BBL Playoffs
Das Comeback von Freak City
Die Brose Baskets Bamberg sind zurück auf der großen BBL-Bühne. Nach dem Pokalgewinn vor zwei Monaten hat Bamberg (Foto: Anton Gavel) nun auch die Chance, erstmals seit 2007 wieder den Meistertitel nach Freak City zu holen. Im Halbfinale waren die Phantoms Braunschweig machtlos gegen den fränkischen Express.
Von Fabian Klindt (Foto), Joshua Wiedmann (Text) |
31.05.2010 | |
"Freak City, noch 30 Sekunden bis wir wieder im Finale stehen!" Der Hallensprecher in der ausverkauften Jako Arena ließ seinen Emotionen freien Lauf, als die Brose Baskets Bamberg kurz vor Ende dritten Halbfinalspiels mit 90:81 führten. Seine Aussage verfehlte ihr Ziel nicht: Der Lautstärkepegel unter den 6.800 Zuschauern sprang noch einmal um einige Dezibel nach oben, und irgendwie stellte sich die Erkenntnis ein, dass Basketball in Bamberg nun zurecht wieder da war, wo er seit 2007 nicht mehr gewesen war: nämlich in den Playoff-Endspielen um die Deutsche Meisterschaft.
Einen ähnlich ausgeprägten Willen, die Platzierungen der letzten, für Bamberger Verhältnisse doch eher ungenügenden Jahre wieder gut zu machen und Freak City zurück an die Spitze des deutschen Basketballs zu führen, legten auch die Spieler der Brösels während der Halbfinals an den Tag. Die Mannschaft von Coach Chris Fleming präsentierte sich, trotz der vielen Einzelkönner, als verschworene Einheit und ließ stets einen ausgeprägten Fokus erkennen. Gegen die offensiv hochtalentierten Phantoms aus Braunschweig raffte sich Bamberg defensiv zusammen und verteidigte zuweilen auf einem Niveau wie zu Zeiten eines Steffen Hamann und Chris Ensminger. "Wir haben in dieser Serie hervorragend verteidigt. Wir bringen in jeder Situation immer noch bisschen mehr Emotionen in die Abwehr, das hat den Ausschlag gegeben", war Baskets-Manager Wolfgang Heyder gegenüber infranken.de voll des Lobes für seine Truppe.
Insgesamt ließen die Bamberger den Braunschweigern in den drei Spielen nie eine ernsthafte Chance. Zwar waren die Phantoms immer in Schlagdistanz und gaben keine Partie mit mehr als zwölf Zählern ab, doch wirklich gefährlich konnten sie den Brösels nie werden - zuweilen täuschen Statistiken eben doch. Zu ruhig und abgeklärt, ja schlichtweg zu dominant, traten die Franken auf und erstickten so jeden mutmaßlichen Zwischenspurt ihres Gegners im Keim. "Wenn es nötig war, haben wir den Ball so gut bewegt, dass wir einen freien Mann gefunden haben", bestätigte auch Coach Chris Fleming nach dem dritten Spiel.
Dabei erwies es sich einmal mehr als vorteilhaft, dass die Bamberger viele Pfeile im Köcher hatten. Die Tiefe im Kader der Franken machte den Phantoms reichlich zu schaffen. Während Braunschweig immer dann in große Probleme geriet, wenn das Guard-Duo Heiko Schaffartzik und Kevin Hamilton auf der Bank schmorte, konnte Baskets-Coach Fleming munter durchrotieren, ohne einen großen Leistungsabfall riskieren zu müssen. Das Banktrio Elton Brown (12,0 PpG, 7,0 RpG), Brian Roberts und Mark Worthington (beide je 9,7 PpG) verrichtete zuverlässig seinen Job und sorgte somit auch für wertvolle Entlastung für die Starter.
Wenn es vonnöten war, konnten sich die Brose Baskets aber auf ihre Einzelkönner verlassen. So etwa auf Combo-Guard Anton Gavel (Foto), der Braunschweig in der zweiten Hälfte des dritten Spiels mit fünf Bomben von Downtown quasi im Alleingang abschoss. Oder auch auf Predrag Suput und Casey Jacobsen, die im Auftaktspiel der Serie zusammen 19 Punkte im ersten Viertel produzierten und ihr Team somit entscheidend in Front brachten (26:12). Apropos Jacobsen: Der US-Boy zeigte nach einer durchwachsenen Serie gegen Bonn eine deutliche Leistungssteigerung und gab im Halbfinale das "Mädchen für alles" (13,7 PpG sowie jeweils 3,7 Assists und Rebounds pro Spiel).
Das Ausscheiden der Braunschweiger muss, obgleich des deutlichen Ausgangs von 0-3, im richtigen Licht betrachtet werden. Angesichts der schieren Dominanz der Bamberger darf nicht vergessen werden, wie beharrlich die Niedersachen um ihre Finals-Chance kämpften. Braunschweig zeigte auch in den Situationen Charakter, in denen viele andere Mannschaften längst aufgegeben hätten - man rufe sich hier das Auftreten der Cleveland Cavaliers am Ende von Spiel sechs der NBA-Zweitrundenserie gegen Boston ins Gedächtnis. Selbst in den Schlussminuten des dritten Spiels gaben die Phantoms nicht auf, obwohl die Partie offenkundig entschieden war. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, weil sie nie aufsteckt und den Siegeswillen nie verliert", bekundete Phantoms-Coach Sebastian Machowski, und Aufbauspieler Heiko Schaffartzik ergänzte: "Bamberg ist die beste Mannschaft in Deutschland - und gegen die ist es keine Schande, 0-3 zu verlieren."
Der deutsche Nationalspieler erlebte übrigens, wie schon im Playoff-Viertelfinale, eine sehr durchwachsene Serie. Schaffartzik lieferte sich zwar ein elektrisierendes Duell mit seinem Ex-Teamkollegen und Kumpel Anton Gavel, fand gegen die Bamberger Verteidigung insgesamt aber kein probates Mittel (11,3 PpG, 38,5% FG). Auch in der Spielgestaltung schränkten die Franken die Kreise des 26-Jährigen erfolgreich ein (1,7 ApG). Schaffartziks Nationalmannschaftskollege Yassin Idbihi agierte an der Seite des starken Marcus Goree (13,0 PpG, 5,7 RpG) ebenfalls nicht so effektiv wie gewöhnlich. Dessen Ausfall (nach einer Knöchelverletzung) und der von Guard Michael Hicks nahmen den Phantoms vor der dritten Begegnung gewissermaßen die letzte Brise aus den Segeln.
Für Braunschweig geht es nun daran, den Kern der Erfolgsmannschaft dieses Jahres beisammen zu halten. Nur Schaffartzik, Kevin Hamilton und Nils Mittmann haben gültige Verträge für die kommende Spielzeit. Spieler wie Energiehase Jason Cain oder Idbihi haben sich dieses Jahr weiter gesteigert; gerade Letzterer dürfte, da deutsch und talentiert zugleich, für die finanzkräftigen Klubs der Liga interessant sein.
Bamberg hingegen ist nun, nach einer weiteren überzeugenden Serie, der Favorit in den Finals - egal, ob der Gegner Frankfurt oder Bremerhaven heißen wird. Die Franken werden wohl nur schwer aufzuhalten sein, da sie in voller Fahrt sind. Das spiegelt sich auch am Selbstvertrauen der Mannschaft wider: "Bisher sind wir mit allen Situationen klar gekommen, egal, wo der Gegner seine Stärken hatte", sagt Kapitän Casey Jacobsen auf infranken.de. "Wir haben so viel Selbstvertrauen, dass sie uns erst einmal stoppen müssen." Dann könnte Bamberg demnächst auch wieder den Titelgewinn in echter Freak-City-Manier zelebrieren.



von RUN & GUN 01.06.10 um 20:35:43
PUNKT!! hiermit ist alles gesagt!
X-FAktor der Finalserie: Worthington!
von Dickson 04.06.10 um 15:56:02
[spiegel.de]
wie geil ist das denn bitte?
Bamberg kann evtl Spiel 3 nicht in eigener Halle steigen lassen, weil der Businessbereich an eine Hochzeitsgesellschaft vermietet ist...
ROFL...