BBL Finals
Oldenburg ist Deutscher Meister
In einem dramatischen Finale schnappen die EWE Baskets Oldenburg den Telekom Baskets Bonn Sekunden vor Schluss die Meisterschaft weg. Drei schlimme Fehler gegen Ende kosten Bonn den Titel. Oldenburg feiert das Wunder und dank Final-MVP Rickey Paulding die erste BBL-Krone der Vereinsgeschichte.
Von Thomas Käckenmeister, Jens Möller |
25.06.2009 | |
Was für ein Finale! Oldenburg dreht mit einem dramatischen Schlussspurt noch das fünfte und entscheidende Spiel gegen Bonn. Fünf Sekunden vor Schluss verwandelt Je'Kel Foster den entscheidenden Freiwurf zum 71:70 für die Oldenburger. Zuvor hatten die Bonner zeitweise schon mit zehn Punkten geführt und den Titel zum Greifen nah gesehen. Am Ende bleibt für Bonn wieder mal nur der zweite Platz - vor allem wegen haarsträubender Fehler in der Schlussminute.
Bonn kontrolliert das Spiel drei Viertel lang
Über die ersten drei Viertel des Finals hatten die Bonner die Oldenburger Heimmannschaft vor 3.148 Zuschauer in der ausverkauften EWE Arena gut im Griff. Die ersten, von beiden Mannschaften intensiv aber auch nervös geführten zehn Spielminuten entscheiden die Gäste für sich (Stand nach dem ersten Viertel: 14:18 für Bonn). Als Oldenburgs gefährliches US-Duo Je'Kel Foster und Rickey Paulding die EWE Baskets mit starken Aktionen erstmals in Front bringt (22:18, 13. Spielminute), antworten die Bonner postwendend: Alex King verwertet ein Dreipunktspiel, Brandon Bowman stopft den Ball im Fastbreak durch die Reuse.
Es zeigt sich wieder das Bonner Erfolgsrezept in dieser Saison: Kommt das Team, angeführt von schnellen Spielmacher E.J. Rowland, erst einmal ins Laufen, haben die Gegner ernsthafte Probleme. Der wie immer wild am Seitenrand gestikulierende Oldenburger Trainer Predrag Krunic versucht den Tempobasketball der Rheinländer mit einer wechselnden Verteidigung zu stoppen, die immer wieder zwischen Zone und Manndeckung umschaltet. Bonns Trainer Mike Koch wirkt wesentlich ruhiger. Er muss aber sehen, dass Oldenburg bis zur Halbzeit das Spiel eng hält - auch weil Paulding und Foster bis zur Pause jeweils zehn Punkte auf dem Konto haben (35:36 für Bonn zur Pause).
Zehn-Punkte-Führung der Gäste dank Flomo
Der dritte Spielabschnitt beginnt spektakulär, beide Mannschaften zeigen ihre athletischen Fähigkeiten. Bonns Center Patrick Flomo setzt das erste Ausrufezeichen mit einem krachenden Tipp-Dunk (35:39), auf der Gegenseite stopft Ruben Boumtje-Boumtje zwei Mal in aufeinanderfolgenden Oldenburger Angriffen den Ball durch den Ring - beim zweiten Mal nach feinem Anspiel durch den bis dahin blass spielenden Liga-MVP Jason Gardner (39:41). Aber bei den Rheinländern wächst nun ein Spieler über sich hinaus: Rollenspieler Flomo dunkt erneut, erkämpft sich einen Offensiv-Rebound nach dem nächsten und punktet. Die 300 mitgereisten Bonner Fans sind völlig aus dem Häuschen, als der Big Man es dann sogar über Gegenspieler Boumtje-Boumtje hinweg krachen lässt. 46:55 steht es zu diesem Zeitpunkt bereits für die Bonner (29. Spielminute). Oldenburg wirkt müde, vor allem der angeschlagene Gardner hat große Mühe mit seinem heute fantastisch spielenden Gegenüber E.J. Rowland, der ihn ein ums andere Mal alt aussehen lässt. Bonn geht mit acht Zählern Vorsprung in den letzten Spielabschnitt (51:59).
Das letzte Viertel beginnt jedoch nicht gut für Bonn. Beim Gegner trifft Foster per Dreier, Brandon Bowman und Vincent Yarbrough holen sich jeweils ihr viertes Foul ab und werden von Koch auf die Bank gesetzt. Das weckt die Lebensgeister bei den Oldenburgern. Gardner ergreift endlich die Initiative, zieht ein Foul und verkürzt per Freiwürfe auf 57:62 (35. Spielminute). Miladin Pekovic zeigt, was einen serbischen Schützen ausmacht: nicht denken, werfen. Obwohl der Oldenburger vorher nur Fahrkarten geschossen hat, versenkt er nun nach schönem Zusammenspiel den Dreipunktewurf (60:62).
Oldenburger Aufholjagd wird belohnt
Auch Teamkollege Marko Scekic wacht jetzt auf und legt den Ball energisch gegen die Bonner Blockmonster in den Korb. Ein 9:2-Lauf der Norddeutschen hat das Spiel fünf Minuten vor dem Ende ausgeglichen (62:62). Was folgt, ist ein Basketballkrimi zum Nägelkauen. Flomo greift sich seinen insgesamt sechsten Offensiv-Rebound und trifft für Magenta, bei den Oldenburgern punkten Gardner und Paulding, dessen Wurfversuch wegen Goaldending zählt. Oldenburg hat das Spiel drei Minuten vor Schluss gedreht und liegt vorn (65:64). Rowland holt die Führung durch zwei verwandelte Freiwürfe wieder auf die Bonner Seite, aber Gardner trifft ebenfalls doppelt von der Linie. Mit einem unglaublichen Drive zum Korb bringt Rowland dann die Bonner 1:24 Minuten vor dem Ende mit 67:68 in Front.
Jetzt duellieren sich die beiden Spielmacher: Gardner zieht wieder das Foul, aber er vergibt 40 Sekunden vor Schluss beide Freiwürfe. Im Gegenzug rast Rowland Coast-to-Coast und legt den Ball zum 67:70 für Bonn in den Korb. Die Meisterschaft für die Bonner ist zum Greifen nah - erst recht, als Yarbrough im folgenden Angriff der Oldenburger den Dreierversuch von Paulding blockt. Es sind noch 23 Sekunden zu spielen. Es werden die schwärzesten Momente in der Bonner Vereinsgeschichte.
Bonns Trauma in den Schlusssekunden
Gardner übernimmt wieder das Kommando für Oldenburg, umkurvt Gegenspieler Winsome Frazier und setzt elf Sekunden vor Schluss zum freien Korbleger an. Anstatt den Gegenspieler punkten zu lassen, begeht Frazier das dumme Foul. Gardner trifft trotzdem und verwandelt den fälligen Freiwurf zum Ausgleich (70:70). Bonn hat den letzten Angriff, aber Johannes Strasser wirft einen gefährlichen Pass Richtung Mittellinie, wo Gardner den Ball vor Yarbrough abfängt. Foster gelangt an die Kugel und wird in der Not von Bonn gefoult. Fünf Sekunden vor dem Ende tritt der US-Guard an die Linie. Er versenkt den ersten Freiwurf, aber vergibt den zweiten (71:70). Mike Koch nimmt seine letzte Auszeit. Bonn hat noch eine Chance: Doch der Einwurf von der Mittellinie findet wieder nicht den Mitspieler, sondern die flinken Finger von Foster, der das Oldenburger Wunder komplett macht.
Mit der Schlusssirene explodiert die EWE Arena. Oldenburger Spieler liegen vor Glück weinend auf dem Parkett, während die Bonner fassungslos ins Leere blicken. Es ist der erste Meistertitel in der Geschichte der Norddeutschen, den neben den Fans in der Halle noch 4.000 Anhänger beim Public Viewing in der Oldenburger Messehalle bejubeln. Zum MVP des Finals wird Rickey Paulding gewählt, mit 20 Punkten bester Werfer der Oldenburger im entscheidenden Spiel. Foster kommt am Ende auf 18 Zähler, wichtiger waren aber die letzten beiden seiner insgesamt fünf Steals. Gardner zeigte trotz Verletzung in der Schlussphase seine Klasse und sammelt 14 Punkte. Der Sieg der EWE Baskets ist der erste Heimsieg in der Finalserie, in der vorher in allen vier Partien die Gastmannschaft gewann.
Bei den Bonnern haben E.J. Rowland (22 Punkte) und Patrick Flomo (18 Punkte, zehn Rebounds) dieses Ende am wenigsten verdient. Winsome Frazier, im Halbfinale gegen Alba Berlin noch Topscorer, bleibt im letzten Saisonspiel ohne Punkt. Bonn trifft zwar besser als Oldenburg (43,9 gegenüber 37,7 %FG) und holt mehr Rebounds (43:36), aber die Rheinländer sind am Ende einfach nicht clever genug, um ihren Fluch des ewigen Vizes loszuwerden.
"Wir haben die Meisterschaft hier und heute in den letzten 40 Sekunden weggeschenkt", ärgerte sich Bonns Coach Michael Koch, der zum wiederholten Mal mit leeren Händen dasteht. Bereits vor einem Jahr unterlag er mit seinem Team gegen Berlin im Finale. "Wir hatten mehr als einmal die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen und haben es aufgrund von individueller Fehler nicht geschafft. Oldenburg hat unsere Fehler am Ende clever ausgenutzt und ist somit völlig zu Recht Deutscher Meister."
Das Live-Blog zum Nachlesen


von jeans270 25.06.09 um 19:22:11
oh mann... da macht eurosport so nen guten job während der playoffs und dann muss DAS finale spiel für kleinmädchen fubbes dran glauben:-/
von Wiesdorfer 25.06.09 um 20:45:41
Hat nix mit Mädchenfußball zu tun.
Im Videotext steht, dass es auch rechtlichen Gründen nicht übertragen werden darf...
von mkay 26.06.09 um 12:53:44
Wir haben gerade einen neuen Deutschen Meister zu verzeichnen, nach einem Höllenspiel, und alles, was euch einfällt, ist wieder über die TV-Situation zu lästern. alter schwede...
von tamarindenpulpe 26.06.09 um 21:46:53
ein besseres game 5 hätte man sich kaum vorstellen können, aber schade, dass das spiel mit 2 turnovers der bonner geendet ist! dabei hätte Rowland das Spiel mit den 2 freiwürfen kurz vor ende nach hause bringen können! :(
Trotzdem glückwunsch an Oldenburg!
von Ana.Lyzer 27.06.09 um 13:06:24
Geil, geil, geil, Oldenburg ist Meister!! Ich war in der Halle und das Spiel und die Stimmung war einfach nur der Hammer. Spannender kann es überhaupt nicht sein. Und die Bonner tun mir schon echt leid, das ist wirklich unglaublich bitter.
Aber "Bonn kontrolliert das Spiel drei Viertel lang" ist schon ziemlicher Blödsinn. Die erste halbzeit war völlig ausgeglichen, da hat niemand irgendwen kontrolliert.