BBL Playoffs
Das Märchen vom Rhein
Die Telekom Baskets Bonn erweisen sich als Favoritenschreck der BBL Playoffs 2008. Im Viertelfinale warfen sie Quakenbrück aus dem Rennen, anschließend verlangten sie Frankfurt fünf Spiele ab.
Von Thomas Käckenmeister |
07.06.2008 | |
Deutsche Bank Skyliners gegen Telekom Baskets Bonn (2-3)
(75:72, 57:73, 58:48, 60:79, 74:75)
Keine Mannschaft hatte nach dem Ende der Halbfinalserien mehr Playoff-Spiele absolviert. Zehn Begegnungen lang kämpften die Deutsche Bank Skyliners um ein Weiterkommen. Am Ende reichte es gegen starke Bonner nicht, um sich erstmals seit 2004 für die Finalspiele zu qualifizieren.
Wie schon im Viertelfinale gegen Leverkusen ging auch die Serie gegen die Mannschaft von Michael Koch in ein entscheidendes fünftes Spiel, das ebenfalls erst kurz vor Schluss entschieden wurde. Hatten die Skyliners gegen die Bayer Giants noch mit einem Punkt Vorsprung das Weiterkommen in Leverkusen gesichert, mussten sie sich nun in eigener Halle einer anderen Mannschaft vom Rhein geschlagen geben - ebenfalls mit nur einem Zähler Differenz.
Dabei waren die Telekom Baskets der deutliche Underdog, da sie zudem in der letzten Partie auf zwei ihrer etatmäßigen Bigmen verzichten mussten. Nachdem Ronald Burrell bereits in der vierten Begegnung wegen eines Haarrisses an einer Sehne in der Schulter nur zuschauen konnte, bekam er im finalen Duell gegen die Skyliners Gesellschaft von Center John Bowler. Der bullige Hüne, der zuvor gegen die Frankfurter in vier Spielen durchschnittlich 11,3 Punkte (72,7% FG) und 3,0 Rebounds aufwies, fiel wegen einer Innenbandverletzung im Knie aus.
Außerdem stand vor dem fünften Spiel ein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Aufbauspieler Miah Davis. Glücklicherweise stellte sich aber heraus, dass der Wirbelwind trotz einer Muskelzerrung im Oberschenkel einsatzbereit war. Dass Trainer Michael Koch auf Davis als Trumpf setzen konnte, stellte sich als Glücksgriff heraus: Der Guard zeichnete für 18 Punkte verantwortlich und bezeichnete den dritten Sieg der Serie als schönsten Tag seines Lebens, denn neben seiner Leistung auf dem Feld wurde er drei Stunden vor dem Sprungball Vater eines Sohnes. Hatte Davis bereits während der Serie gegen Quakenbrück geheiratet, setzte beim ihm nun scheinbar der Familienzuwachs noch mehr Energie frei. Somit stellt sich die Frage, was im Finale gegen Alba Berlin vom 1,83 Meter großen Spielgestalter abseits des Feldes zu vermelden ist.
Auf dem Feld zeigte Davis jedenfalls die beste Leistung seiner bisherigen Saison: Im Schnitt sammelte er in den fünf Spielen gegen Frankfurt 9,0 Punkte, 4,2 Rebounds und 2,4 Assists. Dies entsprach zwar bei weitem nicht den Werten von Pascal Roller, seines Kontrahenten seitens der Frankfurter, der 11,8 PpG und 3,4 ApG auflegte, war aber dennoch einer der Schlüsselfaktoren für Bonns Weiterkommen.

Gleich in der ersten Partie trafen die Männer vom Rhein aus allen Lagen. Trotz der Auftaktniederlage versenkte Winsome Frazier sieben seiner zehn Dreierversuche. In der gesamten Serie war der 25-Jährige der auffälligste Baskets-Akteur mit 15,2 Zählern (44,0% 3FG) im Schnitt. Die Ursache für die vierte Finalqualifikation der Vereinsgeschichte allerdings nur anhand des startenden Backcourts auszumachen, ist trügerisch. Head Coach Koch betonte immer wieder die gute Teamchemie, den bedingungslosen Einsatz und die aufopferungsvolle Hingabe seiner Jungs. Auf diese Weise konnten auch die verletzungsbedingten Ausfälle kompensiert werden. "Man hat gesehen, dass unser zweiter Anzug super gepasst hat", sagte Koch nach dem einzigen Auswärtssieg der Paarung, "Unsere Bankspieler haben den Unterschied gemacht. Wie die Mannschaft das kompensiert hat, ist einfach grandios." Der Beweis: In jeder Partie trugen sich durchschnittlich fast sieben Bonner mit mindestens fünf Zählern in die Punktestatistik ein.
Besonders hervorzuheben ist jedoch der Initiator des Ganzen: Michael Koch ist der Funke, der bei der Mannschaft jedes Mal einen von Leidenschaft getränkten Flächenbrand auslöst. "Basketball-Herz, was willst du mehr?", fragte er sich und der Basketballwelt nach dem Einpunkterfolg am vergangenen Donnerstag. Die Antwort ist einfach: Das Erfolgsmärchen soll gegen den Titelfavoriten Alba Berin weitergehen. Vielleicht sogar mit Happy End.



von Crossover 12.02.2012 um 07:55:27
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