BBL Playoffs

Den Vizemeister zerbröselt

Die Brose Baskets stehen im Playoff-Halbfinale. Die Franken schmissen den verletzungsgeplagten Vizemeister aus Bonn hochkant mit 3-0 aus der diesjährigen Endrunde. Nach drei starken Auftritten scheint jetzt auch das Erreichen der Finals für Bamberg kein Ding der Unmöglichkeit mehr zu sein.

Von Joshua Wiedmann
 18.05.2010 |

Michael Koch ist keiner, der so schnell aufgibt. Einst als Spieler nicht, und auch heute als Bundesliga-Coach mitnichten. Der ehemalige Nationalspieler gewann als Spieler zig nationale und internationale Titel und war auch in den letzten Jahren als Übungsleiter der Bonner Basketballer so erfolgreich wie kaum ein anderer in seinem Geschäft – zwei Vizemeisterschaften in Folge (2008, 2009) belegen das. Der Mann weiß eben, wie man gewinnt. Und er versteht auch, wann man nun mal keine Chance hat, als Triumphator vom Parkett zu gehen.

Als die TV-Kameras von Sport 1 den 44-Jährigen im Laufe der ersten Hälfte des dritten Viertelfinal-Spiels seiner Bonner gegen Bamberg einfingen, war so ein Moment der Erkenntnis ganz offensichtlich gekommen. In der Hocke sitzend, den Blick in Richtung Hallendecke werfend nahm Koch beim Stand von 26:32 einen Offensivrebound von Bambergs Elton Brown zur Kenntnis und blies langsam Luft aus. Es war eine Geste, die eine gewisse Ratlosigkeit beim Bonner Übungsleiter auszudrücken schien. Nach dem Spiel, das Kochs Bonner letztlich nur knapp mit 82:84 verloren geben mussten, gestand der 140-fache Nationalspieler die Unterlegenheit seines Teams dann auch neidlos ein: „Die Bamberger haben zweimal unser Heimrecht gebrochen, in zwei Spielen in Bonn gewonnen. Da muss man den Hut ziehen vor der Bamberger Mannschaft“, äußerte Koch, der anfügte: „Es hat dieses Jahr nicht gereicht. Wir waren nicht die bessere Mannschaft im Halbfinale.“

Tatsächlich zeigte sich früh in der Serie, dass Bamberg nicht als Underdog zu werten sein würde. Ganz im Gegenteil: Mit dem Erfolg beim Top Four im Rücken war schon im Vorhinein die vorherrschende Meinung gewesen, dass die Franken durchaus ein gleichwertiger Gegner sein könnten. Diese Auffassung bestätigten die Brose Baskets nicht zuletzt durch die beiden Auswärtssiege im Telekom Dome zu Bonn. „Sie haben sich erst im Laufe der Saison gefunden und durch den Pokalsieg noch einmal einen Schub bekommen“, sekundierte Koch nach dem Ausscheiden. Es war deutlich zu sehen, dass die Bamberger über das nötige Selbstvertrauen verfügten, um auch in kritischen Situationen einen klaren Kopf zu behalten. Oft, wenn die Partien zu Gunsten der Bonner zu kippen schienen, streuten die Mannen von Coach Chris Fleming einen wichtigen Korb ein oder erarbeiteten sich zweite Wurfgelegenheiten.

Gerade für die großen Würfe war einmal mehr Predrag Suput (Foto) verantwortlich. Der Serbe, der zuletzt beim Top-Four-Turnier seine Extraklasse unter Beweis gestellt hatte, zauberte den Bonnern reihenweise Sorgenfalten auf die Stirn. Immer, wenn der 32-Jährige heiß lief, konnte sich auch sein Team einen essentiellen Vorteil erspielen. In der Auftaktbegegnung war Suput mit sieben schnellen Zählern hauptverantwortlich dafür, dass seine Brose Baskets einen 31:41-Rückstand bis zur Halbzeit in ein knappes 43:44 verwandeln konnten. Im entscheidenden dritten Spiel brachte er seine Mannschaft mit elf Zählern im ersten Viertel auf Touren. Einen ähnlichen Einfluss hatte auf Bamberger Seite nur noch das Guard-Duo Anton Gavel und John Goldsberry, das über die Serie hinweg hervorragende Defensivarbeit leistete und zudem mit großer Treffsicherheit aus dem Drei-Punkte-Land (zusammen 14/26 3FG) brillierte.

Nicht zuletzt konnten sich die Franken aber auch auf die Tiefe in ihrem Kader verlassen. Bis auf Brian Roberts, an dem die Serie großteils vorbeilief (6,3 PpG) – auch, weil er sich defensiv aufrieb (4,7 FpG) –, hatte quasi jeder Akteur seinen großen Auftritt. Jungnationalspieler Tibor Pleiß etwa, der Bonns Center-Routinier Chris Ensminger in Spiel zwei sein großes Potenzial (18 Punkte, zehn Rebounds) demonstrierte, und auch insgesamt die Leistungen aus der Hauptrunde bestätigte. „Durch das Vertrauen des Trainers in meine Fähigkeiten, auch als Starter, bekam ich mehr Selbstbewusstsein. Wenn man als Starter auf dem Spielfeld steht, unterstützt das einen dann im Kopf noch einmal ziemlich, was für mich ebenfalls sehr wichtig war“, bekundete der 21-Jährige im Interview auf waskommtnachdirk.de. Center Elton Brown und Forward Mark Worthington fügten sich im ersten bzw. zweiten Spiel mit elf und 16 Zählern ebenfalls gut ein. Auch der zuletzt angeschlagene Casey Jacobsen machte beim einzigen Spiel in der Bamberger Jako Arena (12 Punkte) wieder einen recht fitten Eindruck, auch wenn ihm insgesamt noch die Spritzigkeit fehlte.

Bonns Coach Mike Koch weigerte sich dennoch, im Anschluss an die dritte Partie nach Gründen zu suchen, an denen das Ausscheiden seiner Truppe festzumachen wäre. „Das kann man ganz offensichtlich tun und dann Dinge vorschieben. Das will ich aber gar nicht“, erklärte der 44-Jährige. Auch die verletzungsbedingten Schwierigkeiten – Big Man Patrick Flomo fiel die ganze Serie aus, Shooting Guard Bryce Taylor griff nach seiner Bänderverletzung erst zur Hälfte der Serie ins Geschehen ein, Vincent Yarbrough (Rückkehr nach einem Sehnenriss) war noch kein Faktor – wollte Koch nicht als Ausreden gelten lassen: „Das passiert jeder Mannschaft. Entweder du kannst es kompensieren oder nicht.“ Bonn konnte es nicht, hatte mit den zwei knappen Pleiten in eigener Halle aber auch Pech. Zugegebenermaßen muss dies auch den starken Bambergern zugeschrieben werden, die in prekären Phasen fast immer cleverer agierten; mit etwas mehr Glück hätte Bonn die Serie aber durchaus fortsetzen können, anstatt sich unrühmlich in den Sommerurlaub zu verabschieden. „Wir waren auf Augenhöhe“, merkte Coach Koch dann auch an.

Über die Schwächen der Magentafarbenen darf aber dennoch hinweg gesehen werden – und die lagen in erster Linie in der Verteidigung. Die 82,3 Punkte, welche Bamberg im Durchschnitt markierte, waren für eine Playoff-Serie eindeutig zu viel. Ebenso taten sich die Bonner schwer, die Schützen der „Brösels“ konstant gut zu decken; deren Quote von „Downtown“ belegt dies (46,7% 3FG). Auch individuell hatten die Rheinländer teils Probleme, mit den starken Einzelspielern der Bamberger Schritt zu halten. Tim Ohlbrecht bekam Bambergs Suput nie wirklich in den Griff, und auch Ex-NBA-Profi Ronald Dupree oder Point Guard Jared Jordan agierten in der eigenen Hälfte unterdurchschnittlich. Jordan (13,7 PpG, 5,0 ApG) gehörte offensiv neben Ohlbrecht (15 PpG) aber zu den besten Bonner Akteuren, während Dupree (6,0 PpG, 35% FG) auf ganzer Linie enttäuschte.

Wie es in Bonn weitergeht, steht noch nicht fest. Coach Koch sitzt richtigerweise fest im Sattel, vom diesjährigen Team könnte in der kommenden Saison aber nicht mehr so viel übrig sein, wie vielleicht erwartet wird. Chris Ensminger, Patrick Flomo, Tim Ohlbrecht und Vincent Yarbrough haben zwar noch Vertrag, gerade die amerikanischen Leistungsträger Taylor, Dupree und Jordan könnten aber ihr letztes Spiel für Bonn bestritten haben. Besonders Jordan hat seinen Marktwert gesteigert. Darüber hinaus war allerdings auch schon zu hören, dass die Telekom-Baskets-Verantwortlichen an einer Rückkehr von Forward Aleksandar Nadjfeji interessiert seien.

Für Bamberg hingegen geht eine Saison, die schlecht begann, weiter. Ihr Ziel formulieren die „Brösels“ nur deutlich: „Wir wollen die Meisterschaft gewinnen“, sagt Tibor Pleiß gegenüber waskommtnachdirk.de. „Wenn wir weiter so kämpfen, ist mit dieser Mannschaft wirklich alles drin.“ Tatsächlich scheint nach dem Viertelfinalsieg über den Vizemeister nun nichts mehr unmöglich für die Brose Baskets Bamberg.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von DaKey 19.05.10 um 15:35:10


Wenn Sasa wirklich zurück kommt, wäre das wirklich eine fantastische Nachricht in schweren Zeiten



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