BBL Playoffs

Nicht zufrieden

Mit 3-1 Siegen fertigten die EWE Baskets Oldenburg die Deutsche Bank Skyliners im Viertelfinale der Basketball-Bundesliga ab. Trotz dieses Erfolgs muss sich im Lager der "Donnervögel" jedoch keiner Gedanken machen, dass sich bei den Spielern Zufriedenheit einstellt - vielleicht die einzige Gemeinsamkeit, die Oldenburg nach dem Sieg noch mit Frankfurt teilt.

Von Martin Vogel
 28.05.2009 |

EWE Baskets Oldenburg - Deutsche Bank Skyliners (3-1)
(79:69, 77:79, 61:50, 72:69)

Unten auf dem Feld der Ballsporthalle jubelten die Spieler der EWE Baskets über ihren 72:69-Erfolg, der sie die Viertelfinalserie gegen die Deutsche Bank Skyliners Frankfurt mit 3:1 gewinnen ließ und zum zweiten Mal in Folge in das Halbfinale um die deutsche Basketballmeisterschaft einziehen ließ, oben verließen die Frankfurter Fans ihre Plätze, um die ausgelobten Freigetränke einzunehmen. Die Fans der Baskets dagegen harrten an der Bande aus, bis ihre Lieblinge ihnen ihre Aufwartung machten. Auf Matchwinner Rickey Paulding mussten die knapp 35 mitgereisten Oldenburger am längsten warten: Fast endlos schien sich das Interview mit bbl.tv zu ziehen, ehe der US-Amerikaner sich bei seinen Fans bedanken konnte.

Frankfurts Head Coach Murat Didin dagegen saß derweil auf den Courtside-Sitzen am Spielfeldrand, neben sich seinen Sohn, und dachte wohl auch darüber nach, ob der 26. Mai 2009 vielleicht auch das letzte Spiel als Cheftrainer der Skyliners markierte, denn gerade der symphatische Türke bot in der Serie gegen die Niedersachsen insbesondere mit seinen Wechselspielchen oftmals Anlass zur Kritik. Zumindest dürfte Didin darauf drängen, den per Handschlag vor wenigen Wochen verlängerten Vertrag so schnell wie möglich auch in feste Formen zu gießen.

Die Hessen gingen ohne den an der Schulter verletzten Lorenzo Gordon in die Serie gegen das drittbeste Team der Hauptrunde, was für die Skyliners keine einfache Situation bedeutete: Ohne den Big Man fehlte Didin sein bester Rebounder und zweitbester Punktesammler. Die EWE Baskets mussten dagegen auf Power Forward Jasmin Perkovic verzichten, der sich mit einer Fußverletzung plagte.

Vor ausverkauftem Haus in der EWE Arena kamen jedoch die Oldenburger besser mit dem Ausfall ihres Spielers klar: In den ersten zehn Minuten der Serie erkämpften sich die Donnervögel einen Vorsprung, den sie durch den Rest von Spiel eins trugen. Am Ende siegte Oldenburg mit 79:69, angeführt vom stark aufspielenden Paulding (24 Punkte, 60% FG, 5 Rebounds), während Frankfurt außer Keith Simmons' Double-Double (17 Punkte, 10 Rebounds) nur wenig Positives aus Niedersachsen mit zurück an den Main nehmen konnte, dafür aber eine Verletzung von Shooting Guard Titus Ivory hinnehmen musste – und die Weiterführung von Derrick Allens Playoff-Mythos. Mit 4/14 FG (29%) machte der US-Amerikaner seinem Spitznamen „Phantom“ einmal mehr alle Ehre und tauchte zu Beginn der Postseason wieder einmal ab.

Wenige Tage später sah die große Mehrheit der 4.840 Fans in der Ballsporthalle in Frankfurt Erfreuliches von ihrem Team: Mit Rückkehrer Gordon (12 Punkte, 7 Rebounds), 18 Punkten von Ex-Nationalspieler Pascal Roller (5/8 3FG) und einem verbesserten Derrick Allen (16 Punkte, 8 gefischte Abpraller, 6/16 FG) knackten die Skyliners die Defense der EWE Baskets um ihr Triumvirat Jason Gardner/Ruben Boumtje-Boumtje/Rickey Paulding (zusammen 50 der 77 Oldenburger Punkte). Der entscheidende Treffer kam jedoch vom besten Frankfurter des ersten Spiels: 0,5 Sekunden vor Spielende netzte Keith Simmons am Brett zum 79:77-Sieg ein, nachdem Frankfurt zur Halbzeit bereits 44:32 vorne gelegen hatte.

Doch kaum verlagerte sich die Serie zurück nach Oldenburg, schien sich auch das Glück wieder den EWE Baskets zuzuwenden: Wieder mussten die Frankfurter auf Gordon (Adduktorenverletzung) verzichten, wieder schienen die Baskets bereits in der ersten Hälfte den Grundstein für den Sieg zu legen, als sie in einer sehr defensivorientierten und intensiv geführten Partie eine Minute vor der Halbzeit mit 26:17 in Führung lagen. Nach dem Seitenwechsel griffen dann aber noch einmal die Frankfurter an, kämpften sich zurück ins Spiel und waren beim 50:48 aus Oldenburger Sicht Mitte des letzten Viertels wieder auf Tuchfühlung mit dem Team von Predrag Krunic. Dann aber zogen die Gastgeber in der EWE Arena ihre Defense noch einmal an, ließen nur noch einen Treffer der Skyliners zu und erkämpften sich so einen 61:50-Sieg, inklusive des Matchballs in Frankfurt. Während sich die Oldenburger auf Ex-NBA-Profi Boumtje-Boumtje verlassen konnten, der am Brett für 13 Punkte und acht Rebounds sorgte, lag die Hauptlast des Frankfurter Scorings einmal mehr auf Keith Simmons, der mit zwölf Zählern zum besten Frankfurter Werfer avancierte.

Im entscheidenden Spiel dann noch einmal ein Krimi: Als Titus Ivory knapp sechs Minuten vor Schluss das 64:57 für die Skyliners erzielte, stellten sich Fans beider Teams schon langsam auf ein entscheidendes Spiel fünf in Oldenburg ein. Rickey Paulding und Marko Skekic dagegen hatten nur wenig Lust auf eine Extraschicht gegen Roller, Allen und Co. und drehten das Spiel mit zehn Punkten innerhalb von knapp zweieinhalb Minuten wieder. 18 Sekunden vor dem Ende traf Oldenburgs Je'kel Foster seinen zweiten Freiwurf beim Stand von 71:69 für die EWE Baskets nicht, der Ball wurde im Getümmel getippt, als plötzlich die Sirene ertönt. Aller Aufregung von Baskets-Coach Krunic zum Trotz entschieden die Schiedsrichter danach auf Sprungball, gleichbedeutend mit Ballbesitz Skyliners: Doch der letzte Wurf der Frankfurter findet nicht sein Ziel und führt zu den eingangs erwähnten Jubelszenen.

Auf Seiten der Frankfurter bleiben nach Abschluss des Viertelfinales zwei Fragezeichen: Ist es erstrebenswert, Coach Murat Didin zu halten? Der Mann, der Frankfurt 2005 zur Deutschen Vizemeisterschaft führte, irritierte Fans und Beobachter immer wieder mit seinen Wechseln in der Serie. Spieler wie Adam Emmenecker oder Anthony King wirkten gegen Oldenburg in manchen Phasen überfordert, ohne zurück auf die Bank geholt zu werden, wurden in anderen Situationen aber bereits bei kleinsten Fehlern wieder durch Mitspieler ersetzt. Auch Forward Konrad Wysocki war deutlich anzumerken, dass ihm die Wechseltaktik des Coaches nicht gerade zusagte.

Fragezeichen Nummer zwei ist Derrick Allen. Der Forward, einer der besten Akteure in den BBL-Hauptrunden der vergangenen Jahre, eröffnete einmal mehr Zweifel an seiner Tauglichkeit in der Postseason. Zwar konnte Allen seine Werte in den absoluten Zahlen diesmal halten, eine Wurfquote von 39,6 Prozent (nach drei Spielen sogar nur 31,7 Prozent) zeigt, dass die Effizienz des Power Forwards beim Punkten deutlich nach unten ging. In der Hauptrunde traf Allen mit 56,3 Prozent noch deutlich besser aus dem Zweipunktebereich. Ob Frankfurts Manager mit diesen beiden Personalien zufrieden ist, wird sich zeigen.

Foto: Fabian Klindt

Bei den Oldenburgern dagegen stellt Rickey Paulding seine Klasse unter Beweis: Der Flügelspieler steigerte sich bei den Punkten im Vergleich zur Hauptrunde um satte fünf Zähler pro Spiel (19,8 PpG statt 14,8 PpG) und hob auch seine Wurfquoten noch einmal an (59,1% 2FG, 51,9% 3FG statt 56,6% 2FG, 45,0% 3FG). Am Brett verleiht Ruben Boumtje.Boumtje den Baskets die Stabilität, die sie gegen die Brose Baskets Bamberg dringend benötigen: 12,3 PpG (83,3% FG) und 6,5 RpG erzielt der ehemalige Portland Trail Blazer bis dato in den Playoffs und dürfte damit Elton Brown und Co. vor eine hohe Hürde stellen. Hinter diese beiden muss MVP Jason Gardner etwas zurücktreten. Der Aufbauspieler, der an der University of Arizona zusammen mit Richard Jefferson, Gilbert Arenas und Luke Walton spielte, konnte zwar bei den Rebounds zulegen und seine Assist-Zahlen auf dem Hauptrundenniveau halten, trifft allerdings etwas schlechter aus dem Feld und punktet auch weniger als in der Hauptrunde. Es dürfte spannend sein, seine Entwicklung im Duell mit dem wieder genesenen John Goldsberry im Halbfinale zu beobachten. Die EWE Baskets dürften für das Duell mit dem Meister von 2005 und 2007 jedoch gerüstet sein. Bereits nach dem zweiten Sieg gegen Frankfurt gab Baskets-Coach Predrag Krunic zu Protokoll: „Wir sind natürlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, aber wir haben keinerlei Zeit, den Erfolg zu genießen.“ Nachdem die Oldenburger bereits letztes Jahr im Halbfinale ihre Saison beenden mussten, dürfte sich die richtige Zufriedenheit an der Hunte auch mit dem Erreichen des Semifinales noch nicht einstellen. Der Genuss muss noch warten.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von TheWhiteWidow 28.05.09 um 15:11:48


Kurze Anmerkung: Didin hat damals nicht den Titel mit den Skyliners gewonnen. Er wurde nur Vizemeister mit den Skyliners. Die Skyliners wurden damals mit Gordon Herbert Meister.



von Limitless 28.05.09 um 15:36:55


Völlig richtig - mein Fehler. Das kommt davon, wenn Gießener über die Skyliners schreiben... ;-)



von TheWhiteWidow 29.05.09 um 08:35:24


War vielleicht der Frust über den Abstieg ;-)



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