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BBL-Tagebuch

Es ist Halbzeit

Bundesligaprofi Philipp Schwethelm berichtet im dritten Tagebucheintrag von seinen Erlebnissen und Eindrücken der Beko BBL-Hinrunde 2009/10. Dabei spricht er u.a. über die Unterschiede zwischen Köln und Bremerhaven, die Tabelle und die TV-Situation.

Von Philipp Schwethelm
 04.02.2010 |

Ich möchte den Abschluss der Hinrunde dazu nutzen, um einen Bericht zu schreiben, in dem ich ein kleines Resümee der ersten Saisonhälfte aus meiner Sicht und aus Sicht der Eisbären ziehe. Dafür muss ich zunächst zum Ausgangspunkt dieser Saison zurückkehren. Alles begann damit, dass ich das erste Mal von zu Hause aus ausziehen musste und ein anderes Trikot als das der Köln 99ers tragen durfte.

Viele Probleme mussten gelöst und offene Fragen beantwortet werden. Die Fragen wurden von meiner Familie, meinen Freunden, den Fans und den Pressevertretern gestellt. Nach etwas mehr als der Hälfte aller Spiele fällt es natürlich leichter, Antworten auf diese Fragen zu finden. Wie ist es, das erste Mal von zu Hause auszuziehen? Wie verkraftest du den Wechsel von der Großstadt Köln in die Kleinstadt Bremerhaven, wo du niemanden kennst? Wirst du in einem mit „Stars“ gespickten Team überhaupt zu Spielzeit kommen? Wie kommst du mit der Umstellung von dem jugoslawischen Basketball zum amerikanischen Stil klar?

Ich muss sagen, dass ich mir über keine dieser Fragen ernsthaft den Kopf zerbrochen habe. Ich habe mich sehr gut in Bremerhaven eingelebt. Inzwischen lebe ich in einer gemütlich eingerichteten Wohnung und habe mittlerweile die schönen Ecken Bremerhavens kennengelernt. Ich weiß nun, wo man mal etwas unternehmen oder essen gehen kann. Zudem erhalte ich oft Besuch von zu Hause, fahre selber in die Heimat oder sehe meine Familie und Freunde bei den Auswärtsspielen, die in der Kölner Umgebung stattfinden. Außerdem kommt mich meine Freundin alle zwei bis drei Wochen besuchen, was mir sehr hilft, für ein paar Stunden die Gedanken vom Basketball abzuwenden. Die Umstellung im Haushalt – wer hätte das gedacht? – bereitet mir keine großen Probleme.

Natürlich ist es eine große Umstellung von einer Großstadt in eine Kleinstadt zu ziehen. Die Ausgeh- und Shopping-Möglichkeiten sind hier sehr begrenzt. Zum Glück ist Bremen nicht zu weit weg, so dass man immer mal einen Tag dorthin fahren kann, wenn man etwas unternehmen will. Meistens ruhe ich mich aber lieber aus.

Erstaunlich ist allerdings der Unterschied zwischen Köln und Bremerhaven, was den Stellenwert des Basketballs betrifft. Während man in Köln eigentlich so gut wie nie angesprochen oder erkannt wurde, steht man hier im absoluten Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Das ist eine ganz besondere Erfahrung. Egal wo man hingeht, wird man von Fans erkannt. Es wird jeden Tag über uns in der Zeitung berichtet und wir stehen nach unseren Spielen eigentlich immer auf der Titelseite. Wenn man vor die Türe geht, hört man die Leute über das letzte Spiel der Eisbären reden. In Köln ging es immer nur um den FC, den FC und noch mal den FC. Oder um Lukas Podolski.

Wenn man in Köln jemandem gesagt hat, dass man bei den Köln 99ers spielt, dachten viele, das sei die Football-Mannschaft. In Bremerhaven hingegen kommt es zu vielen Kooperationen z.B. mit Ärzten oder Restaurants, weil man als Werbefigur eine viel größere Bedeutung hat. Das macht das Leben in vielen Bereichen angenehmer. Auch der sehr professionell geführte Klub sorgt dafür, dass man sich neben dem Basketball nicht mehr um viele andere Dinge kümmern muss.

In der Presse wurde ja schon diskutiert, ob Bremerhaven der richtige Schritt für mich war. So erinnere ich mich an einen Bericht, wo ich schon als „Philipp Schweighelm“ bezeichnet wurde, weil ich keine Einsatzzeit bekommen würde. Der Anfang lief zugegebenermaßen nicht ganz rund. Auch wenn ich regelmäßig meine Einsätze hatte, war die Situation nicht leicht für mich. Auch die Teambilanz von sieben Siegen gegenüber sieben Niederlagen war zu dem Zeitpunkt ausbaufähig.

Trotzdem tat es mir sehr gut, nach fünf Jahren in ein anderes Umfeld mit neuen Trainern zu wechseln. Ich hatte so die Möglichkeit, eine neue Basketballphilosophie kennen zu lernen. Der Coach hat mir sehr viel Vertrauen gegeben und auf andere Dinge wert gelegt, als es meine alten Trainer getan haben. Dadurch konnte ich gerade mein Offensiv-Repertoire um einige Bereiche erweitern. Zudem haben die Trainer mit mir durch viel Individualtraining an meinem Wurf gearbeitet, so dass ich diese Waffe jetzt noch sicherer einsetzen kann.

Vor Weihnachten starteten wir dann gegen Göttingen eine Siegesserie, die bis zum jetzigen Zeitpunkt mit sieben Siegen in Folge anhält. Es ist ein tolles Gefühl, auf so einer Welle zu schwimmen. Man kann mit einer breiten Brust in jedes Spiel gehen. Für mich persönlich kam noch eine sehr glückliche Gegebenheit hinzu, auch wenn die Ursache aus Sicht meines damaligen Mitspielers sicher nicht schön war. Unser Topscorer Rodney Buford kam nach einem Trauerfall nicht mehr aus den Staaten zurück, was mich in die erste Fünf katapultierte. Seitdem sind meine Minuten, Zahlen und Statistiken jeweils deutlich gestiegen. Für Rodney persönlich finde ich es sehr schade, vor allem weil er ein toller Spieler war, von dem man in Sachen Basketball viel lernen konnte. Anders als viele glauben war er ein umgänglicher Typ, mit dem ich sehr gut klar gekommen bin und der mir viele Tipps gegeben hat.

Es ist schön, dass wir endlich den Erwartungen, die in uns gesteckt wurden, gerecht werden können. Mittlerweile steht sogar fest, dass wir uns für den Beko BBL Pokal [Qualifikation gegen Bonn am 16. Februar] qualifiziert haben. Das ist ein schöner kleiner Zwischenerfolg. Eine besondere Erfahrung ist auch, wie Spieler und Trainer mit dieser Siegesserie umgehen. Keiner ruht sich auf den Lorbeeren aus. Wir trainieren sogar noch härter als vor der Siegesserie. Durch den Erfolg haben wir Blut geleckt und damit steigen natürlich auch die eigenen Erwartungen.

Negative Erfahrungen waren im ersten Halbjahr vor allem die neue Tabellenregelung, wo niemand mehr durchblickt. Man kann nicht mehr nur einen flüchtigen Blick auf die Tabelle werfen, um zu wissen, wo man steht, sondern sie muss regelrecht studiert werden. Im Augenblick sind wir Zweiter, aber welche Aussagekraft hat das? Glücklicherweise steht mittlerweile fest, dass wir nächste Saison unsere alte Tabelle wiederbekommen werden.

Schade finde ich es, wie das DSF seinen Sendeplan aufstellt. Die Eisbären sind im Augenblick Tabellenzweiter. Wir gehören zu den erfolgreichsten Teams der Liga, trotzdem wurden die Eisbären kein einziges Mal übertragen. Die Liga hat 18 Teams, das DSF überträgt jede Woche mindestens ein Spiel. Da fragt man sich schon, wie es sein kann, dass der Zweitplazierte noch nicht ein Mal live im Fernsehen zu sehen war. Grundsätzlich freue ich mich natürlich darüber, dass Basketball wieder im Free-TV läuft. Und am 13. Februar in Oldenburg werden dann ja auch die Eisbären erstmals im DSF gezeigt.

Ich hoffe sehr, dass wir unsere Siegesserie noch möglichst lange fortsetzen können. Wir wollen die Welle nicht enden lassen!

In diesem Sinne sage ich, getreu unseres Vereinsslogans und passend zu der kalten Jahreszeit: LET‘ GO EISBÄREN! ZIEHT EUCH WARM AN!

Ich hoffe, wir sehen uns bald in der warmen Halle wieder!

Euer Phil




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von Limitless 04.02.10 um 11:46:00


Ich hoffe sehr, dass eure Siegesserie am Freitag endet - aber schön zu lesen ist's allemal ;-)



von tamarindenpulpe 04.02.10 um 11:55:45


wieder mal interessant und gut geschrieben!



von J0J0 04.02.10 um 13:44:00


"Die Liga hat 18 Teams, das DSF überträgt jede Woche mindestens ein Spiel. Da fragt man sich schon, wie es sein kann, dass der Zweitplazierte noch nicht ein Mal live im Fernsehen zu sehen war."

Leider ist Bremerhaven kein Einzelfall...die Verteilung der Liveübertragungen sind genauso wie die Moderatoren im DSF...Es kann nicht sein, dass Vereine wie BHV, Tübingen, Hagen und Paderborn zum jetzigen Zeitpunkt ohne Fernsehübertragung da stehen (gut, die Tigers hatten eine Internetübertragung). Mittlerweile haben die Tigers auch ein Spiel bekommen, gegen Trier. Das muss ein Punkt sein, an dem die BBL zusammen bit dem DSF für mehr ausgeglichenheit sorgt-natürlich habe ich verständnis dafür, dass Vereine wie Berlin oder Oldenburg öfter gezeigt werden!

Ich glaube, dass diese Verteilung ungefähr stimmt (eingerechnet sind vergangene und kommende Übertragungen):

alba 9 TV, oldenburg 6 TV 1 stream, skyliners 5 1, bamberg 4, braunschweig 4, bonn 3 2, lubu 3 1, artland 3, ulm 2, trier 2, düsseldorf 1, gießen 1, bremerhaven 1, mbc 1, göttingen 1, tübingen 1 1, hagen 0, paderborn 0.



von EvgenyF 04.02.10 um 15:35:44


hab mir schon karten für den 21.02. besorgt.

ich seh dich dann in der halle.



von justuskoch 04.02.10 um 18:31:04


schweighelm aus der five oder? ;-)



von Cabalios 12.02.10 um 00:16:37


interessant!



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