Haus ist, und lagen bereits mit 32:17 in Front. Bremerhaven schaffte es nicht, dem hohen Tempo stand zu halten, und so wuchs der Abstand bis zur Halbzeit auf 17 Punkte an. n der zweiten Hälfte konnten die Eisbären den Rückstand zwar nochmals auf 84:89 verkürzen, aber am Ende fuhren die Ulmer einen über weite Strecken ungefährdeten Heimerfolg ein.
Für Eisbären-Forward Jeff Gibbs war das Spiel in seiner alten Heimat weniger erfolgreich verlaufen als erhofft. Der ehemalige Publikumsliebling der Donaustädter erzielte zwölf Punkte und pflückte sich acht Abpraller. Lee Humphrey war mit 20 Punkten erfolgreichster Werfer einer ausgeglichenen Ulmer Mannschaft. Für Bremerhaven erzielte Torrell Martin 28 Punkte und fünf Rebounds. „Es war ein historischer Abend für den Ulmer Basketball“, fasste Mike Taylor seine Freude nach dem klaren Heimerfolg zusammen.
Top der Woche: Johannes Herber kehrt auf die Bühne der Beko BBL zurück. Der durch Verletzungen gebeutelte 27-jährige Nationalspieler unterschrieb kurz vor der Wechselfrist einen Vertrag bis Saisonende bei den Walter Tigers Tübingen. Herber möchte bei den Tigers zu alter Stärke finden und Spielpraxis sammeln. Wann Herber, der zur Zeit mit Bundestrainer Dirk Bauermann in Köln trainiert, einsatzfähig ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.
Flop der Woche: Steckt Alba Berlin in einer Formkrise? In den letzten sieben Pflichtspielen (Liga, Pokal und Eurocup) gab es nur drei Siege für die Albatrosse.
Die besten Deutschen der Woche
G: Per Günther (Ulm gg. Bremerhaven: 8 P)
G: Heiko Schaffartzik (Gießen gg. Braunschweig: 21 P, 7/10 3FG)
F: Daniel Lieneke (Paderborn gg. Trier: 17 P, 10 R)
F: Yassin Idbihi (Gießen gg. Braunschweig: 10 P, 6 R)
C: Tim Ohlbrecht (Bonn gg. Düsseldorf: 17 P, 6 R)
Die erste Fünf der Woche
G: Quentin Pryor (Hagen gg. Quakenbrück: 20 P, 2 S)
G: Jamal Shuler (Trier gg. Paderborn: 39 P, 10 R, 5 A)
F: Torrell Martin (Ulm gg. Bremerhaven: 28 P, 5 R)
F: Aleksandar Nadjefji (Tübingen gg. Göttingen: 27 P, 4 R, 5 A)
C: Anatoly Kashirov (Weißenfels gg. Berlin: 22 P, 4 R)



von Biggles 01.03.10 um 15:40:13
also ihr habt bei den besten deutschen daniel lieneke vergessen er hatte 17 punkte und 10 rebounds
von Tomrock 01.03.10 um 16:26:58
Stimmt, haben wir unterschlagen. Ist nun aber nachgetragen!
von mizzo8 01.03.10 um 16:43:42
Nicolai Simon hatte am Wochenende 10 Pkt., 2 Rbds. und 1 As.