BBL Playoffs
Möwen mit Mumm
Die EWE Baskets Oldenburg hatten die besseren Nerven gegen die Brose Baskets Bamberg und warfen den Meister mit 3-1 aus dem Wettbewerb. Ist das nun gut oder schlecht für die Truppe von Dirk Bauermann?
Von Thomas Käckenmeister |
25.05.2008 | |
Brose Baskets Bamberg gegen EWE Baskets Oldenburg (1-3)
(54:55, 63:64, 77:47, 70:83)
Sie waren seit 2003 Dauergast im Halbfinale der BBL-Playoffs, doch in dieser Saison reichte es für die Brose Baskets Bamberg nicht, in die Vorschlussrunde vorzudringen. Nach vier Spielen endete die Mission ?Titelverteidigung? für die Franken gegen die EWE Baskets Oldenburg. Auch wenn die fränkischen Verteidigungskünstler vor der Serie als Favorit galten, waren es letztlich doch Kleinigkeiten, die das Duell der beiden Tabellennachbarn ? nach der Hauptrunde belegte Bamberg den vierten, Oldenburg den fünf Platz ? entschieden.
Gerade in den ersten beiden Aufeinandertreffen wurde das Spiel an der Freiwurflinie entschieden. Beide Male hatten die Bamberger kurz vor Spielende die Gelegenheit, mit einfachen Punkten von der Linie das Spiel zu drehen. Doch so einfach waren diese ungehinderten Würfe dann doch nicht.
In erstem Spiel versagten Dwyane Mitchell am Ende die Nerven, als er zwei Extraschüsse vergab. Daraufhin beging Ademola Okulaja ein Foul, so dass drei Sekunden vor der Sirene Branimir Longin einen von zwei Freiwürfen zum Endstand traf; den anderen verwarf er absichtlich, um den Bambergern keinen kontrollierten Wurf mehr zu ermöglichen.
In der zweiten Partie ein ähnliches Bild: Rickey Paulding (Foto) traf kurz vor Schluss von der Linie nur einen von zwei Schüssen zum 64:63. Daraufhin trat Darren Fenn bei noch zehn Sekunden verbleibender Spielzeit ebenfalls an die Linie ? und verfehlte beide Male.
Mit dem Aus vor Augen gab das Team von Dirk Bauermann im dritten Duell eine deutliche Antwort. Mit 30 Zählern schossen sie die Oldenburger aus der heimischen JAKO Arena. Bereits nach drei Vierteln war das Spiel entschieden und Predrag Krunic, Trainer der Norddeutschen, beorderte seine beiden Leistungsträger Rickey Paulding und Jason Gardner auf die Bank, um deren Kräfte für das letzte Oldenburger Heimspiel dieser Serie zu schonen.
Die Rechnung ging auf. Gleich in der ersten Halbzeit des vierten Spiels zeigte Paulding, weshalb er vor der Saison mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet wurde: 17 Punkte steuerte er zur 39:30-Führung seiner Truppe bei. Nach der Kabinenpredigt von Predrag Krunic drehte dann Jason Gardner, der vor der Serie als Schlüsselfigur ausgemacht wurde, auf. Am Ende waren beide ? trotz wiederholter Schwächen von der Freiwurflinie (siehe Grafik) ? für insgesamt 46 Punkte, neun Rebounds und acht Assists sowie den größten Erfolg der Vereinsgeschichte verantwortlich.

Während die Fans mit ihren Donnervögeln daraufhin ausgelassen in der EWE Arena feierten, fasste Dirk Bauermann, Trainer der Bamberger, die Ursache für das Scheitern zusammen: ?Die Oldenburger waren heute ohne Frage die bessere Mannschaft. Mein Team war offensiv wie defensiv den Oldenburgern heute nicht gewachsen?, sagte der 50-Jährige und blickte zugleich auf das Halbfinalduell der Oldenburger gegen Alba Berlin: ?Sollten die EWE Baskets gegen Alba Berlin genau so spielen wie gegen uns, wird diese Serie für die Berliner sicherlich kein Selbstläufer.?
Insbesondere die Duelle auf den Guard-Positionen ? Gardner gegen Bobby Brown sowie Paulding gegen Julius Jenkins ? werden die Serie wesentlich prägen. Auch wenn der Hauptrundenerste als Favorit im Titelrennen den Fünften (Oldenburg), Sechsten (Frankfurt) und Siebten (Bonn) um sich weiß, wäre es voreilig, die Hauptstädter als sicheren Titelträger zu bezeichnen, denn auch das Trainerduell der beiden Serben Luka Pavicevic und Predrag Krunic wird ausschlaggebend in diesem Aufeinandertreffen sein.

Die Trainerfrage auf Seiten der Bamberger soll sich in den nächsten Tagen entscheiden, da während der Saison festgelegt wurde, dass Trainer nur noch ein Amt ausführen dürfen. Bauermann überlegt nun, ob er weiterhin bei den Franken an der Seitenlinie stehen oder den Posten als Head Coach der deutschen Nationalmannschaft dauerhaft übernehmen möchte. ?Ich habe mich mit beiden Seiten darauf geeinigt, dass ich in der Woche, nachdem die Saison für Bamberg zu Ende ist, darüber nachdenke, spazieren gehe und die Entscheidung treffe.?, sagte der neunfache BBL-Meister kürzlich in einem Interview bei Sport1.
Die bevorstehende Olympia-Teilnahme, die für viele Basketballer des Nationalteams zweifelsfrei ein Höhepunkt ihrer Laufbahn wäre, wirft die Frage auf, welchen Einfluss das Viertelfinal-Aus der Brose Baskets darauf ausübt. Bei den Franken spielten in dieser Saison sechs Nationalspieler (Ademola Okulaja, Demond Greene, Steffen Hamann, Robert Garrett, Tim Ohlbrecht, Mithat Demirel). Ende Juni werden sechs Testspiele auf deutschem Boden ausgetragen, bevor es ab 14. Juli zum vorolympischen Qualifikationsturnier nach Athen geht. Die Pause, die nach dem Ausscheiden des BBL-Champions entstand, kann für den deutschen Basketball bedeuten, dass die Kräfte bis zum Turnier regeneriert werden können.
Andererseits stellt sich natürlich auch die Frage, inwiefern eine Mannschaft, die zur Hälfte aus deutschen Auswahlspielern besteht, auf internationaler Ebene erfolgreich sein kann, wenn bereits nationale Wettbewerbe nicht mit Siegen gekrönt sind. Oldenburg hatte lediglich den Deutschen Daniel Strauch in der festen Rotation, die restlichen Akteure kamen aus den USA bzw. von der Balkanhalbinsel.
Dennoch sieht Bauermann Vorteile in der konzentrierten Ansammlung von DBB-Adlern bei einem Verein: ?Auch in anderen Vereinen spielen ganz wichtige Korsettstangen. [?] grundsätzlich hilft eine Blockbildung wie im Fußball oder Handball immer, gerade wenn der Trainer aus dem gleichen Programm kommt und die Philosophie im Verein und im Nationalteam dieselbe ist. Als Deutschland 1993 Europameister geworden ist, hat auch ein starker Leverkusener Block gespielt. Da muss sich ein Spieler nicht neu orientieren.?, meint Bauermann.
Die BBL-Saison für Bamberg ist zwar beendet, jedoch stehen viele Spieler vor neuen, reizvollen Aufgaben in diesem Sommer. Ab kommenden Dienstag werden auch die Möwen aus Oldenburg gegen die Albatrosse beweisen, dass trotz unterschiedlicher Spannweiten der Weg ins Finale nur im Luftkampf entschieden wird.
Bestleistungen der Serie
Punkte: 24, Rickey Paulding (Oldenburg, 4. Spiel)
Rebounds: 14, Tim Ohlbrecht (Bamberg, 3. Spiel)
Assists: 6, Jason Gardner (Oldenburg, 2. Spiel)
Steals: 3, Rickey Paulding (1. Spiel), Jason Gardner (3. Spiel)
Blocks: 3, Milan Majstorovic (Oldenburg, 2. Spiel)
Dreier: 4, 3 Spieler Oldenburgs



von Brauni 25.05.08 um 13:25:34
Der Artikel ließt sich ganz gut und auch der Ausblick in die Zukunft ist interessant bzw. richtig analysiert. (Als Bamberger sieht man einiges natürlich noch etwas emotionaler ;)
Klar haben die Freiwürfe gerade in den ersten beiden Partien eine wichtige Rolle gespielt. Die FG-Quote charakterisiert aber die Serie aus meiner Sicht wesentlich besser!
von leodergammler 25.05.08 um 18:50:25
wann kommt der bericht von den dragons??
von cantaker 25.05.08 um 20:29:44
ich frag mich wen ihr so gute artikel macht warum ich mir die five dann noch hole :D