BBL Playoffs
Beinahe am Ziel
Alba Berlin ist nur noch drei Siege von der achten Meisterschaft entfernt. Gegen die EWE Baskets Oldenburg konnten sie sich nach vier Begegnungen im Playoff-Halbfinale durchsetzen.
Von Thomas Käckenmeister |
05.06.2008 | |
Alba Berlin gegen EWE Baskets Oldenburg (3-1)
(86:79, 79:66, 73:79, 72:68)
Konjunktive haben im Sport eigentlich nichts zu suchen. Eigentlich. Dennoch stellen sich wohl auch zwei Tage nach dem Playoff-Aus der EWE Baskets Oldenburg einige Anhänger der Niedersachsen die Frage, was gewesen wäre, hätte Rickey Pauldings Korbleger kurz vor Schluss die Mitte des Rings gesehen.
Sechs Sekunden vor dem Ende der vierten Partie hatte der US-Guard die Chance, den Ausgleich zu erzielen. Doch sein Wurf küsste nur das Brett und prallte anschließend vom Ring ab. Anstatt der Möglichkeit einer Verlängerung mussten die Donnervögel von Predrag Krunic mitansehen, wie Liga-MVP Julius Jenkins auf der Gegenseite mit zwei Freiwürfen das Saisonende der Oldenburger besiegelte.
Dabei zeigte die zu Saisonbeginn bis auf Daniel Strauch neu zusammengestellte Mannschaft bedingungslosen Ehrgeiz, demonstrierten Kampfgeist und Herzblut als es ihnen beinahe gelang, einen 14-Punkte-Rückstand aus dem dritten Viertel zu drehen und über die Zeit zu retten. Mit 19:3 starteten Jason Gardner und Co. in den Schlussabschnitt, ehe sich das Blatt
wieder wendete. Vor allem Dragan Dojcin und Julius Jenkins (Foto) stellten in dieser Phase ihre Klasse aus der Distanz sowie ihre Nervenstärke von Freiwurflinie unter Beweis. "Wir haben nie daran gedacht, dass wir verlieren könnten.", diktierte Jenkins nach dem entscheidenden dritten Erfolg den Medienvertretern in den Notizblock. Dojcin hingegen ließ seine Statistiken der Partie für sich sprechen: 15 Punkte (5/7 FG) und sieben Rebounds in 21 Minuten unterstrichen, weshalb Luka Pavicevic den Serben unbedingt in seiner Mannschaft haben wollte. Beide arbeiteten zuvor bereits bei Atlas Belgrad und Panionios Athen zusammen.
In den ersten drei Partien der Serie war es allerdings nicht der 32-Jährige vom Balkan, der in der Offensive für Furore sorgte, sondern jedes Mal ein anderer Albatros, der die Angriffslast schulterte: Bobby Brown servierte zum Auftakt 20 Zähler, im zweiten Spiel bekam er Hilfe in Form von 16 Jenkins-Punkten, in der dritten Partie sammelte Immanuel McElroy 24 Zähler.
Ohnehin unterstrich der im Februar vom Rhein an die Spree gewechselte US-Amerikaner trotz Verletzung ? im Viertelfinale gegen die Eisäbren Bremerhaven zog er sich eine Bänderdehnung im linken Knöchel zu, gegen Oldenburg erlitt er zudem eine schwere Wadenprellung ? seinen Wert für die Hauptstädter: In den vier Partien der Halbfinalserie legte der Verteidiger des Jahres nicht nur seine Gegenspieler an die Kette, sondern betonte vor allem seine Vielseitigkeit mit durchschnittlich 14,3 Punkten, 5,8 Rebounds und 2,8 Vorlagen pro Begegnung. Damit war er der zweitbeste Punktesammler (nach Jenkins mit 16 PpG) und bester Rebounder seines Teams.
Auf der Gegenseite gestaltete sich die Punkteverteilung ausgeglichener. Wie auch bei den Berlinern (außerdem: Brown mit 13,8 PpG und Aleksandar Nadjefeji mit 12,5 PpG) erzielten vier Oldenburger mindestens zehn Zähler im Schnitt (Branimir Longin: 10,8 PpG; Rickey Paulding: 12,5 PpG; Jason Gardner: 13,0 PpG; Jasmin Perkovic: 13,0 PpG). Und dennoch: Am Ende war es die Nerverstärke der Berliner, die das Weiterkommen sicherte. Nämlich in drei der vier Spiele gewann stets das Team, das die bessere Trefferquote von der Freiwurfquote aufweisen konnte.
Was also bleibt, sind die nackten Zahlen: Oldenburg kann trotz des Ausscheidens die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte mit dem Erreichen des Halbfinals feiern und die Berliner stehen zum 13. Mal im Endspiel um die deutsche Basketballmeisterschaft. Der Zahl 13 werden aber gelegentlich auch gewisse Eigenschaften nachgesagt, doch Konjunktive haben im Sport bekanntlich nichts verloren.


von Crossover 12.03.2010 um 14:17:03
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