BBL Playoffs
Ambitioniert und hochgefährlich
Wenn am heutigen Samstagabend in der Beko BBL der Startschuss zu den Playoffs fällt, gehen die Frankfurt Skyliners und Alba Berlin (Foto: Julius Jenkins) mit hohen Ambitionen in die Endrunde: Der Vizemeister und der Hauptstadt-Klub wollen im Titelrennen ein gewichtiges Wörtchen mitreden. In der ersten Runde stehen den beiden Mitfavoriten aber zunächst die BG Göttingen und Ex-Meister Oldenburg gegenüber.
Von Johannes Beyer (jb), Joshua Wiedmann (jw), Sven Labenz (sl) |
30.04.2011 | |
(2) Deutsche Bank Skyliners: Erneut überraschend gut
(sl). Zweitbestes Team der regulären Saison, zu Hause nahezu unbesiegt, den MVP, Topscorer sowie besten Offensivspieler der Beko BBL in den eigenen Reihen: Die aktuelle Situation der Deutsche Bank Skyliners liest sich scheinbar überragend. Doch wer genau hinschaut, entdeckt in den Frankfurtern eine kleine Überraschungsmannschaft. Von vielen Rückschlägen und personellen Veränderungen gebeutelt, in der selbst ernannten Sportstadt Frankfurt nicht mit großen finanziellen Mitteln gesegnet, ständig auf der Suche nach neuen Partnern und Sponsoren und einem Ereignis, das den Basketball für lange Zeit in der Frankfurter Ballsporthalle in den Hintergrund rückte, haben die Macher um Gesellschafter Dr. Gunnar Wöbke und Head Coach Gordon Herbert eine Mannschaft geformt, die nicht nur berechtigt auf dem zweiten Startplatz in die Playoffs geht, sondern durchaus um den Titel mitspielen kann.
Dass der große Traum von der zweiten Meisterschaft in „Mainhattan“ in greifbare Nähe rückt, liegt vor allem an zwei Personen: Der frisch gebackene MVP DaShaun Wood (19,0 PpG, 5,8 ApG) lenkt wie kein zweiter Point Guard der Liga die Geschicke seines Teams und punktet dazu noch auf konstant hohem Niveau. Sein Cheftrainer Gordon Herbert ist für Frankfurt erneut ein Glücksfall: der ruhige Kanadier hat eine Gemeinschaft geformt, die intensiv verteidigt und in der ehemalige Bankdrücker wie Marius Nolte oder Dominik Bahiense de Mello zu wichtigen Spieler herangewachsen sind.
Zu den Schlüsselfaktoren zählen neben Wood vor allem die US-Amerikaner Quantez Robertson (7,7 PpG, 5,1 RpG) und Roger Powell (13,3 PpG, 5,4 RpG). Der sprungstarke und spektakuläre Robertson gehört zu den besten Verteidigern der Liga, der explosive Power Forward Powell findet immer mehr seine Rolle im Team und glänzt mit spektakulären Dunks und solider Korbausbeute – zuletzt sechs Dunks und 28 Punkte gegen die EnBw Ludwigsburg. Ein unscheinbarer, aber wichtiger X-Faktor ist der Finne Kimmo Muurinen: Auf beiden Seiten des Feldes überzeugt der 2,01 Meter große Forward mit Hustle-Plays und guter Rebound-Arbeit. In engen Spielen gehört außerdem Kapitän Pascal Roller zu den wichtigen Gesichtern der Mannschaft. Auch wenn der ehemalige Nationalspieler mittlerweile in die zweite Reihe gerutscht ist, kann er heiß laufen und einem Spiel weiterhin seinen Stempel aufdrücken.
Entscheidend in den Playoffs wird sein, wie die Mannschaft einen „Verlust“ von DaShaun Wood kompensieren kann: Sowohl eine starke Verteidigung, als auch eine Verletzung ihres Stars könnte die Frankfurter in dieser Hinsicht zu einem kompletten Umdenken in der eigenen Offensive zwingen. Gerade in den Spielen gegen die Brose Baskets Bamberg oder Alba Berlin wurde dies deutlich: In beiden Begegnungen standen starke Defense-Spieler dem quirligen Spielmacher auf den Füßen und isolierten ihn. Vor allem in einer Serie bestehen mehr Möglichkeiten für das gegnerische Team, sich auf einen Ausnahmespieler wie Wood einzustellen.
In der ersten Runde wartet die BG Göttingen auf die Skyliners. Sicher nicht der Wunschgegner der Hessen, profitiert die Mannschaft von John Patrick doch von einer sehr schnellen und aggressiven Spielweise mit einem starken Backcourt. Beide Partien der regulären Saison waren hart umkämpft, konnten aber knapp gewonnen werden (88:82, 70:58). Im Halbfinale wartet der Sieger aus der Serie zwischen Alba Berlin und den EWE Baskets Oldenburg; ebenso kein leichtes Los, vor allem die Hauptstädter waren für die „Main-Giganten“ ein Stolperstein in der Liga. Doch wer um die deutsche Meisterschaft spielen will, muss jeden besiegen.
Dass dies möglich ist, haben die Hessen bereits in der vergangenen Saison bewiesen. Auch in diesem Jahr scheint vieles möglich – das Finden eines neuen Haupt- und potentiellen Namenssponsor würde dies vereinfachen.
(7) BG Göttingen: Ohne Druck in die Playoffs
(jb). Die Veilchen mussten lange um die dritte Playoff-Teilnahme in Folge zittern. Erst am letzten Spieltag sicherten sich die Niedersachsen mit einem ungefährdeten 71:50-Erfolg beim MBC Weißenfels den Platz in der Finalrunde. Als Tabellensiebter trifft die BG Göttingen nun auf die Deutsche Bank Skyliners Frankfurt und geht zumindest auf dem Papier als Außenseiter in die Serie.
Nach dem Aus im Viertelfinale des EuroCups setzten sich die Göttinger neue Ziele. Bis dato lief es in der Liga noch nicht ganz rund und die BG fand sich auf dem elften Platz wieder. Auffällig bis dahin war vor allem die Auswärtsschwäche der Veilchen: lediglich vier Siege konnte der EuroChallenge-Gewinner von 2010 bis dato in fremder Halle einfahren. Am Ende verbesserten die „Veilchen“ diese Bilanz nach einem verkrampften Spiel in Tübingen (52:56) und der dominanten Leistung beim Bundesligaabsteiger Weißenfels zwar auf sechs erfolgreiche Spiele, bleiben jedoch die schlechteste Auswärtsmannschaft aller Playoff-Teilnehmer. Die große Stärke liegt demnach in der heimischen „Lokhölle“: Würde nur die Heimbilanz zählen, stünden die Veilchen mit 13 Heimerfolgen als Vierter in den Playoffs. „Aufgrund der finanziellen Situation und mit einer jungen Mannschaft wollten wir diese Saison nicht absteigen. Es ist eine richtig tolle Sache, dass wir jetzt in den Playoffs stehen“, erklärt Head Coach John Patrick.
Wie in den vergangenen Jahren setzt Patrick auch diese Saison auf sein bewährtes System „full court 40 minutes of hell“. Im Vergleich zu den letzten Jahren scheinen sich die Gegner auf den ersten Blick jedoch auf das aggressive Verteidigungsspiel eingestellt zu haben. Doch mit durchschnittlich 70,7 zugelassenen Punkten ist die Göttinger Defensive sogar noch einen Hauch besser als im letzten Jahr. Zudem hielten die Lilafarbenen ihren Gegner ganze sieben Mal unter 55 Punkten. Der Knackpunkt liegt demnach in der Offensive: Mit 71,8 erzielten Punkten pro Spiel ist diese um satte zehn Zähler schwächer als im vergangenen Jahr. Damit erzielt Göttingen die wenigsten Punkte aller in den Playoffs vertretener Mannschaften.
Diese Offensivschwäche zeigt sich auf in den individuellen Statistiken der Spieler. Lediglich Dwayne Anderson (13,2 PpG, 6,8 RpG) und der in den Playoffs wohl verletzt fehlende Trenton Meacham (11,3 PpG) erzielten im Saisonverlauf durchschnittlich über zehn Punkte pro Partie. Diese Werte sind natürlich auch auf die schnelle Wechselmethodik Patricks zurückzuführen und macht sich in einer ausgeglichenen Bank bemerkbar: Hinter den beiden Göttinger Topscoren erzielten sieben Spieler zwischen 5,2 und 9,8 Punkten pro Partie. Vor allem der verletzungsgeplagte Kyle Bailey (9,8 PpG, 3 ApG) war im Saisonendspurt ein wichtiger Faktor im Göttinger System. Und auch Mike Scott (9,0 PpG) sorgte im Saisonverlauf immer wieder für Gefahr, wurde zum Saisonende jedoch nicht mehr eingesetzt. Unter der Woche folgte dann im beidseitigen Einvernehmen die Trennung vom „Raketenmann“. Somit müssen Jason Boone (8,7 PpG, 6 RpG) und der bis dato unauffällige Jermain Raffington (2,4 PpG) mehr Verantwortung unter den Körben übernehmen. Ein weiterer wichtiger Faktor dürfte Louis Dale werden: Der Aufbauspieler kommt von der Bank und kann in durchschnittlich 18 Minuten Einsatzzeit mit 8,2 Punkten und 2,1 Vorlagen überzeugen.
Gegen die auf dem Papier deutlich stärkeren Deutsche Bank Skyliners Frankfurt gehen die Veilchen als Außenseiter ins Rennen. „Macht aber nix, in der Rolle des Außenseiters fühlen wir uns pudelwohl“, lässt Teammanager Jan Schiecke verlauten. Dennoch bleibt fraglich, mit welchen Mitteln Patrick den Frankfurter MVP DaShaun Wood kalt stellen möchte. In den beiden Partien der Hauptrunde schenkte der US-Amerikaner den „Veilchen“ insgesamt satte 43 Punkte ein und war jeweils bester Punktesammler seiner Mannschaft.
Die Skyliners erzielen deutlich mehr Punkte, verteilen mehr Vorlagen, schnappen sich mehr Rebounds und klauen häufiger den gegnerischen Ball als Göttingen. Man könnte es also als kleine Sensation bezeichnen, sollten sich die „Veilchen“ gegen den scheinbar übermächtigen Gegner durchsetzen – doch Göttingen kann befreit aufspielen und ist in der Lockhalle ein überaus schwieriger Gegner.
Und so tippt die Crossover-Redaktion:
| Frankfurt |
Göttingen |
|
| Thomas Käckenmeister | 3 | 1 |
| Johannes Beyer | 2 | 3 |
| Peter Bieg | 3 | 1 |
| Joshua Wiedmann | 3 | 1 |
| Tendenz: | 3 | 1 |
| Teil 1: Ambitioniert und hochgefährlich |
| Teil 2: Berlin gegen Oldenburg: Das Duell der Ex-Meister |



von growmatic 30.04.11 um 15:41:06
In der Saison 2009/10 hatten die Niedersachsen die reguläre Spielzeit auf Tabellenrang sechs abgeschlossen !!!!!!!!!
Das stimmt nicht ! Die Baskets haben die reguläre Spielzeit 2009/10 auf Platz eins abgeschlossen ! ;-)
von Sevent 30.04.11 um 15:54:08
Völlig richtig. Danke für die Klarstellung. ;)