BBL-Tagebuch
Viel Arbeit für den Frisör
Philipp Schwethelm von den Eisbären Bremerhaven schreibt in seinem vierten Tagebucheintrag über seine Erinnerungen an die fünfte Jahreszeit, die Aussichten auf die Playoffs, die Emotionen im Abstiegskampf und lüftet das Geheimnis, was eine neue Frisur mit Basketball zu tun hat.
Von Philipp Schwethelm |
25.03.2010 | |

Auch wenn die Karnevalszeit 2010 inzwischen Vergangenheit ist, möchte ich dieses Erlebnis hier gerne loswerden. Ich befand mich in der für Kölner wichtigsten Jahreszeit nicht unter all den Jecken, sondern schwitzte mit den Eisbären im Duell der Norddeutschen in der EWE Arena Oldenburg. Ob meine mäßige Leistung dort im Zusammenhang mit dieser Tatsache steht, ist schwer zu sagen. Jedenfalls hat der Ausgang dieses Spiels mich nicht gerade in Karnevalsstimmung versetzt. Nach einer durchwachsenen Vorstellung verloren wir das Spiel mit 93:77.
In Bremerhaven hätte man das Karnevalswochenende auch leicht vergessen können, denn es gab eigentlich nur zwei Momente, die mich an dieses Ereignis erinnerten. Beim Bäcker hingen Girlanden von der Decke und beim Frisör kam ein Clown auf Stelzen vorbei gelaufen. „Das ist der Karneval in Bremerhaven und er ist nur lustig, wenn man dem Clown die Stelzen wegtreten würde“, kommentierte mein Frisör dieses karnevalistische Highlight im hohen Norden. Meine Herkunft ist meinem Frisör nach diversen Terminen natürlich bekannt. Mit diesem Kommentar sollte er tatsächlich Recht behalten. Mehr war in Bremerhaven leider wirklich nicht von der sogenannten fünften Jahreszeit zu spüren.
In der letzten Saison sah das noch ganz anders aus. Es ist schon ein großer Spaß, verkleidet als mittelalterlicher Räuber zusammen mit einer Nonne (alias Michael Jordan), einem Wikinger (alias Björn Schoo), einem weiteren mittelalterlichen Räuber (alias Edin Bavcic), einem Tempelritter (alias Stefan Nicolic) und Julius Cäsar höchstpersönlich (alias Stevan Milosevic) in Köln Karneval zu feiern. Und bei jedem Heimspiel der 99ers strahlten immer drei Clowns von der Leinwand um die Wette - wobei ich neben den beiden 2,15- und 2,11-Meter-Riesen Tibor Pleiß und Björn Schoo eher wie ein Gartenzwerg aussah (Foto rechts).
Das Ende der Karnevalszeit bedeutet auch immer den Beginn der heißen Phase in der BBL. Es ist die Zeit, in der das Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, wie unser Trainer Doug Spradley es wohl richtig formuliert hat. Es sind nur noch sechs Spiele zu spielen und draußen werden die Tage wieder heller und wärmer. Das sind Faktoren, die nicht zu unterschätzen sind. Es ist unter Trainern und Spielern bekannt, dass sich das Verletztenlager oft lichtet, weil sich ein Ende abzeichnet und man sich durch das wärmere Wetter auch körperlich besser fühlt. Außerdem ist das Gröbste der Grippewellen überstanden, so dass die Anwesenheit der Spieler im Training deutlich zunimmt.
Für manche Teams heißt das aber auch, dass man merkt, wie es anfängt zu knistern. Bei nur noch sechs Spielen kann man sich ungefähr ausrechnen, wo man am Ende landen wird. Schafft man es in Playoffs oder landet man am Ende auf dem undankbaren neunten Platz? Kommt man unter die ersten Vier und sichert sich den Heimvorteil, oder schrammt man mit dem Platz fünf knapp daran vorbei und hat so einen großen Nachteil? Auch der Abstiegskampf geht jetzt in seine entscheidende Phase.
Letztes Jahr habe ich mich mit meiner alten Mannschaft Köln 99ers noch mitten im Kampf ums Überleben befunden. Mit den Eisbären Bremerhaven kämpfe ich zum Glück um die Playoff-Teilnahme. Nach zwei wichtigen Siegen gegen die direkten Konkurrenten vom MBC und den Brose Baskets haben wir uns wieder auf Platz fünf der Tabelle vorgearbeitet. Eine gute Ausgangsposition.
Auf den Erfolgen ausruhen kann man sich dieses Jahr allerdings auf keinen Fall! Die Liga ist unglaublich ausgeglichen, und die Plätze fünf bis neun trennen nur zwei Punkte voneinander. Im nächsten Spiel spielen wir gegen die abstiegsbedrohten Hagener. Das wird ein unglaublich schweres Spiel für uns. Ich weiß noch genau wie es ist, dort unten drinnen zu stehen und ums Überleben zu kämpfen. Da können ungeahnte Kräfte freigesetzt werden.
Eines der wichtigsten Spiele meiner BBL-Laufbahn war zum Beispiel das Abstiegsduell zwischen Gießen und Köln Ende der letzten Saison. Zwischen Spielern, Trainern und unter den Fans ging es unheimlich emotional zu. Es hat (natürlich auch aufgrund des positiven Ausgangs für Köln) unheimlich viel Spaß gemacht, dieses Spiel zu bestreiten. Das Spiel gegen Hagen wird für uns trotz des Heimvorteils kein Selbstläufer werden. Auch auswärts warten mit Ligaprimus Alba Berlin und den zu Hause noch ungeschlagenen Göttingern zwei schwere Aufgaben auf uns.
Es gibt allerdings auch Teams, die jetzt schon absehen können, dass sie weder etwas mit dem Abstieg noch mit den Playoffs zu tun haben. Das sind am Ende der Saison immer sehr dankbare Gegner.
Für mein Team und mich beginnen jetzt die spannenden Monate, in denen wir die Playoff-Teilnahme sichern können und nebenbei beim Top Four in Frankfurt noch die Möglichkeit haben, mit „nur“ zwei Siegen den Pokal zu gewinnen!
Das bedeutet viel Arbeit für meinen Frisör! Ja, ihr habt richtig gehört: Mein Frisör! Spätestens nach zwei Spielen habe ich immer das dringende Bedürfnis, meine Haare kürzen zu lassen. Wenn ich aufs Spielfeld gehe, muss ich das Gefühl haben, dass alles perfekt ist. Nur wenn man sich gut fühlt, kann man auch gut spielen. Wie ich aus den letzten Jahren erfahren habe, teilen viele Mitspieler meine Ansicht, dass sie besser spielen, wenn ihnen ein neuer Haarschnitt verpasst wurde. Um ehrlich zu sein, hat mich die Zustimmung zu meiner These selber überrascht.
Also, liebe Hobby-Basketballer, nun wisst ihr, wie ihr euer Spiel auf ein neues Level bringen könnt!
Das soll es dann auch von mir gewesen sein. Ich hoffe, dass ich in sechs Wochen kein Abschlussresümee der Saison ziehen muss, sondern euch mitten aus dem Playoff-Kampf und von einem erfolgreichen Pokalwochenende in Frankfurt berichten kann!
Wir sehen uns dann in den Hallen wieder, wo es um alles geht und wir die Unterstützung von den Fans mehr brauchen denn je!
Euer Phil
PS: Die Danksagungen von euren Frisören und die Beteiligung an steigenden Umsätzen könnt ihr gerne an unsere Geschäftsstelle schicken. Die leiten das dann an mich weiter ;-)



von KingCrunch 26.03.10 um 22:38:15
Wieder sehr netter Eintrag mit lustigen Verweis auf die Frisörgeschichte, hehe.
Nächstes Mal wieder gern ein wenig mehr Inside-Infos, die machen das Tagebuch ja vor allem so interessant.
Und viel Glück in der Schlussphase.
von Cabalios 27.03.10 um 00:22:49
der junge is top!
von jordan 31.03.10 um 17:13:01
würde mir auch mehr insider-wissen wie in den ausgaben davor wünschen...