BBL Playoffs

Eine Meisterleistung der Phantoms

Das Favoritensterben in den Beko BBL Playoffs geht weiter. Nach Alba Berlin und Vorjahresfinalist Bonn hat es auch Meister Oldenburg erwischt. Gegen den krassen Außenseiter aus Braunschweig fanden die Donnervögel kein Mittel und mussten sich einer von Euphorie getragenen Mannschaft geschlagen geben.

Von Johannes Beyer
 21.05.2010 |

„Das Glück bereits verbraucht“, titelte Crossover vor dem Viertelfinalauftakt zwischen Oldenburg und Braunschweig. Zu diesem Zeitpunkt glaubten wohl nur wenige, dass den Phantoms das Glück weiterhin treu bleiben sollte. Doch spätestens seit Mittwoch weiß auch der letzte, dass die Phantoms kein Glück brauchten, sondern vor allem mit Leidenschaft und viel Herz den Meister aus den Playoffs kegelten.

„Ich bin überglücklich, den deutschen Meister geschlagen und selbst ins Halbfinale eingezogen zu sein“, beschrieb Sebastian Machowski seine Gefühle nach Erreichen der nächsten Runde. 3-1 gewannen die Phantoms die Serie gegen den haushohen Favoriten und überzeugten dabei wohl nicht nur ihre eigenen Fans. Doch so eindeutig die Endabrechnung auch scheinen mag, die Partien waren jeweils hart umkämpft. Lediglich das erste Spiel war eine eindeutige Angelegenheit und der Meister jagte die chancenlosen Phantome mit 83:67 aus der EWE Arena.

Doch bereits in dieser Partie war eine gewisse Unausgeglichenheit beim Meister zu entdecken. Zwar wurde Rickey Paulding mit 19 Punkten seinem Ruf als Offensivwaffe gerecht, doch insgesamt punkteten lediglich drei Oldenburger zweistellig. Bei Braunschweig hingegen legten fünf Spieler im zweistelligen Bereich auf. Dennoch kam von der Rotation des Außenseiters insgesamt zu wenig. „Jetzt müssen wir unsere Lehren aus dieser Niederlage ziehen“, befand Machowski nach der Niederlage.

Der Braunschweiger Kommandogeber schien die richtigen Worte gefunden zu haben. Vor allem Heiko Schaffartzik (7,3 PpG) und Brandon Thomas (9 PpG) nahmen sich diese zu Herzen. Blieben der Nationalspieler und der US-Amerikaner im ersten Spiel ohne Korberfolg, legten sie in den restlichen drei Spielen zusammen 21,6 Punkte im Schnitt auf.

Auch in der Defensive zeigten sich die Phantoms verbessert. Konnten die Donnervögel in der ersten Partie noch nach Belieben punkten, fanden sie in den restlichen Spielen nur selten freie Würfe. Angetrieben von 6.000 Anhängern und einem überragenden Jason Cain (12,5 PpG) schafften die Phantoms schließlich nicht nur den Ausgleich, sondern sorgten auch für eine Welle der Euphorie, die von Spiel zu Spiel an Größe gewann. „Wir haben weder offensiv noch in der Defense gut gespielt und viele leichte Punkte liegen gelassen“, kritisierte Baskets Head Coach Predrag Krunic nach der 65:73-Niederlage seiner Mannschaft.

Nur drei Tage später, Braunschweig hatte soeben die komplette Serie auf den Kopf gestellt, fühlen sich die Donnervögel an die vorherige Partie erinnert. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig Rebounds geholt. Leider haben wir zu viele freie Würfe nicht getroffen“, berichtete Krunic und musste erneut ein bis dahin unbekanntes Gesicht seiner Mannschaft erkennen. Paulding schien in der Offensive total abgemeldet zu sein, Jasmin Perkovic (7,5 PpG) und Milan Majstorovic (4,3 PpG) fanden nur selten freie Räume unter den Körben und in der Defensive fehlte die gewisse Härte.

Während sich die Braunschweiger auf eine geschlossene Mannschaft verlassen konnten, in allen vier Spielen war jeweils ein anderer Spieler Topscorer, schafften es die Baskets nicht, die fehlenden Punkte von Paulding zu kompensieren. Vor dem vierten Spiel musste sich also viel beim Meister ändern.

Den Heimvorteil abgegeben, in der Serie 1-2 im Rückstand und in der Offensive glücklos. Längst waren beide Mannschaften auf Augenhöhe und so bot sich den Zuschauern in Braunschweig, sowie den Basketballfans vor den TV-Geräten, eine packende Partie.

Erneut überzeugte das Braunschweiger Kollektiv. Sechs Spieler punkteten zweistellig, Jason Gardner (8 PpG) fand kein Mittel gegen die Braunschweiger Verteidiger und der „langsame“ Marcus Goree (11,8 PpG) bewies erneut seine überragende Spielintelligenz. Am Ende schafften die Phantoms die zweite große Sensation der diesjährigen Playoffs. Der Meister musste sich mit 76:78 geschlagen geben und verabschiedete sich ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus dem Titelrennen.

Die Baskets konnten zu selten die Stärken abrufen, welche sie in der Hauptrunde stark gemacht hatte. 9,8 Assists pro Spiel sind als Mannschaft definitiv zu wenig und 24 Fouls im Schnitt lassen auf fehlende Cleverness in der sonst so starken Verteidigung schließen. Auch 11,3 zugelassene Offensiv-Rebounds sind für eine Playoffmannschaft eindeutig zu viel. Offensiv konnte lediglich Markos Scekic (14,3 PpG) und Je’Kel Foster 13,3 PpG) konstante Leistungen abrufen.

Braunschweig verstand es, durch wechselnde Verteidigung und viel Leidenschaft den Spielfluss der Donnervögel zu stören und keine einfachen Würfe zuzulassen. Getragen von den eigenen Fans und ohne enormen Druck, konnten die Phantoms frei aufspielen.

Nimmt man alle vier Begegnungen zusammen, haben die Phantome „verdient gewonnen und dadurch das Halbfinale erreicht“, erkannte auch ein enttäuschter Coach Krunic. Auf Yassin Idbihi (11,8 PpG) und Kollegen wartet nun Bamberg. Erneut gehen die Braunschweiger als Außenseiter in die Serie, wollen aber wie gegen Oldenburg mit dem Motto „One Team – One Dream“ die nächste Sensation schaffen.




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von Crossover 30.05.2012 um 13:14:10


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