BBL Playoffs
„Totgesagte leben länger“
Bonn schlägt zum ersten Mal Alba Berlin in einer Playoff-Serie und zieht ins Finale ein. Auch im letzten Spiel kämpfen die Berliner mit dem Rücken zur Wand, doch die Baskets verhindern eines der größten Comebacks in der BBL-Geschichte.
Von Jens Möller |
12.06.2009 | |
Alba Berlin - Telekom Baskets Bonn (2-3)
(71:73, 72:75 OT, 65:39, 62:52, 71:82)
Im dritten Viertel des entscheidenden Spiel fünf zeigt sich das Muster dieser gesamten Playoff-Serie zwischen Alba Berlin und den Telekom Baskets Bonn. Bonns Winsome Frazier hat gerade aus fast acht Metern seinen vierten Dreier im Berliner Korb versenkt und jetzt zieht Teamkollege Vincent Yarbrough gleich im nächsten Baskets-Angriff mit einem erfolgreichen Distanzwurf nach. Bonn liegt plötzlich mit 20 Punkten vorn (55:35, 24. Spielminute), auf dem Weg in die sofort von Alba-Coach Luka Pavicevic beantragte Auszeit springen sich die Baskets-Spieler vor Freude wie Flummis an. Alba Berlin steht vor 14.800 großteils sprachlosen Zuschauern in der „o2 World“ vor dem Aus. Doch wieder zeigt sich, dass in diesem BBL-Halbfinale nichts so sicher ist, wie es scheint.
Wie Rocky Balboa hat sich Berlin in dieser Serie durch den Ring prügeln lassen, nur um dann kurz vor dem finalen Niederschlag doch noch zu kontern. 0-2 lag Alba nach den ersten beiden äußerst knappen Spielen (73:71 und 75:72 n.V. für Bonn) schon hinten. Die Baskets überraschten den Favoriten mit ihrer athletischen Spielweise und kompromisslosem Einsatz in der Verteidigung (Bonn-Coach Mike Koch: „Jeder Spieler hat fünf Fouls zur Verfügung, die kann man auch nutzen.“). Berlin fand keine Antworten darauf.
Noch nie in ihrer Vereinsgeschichte hatten die Hauptstädter einen 0-2-Rückstand in einer Playoff-Serie noch einmal umgebogen. Doch Balboa Berlin wehrte sich und glich in den beiden folgenden Partien dank zweier bravourösen Vorstellungen in der Defense (65:39 und 62:52 für Berlin) das Halbfinale wieder aus. „Das Spiel heute war ein Signal an alle: Wir leben noch", sagte Teammanager Henning Hanisch nach der historischen Verteidigungsleistung der Berliner im dritten Spiel. 39 Punkte, noch nie hatte ein Team so wenig Zähler in einer Playoff-Partie zugelassen. Bonn hatte im fünften Spiel bereits zur Halbzeit mehr Punkte erzielt (42:33)
Bonner Dreierfestival
Nach den Tiefschlägen durch die Dreier von Frazier und Yarbrough liegt Pavicevics Truppe erneut am Boden, doch wieder berappeln sich die Gelb-blauen. 13 Punkte in Folge legen die Berliner in den Bonner Korb, ohne dass die Spieler in Magenta mit Zählern ihrerseits kontern können. Berlin kommt auf 48:55 heran. Sechs Minuten hält die Alba-Verteidigung die Baskets ohne Punkt. Ihre Reihen stehen wieder so geschlossen wie in den beiden Spielen zuvor, in denen sie den Bonnern in der zweiten Halbzeit jeweils nur 17 bzw. 19 Punkte erlaubten. „Im Playoff ist es egal, wie hoch man verliert“, hatte Bonns Trainer Mike Koch die blamable Vorstellung im dritten Spiel zu relativieren versucht. Aber nun drohen seine Jungs, schikaniert vom Alba-Druck, wieder den spielerischen Faden zu verlieren. Der vorher so bedacht spielende Spielermacher E.J. Rowland verstrickt sich wieder in Einzelaktionen. Vincent Yarbrough nimmt einen schwierigen Wurf direkt gegen den Mann.
Mike Koch redet in einer Auszeit auf sein Team ein, mahnt: „Wir haben immer als Mannschaft gewonnen, aber jetzt will es jeder wieder alleine regeln.“ Viele in der Berliner Arena würden jetzt wohl ihr Geld auf die Berliner Millionentruppe setzen. Die Bonner scheinen nicht ebenbürtig, wenn sie unter großem Druck „anfangen nachzudenken“, wie Berlins Steffen Hamann nach Spiel vier sagte. „Wir haben öfter solche Phasen, in denen bei uns nichts geht und beim Gegner viel“, hatte sein Gegenüber auf Bonner Seite, Johannes Strasser, daraufhin eingeräumt.
Doch im entscheidenden Moment halten die Baskets dagegen. Oder den Berlinern fehlt im 63. Pflichtspiel der Saison einfach die letzte Kraft, um sich wieder aus einem teilweise selbst gegrabenen Loch zu befreien. Sogar Bonns Bigman – im wortwörtlichen Sinne – John Bowler streut nun einen Dreier ein. Der 130-Kilo-Mann trifft den zehnten erfolgreichen Distanzwurf der Rheinländer in diesem Spiel. Eine Minute vor dem Ende fällt endlich die Spannung von Mike Kochs Gesicht; diese Partie und den Finaleinzug lässt sich sein Team nicht mehr nehmen. 82:72 gewinnt Bonn in Berlin und verwandelt seinen dritten Matchball in diesem Halbfinale. „Totgesagte leben länger“, prägt Koch in der anschließenden Pressekonferenz das Motto dieser Krimi-Serie.
Erster Bonner Triumph über Berlin
Im sechsten Playoff-Duell mit dem großen Bruder siegen zum ersten Mal die Baskets. Vorher hatte es nur einmal ein entscheidenden fünftes Spiel zwischen beiden Teams gegeben. 1999 besiegten die Berliner mit ihrer Legende Wendell Alexis die Bonner im Finale um die Meisterschaft mit 91:68. Auch das Pokalfinale Anfang März hatte Alba gegen die Baskets gewonnen. Im Duell um den diesjährigen Titel stehen die Bonner nach dem Weiterkommen zum fünften Mal in ihrer Vereinsgeschichte. Der Gegner sind die EWE Baskets Oldenburg (Spiel eins am Sonntag ab 19.30 Uhr live auf Eurosport).
Spielentscheidender Mann bei den Bonnern war Winsome Frazier (Foto), dem mit 23 Punkten ebenso viele Zähler gelingen wie in der zweiten Begegnung. Mit 13,8 Punkten im Schnitt ist der US-Amerikaner im Halbfinale der Topscorer der Baskets. Fünf seiner sieben Dreipunkteversuche verwandet er im entscheidenden Spiel. Überhaupt, wenn die Bonner ihre Distanzwürfe treffen, sind sie schwer zu schlagen. 50 und 59 Prozent von jenseits der Linie verwandelten die Baskets bei den Siegen in den Spielen eins und fünf. 16 und 27 lauteten die Prozentzahlen bei den Niederlagen in Spiel drei und vier. Nur in der zweiten Partie der Serie trafen die Bonner nur bescheidene 29 Prozent ihrer Versuche, aber in diesem Aufeinandertreffen schlugen sich die Berliner – auch durch ein dummes technisches Foul von Trainer Pavicevic kurz vor Schluss – selbst.
Und so muss Alba sich das Aus selbst zuschreiben, auch wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand stark gekämpft hat. „Ich glaube immer noch: Wir sind das bessere Team", sagte Berlins Casey Jacobsen nach der finalen Niederlage. Was nützt es, wenn man sein Potential auf dem Feld nicht umsetzen kann? Zwar fehlte den Berlinern ab der dritten Begegnung mit Immanuel McElroy (Rückenprobleme) ein wichtiger Spieler, aber schon in der ersten Runde gegen den krassen Außenseiter Paderborn Baskets mühten sich die Berliner über fünf Spiele. „Es gibt bestimmt 100 Gründe für die Niederlage“, sagte Patrick Femerling nach dem Aus. Obwohl der Center nach eigenen Angaben „seit Monaten“ wieder fit ist, hatte Luka Pavicevic in den Playoffs auf ihn verzichtet.
Die Berliner haben nun im Sommer auch die Aufgabe, dass die Euphorie nun nicht verfliegt nach der ersten Saison in der regelmäßig mit ca. 10.000 Zuschauern besuchten „o2 World“ und Achtungserfolgen in der Euroleague. Auf Spiele in Europas Eliteliga werden die Berliner in der kommenden Saison verzichten müssen. Das Millionenprojekt, Alba zu einer Topadresse auf dem Kontinent zu machen, hat seinen ersten Rückschlag hinnehmen müssen.


von baller-for-life 12.06.09 um 15:59:48
Meiner Meinung anch muss pavicevic ausgetauscht werden.
Das Saisonziel wurde deutlich verfehlt und die dt. Spielr haben bei Pavicevic keine Chnace in die Rotation zu kommen!
von J0J0 12.06.09 um 18:25:04
Berlin schien ja mit dem coaching von pavicevic zufrieden zu sein, die haben doch vor kurzem auch seinen Vertrag verlängert...(vor dem Playoff aus)
von almaen 12.06.09 um 19:23:41
Vermutlich wurden die Fans vor der Vertragsverlängerung nicht gefragt. Ich kenne keinen Berliner, der mit dem Trainer und seiner Rotation glücklich ist. Vielleicht haben es die Fernsehzuschauer ja mitbekommen, wie die Halle abging, als P. Zwiener im zweiten Viertel eingewechselt wurde.
Unabhängig von den Einsatzzeiten der Deutschen hat Pavicevic in meinen Augen ein talent dafür, regelmäßig Spieler Parkett zu nehmen, die heiß gelaufen sind. War es Spiel 3? Sesay hat drei Aktioen am Stück (Block, Rebound, Korb) und darf sich bei der nächsten Unterbrechung erst mal hinsetzen. In Spiel 5 war Chubb sehr effektiv, man muss ihn ja nicht in der schlussphase einsetzen, wenn man ihm da nicht vertraut, aber mitten im Spiel? ALBA hat nicht am Ende verloren...
Und mit dem Kader ist ALBA zur Meisterschaft verdammt gewesen. Daran muss der Trainer gemessen werden.
von J-Rud 12.06.09 um 23:33:24
Mal was anderes: Ich finds ganz geil, dass Bonn endlich mal Berlin geschlagen hat.
von Suck My Diktiergerät 13.06.09 um 02:58:18
glückwunsch an bonn...und das von einem berliner alba fan :(
aber pavicevic gehört ausgetauscht...was der manchmal für entscheidungen trifft...hab glaube 8 spiele in der o2 arena gesehen...und sehr sehr oft konnte man nur den kopf schütteln...kein trainer der liga hat wohl mehr geschick, spieler die heiß laufen auszutauschen (wie almaen bereits sagte)...
und hamann als starting pg? sorry, aber solange er den freien dreier nicht regelmäßig trifft (den er viel zu oft bekommt) hat er diesen platz nicht verdient...
und wo sind die spielzüge in denen jacobsen um 2-3 blocks läuft und nen freien dreier bekommt? ich sah sie zu selten.
warum nicht öfters mal wright als starting pg, hamann als backup, und wenn er's nicht bringt, jenkins pg, jacobsen sg und imac als sf?
sorry, aber paviceviv gehört ausgetauscht (und das dachte ich schon vor dem playoffaus)...messina is ja jetzt leider weg ;) aber irgendwer besseres, oder zumindestens solideres wird sich doch wohl finden lassen...mit dem kader im entscheidenen 5.spiel so kläglich zu versagen kann nicht nur an den spielern liegen (obwohl sie natürlich auch zu nem großteil dran schuld sind...10min gute spielzeit reichen halt nicht gegen bonn wenn sie dreier treffen...)...
kann man trainer auch traden o.ä.?
von Suck My Diktiergerät 13.06.09 um 02:58:33
und warum sind all die absätze weg die ich gemacht hab?
von Hurricane 13.06.09 um 15:24:22
Naja im Interview wurde ja gesagt, dass er bleibt. Aber ob das auch so bleibt ist ja ne andere Frage. Im Fußball ist es ja auch so, da schwören sie an einem Tag dem Trainer treue und am nächsten Tag ist er draußen