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BBL-Wochenrückblick

Albatrosse lassen Federn

Die Brose Baskets beschenken ihren Coach zum Geburtstag mit einem Sieg über Berlin. Göttingen erzielt acht Punkte in drei Sekunden. Bonn und Bremerhaven brennen ein Feuerwerk ab, Weißenfels reist mit dem Taxi an und Ludwigsburg gewinnt das Schwabenderby gegen Tübingen.

Von Thomas Käckenmeister
 08.03.2010 |

  Ergebnisse  
05.03. Düsseldorf - Weißenfels 58:70
05.03. Bremerhaven - Bonn 90:91
06.03. Braunschweig - Oldenburg 80:93
06.03. Göttingen - Ulm 80:69
06.03. Berlin - Bamberg 64:79
06.03. Quakenbrück - Trier 76:73
07.03. Frankfurt - Hagen 89:76
07.03. Ludwigsburg - Tübingen 82:70
07.03. Paderborn - Gießen 63:78
Chris Fleming hat mal wieder alles richtig gemacht. Der Coach, der in den Playoffs 2007 mit den Artland Dragons als Achtplatzierter den Ligakrösus Alba Berlin ausschaltete, ging auch beim Spitzenspiel des vergangenen Spieltags als Gewinner vom Platz. Mit den Brose Baskets machte sich Fleming, der unter der Woche seinen 40. Geburtstag feierte, selbst ein Geschenk. Nicht mal einen Monat nach dem Pokalerfolg in Bamberg über die Berliner (79:77), wiederholten die Brose Baskets das Kunststück aus dem Vorjahr und triumphierten erneut in der o2 World, diesmal mit 64:79.

In einer sehr physischen und teilweise zerfahrenen Partie vor 11.749 Zuschauern in der Halle und unzähligen mehr vor den Fernsehgeräten gab Bamberg die gesamten 40 Minuten den Ton an. Berlin lag nur kurzzeitig in der ersten Hälfte mit vier Zählern vorn (29:25), ehe die Franken kurz vor Ende des dritten Viertels sogar erstmals zweistellig in Führung gingen (40:50). Im Schlussabschnitt sorgte dann Brian Roberts für klare Verhältnisse; der Guard erzielte elf seiner 14 Punkte im Schlussviertel - nur zwei weniger als der Gegner in dieser Phase.

Insgesamt pfiffen die Unparteiischen 61 Fouls auf beiden Seiten. Vor allem unterm Korb nutzen Predrag Suput und Elton Brown (zusammen 30 Punkte und zwölf Rebounds) die Vorteile, die aus dem Verlust von Jurica Golemac resultierten. Sowohl der Frontcourt um Blagota Sekulic, Cemal Nalga und den wiedergenesenen Adam Chubb als auch Julius Jenkins (0/7 3FG) hatten mit der ruppigen Gangart der Gäste so ihre Probleme. Berlin traf lediglich zwei von 20 Dreipunktewürfen und ließ zwölf Punkte an der Freiwurflinie liegen (30/42 FT ggü. 23/28 FT bei Bamberg).

Nach dem fünften Erfolg in Folge für Bamberg kann Coach Fleming zurecht "stolz" auf seine Mannschaft sein. Sein Gegenüber Luca Pavicevic hingegen war in Erklärungsnot: "Was bei uns passiert ist, fällt mir schwer zu begreifen. Wir haben eigentlich genau die Energie aufgebracht, die nötig ist für solch ein Spiel. Es schien jedoch, als ob uns das Spiel umso mehr aus den Händen geronnen ist, je mehr wir investiert haben. Es ist ein komisches Gefühl - das habe ich noch nicht erlebt. Wir hätten noch zwei Tage lang so weiter spielen können und es wäre immer so weiter gegangen. Trotzdem müssen wir die Niederlage nun sofort vergessen und uns auf Badalona vorbereiten." Am Dienstag tritt Alba Berlin in Spanien zum entscheidenden Spiel um den Einzug in Viertelfinale des EuroCups an.

Bonn bändigt die Eisbären

Die Hauptstädter teilen sich nach dem Punktverlust den Platz an der Tabellenspitze zurzeit mit den Telekom Baskets Bonn. In einem offensiven Schlagabtausch bei den Eisbären Bremerhaven, der mit 90:91 für die Magentafarbenen ausging, revanchierten sich die Bonner für das Pokalaus am 16. Februar gegen die Norddeutschen. Damals endete die Partie 91:68 für Bremerhaven. Diesmal präsentierten sich vor allem Tim Ohlbrecht (19 P), Jared Jordan (19 P, 13 A) und Chris Ensminger (12 P, 10 R) in besserer Verfassung als damals.

Auch Bonns Coach Mike Koch war zufrieden, kein böses zweites Erwachen erlebt zu haben. "Am Anfang musste man befürchten, dass die Partie ähnlich läuft wie vor drei Wochen im Pokal. Aber die Jungs haben sich vom frühen Rückstand nicht beeindrucken lassen. Entscheidend war, dass wir im dritten Viertel deutlich besser verteidigt und uns eine komfortable Führung herausgespielt haben." Bremerhaven führte zur Pause mit acht Punkten (48:40). "Am Ende hatten wir natürlich auch etwas Glück, dass der Korbleger von Torrell Martin sein Ziel verfehlt hat", blickt Koch auf das glückliche Spielende zurück. "Das war ein immens wichtiger Sieg für uns im Hinblick auf die Playoffs."

Göttingen bleibt daheim unbesiegt

Das nächste Testspiel für die Playoffs steht für Koch und Co. bereits am kommenden Samstag gegen die BG Göttingen (19.45 Uhr live im DSF) auf dem Programm. Die Südniedersachsen sind das derzeit heißeste Team der Liga. Gegen Ulm wahrten sie nicht nur ihre blütenweise Weste vor heimischem Publikum (elf Siege aus elf Spielen), sondern feierten zugleich auch den achten Ligaerfolg hintereinander.

Doch das 80:69 für die Gastgeber kam überaus glücklich zustande. Drei Sekunden vor dem Ende stand es noch 69:69, ehe die Unparteiischen den Göttingern acht Freiwürfe zusprachen! Was genau war geschehen? Nach einem Foul von Coleman Collins an Gregory Boone revidierten die Schiedsrichter plötzlich ihre Entscheidung, dass der Korb, der eigentlich nicht zählten sollte, doch mit zwei Punkten plus Bonusfreiwurf gewertet wird. Plötzlich wurde somit aus dem Unentschieden ein 72:69 für die BG. Daraufhin kassierten Per Günther und Coach Mike Taylor technische Fouls. Ulms Cheftrainer wurde nach dem zweiten "T" sogar disqualifiziert. Chris Oliver, der in der verbleibenden Zeit gefoult wurde und außerdem die sechs Freiwurfe aufgrund der technischen Fouls sicher verwandelte, wurde zum Helden des Spiels.

Der Ex-Göttinger Rocky Trice kam auf 18 Punkte für die Ulmer, die ohne den am Knöchel verletzten Robin Benzing an der Sensation schnupperten. Denn in den letzten fünf Minuten wandelten die Süddeutschen einen 67:59-Rückstand in erwähntes Unentschieden um. Bei Göttingen feierte Chris McNaughton mit 22 Punkten und acht Rebounds ein "Cominig-Out Spiel", wie Coach John Patrick im Nachhinein konstatierte. "Unsere Inside-Spieler waren heute dominant. Normalerweise ist unser Guard-Play spielbestimmend." Mike Taylor hingegen nahm Bezug auf das Spielende: "Es war ein tolles Spiel mit einem unwürdigen Ende. Ich bin der Meinung, dass die Spieler das Spiel entscheiden sollten. Mehr möchte ich zu der Situation am Ende nicht sagen." Göttingen steht nach dem Sieg auf dem vierten Tabellenplatz, Ulm ist auf dem 13. Rang.

Was war sonst noch los am vergangenen Spieltag?

Der deutsche Meister aus Oldenburg reiste zum Niedersachsen-Derby nach Braunschweig. Dort gelang den Donnervögeln der fünfte Sieg in Folge. Beim deutlichen 80:93-Erfolg glänzten vor allem Je'Kel Foster und Rickey Paulding mit je 21 Zählern. Die Oldenburger verwandelten insgesamt 16 von 29 Dreipunktewürfe, was auch Brauschweigs Coach Sebastian Machowski im Nachhinein überwältigte: "Heute hat Oldenburg gefühlt jeden Dreier getroffen. Wir haben es lange geschafft, den Oldenburgern das Leben schwer zu machen, doch die vielen Dreiertreffer waren irgendwann nicht mehr aufzuholen." Bei den Braunschweiger, die auf dem letzten Playoff-Platz stehen, ragten Brandon Thomas (18 P) und Marcus Goree (15 P, 6 R) heraus. Oldenburg lauert hinter Berlin und Bonn auf dem dritten Tabellenrang.

Quakenbrück feierte einen knappen 76:73-Erfolg über Trier, nach dem Dragons-Coach Thorsten Leibenath vor allem Neuzugang Hollis Price hervorhob: "Heute hat jeder gesehen, warum wir Hollis Price verpflichtet haben. Wie er im letzten Angriff agiert hat – mit dieser Ruhe und Sicherheit – verdient größten Respekt." Quakenbrück stand insgesamt 44 Mal an der Freiwurflinie (29 Treffer), Trier hingegen nur 13 Mal (10 Treffer).

Frankfurt bleibt souverän auf Playoff-Kurs. Gegen die arg abstiegsbedrohten Feuervögel aus Hagen erzielte die Truppe von Guard Pascal Roller (18 P, 5 A) einen deutlichen 89:76-Erfolg.

Derweil reisten die LTi Giessen 46ers nach Paderborn zum Abstiegskrimi. Die Hessen verhagelten allerdings das Heimdebüt von Paderborns neuem Coach Dirk Happe mit 63:78. Maurice Jeffers (20 P), Osvaldo Jeanty (19 P) und Elvir Ovcina (14 P, 8 R) gaben den 46ers wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt, von dem auch Coach Vladimir Bogojevic überzeugt ist. In der Alsfelder Allgemeinen äußerte sich Gießens Cheftrainer zu seiner Situation beim BBL-Traditionsverein: "Sicher habe ich nicht alles richtig gemacht, aber Rücktritt kommt für mich nicht infrage. Das würde aufgeben bedeuten - und aufgeben mag ich nicht. Ich glaube zu hundert Prozent, dass wir den Klassenerhalt schaffen." Gießen ist derzeit auf dem 16. Platz - zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz.

Punktgleich mit den Mittelhessen sind auch die Giants Düsseldorf. Die Krise am Rhein hält nach der kläglichen 58:70-Pleite gegen den MBC Weißenfels an. Fünf Spiele in Folge haben die Düsseldorfer mittlerweile verloren und sind mittendrin im Abstiegsstrudel. Dabei mussten die Weißenfelser die Reise zum Punktspiel bei den Giants Düsseldorf am Freitag mit dem Taxi antreten. Eine Straßenbahn hatte den Mannschaftsbus 200 Meter vor dessen Ankunft am Teamhotel von der Seite gerammt und schwer beschädigt. Niemand wurde verletzt.

Schließlich empfing die EnBW Ludwigsburg am Sonntag die Walter Tigers aus Tübingen. Das Schwaben-Derby sah nach 20 Minuten keine Mannschaft im Vorteil, stand es zur Pause doch 33:33. Nach der vollen Distanz von 40 Spielminuten sorgten jedoch die Hausherren vor 4.500 Zuschauern für klare Verhältnisse (82:70). Das musste auch Igor Perovic schlussendlich feststellen: "Wir konnten das Spiel lange Zeit offen gestalten, letztlich war Ludwigsburg aber die bessere Mannschaft. Sie haben mit einer höheren Intensität gespielt und hatten einfach auch die tiefere Bank." Romeo Travis erzielte 22 Punkte für die Tigers, Michael Haynes kam auf 21 Zähler. Der 23-jährige, deutsche Nachwuchsspieler David McCray kam in 20 Minuten auf zwölf Punkte und drei Rebounds.

Top der Woche: Göttingen ist auch in diesem Jahr das Überraschungsteam der Liga. Die Zukunft der Veilchen dürfte möglicherweise ebenso rosig aussehen wie die Gegenwart. Das Management hofft auch ein weiteres Engagement von Head Coach John Patrick für die nächsten Jahre, wie Geschaftsführer Marc Franz der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung in einem Interview mitteilte.

Flop der Woche: Phoenix Hagen bleibt im Tabellenkeller. Trotz Neuverpflichtungen - in der laufenden Saison kamen John Turek, Michael-Hakim Jordan, Zygimantas Jonusas und Rolandas Alijevas - bekommen die Feuervögel keinen Aufwind. Nach neun Pleiten in Folge stehen sie auf dem 18. Tabellenplatz und sind akut abstiegsbedroht.

Die besten Deutschen der Woche
G: Pascal Roller (Frankfurt gg. Hagen: 18 P, 5 A)
G: Heiko Schaffatzik (Braunschweig gg. Oldenburg: 7 P, 9 A, 2 S)
F: Tim Ohlbrecht (Bonn gg. Bremerhaven: 19 P, 2 R)
F: Bernd Kruel (Hagen gg. Frankfurt: 11 P, 5 R, 4 A)
C: Chris McNaughton (Göttingen gg. Ulm: 22 P, 8 R)

Die erste Fünf der Woche
G: Jared Jordan (Bonn gg. Bremerhaven: 19 P, 3 R, 13 A, 2 S)
G: Je'Kel Foster (Oldenburg gg. Braunschweig: 21 P, 3 R, 3 A)
F: Romeo Travis (Tübingen gg. Ludwigsburg: 22 P, 5 R)
F: Jonathan Kale (Hagen gg. Frankfurt: 20 P, 13 R, 3 A)
C: Jason Gregory Boone (Göttingen gg. Ulm: 14 P, 13 R)




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von BerlinAir 08.03.10 um 18:32:13


Schwierige Sache, die Vergabe des scheinbar unheimlich wichtigen Titels "Team der Stunde" oder gar "Heissestes Team der Liga" ist nicht unumstritten. Wann gibts denn dafuer endlich Europa-Punkte?



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