BBL Playoffs

Bonner überflügeln Ulmer Spatzen

Die Telekom Baskets Bonn setzten sich mit 3-0 in der Viertelfinalserie der diesjährigen Playoffs gegen ratiopharm Ulm durch. Der Klub von der Donau bot den Bonnern dennoch über weite Strecken enge Partien.

Von Joshua Wiedmann
 25.05.2009 |

Telekom Baskets Bonn - ratiopharm Ulm (3-0)
(71:62, 71:69, 82:68)

Zum ersten Mal seit geraumer Zeit war man in Bonn wieder mit Heimvorteil in eine Playoff-Serie gegangen. Nach dem sechsten Rang 2007 und dem siebten 2008, von dem aus schließlich der Sprung in die Finals gelungen war, starteten die Baskets erstmals wieder mit der Favoritenbürde in die Endrunde. Dass sich die Bonner jedoch nicht von dieser Last erdrücken ließen, beweist der Ausgang der Viertelfinalserie deutlich.

Bei aller Klarheit kam der Vizemeister jedoch mitnichten im Schongang in die zweite Runde. Die Ulmer Korbjäger, die erstmals nach dem Wiederaufstieg in die BBL 2006 wieder Playoff-Luft schnuppern durften, lieferten Bonn in allen drei Partien über lange Zeiträume enge und spannende Auseinandersetzungen: In Spiel eins in der ehemaligen Bundeshauptstadt lagen die Ulmer bis fünf Minuten vor Ende in Reichweite (58:55); ebenso im zweiten Aufeinandertreffen, das sogar bis zur Schlusssirene spannend blieb, sowie im dritten Spiel (65:63 nach 38 Minuten).

In den entscheidenden Augenblicken zeigte sich jedoch stets, welche Mannschaft über den größeren Erfahrungsschatz und qualitative Vorteile verfügt. Ging es in die entscheidende Phase, so waren es zumeist die Bonner, welche die besseren Entschlüsse fassten. In der Auftaktpartie hatten sie sich lange Zeit äußerst schwer getan gegen die rebound-starken Gäste von der Donau, die sich partout nicht abschütteln lassen wollten. Gleichzeitig hatten die Bonner über lange Strecken selbst mit Abschlussschwächen zu kämpfen, indem weder Dreier (5/16 3FG) noch Freiwürfe (16/27) konstant fallen wollten. Erst in den letzten Minuten brachen die playoff-erfahrenen Mannen von Coach Michael Koch, der auf fünf Spieler der Final-Truppe von 2008 zurückgreifen konnte, den Widerstand der Ulmer.

Dass die Bonner sich selbst mit einigen unkonzentrierten und fahrigen Aktionen immer wieder in Probleme bringen können, zeigte sich im zweiten Spiel in Ulm. Nach einer umkämpften ersten Halbzeit (38:38) erspielten sich die Baskets im Stile einer Klassemannschaft im dritten Viertel schnell einen beachtlichen Vorsprung und brachten gar die Zuschauer in der bekanntermaßen schwer einnehmbaren Ulmer Kuhberghalle zum Schweigen. Rund siebeneinhalb Minuten vor Spielende stellten die Gäste bei einem 17-Punkte-Vorsprung jedoch plötzlich den Motor ab. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich anschließend herausstellen sollte: Im Glauben an einen sicheren Sieg ließ Bonn die Ulmer nun schalten und walten und durfte mit ansehen, wie der ehemals große Vorsprung innerhalb weniger Minuten zusammenschmolz. Dass es schlussendlich doch für den zweiten Sieg und die Vorentscheidung in der Best-of-five-Serie reichen sollte, war mehr dem Ulmer Unvermögen in der Schlussminute als dem eigenen Verdienst geschuldet.

Foto: Sebastian Eickhoff

In Spiel drei ließ Brandon Kyle Bowman (Foto) erkennen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Hatte sich der Bonner Forward noch während der regulären Spielzeit recht unkonstant gezeigt, stellte er nach 15 bzw. 20 Punkten in den ersten beiden Begegnungen im dritten Aufeinandertreffen seine Klasse endgültig unter Beweis. Mit 24 Zählern, sieben davon in den Schlussminuten, führte der 24-jährige Schlacks seine Mannschaft zum abschließenden Triumph in der Serie. Insgesamt war der athletische Flügelspieler mit 19,7 Punkten pro Spiel der erfolgreichste Korbjäger der Rheinländer.

Der US-Amerikaner erfüllte daneben jedoch noch eine andere wichtige Aufgabe äußerst solide: Im direkten Duell mit Ulms Zonenzwerg Jeff Gibbs machte Bowman über die ganze Serie hinweg auch defensiv eine gute Figur. Nur selten kam Gibbs – der effizienteste Akteur der regulären Saison – wirklich zum Zuge. Neben Bowman verrichteten auch Bonns andere Innenspieler, besonders Ken Johnson und Patrick Flomo, dem Michael Koch nach der ersten Partie ein „riesen Spiel“ attestierte, gute Arbeit gegen Ulms 1,88-Meter-Mann, der zwar wie gewohnt reboundete (10,7 RpG), allerdings nur schwerlich zu Punkten kam (11,7 PpG bei 42,3 % FG). Insbesondere mit dem Doppeln in Zonennähe schränkten Flomo und Konsorten immer wieder die Kreise des 28-jährigen Gibbs ein. Ulms Coach Mike Taylor fand nur selten eine Lösung gegen die gezielte Verteidigung der Bonner gegenüber seinem Führungsspieler.

Während sich die Verteidigung zumeist auf Gibbs konzentrierte, sprang bei Ulm ein Akteur in die Bresche, dem dies vor rund einem Jahr wohl noch kaum einer so getraut hätte. Center Sean Finn gehörte in allen Partien zu den besten Spielern aus der Donaustadt und war mit Blick auf die gesamte Serie der konstanteste Ulmer. Mit 14,3 Zählern und 9,7 Rebounds im Schnitt brachte der 2,12-Meter-Riese wohl auch seine letzten Kritiker aus dem eigenen Lager zum Schweigen, die ihn als zu lethargisch und langsam angesehen hatten.

Neben Finn schwächelten letztendlich jedoch zu viele Spatzen, um für Bonn ernsthaft gefährlich zu werden. Romeo Travis etwa wurde von Baskets-Vorzeigeverteidiger Vincent Yarbrough über weite Strecken zum Statisten degradiert. Auch die extra für die Postseason zugelegte neue Frisur konnte nicht verhindern, dass der 24-Jährige – während der regulären Spielzeit mit 12,2 Punkten im Schnitt Ulms zweitbester Werfer – zumeist blass blieb (7,7 PpG). Travis übte sich nach Spiel zwei bereits selbstkritisch: „Im Angriff ist nichts so, wie es sein sollte. Ich habe das Gefühl, dass ich meinem Team mehr schade als nütze“, meinte er gegenüber der Ulmer Südwest Presse. Ähnlich erging es Lee Humphrey (7,3 PpG): Der zweifache NCAA-Champ konnte das Team nicht wie erhofft mit seiner Endrundenerfahrung tragen. Vielmehr neutralisierten er und Bonns Winsome Frazier (8,3 PpG) sich auf der Shooting-Guard-Position gegenseitig mehr oder minder.

Den entscheidenden Unterschied zwischen beiden Mannschaften machte letztendlich aber die Bank aus. Während das Ulmer Spiel zumeist einen Knick erhielt, wenn die Starter pausierten, führte Bonns zweite Garde oftmals gut fort, was die Starter begonnen hatten. 23,3 Zähler markierten die Bankspieler der Baskets durchschnittlich (Ulm: 14,6 Punkte). Besonders auf die beiden Big Men John Bowler (7,3 PpG) und Patrick Flomo (5,0 PpG, 4,3 RpG, 1,7 BpG) konnte sich Baskets-Coach Michael Koch stets verlassen. Auf Ulmer Seite hingegen hatte man einmal mehr mit der mangelnden Erfahrung der Ergänzungsspieler sowie mit der Ellenbogenverletzung von Wurfspezialist Dan Fitzgerald zu kämpfen, der über die gesamte Serie hinweg kaum ein Faktor war (2,7 PpG, 16,2% FG).

Während die Ulmer nach einer dennoch äußerst erfolgreichen Spielzeit nun den Urlaub antreten dürfen, wird es für die Baskets im Halbfinale aller Voraussicht nach zum neuerlichen Aufeinandertreffen mit den Albatrossen aus Berlin kommen. Nach der verlorenen Serie in den Finals 2008 sinnen Spieler und Fans in Bonn auf eine Revanche. „Ich glaube, dass die drei Spiele jetzt der Mannschaft nochmal Selbstvertrauen geben. Wir werden uns konsequent auf diese Serie vorbereiten“, sagte Michael Koch. Drehen die Baskets bis dahin noch an einigen Schräubchen, ist auch gegen den deutschen Vorzeigeklub nichts unmöglich.




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von Crossover 30.05.2012 um 13:12:52


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