BBL Playoffs

Ein Hauch von Sensation

Die erste Playoff-Teilnahme der Paderborn Baskets dauerte länger, als es die meisten Leute vorher wohl erwartet hatten. Gegen den haushohen Favoriten aus Berlin ging es über die volle Distanz von fünf Spielen.

Von Björn Lehmkühler
 30.05.2009 |

Alba Berlin - Paderborn Baskets (3-2)
(78:71, 68:71, 77:67, 85:80, 66:58)

Wenn jemand vor Playoff-Beginn prophezeit hätte, dass die Paderborn Baskets den amtierenden Deutschen Meister Alba Berlin an den Rand eines Erstrunden-Ausscheidens bringen würden – man hätte ihn für verrückt erklärt.

Tatsächlich waren die Ostwestfalen im entscheidenden fünften Spiel jedoch nicht chancenlos. So konnte Steven Esterkamp acht Minuten vor Ende der Partie zum 46:46 ausgleichen. Dies war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Alba bis zu diesem Zeitpunkt äußerst nervös agierte und sich gegen die engagierte Paderborner Verteidigung zahlreiche Ballverluste leistete.

In der entscheidenden Phase zeigten die Hauptstädter jedoch ihre individuelle Klasse. Vor allem Topscorer Julius Jenkins (20 Pkt, 4/8 3FG), der mit einem erfolgreichen Dreier einen 10:0-Lauf der „Albatrosse“ einleitete, tat sich in der „Crunchtime“ positiv hervor. Binnen drei Minuten war auf diese Weise eine Vorentscheidung gefallen, denn die Zehn-Punkte-Führung ließen sich die erfahrenen Berliner nicht mehr nehmen.

„Am liebsten hätte ich alle Zuschauer aus der Paderborner Halle mit in die o2 World genommen, denn man hat heute gesehen, warum es eine Vorteil ist, als Erster gegen den Achten zu spielen“, kommentierte Baskets-Coach Doug Spradley nach Spielende und spielte damit auf einen entscheidenden Faktor der Serie an: den Heimvorteil.

Zu Gast in der „Maspernhölle“

Bereits zum Ende der regulären Saison konnte der regelmäßige Besucher feststellen, dass es in der Sporthalle am Maspernplatz von Spiel zu Spiel voller und lauter wurde. Das Bewusstsein des potentiellen Finanz-Kollaps und eines möglichen Playoff-Einzugs schien die ohnehin basketballverrückten Paderborner noch einmal besonders motiviert zu haben.

Motivierend wirkte auch die Lehre der Auftaktniederlage, durchaus mit Berlin mithalten zu können. So befanden sich die Paderborner kurz vor Schluss in Schlagdistanz (61:59, 36. Min), doch Jenkins, der von der Bank kommend zwanzig Zähler markierte, antwortete mit einem Dreier und Alba zog noch einmal den Kopf aus der Schlinge.

Dies sollte in der zweiten Partie nicht mehr gelingen. Angepeitscht von mehr als dreitausend Zuschauern gestalteten die Hausherren die Partie ausgeglichen und konnten 3:48 Minuten vor dem Ende sogar mit elf Punkten in Führung gehen (68:59). Zwar konnte Alba durch einen 11:0-Lauf noch einmal ausgleichen – sechs Sekunden vor der Schlusssirene verwandelte Baskets-Guard Lavelle Felton jedoch den entscheidenden Dreier zum 71:68.

Während Paderborn eine geschlossene Mannschaftsleistung zeigte und die lautstarke Unterstützung der Fans vor allem defensiv in Intensität umzuwandeln wusste, überzeugte für Alba lediglich Adam Chubb (20 Punkte in 17:48 Min). Alle anderen Akteure waren von ihrem Optimum weit entfernt und vermochten es nicht, den 1:1-Ausgleich noch abzuwenden.

Nach zwei Entscheidungen im Schlussviertel gelang es den Albatrossen in der dritten Partie dann allerdings doch noch frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Angeführt von dem wieder besser aufgelegten Jenkins (20 Pkt, 6 Ast, 4/8 3FG) und dem treffsicheren Casey Jacobsen (13 Pkt, 3/6 3FG) ging Berlin bereits zur Pause mit 38:29 in Führung; im dritten Spielabschnitt erhöhten die Gastgeber sogar auf 64:44.

Zwar konnten die Baskets - bei denen Matt Terwilliger (13 Pkt, 7 Reb) positiv überraschte - im letzten Viertel noch einmal deutlich verkürzen. Der zweite Sieg war den souveränen Gelb-Blauen jedoch nicht mehr zu nehmen.

Der erste Matchball

Doch so souverän die Mannschaft von Luka Pavicevic zuhause – zumindest im zweiten und dritten Viertel – agiert hatte, so mies startete sie in Spiel vier. Nach einer frühen 5:0-Führung kassierten die Gäste nämlich 16 Punkte in Folge, sodass es nach zehn Minuten 26:10 stand. Verantwortlich hierfür waren die zehn Ballverluste der Berliner sowie der überragende Nathan Peavy (21 Pkt, 7 Reb, 8/8 FG), der während des 16:0-Laufs für zehn Punkte verantwortlich zeichnete.

Der alarmierende Rückstand von bis zu zwanzig Zählern (32:12) schien jedoch zumindest Aleksandar Nadjfeji aus der allgemeinen Berliner Lethargie zu wecken. Der Serbe erzielte im zweiten Spielabschnitt elf seiner insgesamt fünfzehn Punkte und hielt seine Mannschaft damit im Rennen. Nach vier Berliner Dreiern in knapp zwei Minuten (Nadjfeji, 2x Jenkins, Jacobsen) gingen die Teams mit 44:39 in die Kabinen.

Wer in der zweiten Hälfte jedoch ein dominantes Berliner Team erwartete, sah sich getäuscht. Tatsächlich konnten die Hausherren ihre Führung sogar wieder in den zweistelligen Bereich bringen und das dritte Viertel mit 65:55 beenden.

Ausgerechnet in der Schlussphase schienen die Baskets jedoch die Nerven zu verlieren. So ließen sich Peavy und Center Chris Ensminger in aufeinander folgenden Angriffen von Immanuel McElroy den Ball klauen, dessen Teamkollegen Jenkins und Wright die Steals in Punkte ummünzten. 56 Sekunden vor dem Ende stand es 78:76.

Der Wurf des Tages war jedoch keinem Berliner vorbehalten, sondern dem Paderborner Steven Wright. Mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr verwandelte der treffsichere Baskets-Guard (6/11 3FG in den beiden Heimspielen) einen spektakulären Dreier und sorgte für die Vorentscheidung. Es sollte der spektakuläre Höhepunkt eines spannenden und emotionalen letzten Playoff-Spiels in der roten „Maspernhölle“ sein.




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von Crossover 12.02.2012 um 08:17:20


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