BBL-Saisonrückblick
Das vierköpfige Playoff-Wunder
In den BBL-Playoffs 2010 gab es reihenweise Favoritenstürze. Verantwortlich waren dafür in erster Linie die Klubs aus Bamberg, Frankfurt, Bremerhaven und Braunschweig. Die Meisterschaft ging letztendlich nach Franken - ein erfolgreiches Jahr können aber alle vier Mannschaften feiern.
Von Jens Möller (jm), Johannes Beyer (jb), Joshua Wiedmann (jw), Johannes Goedeking (jg) |
21.06.2010 | |
Brose Baskets Bamberg: Ein meisterliches Jahr
(jw.) Die Brose Baskets Bamberg gehören seit Anbeginn des neuen Millenniums zu den besten Vereinen im deutschen Profibasketball. Neben zwei Vizemeistertiteln (2003 und 2004), einem Sieg im Champions-Cup (2007) sowie einem Erreichen des Pokalfinales räumten die Franken bis 2009 auch zwei Meisterschaften ab - 2005 und 2007 war das. Nur Alba Berlin ist im neuen Jahrtausend bisher erfolgreicher. In den letzten beiden Jahren kam der Brose-Express allerdings etwas ins Stocken. 2008 schieden die Brösels bereits im Playoff-Viertelfinale aus, und auch das glatte 0-3 im letztjährigen Halbfinale gegen den späteren Meister aus Oldenburg stellte in Bamberg beileibe niemanden zufrieden. Dann aber kam 2010, und Freak City revanchierte sich auf einmal bei seiner Anhängerschaft für jegliches mäßige Abschneiden der vorigen Jahre.
Den ersten Höhepunkt der Saison markierten die Bamberger Anfang April in Frankfurt. Seit 2006 waren die Franken beim Endturnier der vier besten Pokalteams nicht mehr dabei gewesen. Das hinderte Bamberg allerdings nicht daran, die Konkurrenz am diesjährigen Top-Four-Wochenende zu dominieren. Nach einem eindeutigen Halbfinalsieg gegen Göttingen (71:59) war man auch im Finale gegen Gastgeber Frankfurt lange Zeit die tonangebende Mannschaft. Erst auf Grund eines starken Schlussspurts der Skyliners wurde es noch einmal brenzlig; letztlich stand ein knapper, allerdings auch verdienter 76:75-Erfolg der Brose Baskets zu Buche.
Spätestens mit den bemerkenswerten Pokal-Auftritten wurde offensichtlich, dass mit Bamberg auch im Titelrennen um die Meisterschaft zu rechnen sein würde. Noch einige Monate zuvor hatten Bamberg nur wenige Experten zum engen Kreis der Titelanwärter gezählt. Allerdings tat die Mannschaft von Coach Chris Fleming in den ersten Saisonwochen auch wenig, was die diese Auffassung widerlegt hätte. Schwerfällig wie kaum ein anderes Team dümpelte Bamberg in die Bundesliga-Saison 2009/10 und ließ tatsächlich wenig meisterschaftlichen Glanz erkennen. Sechs Niederlagen aus den ersten acht Partien ließen in Fankreisen bereits den Ruf nach einem neuen Trainer laut werden, und auch einige Schlüsselspieler sahen sich der öffentlichen Kritik ausgesetzt. Hoffnungsträger Casey Jacobson schien zunächst an seine durchschnittlichen Leistungen aus dem Jahr in Berlin anzuknüpfen und fand sich als Leistungsträger nur mäßig zurecht. Auch der junge US-Boy Brian Roberts, der mit großen Vorschusslorbeeren aus Israel gekommen war, gab als Backup auf beiden Guard-Positionen noch nicht immer die beste Figur ab; vor allem defensiv passte der 24-Jährige noch nicht in den energiegeladenen Freak-City-Modus.
Erst im Laufe des Novembers kamen die Brose Baskets in Fahrt. Mit sechs Erfolgen aus den nächsten acht Begegnungen ließen die Bamberger bis zum Jahresende erstmals aufhorchen. In Verbindung mit dem Aufschwung wurde immer öfter ein Name genannt: Anton Gavel. Mit der Verpflichtung des Slowaken am 15. November änderte sich der komplette Saisonverlauf in Bamberg. Der 25-Jährige versorgte den Bamberger Kader nicht nur mit einer guten Portion Härte und Erfahrung. Die Akquirierung Gavels führte in Franken gewissermaßen auch die Einzelteile zusammen. Bamberg harmonierte nun allmählich besser als Team, was auch dem verbesserten Spielaufbau geschuldet war, der mit Gavel nun mehr Tiefe und schlichtweg mehr Klasse besaß. Außerdem konnte der zuvor oft gescholtene Roberts wieder häufiger auf seiner angestammten Position als Shooting Guard agieren und sich als Scorer in Szene setzen (11,9 PpG).
Einer, der über die ganze Saison hin glänzte, war Predrag Suput. Der serbische Forward agierte ähnlich konstant wie in der Spielzeit 2008/09, konnte seine Fähigkeiten als Go-to-Guy nun aber auch auf der großen Bühne der BBL manifestieren. Im Pokalfinale gegen Frankfurt zauberte der 33-Jährige gerade in der ersten Hälfte eine wahre Meisterleistung aufs Parkett, die selbst Jan Pommer Worte des Lobes entlockte. "Suput hat gespielt wie ein junger Gott", adelte der BBL-Geschäftsführer den Serben. Ähnlich stark ging der Power Forward dann auch in den Playoffs zu Werke, in denen er seinen Punkteschnitt aus der Hauptrunde noch einmal leicht anhob (15,5 PpG).
Suput profitierte allerdings auch davon, dass ihm ein großer, junger deutscher Nationalspieler auf dem Center-Spot den Rücken freihielt. Der 20-Jährige Tibor Pleiß wuchs in Bamberg in die Rolle des Mannes unter Männern und bestätigte sein immenses Potenzial. Als defensiver Anker und bester Rebounder im Team (5,8 RpG) trug Pleiß maßgeblich dazu bei, dass seine Mannschaft im Laufe der Saison in der Verteidigung immer öfter an die Teams aus früheren Freak-City-Tagen erinnerte. Im Gegensatz dazu hielt Casey Jacobson (11,5 PpG, 2,9 ApG) neben Suput die Offensive der Franken am Laufen und übernahm gerade in der Endrunde eine überaus wichtige Rolle im Team.
Dank einer Mannschaft, die schlussendlich vorne wie hinten ihr Potenzial ausschöpfen konnte und über die nötigen Einzelkönner verfügte, gelang Bamberg ein starker Playoff-Endspurt, der mit dem Titeltriumph gekrönt wurde. In einer hochspannenden Final-Serie hatte Bamberg gegen Frankfurt letztlich die Nase vorn. Für die Franken geht es nun darum, den Kern der Erfolgsmannschaft beisammen zu halten: Center-Jüngling Tibor Pleiß hat trotz NBA-Ambitionen noch einen Vertrag für die kommende Saison, und mit Predrag Suput hat auch der Topscorer des Teams kürzlich verlängert. Können sich die Brose Baskets dazu noch gezielt verstärken, beispielsweise auf dem Small-Forward-Spot, dürfte Freak City auch im kommenden Jahr wieder zu den Favoriten in der Beko BBL gehören.



von Crossover 17.05.2012 um 08:58:23
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