BBL-Wochenrückblick
Abstiegsangst und Playoff-Gerangel
Gießen scheitert an der 50-Punkte Marke, Paderborn wartet auf ein Wunder, Tübingen sichert den Klassenerhalt, Paderborn wird nicht belohnt, McElroy verpasst knapp ein Triple-Double und Göttingen fehlt die Kraft.
Von Johannes Beyer |
29.03.2010 | |
| Ergebnisse | ||
| 27.03. | Tübingen - Trier | 65:54 |
| 27.03. | Ulm - Paderborn | 87:86 |
| 27.03. | Berlin - Quakenbrück | 63:61 |
| 27.03. | Oldenburg - Gießen | 58:48 |
| 28.03. | Frankfurt - Düsseldorf | 64:66 |
| 28.03. | Bremerhaven - Hagen | 79:60 |
| 28.03. | Weißenfels - Ludwigsburg | 82:59 |
| 28.03. | Bamberg - Göttingen | 88:81 |
| 28.03. | Bonn - Braunschweig | 79:78 |
Es hat wohl niemanden von den Sitzen gerissen, was die Walter Tigers Tübingen und die TBB Trier am frühen Samstagabend ablieferten. In einer schwachen Partie mussten die Zuschauer in der Paul Horn Arena und an den Bildschirmen gute fünf Minuten auf den ersten Feldkorb des Spiels warten. Bei Trier schien sich der Trainerwechsel zunächst bezahlt zu machen. Die Truppe von Aaron McCarthy konnte sich bis zur Halbzeitpause immerhin auf neun Punkte absetzen (25:34). Doch Tigers Head Coach Igor Perovic, bei den Schwaben ehemals Spieler unter McCarthy, schien in der Halbzeitpause die richtigen Worte gefunden zu haben. Zwar konnte Trier einen Sieben-Punkte-Vorsprung mit in das letzte Viertel nehmen, doch dort brachen dann alle Dämme. Ein 17:0-Lauf der Raubkatzen binnen vier Minuten zeigte, dass McCarthy noch viel Arbeit vor sich hat. Mit 25:7 gewannen die Tigers den letzten Abschnitt und schlussendlich auch das Spiel mit 65:54. Mit 16 Punkten in der zweiten Halbzeit avancierte Branislav Ratkovica zum Matchwinner und war mit 22 zugleich Topscorer der Tigers. Für die sich immer weiter im Abstiegstrudel befindenden Trierer erzielte Christopher Copeland zwölf Punkte.
Paderborn und Gießen verlieren
Nach dem Spiel war dem Ulmer Head Coach Mike Taylor die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben. „Zum Schluss hatten wir einfach Glück“, kommentierte Taylor den 87:86-Erfolg seiner Mannschaft gegen die Paderborn Baskets. Dabei hätte alles weitaus einfacher vonstatten gehen können und so spielten sich Freud und Leid, Höhen und Tiefen in einer gelungen Komposition ab. Nachdem sich in den ersten beiden Vierteln keine der beiden Mannschaften so recht absetzen konnte (46:40, 20. Min), hatten die Mannen aus Paderborn noch berechtigte Hoffnungen, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu ergattern. Doch die zweite Hälfte verlief zunächst nicht im Sinne der Westfalen. Bis zur 34. Minute zogen die Donaustädter auf 77:60 davon – das Spiel schien entschieden. Doch nun erkannte die Mannschaft von Dirk Happe den Ernst der Lage und legte los wie die Feuerwehr. Während den Hausherren nichts mehr gelingen wollte, kämpften sich die Baskets Punkt für Punkt heran. 27 Sekunden vor Ertönen der Schlusssirene verkürzte Sefton Barrett gar auf 87:86 und die Partie schien völlig zu kippen. Nachdem auch noch der Ulmer Guard Rocky Trice zwei Freiwürfe daneben setzte, hatten die Baskets den letzten Angriff. Doch der letzte Wurfversuch von Barrett fand nicht sein Ziel und die Ulmer konnten dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung doch noch den doppelten Punktgewinn feiern. „Wenngleich unsere Chancen auf den Klassenerhalt minimal sind, geht es für uns weiter“, hofft Happe weiterhin auf ein Wunder.
Ebenfalls im Tabellenkeller stecken die Gießen 46ers. Zwar brauchen die 46ers keine Wunder, dennoch wiegt jeder Sieg im Kampf um den Klassenerhalt doppelt. Gegen die EWE Baskets Oldenburg standen die Hessen, trotz kämpferischer Leistung, am Ende mit leeren Händen da. Ohne ihren verletzten Topscorer Elvir Ovcina erzielten die 46ers nicht einmal 50 Punkte und verloren gegen die favorisierten Hausherren 58:48. In einer unterdurchschnittlichen Partie war zunächst nur das erste Viertel ausgeglichen. Bis zur Pause setzten sich dann aber die Baskets erwartungsgemäß ab und konnten mit einem beruhigenden Zehn-Punkte-Polster in die Kabine gehen. Dennoch kam nochmals Spannung in der ausverkauften EWE Arena auf. Bis zur 25. Minuten legten die Gäste einen 14:0-Lauf aufs Parkett und lagen plötzlich mit 37:35 in Front. Doch in den verbleibenden fünfzehn Minuten sollte den 46ers nicht mehr viel gelingen. Angeführt von Ricky Paulding und Je’Kel Foster drehten die Baskets wieder auf. Während der Mannschaft von Head Coach Vladimir Bogojevic nur noch elf Zähler gelangen, verwaltete Oldenburg seinen erneuten Vorsprung souverän. Während Lorenzo Williams mit 16 Punkten ein Drittel der Gießener Punkte erzielte, war Foster mit zwölf Zählern der erfolgreichste Korbschütze einer geschlossenen Oldenburger Mannschaft. Oldenburg kann nach dem Sieg weiter die Fühler nach dem ersten Platz ausstrecken, Gießen benötigt hingegen noch mindestens zwei Siege, um den Klassenerhalt perfekt zu machen.
Geib rettet Düsseldorf
Etwas Luft im Keller können die Giants Düsseldorf holen. In einer bis zur letzten Sekunde spannenden Begegnung setzten sich die Rheinländer mit 64:62 bei den Deutsche Bank Skyliners Frankfurt durch. Die Gäste kämpften sich nach kleinen Rückständen immer wieder in die Partie zurück, standen sich aber wegen ihrer schwachen Freiwurfquote von knapp 55 Prozent selbst im Weg. Den Skyliners gelang es hingegen nicht, ihre Rebound-Überlegenheit konsequent in Punkte zu verwandeln. Am Ende waren 18 Ballverluste der Hessen einfach zu viel. In einer packenden Schlussphase war es schließlich Gordon Geib, der in der Schlusssekunde den entscheidenden Korb einnetzte. Koko Archibong führte seine Mannschaft mit 14 Zählern zu einem wichtigen Sieg im Abstiegskampf. Für die Skyliners war Derrick Allen mit 28 Zählern der überragende Akteur.
Die Niederlage der Skyliners nutzten die Eisbären Bremerhaven, um mit den Hessen gleichzuziehen. Gegen Phoenix Hagen reichte den Norddeutschen eine normale Leistung, um mit 79:60 die Oberhand zu behalten. Bereits zur Halbzeit sorgten die Bremer für klare Verhältnisse (49:27). Dies sollte sich auch in der zweiten Hälfte nicht ändern. Vor 2.700 Zuschauern konnte Doug Spradley jedem seiner Schützlinge Einsatzzeit gewähren. Durch den Erfolg festigte Bremerhaven seine Playoff-Ambitionen und liegt nun mit drei Siegen Vorsprung vor dem Neuntplatzierten auf Rang fünf. Für Hagen hingegen scheint es immer schwieriger zu werden, den angestrebten Klassenverbleib zu realisieren. Mit zwei Niederlagen mehr als die Giessen 46ers haben die Feuervögel noch einen weiten Flug vor sich.
Göttingen geht die Luft aus
Auf dem Boden der Tatsachen ist die BG Göttingen gelandet. Nach anstrengenden Wochen, mit Ligabetrieb und EuroChallenge, merkte man den Veilchen die andauernde Doppelbelastung an. Konnte die BG noch unter der Woche den Einzug in das Final Four-Turnier gegen BC FMP Belgrad perfekt machen, verlor sie gegen die Brose Baskets Bamberg mit 81:88. Während die Franken die erste Hälfte dominierten und bereits wie der sichere Sieger aussahen, kämpften sich die Gäste in der zweiten Hälfte zurück in die Partie. Doch trotz eines starken letzten Viertels fehlte den Veilchen am Ende die Kraft. Bamberg konnte durch den Sieg den Einzug die Runde der letzte Acht so gut wie perfekt machen. Und auch die Mannschaft von John Patrick ist trotz der achten Saisonniederlage auf einem guten Weg in die Finalrunde.
Einen Rückschlag im Rennen um die begehrten Playoff-Ränge musste die EnBW Ludwigsburg hinnehmen. Gegen den MBC Weißenfels blieb die Truppe von Tolga Öngören ohne Chance. Am Ende stand ein klares 82:59 für die Wölfe auf der Anzeigetafel. Ein 17:0-Lauf im zweiten Viertel brachte bereits die frühe Entscheidung. Die Ludwigsburger schafften es danach nicht, sich wieder zu berappen. Zur Halbzeit lag der MBC bereits mit 44:21 in Front und verwaltete den 23-Punke-Vorsprung souverän über die Zeit. Für Öngören waren vor allem die niedrige Punkteausbeute und die miserable Verteidigung seiner Mannschaft ausschlaggebend für die klare Niederlage. Einzig Quadre Lollis fand seine Form und verhinderte mit 16 Punkten eine höhere Niederlage. Björn Harmsen sieht seine Mannschaft nach dem klaren Erfolg gegen einen direkten Konkurrenten weiter im Rennen um die Playoffs. Zu verdanken hat er dies vor allem der Ausgeglichenheit seiner Mannschaft. Neben Topscorer Velimir Radinovic (14 Pkt.) steuerten sieben weitere Spieler sieben oder mehr Punkte bei.
Bonn und Berlin siegen
Keine Sorgen um die Teilnahme an den Playoffs müssen sich die Telekom Baskets Bonn machen. Gegen den Achten aus Braunschweig behielten die Baskets knapp mit 79:78 die Oberhand. Vor allem auf Ronald Dupree (23 P) und Bryce Taylor (19 P) konnten sich die Rheinländer verlassen. Während die Phantoms nach einem verschlafenen Start die Partie wieder offen gestalten konnten, reichte den Baskets das erste Viertel, um die zwei Punkte zuhause zu behalten. Marcus Goree zeigte mit 25 Punkten und fünf Rebounds eine starke Leistung, fand aber zu wenig Unterstützung bei seinen Mannschaftskollegen. Mit Jason Cain und Kevin Hamilton punkteten nur zwei weitere Braunschweiger im zweistelligen Bereich. Für Braunschweig wird es nochmals eng im Kampf um die Playoffs, während man in Bonn schon die Bärte wachsen lassen kann.
Ebenfalls nicht mehr aus den Playoff-Positionen zu verdrängen ist Alba Berlin. Der Ligaprimus hatte beim 63:61-Erfolg gegen die Artland Dragons Quakenbrück jedoch große Mühe. Nach einem Blitzstart der Albatrosse, die auf ihren Kapitän Julius Jenkins (Gehirnerschütterung) verzichten mussten, schien es zunächst eine einseitige Partie zu werden. Doch die Dragons kamen hellwach in das zweite Viertel und lagen nach einem 10:0-Lauf mit einem Zähler in Front. Zur Halbzeit führte der Tabellenerste wieder mit 33:27. Den Drachen gelang es zwar, den Ausfall ihres Centers Darius Hall zu kompensieren, doch fanden die Würfe von jenseits der Dreipunktelinie nur selten ihr Ziel. Die zweite Halbzeit blieb weiter eng, und keine Mannschaft schaffte es, sich entscheidend abzusetzen. Erst im Laufe des letzten Spielabschnitts verschafften sich die Berliner ein kleines Polster von neun Punkten. Dieses sollte jedoch nicht lange halten: Die Dragons kämpften sich nochmals in die Partie zurück. In einer spannenden Schlussphase hatte Alba dann das nötige Glück, um den Sieg nach Hause zu fahren. Überragender Mann auf Seiten der Berliner war Immanuel McElroy, der mit elf Punkten, neun Rebounds und acht Assists nur knapp ein Triple-Double verpasste. Für Quakenbrück erzielte Darren Fenn 18 Zähler.
Top der Woche: Die BG Göttingen mischt weiter Europa auf. Im zweiten Spiel der Viertelfinal-Playoffs schlugen die Veilchen BC FMP Belgrad mit 76:71 und stehen erstmal im Final Four-Turnier der EuroChallenge.
Flop der Woche: Für Paderborn war die Niederlage in Ulm wohl der Genickbruch. Der letztjährige Playoff-Teilnehmer steht nach der 86:87-Niederlage in Ulm mit dem Rücken zur Wand. Bei verbleibenden fünf Spielen, darunter Gegner wie Bonn, Weißenfels, Frankfurt und Bamberg, kann den Baskets nur noch ein Wunder helfen.
Die fünf besten Deutschen der Woche
G: Alexander Seggelke (Quakenbrück gg. Berlin: 5 P, 3 R, 1 A)
G: Gordon Geib (Düsseldorf gg. Frankfurt: 8 P, 3 R, 1 A)
F: Guido Grünheid (Weißenfels gg. Ludwigsburg: 10 P, 8 R)
F: Robin Benzing (Ulm gg. Paderborn: 20 P, 4 R)
C: Tibor Pleiß (Bamberg gg. Göttingen: 11 P, 6 R)
Die erste Fünf der Woche
G: Branislav Ratkovica (Tübingen gg. Trier: 22 P, 4 R, 4 A, 3 S)
G: Immanuel McElroy (Berlin gg. Quakenbrück: 11 P, 9 R, 8 A)
F: Derrick Allen (Frankfurt gg. Düsseldorf: 28 P, 11 R)
F: Marcus Goree (Bonn gg. Braunschweig: 25 P, 5 R)
C: Chris Ensminger (Bonn gg. Braunschweig: 13 P, 14 R)



von Haina07 29.03.10 um 11:52:47
Ich finde den Artikel wie immer gut und aufschlussreich, aber ich finde ihn auch leicht unübersichtlich. Ich glaube man würde sihc besser darin zurechtfinden, wenn die einzelnen Begegnungen als Überschrift über dem jeweiligen ABsatz wären. Ich denke mir persönlcih würde es helfen. Ansonsten toller Text wie immer.
von Dickson 29.03.10 um 14:27:00
mal wieder ein toller artikel, aus meiner sicht fehlt nur am ende die aktuelle tabelle...
der double header auf dsf war cool, bitte mehr davon...
ich hoffe ja inständig, dass die trier nicht wirklich noch absteigen sollten...
da die braves vermutlich nicht aufsteigen werden, wird es aus dem saarland sehr weit um bundesliga basketball zu sehen...
von GoB13 29.03.10 um 19:50:16
ich verbessere
Flop der Woche:
der etat der bg göttingen. 3 verletzte stammspieler, in der teamaufstellung ein nachwuchsspieler ohne minuten, ein teammanager und ein spieler aus der 2. mannschaft... und das alles nur weil bei einem der besten mannschaften der liga die kohle fehlt... traurig.
nur mal so am rande: die eintracht braunschweig hatte letztes jahr einen etat von 7.5 mio... und das in der dritten liga... hoche lebe könig fussball!!!