BBL Playoffs
Schwergewichtskampf um den Final-Einzug
Zwischen Frankfurt und Berlin kommt es im zweiten Halbfinale der Beko BBL zu einem Duell, das offener kaum sein könnte. Während es für Frankfurt um den zweiten Final-Einzug in Folge geht, wollen die „Albatrosse“ zum ersten Mal seit 2008 wieder in eine Endspielserie einziehen.
Von Joshua Wiedmann |
18.05.2011 | |
Unterschiedlicher könnten die Vorzeichen in den diesjährigen BBL-Playoffs kaum sein: Während zwischen Bamberg und Quakenbrück die Rollen ziemlich klar verteilt sind - der Tabellenerste sowie Meister gegen den (gefährlichen) Underdog -, so könnte das zweite Semifinale offener kaum sein. Geht man von der Platzierung und der Leistung in der Hauptrunde aus, gebührt den Skyliners aus Frankfurt eigentlich der Favoritenstatus: Die Mannschaft aus der Mainmetropole war neben den Bambergern das beste und vor allem konstanteste Team der regulären Saison, während sich die Konkurrenz um die Playoff-Ränge in fast kollektivem Achterbahnfahren übte. Zu diesen Mannschaften zählten zweifellos auch die „Albatrosse“ aus Berlin: Nach ungenügenden vier Saisonmonaten hatten die Verantwortlichen des Traditionsklubs genug gesehen und beendeten das Projekt Luka Pavicevic mit dem Rausschmiss des Trainers im Januar.
Seitdem hat der Berliner Basketball aber eine positive Entwicklung genommen, weshalb die Hauptstädter im Halbfinale ihrem Kontrahenten aus Hessen auf Augenhöhe begegnen werden. In einem intensiven Viertelfinale gegen Oldenburg setzten sich die „Albatrosse“ im entscheidenden fünften Spiel letztlich klar durch (95:58). Für Frankfurt lief derweil in der Erstrundenserie gegen Göttingen alles nach Plan: Mit durchschnittlich fast 18 Zählern Unterschied gewannen die Skyliners ihre drei Begegnungen gegen die „Veilchen“.
Gegen Berlin könnte den Frankfurtern somit zugutekommen, dass sie schon seit rund anderthalb Wochen spielfrei haben und damit genug Zeit hatten, um die Beine hochzulegen. Vor allem für einen dürfte das eine wichtige Phase zur Regeneration gewesen sein: DaShaun Wood, der MVP der Hauptrunde, wird auch gegen Berlin wieder der Spielmittelpunkt der Mainstädter sein und die Hauptlast in der Offensive tragen. Im Duell mit der BG Göttingen unterstrich der US-Guard seine Auszeichnung als wertvollster Spieler mit 19,3 PpG, 7,7 ApG und 7,0 RpG.

Im Pokalhalbfinale 2009 spielten Derrick Allen und Immanuel McElroy (mit Ball) noch gegeneinander. Im Playoff-Halbfinale 2011 treten sie gegen Allens Ex-Klub, die Deutsche Bank Skyliners Frankfurt, an. (Foto: Sebastian Eickhoff)
Dass es Berlin kaum gelingen wird, ihn auszuschalten, lässt sich unschwer prophezeien. Der Hauptstadt-Klub muss aber versuchen, die Kreise des Spielgestalters mit allen Mitteln einzudämmen: Denn wenn es Wood schafft, nicht nur für sich, sondern auch für seine Mitspieler zu kreieren, ist Frankfurt mit seinen Schützen (Pascal Roller, Jimmy McKinney, Dominik Bahiense de Mello) und Athleten (Roger Powell, Quantez Robertson) schwer zu stoppen. „Die Frage wird sein, in wieweit Wood in der Lage ist, seine Mitspieler besser zu machen“, erklärt Sport1-Experte Stephan Baeck. Um dem MVP das Leben möglichst schwer zu machen, könnte Alba-Coach Muli Katzurin nicht nur Taylor Rochestie und Heiko Schaffartzik, sondern auch Edelverteidiger Immanuel McElroy die ein oder andere Minute auf den Liga-Topscorer ansetzen.
Für die Berliner geht es aber nicht nur darum, Wood unter Kontrolle zu halten, sondern auch die eigenen Stärken auszuspielen. Unter dem Korb können die „Albatrosse“ eine Armada an vielseitigen Big Men aufbieten, die ihren Frankfurter Pendants nominell einiges voraus haben. Mit Miroslav Raduljica (2,13 Meter) besitzt Berlin einen spielstarken Pivot, der einen Größenvorteil gegenüber den Frankfurter Centern Chris Moss (2,04 Meter) und Marius Nolte (2,06 Meter) aufweist. Mit Tadija Dragicevic, Yassin Idbihi und dem Ex-Frankfurter Derrick Allen hat Berlin auf den großen Positionen tendenziell ein Übergewicht.
Interessant dürfte außerdem werden, wie die Matchups auf den Flügelpositionen ausfallen. Mit McKinney und Robertson kann Skyliners-Coach Gordon Herbert zwei defensivstarke Swingman aufbieten, die sich abwechselnd gegen Julius Jenkins versuchen werden. Der frühere BBL-MVP hat sich nach einem durchwachsenen Jahr spätestens in der Oldenburg-Serie (17,4 PpG) eindrucksvoll zurückgemeldet. Neben Immanuel McElroy, der zuletzt nach einer Verletzung auch öfters von der Bank ins Spiel kam, hat sich Brcye Taylor im Laufe der Saison zur dritten Stütze auf den Flügelpositionen gemausert. Der athletische US-Guard dürfte sich mit Frankfurts Highflyer Robertson ein imposantes Duell liefern. „Er ist sehr athletisch und variabel, kann stark zum Korb ziehen und kann vor allem im Schnellangriff gut abschließen. Durch seine Spielweise passt er sehr gut in das neue Konzept, das Berlin seit dem Trainerwechsel spielt“, sagt Skyliners-Assistent Klaus Perwas über Taylor.
Wenn es in die letzten Züge der Sasion geht, werden nichts anderes als spannende, aufreibende Serien erwartet - im besten Fall über die volle Länge von fünf Spielen. Und genau eine solche Serie könnte es zwischen Frankfurt und Berlin geben: Beide Mannschaften haben Vorteile auf ihrer Seite, seien es die Defensive und der MVP (Frankfurt) oder der tiefe, vielseitige Kader mit viel Playoff-Erfahrung (Berlin). Entscheidend könnte auch das Duell am Seitenrand sein, wo Trainer-Fuchs Gordon Herbert auf Muli Katzurin trifft, für den der Ausgang der Serie eine Bestandsprobe sein dürfte.



von BerlinAir 20.05.11 um 03:50:21
war wohl nix.