BBL Playoffs

Donnervögel im Höhenflug

Die EWE Baskets Oldenburg stehen erstmals in der Vereinsgeschichte im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Nach drei Spielen ohne Niederlage setzte sich das Team von Predrag Krunic gegen Bamberg durch. Nun warten die Donnervögel auf den Finalgegner.

Von Thomas Käckenmeister
 10.06.2009 |

EWE Baskets Oldenburg - Brose Baskets Bamberg (3-0)
(82:74, 66:58, 88:85*)

Die Party dauerte bis spät in die Nacht. Direkt nach dem dritten Sieg gegen Bamberg klang es so ohrenbetäubend, wie Baskets-Sprecher Torben Rosenbohm vor der Begegnung verkündete: "Für dieses Spiel hätten wir nahezu 6.000 Karten verkaufen können." Dabei waren es nur 3.148 Zuschauer, die die Entscheidung im letzten Halbfinal-Spiel bezeugten. Der Löwenanteil der Besucher in der EWE-Arena musste nach einem eigentlich souveränen Spiel am Ende noch zittern - einige Nachlässigkeiten ließen die Gäste aus Bamberg wieder Morgenluft wittern und einen Zehn-Punkte-Rückstand innerhalb von 102 Sekunden ausglichen.

Das musste sich auch Head Coach Predrag Krunic nach dem ersten Finaleinzug der Vereinsgeschichte eingestehen: "Das war heute kein einfaches Spiel, aber wir sind trotzdem 38 Minuten hochkonzentriert zu Werke gegangen. Leider haben wir dann in den beiden Schlussminuten das Spielen eingestellt. In der Verlängerung haben wir dann aber Charakter gezeigt und das Spiel zu unseren Gunsten entschieden."

Taddas Energieleistung wird nicht belohnt

Maßgeblichen Anteil am letzten Aufbäumen der Franken hatte der 20-jährige Deutsche Karsten Tadda, der im Mai sein Abitur erwarb. Der Shooting Guard zeigte bereits im dritten Viertelfinalspiel gegen Göttingen, dass er Nerven wie Drahtseile besitzt. Nun feuerte Tadda innerhalb von fünf Sekunden zwei Mal auf den Oldenburger Korb und reduzierte das Sieben-Punkte-Polster der Oldenburger auf zwei Zähler. Die Crunchtime-Qualität des Bamberger Eigengewächses ließ den mitgereisten Anhang abrupt wieder Hoffnung schöpfen. Nicht zuletzt, weil Filiberto Rivera den Ausgleich an der Freiwurflinie herstellte, sodass es doch noch in die Verlängerung ging.

Dort hatten die Donnervogel dann den längeren Atem, auch wenn Taddas Energieleistung ein weiteres Mal für Spannung sorgte. Ein Steal und ein weiterer Sprungwurf des Youngsters nützten jedoch nichts, da die Gastgeber den kurzfristigen Durchhänger wieder in Souveränität ummünzten, um letztlich das Spiel und die Serie für sich zu entscheiden.

Als dann auch Tadda vier Sekunden vor Ende der Verlängerung nur einen von zwei Freiwürfen zum 85:86 traf, brach schließlich die letzte Bastion, die dem Druck unerwartet lang standhielt. „Großartig, wie er den Oldenburger Regisseur Jason Gardner verteidigte und mit fünf Punkten noch die Verlängerung ermöglichte“, lobte Wolfgang Heyder, Bambergs Manager, den Nachwuchs-Guard trotz des erneuten Scheitern gegen die Niedersachsen.

Allerdings steht nach Ende dieser Halbfinalschlacht wieder die Frage nach der Schiedsrichterleistung im Mittelpunkt. Jedenfalls, wenn die Antennen auf die Bamberger Zentrale gerichtet werden. Riveras Verzweiflungsschuss in allerletzter Sekunde ging ein Kontakt voraus, der nicht geahndet wurde. Ohnehin ertönten 32 Pfiffe gegen die Bamberger Spieler in der dritten Partie, zwölf weniger als gegen die Heimmannschaft.

Kritik an den Unparteiischen

Bereits nach der 74:82-Auftaktpleite der Brose Baskets wetterte Heyder gegen die Unparteiischen: "Die Begegnung hat allein Schiedsrichter Markus Hesse für Oldenburg gewonnen", zitierte die Nürnberger Abendzeitung den angefressenen Bamberger Manager. "Alle absichtlichen und technischen Fouls waren gegen uns und es tut mir leid, das war einseitig und hat die Partie entschieden." Damit kritisierte Heyder insbesondere die Referee-Leistung in den Schlussminuten. Elton Brown wurde hart angegangen und erhielt nach Beschwerden ein technisches Foul. Oldenburg wusste aus der Unruhe Kapital zu schlagen und den ersten Sieg einzufahren.

Durchhalteparolen waren im Anschluss seitens der Bamberger zu vernehmen. Heyder zeigte sich "felsenfest davon überzeugt, dass wir in der Serie noch eine Chance haben" und Head Coach Chris Fleming sprach von besserem Angriffsspiel und verbissener Defensive, die deen Distanzschützen aus Niedersachsen entgegengebracht werden muss, damit sein Team in der Serie eine Chance hat.

Diese Vermerke wurden im zweiten Aufeinandertreffen allerdings bloß teilweise umgesetzt: Nur ganze 58 Zähler fielen ins Oldenburger Netz - vor 6.800 Zuschauern in der Frankenhölle JAKO Arena. Nationalspieler und Ex-Bamberger Sven Schultze, der das Spiel mitverfolgte, erinnerte die Leistung an die Abwehrzeiten der Ära Dirk Bauermann.

Hinsichtlich der Feldwurfquote aus dem Drei-Punkte-Bereich arbeiteten die Außenspieler der Franken aber besser; waren es im ersten Spiel noch 37,9 Prozent von Downtown (11/29 3FG), die die EWE Baskets verwandelten, landete in der zweiten Begegnung nur jeder vierte Schuss im Netz (6/24% 3FG). Das entgegengesetzte Bild zeichnete sich hingegen im dritten Spiel der Serie ab: Der Angriffsmotor zündete - wenn auch erst unter dem Mut der Verzweiflung am Ende -, aber die gegnerischen Würfe landeten dennoch in der Mitte des eigenen Rings (10/26 3FG; 38,5%).

Wer die Rebounds holt, gewinnt!

Überhaupt fruchtete erneut eine alte Basketball-Weisheit in dieser Serie: Wer die Bretter kontrolliert, hat die höhere Wahrscheinlichkeit, den Sieg einzufahren. Einfach aus dem Grund, weil mehr eigene Wurfchancen entstehen. Zwar hatten sich die Bamberger in jeder der drei Begegnungen mehr Würfe als ihr Kontrahent erarbeitet, die Bretter dominierten dennoch die Donnervögel. Insgesamt pflückten sie 22 Rebounds mehr als die Franken, die somit einen weiteren Grund für die anhaltende Erfolgslosigkeit gegen die gelbblauen Nordlichter kennen. Die dritte Pleite war zu gleich die achte Pflichtspielniederlage gegen Oldenburg aus den letzten neun Aufeinandertreffen. In der Saison 2008/09 gab es fünf Siege für Predrag Krunics Truppe gegen Bamberg, im letzten Jahr schieden die Bayern mit 1-3 im Viertelfinale gegen Gardner und Co. aus.

Neben Taddas aufgehendem Stern ragten Predrag Suput und Elton Brown aus dem Kollektiv hervor. Der Serbe und der US-Center wussten sich mit offensiver Härte gegen die Niederlagen zu stemmen und produzierten zusammen 34,3 Punkte und 11,1 Rebounds pro Spiel in dieser Serie. Sie waren die einzigen Konstanten im Brose-Spiel - im ersten Duell kam außerdem nur Demond Greene auf über zehn Zähler (12), im dritten Match gesellte sich neben den Genannten noch Greene (11) und Rivera (12) hinzu.

Auf der Gegenseite sah das schon anders aus: Regelmäßig standen mindestens drei Akteure in den Punkterängen mit mindestens zehn Zählern. MVP Jason Gardner (18,0 PpG, 3,3 RpG), Je'Kel Foster (18,7 PpG, 5,3 RpG) und Rickey Paulding (13,3 PpG, 4,7 RpG) riefen regelmäßig ihre Leistungen ab. Zudem sorgte Milan Majstorovic im ersten und dritten Spiel (12 bzw. 17 Punkte) für zusätzliche Verwirrung beim Gegner. Hinzu kommt die exzellente Brettarbeit des Kameruners Ruben Boumtje Boumtje, der mit 10,0 Punkten und 10,3 Rebounds ein Double-Double erzielte und außerdem noch 2,3 Bällen den Weg zum Korb verbot.

BBL Finals live auf Eurosport

Unterm Strich stehen die Oldenburger also verdient als erstes Team in den BBL Finals 2009. Der Gegner der Niedersachsen wird zwischen Bonn und Berlin ermittelt, deren Serie über die volle Distanz von fünf Spielen geht. Dass die EWE Baskets vielleicht sogar am Ende Deutscher Meister sind, würde Bambergs Coach Chris Fleming wenig ausmachen: "Oldenburg ist eine Mannschaft, die sich nicht selber schlägt. Ich wünsche den Oldenburgern viel Erfolg im Finale."

Und Predrag Krunic schwebt wohl immer noch auf Wolke sieben, wenn er an die Stimmung nach dem letzten Sieg denkt: "Unglaublich, was hier los ist." Der Verein hat bereits Maßnahmen ob des enormen Ticketansturms für das Finale ergriffen. Nach Feststehen des Gegners werden die Karten verkauft, Vorbestellungen werden nicht entgegen genommen. Die Party in der EWE Arena zu Oldenburg dauert damit für mindestens zwei weitere Spiele in dieser Saison an.

Am 14. Juni beginnt das erste Finalspiel. Eine mögliche fünfte Partie würde am 25. Juni stattfinden. Basketball-Fans der Republik dürfen sich jedenfalls auf ein vorzeitiges Ende der TV-Armut freuen: Eurosport zeigt alle Final-Spiele live.




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von Crossover 30.05.2012 um 13:14:02


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