BBL Playoffs
Herz ist Trumpf
Keiner glaubte an die Deutsche Bank Skyliners, doch sie glaubten an sich (Foto: Derrick Allen). Mit Einsatz und Herz machten die Frankfurter die verfrühten Meisterträume der Albatrosse zunichte und überraschten ganz Basketball-Deutschland
Von Johannes Goedeking |
20.05.2010 | |
„Vor dieser Serie hat niemand geglaubt, dass wir Berlin schlagen können“, sagte Gordon Herbert, Coach der Deutsche Bank Skyliners, nach dem Sieg seines Teams über Alba Berlin im Viertelfinale der Beko BBL Playoffs 2010. Nicht mal ich als Skyliners-Fan glaubte daran. Verdammt, ich erwartete sogar eine einfache Serie für Berlin. Doch die Frankfurter Basketballer bewiesen mir das Gegenteil.
Über vier Spiele hinweg bot die Mannschaft einen tollen Kampf, spielte intensiv und verteidigte hart. Damit kamen die Berliner nicht zurecht, drückten sich immer wieder vor Kontakt und spielten nicht konsequent genug. So verloren die Berliner im letzten Spiel, in dem nur ein Sieg die Saison verlängert hätte, ganze 18-mal den Ball, doppelt so oft wie der Gegner. Während die Mannschaft von Luka Pavicevic oft nur halbherzig verteidigte, war die Intensität im Spiel der Frankfurter auch abseits des Parketts zu bemerken: Geballte Fäuste, emotionale Schreie, und nicht zuletzt die Genugtuung über den Triumph im letzten Spiel, der in der ganzen Frankfurter Ballsporthalle zu spüren war.
Als Gordon Herbert das Spielfeld in Richtung Umkleide verließ, reckte er die Faust in Richtung Fanblock – Jubelgesänge und Applaus schwappten zurück. Das hatte sich Herbert auch vollkommen verdient. Der Meistertrainer von 2004 formte im Handumdrehen ein Team, das komplett anders als noch in der Hauptrunde unter Murat Didin spielte. Der Türke führte ein wild, ungeordnetes und teilweise egoistisches Spiel, doch Herbert flößte den Jungs eine komplett neue Spielweise ein. Plötzlich wurde der Ball bewegt, gute Würfe erarbeitet und das gesamte Team spielte mit Herz zusammen.
Nutznießer dieser Änderung war Derrick Allen (Foto). Das „Playoff-Phantom“ zeigte, dass es auch nach der Hauptrunde noch guten Basketball spielen kann. Allen dominierte die Serie und brachte durchschnittlich 17,3 Punkte pro Spiel über die Serie hinweg, in der letzten Partie erzielte er sogar 26 Zähler und griff sich außerdem neun Rebounds. Wesentlich eindrucksvoller waren aber die vier Steals. Der Forward verteidigte stark und erarbeitete sich mehrmals einfache Punkte dank eigener Ballgewinne. Aufbau Aubrey Reese bezeichnete den Ausbruch als Allens „beste Leistung, die ich je in Frankfurt gesehen habe.“
Auch Reese punktete gewohnt stark (13,3 PpG, 3,3 ApG), dribbelte aber immer noch zu häufig und zu lange. Dominik Bahiense de Mello empfahl sich vor allem in der Verteidigung, wo er nicht selten Julius Jenkins oder Rashad Wright bändigen musste. Handschellen durfte auch Defensivspezialist Quantez Robertson verteilen. Der US-Amerikaner hielt Immanuel McElroy oder Jenkins größtenteils in Schach, wobei er offensiv überraschte. Mit athletischen Drives und Gefahr von außen bewies er, dass er auch punkten kann. In der Serie lieferte er 4,5 Punkte und fünf Rebounds im Schnitt.
Während bei den Skyliners fast alles passte, war bei den Albatrossen derweil ein Totalausfall zu verzeichnen. Für den einzigen Sieg benötigte es einen Dreierregen (13 Dreier, 56% 3FG), einen Ausbruch von Jenkins (22 Punkte) und Wright (19 Punkte) sowie fünf Minuten Verlängerung. Abgesehen von dieser Partie waren Schlüsselspieler wie McElroy (Serienschnitt: 6,8 PpG, 5,8 RpG) , Derrick Byars (7,8 PpG, 3,0 Rpg) oder Wright (13 PpG) quasi abwesend, Hauptrunden-MVP Jenkins (12,8 PpG) konnte nur zweimal seine Leistung abrufen.
Am Ende hat die bessere Mannschaft gewonnen. Die Frankfurter konnten Alba ihr Spiel aufzwingen, was Berlin wiederum überhaupt nicht gefallen hat. Die Gelb-Blauen zeigten zu wenig Herz und Einsatz, während dies der Schlüssel zum Sieg der Skyliners war. „Frankfurt hat den Sieg verdient. Sie haben vier Spiele auf hohem Niveau gespielt“, erklärte Alba-Coach Pavicevic nach der Niederlage.

Bedrückte Stimmung. Wie geht es weiter mit Alba Berlin?
Ob der Playoff-Ritt am Main weitergeht, ist nicht vorherzusehen. Im Halbfinale wartet der Gewinner der Serie Göttingen gegen Bremerhaven. Nach dieser Serie traue ich mich auch nicht mehr darüber nachzudenken. Immerhin hat mich diese Mannschaft schon mal überrascht.



von jjthenugget 21.05.10 um 08:31:53
normaler weise hab ich's nicht so mit der bbl, aber was frankfurt gegen alba aufs parket gebracht hat war wahnsinn! und was ein monster spiel vier von allen....nur geil!
von Philo 21.05.10 um 15:24:53
Eine schande für Alba Berlin! Ich hätte es Frankfurt nicht zugetraut 2 Spiele zu gewinnen, aber im Sport ist halt alles möglich. Natürlich ist es schwer sich auf ein Team vorzubereiten, was kurz vor den Playoffs den Trainer wechselt.
von sev da chef 21.05.10 um 21:22:44
mMn hat Alba größere Probleme als eine vllt. schwere Vorbereitung auf einen Gegner.
Finde Alba hat große Defizite was die Reboundarbeit angeht das es schon fast weh tut. Da wird nicht ausgeboxt, der Ball nicht richtig festgehalten usw.
dann sollten sie an ihrer Offense arbeiten. Es ist krass wie wenig sich die Spieler da bewegen. Alle stehen rum und gucken.
Was Alba gut kann ist schnell spielen, aber das wollen sie ja nicht wirklich.
Zu guter letzt finde ich auch Pavicevic als nicht unbedingt geeignet.
Dieser sture Mensch, der an seinen Systemen und wechseln festhällt.
Ein gutes Beispiel ist das er im letzten Spiel Hamann raus nimmt, der gerade gut drauf war, das passiert leider zu oft.
Oder im Eurocup Endspiel. Als man mit 30Pkt. hinten lag, offentsichtlich keine Chance hatte und trotzdem die jungen Deutschen nicht spielen dürfen um Erfahrung zu sammeln.
Finde auch das man eben Zwiener diese mangelnde Erfahrung in den Playoffs deutlich angemerkt hat