BBL Playoffs

Brose Baskets bremsen Göttinger Express

Zum sechsten Mal in sieben Jahren stehen die Brose Baskets Bamberg im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. In vier Partien setzte sich das Team von Head Coach Chris Fleming gegen den Tempobasketball der MEG Göttingen durch. Vor allem die Defensive der Franken war der Schlüssel zum Erfolg.

Von Thomas Käckenmeister
 27.05.2009 |

MEG Göttingen - Brose Baskets Bamberg (1-3)
(84:76, 69:76, 60:72, 68:84)

Das Playoff-Duell zwischen Göttingen und Bamberg hätte unterschiedlicher nicht sein können: Auf Seiten der Niedersachsen fehlten zwei Leistungsträger (Kyle Bailey, Charles Lee) verletzungsbedingt, die Bamberger hatten hingegen alle Akteure am Start und ritten auf einer kleinen Erfolgswelle in die Endrunde.

Auch die beide Philosophien, die bei dieser Viertefinalpaarung aufeinander prallten, versprachen ein hitziges Gefecht: Das Überraschungsteam aus Niedersachsen setzt auf Fastbreak-Basketball mit einer tiefen Rotation, die Truppe aus Freak-City bevorzugt das systembehaftete Halbfeldspiel. Ebenso verhält es sich mit den defensiven Ausrichtungen beider Team: Während das Team von John Patrick häufig in den Passwegen wildert und durch Ballgewinne zu schnellen Punkten kommt, setzen die Bamberger auf Zonenabwehr und Team-Defense.

Dass sich die Serie im Rückblick als relativ eintönig erwies, lag neben der starken fränkischen Betonabwehr - bei den drei Siegen hielt Bamberg den Gegner stets unter 70 Punkten und 40 Prozent Feldwurfquote - auch an der Devise, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Drei Bamberger Schützen nutzten die Freiräume, um jedem der drei Siege ihren Stempel aufzudrücken.

Im zweiten Spiel brillierte Robert Garrett. Big-Shot-Rob zeigte - wie in der Vorschau vermutet - vor allem in der Schlussphase, dass er noch nicht zum alten Eisen zählt; zehn seiner 14 Zähler erzielte der 32-Jährige im Schlussabschnitt. "Wir wollen weit kommen, da musste ich nach meinen zuletzt bescheidenen Leistungen mal wieder einen Beitrag leisten", begründete Garrett seine Leistung.

Im dritten Duell sprang Youngster Karsten Tadda in die Bresche. Der Grund: Der etatmäßige Shooting Guard Demond Greene lief zwar auf, hatte aber mit einer Augenverletzung, die er sich im zweiten Spiel bei einem Foul von Robert Kulawick zuzog, zu kämpfen. Somit nutzte der 20-jährige Jungnationalspieler die Playoff-Bühne für sich, um im Schlussviertel acht Punkte (insgesamt 13 Punkte) zu erzielen und zwei Offensivfouls anzunehmen.

Im letzten Bamberger Heimspiel der Serie trumphte dann Greene selbst auf: Der kräftige Off-Guard spielte mit Schutzbrille und netzte insgesamt vier von fünf Dreier ein, um sein Team damit auf die Siegerstraße zu führen. "Demond Greenes Dreier haben uns schwer zu schaffen gemacht", verriet Coach Patrick nach dem Playoff-Aus.

Dass sich beide Teams gegenseitig das Leben nicht einfach machten, zeigt ein Blick auf die Statistiken: In jedem der vier Spiele verbuchten die Franken jeweils mindestens 17 Ballverluste und hatten bis auf die letzte Partie in jedem Spiel das Nachsehen beim Kampf unter den Brettern. Insgesamt griffen sich die Göttinger in den vier Spielen 69 Offensiv-Rebounds, Bamberg nur 38. Dennoch resultierten aus der kontrollierten Bamberger Offensive die vermeintlich einfacheren Punkte, was sich letztlich auch in der Wurfquote über den gesamten Verlauf der Serie widerspiegelt: Göttingen visierte in den vier Begegnungen insgesamt 266 Mal den Bamberger Korb an, die Franken warfen "nur" 222 Mal auf die Göttinger Reuse. Das Brose-Team versenkte jedoch 44,6 Prozent seiner Feldwürfe, MEG nur 36,1 Prozent.

Nach dem Weiterkommen der Bamberger war die Freude im fränkischen Lager zwar groß, niemand schmälterte aber die Leistung des aufopferungsvoll kämpfenden Kontrahenten aus dem Norden. "Ich möchte John [Patrick] und Göttingen zu dieser tollen Saison gratulieren und John für seinen Mut loben, einen ganz anderen Basketballstil etabliert zu haben, der in Europa wohl einmalig ist", sprach Chris Fleming seinem Gegenüber Anerkennung aus.

Dass der Hauptrundenzweite nie aufsteckte, war in den ersten beiden Partien besonders deutlich zu sehen, als wahrhafte Offensivreigen binnen kürzester Zeit die Begegnung vollkommen umgestalteten: Beim Auftaktspiel war es ein 17:0-Lauf innerhalb von nur vier Minuten, im zweiten Spiel dann ein 16:2-Lauf binnen sieben Minuten, der ein 11:24-Defizit in eine 27:26-Führung für Göttingen wandelte.

Das Feuer der leidenschaftlichen Patrick-Truppe brannte trotz teilweise zu vielen Einzelaktionen in jeder Partie. Der Head Coach der Überraschungsmannschaft der BBL-Saison 2008/09 hob die Leistung seines Teams auch nach dem Playoff-Aus nochmals hervor: "Ich bin seit 18 Jahren im Profigeschäft, aber man bekommt nicht oft die Chance, mit so einer Mannschaft zu arbeiten, wie wir sie dieses Jahr hatten. Sie haben in jedem Spiel und Training 100 Prozent abgerufen, egal, wie die Personalsituation war."

Während MEG Göttingen vor einem ereignisreichen Sommer steht, in dem die Kaderzusammenstellung trotz finanzieller Engpässe erneut zu einem Puzzle für Blinde (niemand weiß im Vorfeld, ob die Spieler auch ins Symstem passen) wird, blicken die Brose Baskets auf das Halbfinale. Dort warten die Donnervögel aus Oldenburg, die im letzten Jahr die Franken nach vier Spielen in den Urlaub schickten.

Tim Ohlbrecht, der in der Serie lediglich vier Pünktchen sammelte, blickt der Paarung optimistisch entgegen: "Ich freue mich auf Oldenburg, denn wir haben ja noch eine Rechnung offen und wollen Revanche für das bitte Viertelfinal-Aus im Vorjahr nehmen."

Assistenztrainer Volker Stix ist da schon präziser und spielt auf die Schlüsselspieler des Gegners an: "Gardner, Paulding und Foster sind zweifelsohne die entscheidenden Matchups für uns, inbesondere Paulding, der in den Playoffs über 50 Prozent von der Dreierlinie schießt. Die Oldenburger sind eine tief besetzte, erfahrene Mannschaft. Wir werden uns gewissenhaft vorbereiten und versuchen, der Serie gleich am Sonntag [dann findest das erste Spiel statt] unseren Stempel aufzudrücken."

Foto: Court-Vision.de

Die Brose Baskets haben eindrucksvoll bewiesen, dass die Ausgangsposition (7. Platz), von dem sie in die Playoffs starteten, nicht dem wahren Leistungsprofil entspricht. Die Basketballer aus Freak-City warfen den Zweitplatzierten der Hauptrunde dank knallharter Verteidigung und geduldigem System-Basketball aus dem Wettbewerb.

Gegen Oldenburg gewannen die Bamberger zuletzt 2004, als sie sich im Viertelfinale mit 3-0 durchsetzten. Doch damals hatten die Donnervögel nicht den Favoritenstatus inne wie in diesem Jahr. Dennoch ist Center Elton Brown zuversichtlich: "Wir haben den Hauptrundenzweiten aus dem Rennen geworfen, warum also nicht auch den Dritten?"




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von J0J0 27.05.09 um 17:17:31


Schade nur dass Eurosport am Dienstag lieber Tennis, anstatt wie angekündigt Bamberg-Göttingen, gezeigt hat! Es ist sehr traurig dass die erst in der zweiten Halbzeit eingestiegen sind und den wartenden Basketballfan im Regen stehen lassen haben! So wie ich mitbekommen habe, hatten sich sehr viele Göttinger Fans zum public viewing verabredet und mussten sich bis 22.10 Uhr eine Erstrundenbegegnung der Frech Open anschauen! Peinlich!



von The-Warrior 31.05.09 um 11:21:36


Verstehe den Ärger nicht ganz. Es ist ganz klar, dass Eurosport's primäre Übertragungen im Moment bei den French Open liegen, da diese eine Hauptbestandteil des Eurosport Programms sind, seit Jahren und von vielen Leute geschaut werden.

Das Spiel wurde komplett auf sportdigital.tv übertragen und dort hätte man es auch sehen können beim Public Viewing.



von mitchman 31.05.09 um 14:10:56


dann hätte eurosport aber nicht schon die ganze zeit werbung für dieses spiel machen sollen, wobei der übertragungsbeginn auf 21 uhr festgelegt war. die enttäuschung ist von mir absolut zu verstehen.



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