BBL-Saisonrückblick
Gescheitertes Favoritenquartett
Oldenburg, Berlin, Göttingen und Bonn waren allesamt mit großen Erwartungen in die diesjährigen BBL-Playoffs gegangen. Für das Favoritenquartett kam dann aber eine Albtraum-Endrunde samt Viertelfinalaus. Der Sommer steht für alle vier Klubs unter dem Motto Aufarbeitung.
Von Dennis Klammer (dk), Thomas Käckenmeister (tk), Johannes Beyer (jb) |
19.06.2010 | |
EWE Baskets Oldenburg: Wenn's dir nicht gefällt, mach neu!
(dk.) "Never change a winning team" - wer kennt es nicht, das Erfolgsrezept für Wiederholungstäter in Sachen Teamerfolg. Die Mannschaft hat zueinander gefunden, ist eingespielt und schöpft Energie und Motivation aus gemeinsamen Erfolgserlebnissen. Darauf baute in der vergangenen Saison wohl auch das Management der EWE Baskets Oldenburg. Ein guter Versuch, doch nach dieser Spielzeit ist das Motto wohl wieder passé, getreu nach Peter Fox: "Wenn's dir nicht gefällt, mach neu!"
Nach einem enttäuschenden neunten Platz in der Saison 2006/07 hatte man an der Hunte bis auf Daniel Strauch noch den kompletten Kader ausgetauscht - Veränderung musste her. Mit dieser Mannschaft erreichten die Baskets in der Folgesaison die Playoffs, in denen sie nach einem 3-1-Seriensieg über Bamberg erst im Halbfinale gegen den späteren Meister aus Berlin mit 1-3 ausschieden.
Anstatt die Köpfe hängen zu lassen, baute Oldenburg weiter auf den Kern der Mannschaft um Anführer Jason Gardner, Rickey Paulding, Ruben Boumtje-Boumtje und Jasmin Perkovic. Man vertraute auf das nötige Potenzial, um sich mittelfristig in Deutschlands Basketballolymp breit zu machen. Mit weiteren Verpflichtungen wie Je'Kel Foster, Milan Majstorovic oder Marco Skekic rüsteten die Niedersachsen gut nach und brachten Tiefe ins Team.
Diese Personalentscheidung bereute schließlich keiner, sorgten die eingespielten Baskets doch für die Überraschung der Saison und wurden Deutscher Meister 2009. Nach einer spektakulären Serie gegen Bonn sicherten sich die Donnervögel in Spiel fünf durch einen Siegtreffer von Je'Kel Foster zum 71:70 den Titel. Das war in der vergangenen Saison.
Im Ausblick auf die Titelverteidigung nahm man sich die eingangs erwähnte Sportlerweisheit zu Herzen und lies das Grundgerüst des Kaders auch für die diesjährige Spielzeit gleich. Trainer Predrag Krunic machte lediglich einige Nachbesserungen in Form von Bryan Bailey und Joshua Carter am Baskets-Getriebe, um den Motor auch für die Mission Repeat zum laufen zu bringen. Der Plan ging zeitweise auch auf: In der Bundesliga sicherten sich die Baskets nach einer souveränen Saison den ersten Tabellenplatz und starteten als Titelmitfavorit in die Playoffs. Gegen Göttingen setzte es die einzige Heimniederlage, für die sich die Baskets später beim Rivalen in der Lokhalle revanchierten. Besonders das Gespann Paulding/Foster prägte das offensive Gesicht der Baskets. International durfte Oldenburg bei der EuroLeague ran, sah jedoch gegen Titelschmieden wie Panathinaikos Athen oder Real Madrid keinen Stich und schied sang- und klanglos mit einer Bilanz von 1-9 aus.
Da sich die Seestäder ihrer Doppelbelastung bereits unfreiwillig im Dezember entledigten, fokussierten sich die Niedersachsen auf die Meisterrunde. In der ersten Runde hieß der vermeindliche Aufbaugegner Braunschweig. Während der Saison gewann man beide Aufeinandertreffen gegen die Phantoms, altbewährt sollte es in der Folge weitergehen. Doch die Braunschweiger ließen ihre Nervosität und den Frust aus der 83:67-Auftaktniederlage in der Kabine und spielten den Favoriten an die Wand. Besonders gegen die langen Kerls Jason Cain (12,5 PpG, 6,8 RpG) und Yassin Idbihi (11,8 PpG, 5,8 RpG) fanden die Oldenburger kein Mittel. Zudem spielten die Phantome äußerst variabel, was die Baskets fortlaufend vor Probleme stellte. "Mit Blick auf die fantastische Hauptrunde ist das schon eine Tragödie, dass wir uns so früh verabschiedet haben", resümierte ein enttäuschter Paulding nach der vierten Partie.
Letztlich schied Oldenburg unerwartet mit 1-3 gegen den Achtplatzierten aus und bastelt seitdem an seinem Kader für die folgende Saison. Foster und Gardner haben die Zeichen der Zeit erkannt und zogen von dannen; und auch Urgestein Daniel Strauch beendet aufgrund seiner anhaltenden Verletzungen seine Karriere. Paulding hingegen verlängerte seinen Vertrag an der Hunte. Dieser kann sich auf Louis Campbell aus Bremerhaven und Christopher McNaughton aus Göttingen freuen, da diese bereits unter Vertrag genommen wurden. Auch der Münsteraner Robin Smeulders, der derzeit am Portlander College spielt, wurde für die kommende Saison verpflichtet. "Ich freue mich, dass Robin sich für uns entschieden hat. Er hat eine gute College-Zeit absolviert und soll sich bei uns nun Schritt für Schritt weiter entwickeln", erklärt Trainer Krunic auf der Homepage.
Es scheint ein Paradigmenwechsel stattgefunden zu haben; das neue Credo lautet: Stillstand ist Rückschritt. Die Neuankömmlinge sind bisher qualitativ auf einer Höhe mit den Abgängen, die das Boot verlassen. Mit einem neuen Kapitän vom Schlage eines Louis Campbell will Oldenburg schnell wieder auf Kurs kommen. Am besten auf direktem Wege, ohne der Einspielzeit von einem Jahr.
| Teil 1: Gescheitertes Favoritenquartett |
| Teil 2: Alba Berlin: Bruchpiloten räumen auf |
| Teil 3: BG Göttingen: Quo vadis, Göttingen? |
| Teil 4: Telekom Baskets Bonn: Magenta sieht Rot |



von Suck My Diktiergerät 20.06.10 um 01:25:47
dragan dojcin nach trier?! oh man :( einer meiner lieblinge, unvergessen der buzzerbeater tip-in im eurocup (glaub ich dass es da war)...selten hat die o2world so krass gewackelt :D
werde ihn vermissen hier in berlin :(
von GoB13 20.06.10 um 10:58:24
Ich glaube kaum, dass das Spielerscouting von der BG Göttingen auf Glück beruht. John Patrick ist einfach der krasseste und zaubert Jahr für Jahr dank feinster internationaler Connections Spieler a la Bailey, Trice oder Rochestie ausm Hut.
Btw ganz lustig wie Göttingen hier als Favorit gelistet wird. Waren sie nicht die gesamte Saison mal wieder die Überaschungsmannschaft? Meinerseits gibts Anerkennung eher für das was sie mal wieder geschafft haben.
Und nächstes Jahr kann dann ja immer noch die Meisterschaft geholt werden :D
von mkay 20.06.10 um 14:01:35
Er verfügt über ein hervorragendes Informationsnetzwerk, das ist klar. An ihn werden auf jeden Fall die Spieler herangetragen, die gut ins System passen könnten. Ob sie es dann letztlich auch tun, ist eine andere Frage. Bei den jetzigen hatte er auf jeden Fall "Glück", hätte ja auch schief gehen können.
Eigentlich hatten sie ja auch Brandon Thomas, aber den gaben sie dann ab. Hätten sie den gehalten, wäre es intern vielleicht nicht so rosig verlaufen (siehe Bremerhaven vor einem Jahr).