BBL Playoffs
Wundertüte Beko BBL
Verkehrte Welt in der Beko Basketball Bundesliga. Von den acht Playoff-Mannschaften haben sich im Viertelfinale die Teams mit der schlechteren Bilanz durchgesetzt. Der Heimvorteil entlarvte sich als nicht brauchbar und die Meisterfrage ist offener denn je.
Von Thomas Käckenmeister |
23.05.2010 | |
Eine Spekulation sei erlaubt: Angenommen, die BG Göttingen hätte den Sieg im fünften Spiel gegen Bremerhaven über die Zeit gerettet, wäre als Vierter dank Heimvorteil bis ins Finale geprescht und hätte die Deutsche Meisterschaft errungen? Der nationale Titel wäre das sichere Los für die Teilnahme am Euroleague-Wettbewerb für die Saison 2010/11. Mit dem Gewinn der EuroChallenge sicherten sich die Veilchen aber bereits das Startrecht im EuroCup. Was wäre nun mit dem freien Startplatz geschehen?
Über diese Frage muss sich nun niemand mehr den Kopf zerbrechen. Die Karten sind neu gemischt. Mit Bamberg, Braunschweig, Bremerhaven und Frankfurt stehen vier Teams im Halbfinale der Beko BBL Playoffs 2010, die wohl nur Träumer und eingefleischte Hardcore-Fans vor Beginn der Endrunde auf der Rechnung hatten. Das Favoritensterben hat Champion Oldenburg, Vizemeister Bonn, Vize-Eurocup-Gewinner Alba Berlin und EuroChallenge-Gewinner Göttingen getroffen - alles Mannschaften, die international mehr oder weniger erfolgreich die Saison 2010/11 gewesen waren, nun aber den verfrühten Urlaub antreten. Über die Gründe des Ausscheidens darf spekuliert werden.
Von Vermutungen nun aber zu den knallharten Fakten. Keine der ersten vier Mannschaften steht im Halbfinale. Der Heimvorteil hatte keinen Einfluss. Stattdessen überraschten die vier "Außenseiter" aus Bamberg, Bremerhaven, Braunschweig und Frankfurt.
Am Pfingstmontag beginnen die Halbfinalspiele. Sport1 überträgt beide Eröffnungspartien live ab 13.55 Uhr! Bremerhaven genießt Heimrecht gegen Pokalvize Frankfurt, Pokalgewinner Bamberg lädt zum heißen Tanz gegen Braunschweig in der Jako Arena (ab 15:25 Uhr).

Andrew Drevo entschied die Serie gegen Göttingen.
Können er und sein Team Derrick Allen stoppen?
Eisbären Bremerhaven gegen Deutsche Bank Skyliners Frankfurt
Während der Hauptrunde gab es zwischen Bremerhaven und Frankfurt insgesamt drei Kräftemessen auf Biegen und Brechen. Jede Mannschaft konnte ihr Heimspiel während der Saison gewinnen, allerdings beide Male äußerst knapp: 70:69 siegten die Skyliners Anfang Dezember, Anfang April sicherten sich die Eisbären einen hauchdünnen 76:74-Erfolg. In Pokalhalbfinale behielten die Frankfurter mit 61:59 die Oberhand.
"Ich kann mir gut vorstellen, dass die Halbfinal-Serie gegen Frankfurt eine ähnlich enge Kiste wie das Viertelfinale gegen Göttingen wird“, vermutet Eisbären-Coach Doug Spradley. Torrell Martin ist wie der Rest des Teams heiß auf die Duelle gegen die Skyliners: "Jetzt haben wir die einmalige Chance, uns für die Pokalpleite zu revanchieren. Und das auch noch mit dem Heimvorteil im Rücken."
"Die Pause nach dem Sieg gegen Berlin hat der Mannschaft gut getan", erklärt derweil Frankfurts neuer Coach Gordon Herbert, der 2004 die Meisterschaft an den Main holte. "Jetzt sind wir fokussiert für das Halbfinale, denn wir haben hohe Ziele, die wir gemeinsam erreichen wollen." Skyliners-Forward Seth Doliboa wagt einen Blick in die Glaskugel: "Wenn Derrick Allen wieder so stark ist wie zuletzt gegen Berlin, verlieren wir kein Spiel mehr." Allen war im vierten Spiel gegen Alba Berlin der Matchwinner mit 26 Punkten und neun Rebounds.
Die Halbfinaltermine im Überblick:
Montag, 24. Mai, 14.05 Uhr (in Bremerhaven) (Sport1 TV)
Donnerstag, 27. Mai, 18.00 Uhr (in Frankfurt) (Sport1 TV)
Samstag, 29. Mai, 18.10 Uhr (in Bremerhaven) (Sport1 TV)
* Dienstag, 1. Juni, 18.00 Uhr (in Frankfurt)
* Donnerstag, 3. Juni (in Bremerhaven)
* falls notwendig
Brose Baskets Bamberg gegen New Yorker Phantoms Braunschweig
Zwischen Braunschweig und Bamberg sah es in der Spielzeit 2009/10 etwas einseitiger aus. Die Franken besiegten die Phantoms einmal mit sieben und einmal mit 23 Zählern Vorsprung. "Die Favoritenrolle liegt klar bei den Brose Baskets", weiß Phantoms-Coach Sebastian Machowiski. "Wir müssen zeigen, dass wir aus den letzten beiden Niederlagen gegen Bamberg etwas gelernt haben." Zugleich gibt er das Ziel für die Halbfinalserie vor: "Wie gegen Oldenburg lautet unser Ziel, ein zweites Heimspiel herauszuholen."
Insbesondere die Duelle zwischen den deutschen Nationalspielern Yassin Idbihi und Tibor Pleiß sowie zwischen den befreundeten Guard-Kontrahenten Heiko Schaffartzik und Anton Gavel dürften den Fans viel Freude bereiten. Für Braunschweig wird es entscheidend sein, Predrag Suputs Handlungsspielraum einzugrenzen. Der Serbe liefert im Schnitt knapp 15 Punkte und fünf Rebounds pro Begegnung ab. Hinzu kommt ein wieder genesener Casey Jacobsen, der den Braunschweigern ebenso die Hoffnungen auf ein Weiterkommen verdunkeln könnte.
"Wir haben durchaus gute Chancen, auch das Endspiel zu erreichen", lehnt sich Bamberg Manager Wolfgang Heyder schon vor dem ersten Spiel weit aus dem Fenster. Head Coach Chris Fleming (Foto) betont derweil die Stärken des Gegners: "Wir dürfen Braunschweig nicht laufen lassen. Wir brauchen dazu eine gute Fastbreak-Defense, einen sicheren Ballvortrag und eine gute Wurfauswahl." Das Säbelrasseln wird lauter. So muss es auch sein. Alles in allem ist auch diese Paarung von höchster Brisanz.
Die Halbfinaltermine im Überblick:
Montag, 24. Mai, 15:25 Uhr (in Bamberg) (Sport1 TV)
Mittwoch, 26. Mai, 18.10 Uhr (in Braunschweig (Sport1 TV)
Sonntag, 30. Mai, 15:10 Uhr (in Bamberg) (Sport1 TV)
* Dienstag, 1. Juni (in Braunschweig)
* Donnerstag, 3. Juni (in Bamberg)
* falls notwendig
Prognosen über den Ausgang beider Serien sind schwer zu treffen. Vermutlich wird die Serie zwischen Bremerhaven und Frankfurt über die volle Distanz von fünf Spielen gehen, da die drei Saisontreffen bis zur Schlusssekunde Spannung versprachen. Bamberg hat gegen Braunschweig in den beiden Spielen der Hauptrunde mit insgesamt 23 verwandelten Dreipunktenwürfen (bei 42 Versuchen, 54,8% 3FG) beeindruckt. Doch die Phantoms hatten auch beide Saisonspiele gegen Oldenburg abgegeben und am Ende eine Meisterleistung vollbracht. Spekulieren ist also fehl am Platze.
Auf jeden Fall verspricht die Beko BBL eine Menge Spannung. Hoffentlich steckt noch mehr in dieser Wundertüte, als wir bisher im Viertelfinale erleben durften.



von Crossover 12.02.2012 um 07:20:15
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