BBL Finals
Im Angesicht des Champions
Die Finals in der Beko BBL stehen vor der Tür, und damit kommt es auch zum Kampf der Kolosse: Bamberg gegen Berlin. Die Franken wollen nach zwei Pokalsiegen und der letztjährigen Meisterschaft den vierten Titel in zwei Jahren einheimsen. Können die Hauptstädter dem Meister nach einer nervenaufreibenden Saison ein Bein stellen?
Von Joshua Wiedmann |
05.06.2011 | |
Die Finals 2011 in der Beko Basketball-Bundesliga sind auf den ersten Blick keine Endspielserie der großen Kontraste. Da sind die zwei Klubs mit den größten Budgets und den höchsten Ambitionen. Die Mannschaften mit den ausgedehntesten und zugleich kritischsten Fanlagern in Deutschland. Die Teams mit den größten Ansprüchen und damit einhergehend dem größten Erwartungsdruck aus der Öffentlichkeit. Kurz gesagt: Die Finals sind in diesem Jahr das Duell der Basketball-Schwergewichte unserer Nation.
Löst man sich jedoch vom grundsätzlichen Bild der Brose Baskets Bamberg und Alba Berlin, und wirft den Fokus auf die zurückliegende Saisonverläufe der beiden Vorzeigeklubs, so fallen große Differenzen auf. Da sind auf der einen Seite die Brose Baskets, die triumphal durch die reguläre Saison preschten, lediglich zwei Niederlagen einfuhren und selten Zweifel an ihrer Dominanz aufkommen ließen. Auf der anderen Seite kommt Alba Berlin mit einem Saisonverlauf daher, der das Management und die verwöhnten Fans so einige Nerven kostete: Unter Coach Luka Pavicevic lief wenig nach Plan, von der Spitze - namentlich Bamberg - ließ sich Alba mehr denn je abhängen. Der ultimative Beweis für die Machtverteilung war das 103:52, mit dem Bamberg die „Albatrosse“ in einen kalten Winter schickte. Erst mit der Verpflichtung von Muli Katzurin wurde in der Hauptstadt allmählich der Umbruch eingeleitet: Der Israeli brachte ein neues Konzept nach Berlin, entrostete den ein oder anderen (unter Pavicevic wertlos gewordenen) Akteur und hauchte dem Ex-Meister damit neues Leben ein.
Somit kommt es im Finale nun zum Duell zwischen den Bambergern, die das ganze Jahr eine unfassbare Dominanz pflegten, und den wiederbelebten Berlinern. Oder auch „Dauer-Goliath“ gegen „Wieder-Goliath“. Beide Mannschaften mussten in den diesjährigen Playoffs aber auch erleben, dass in der BBL inzwischen kein Team mehr unfehlbar ist: In den Halbfinals mussten sowohl die Hauptstädter als auch die Franken über fünf Spiele hinweg um den Einzug in die Endspielserie ringen.
Dreimal souverän, zweimal nachlässig
Die Brose Baskets mussten sich im Halbfinale mächtig ins Zeug legen. Es zeugte einmal mehr von der Ausgeglichenheit der BBL, dass die Artland Dragons den amtierenden Meister und Pokalsieger an den Rand eines Knockouts brachten. In den drei Heimspielen der Serie präsentierten sich die „Brösels“ zwar gewohnt dominant (85:73; 84:61; 83:55), auswärts offenbarten die Franken aber auch Schwächen: Vor den frenetischen Fans in der „Drachenhöhle“ steigerte sich das Selbstvertrauen der Dragons-Truppe von Coach Stefan Koch ins Unermessliche, während Bamberg ungewohnt oft von den Mustern abwich, die der Mannschaft in dieser Saison so viel Erfolg geliefert hatten. Bei den zwei Niederlagen in Quakenbrück (72:86; 59:75) ließ die Fleming-Mannschaft dem Gegner teils zu viele Freiräume und zog auch das eigene Offensivspiel nicht so auf wie bekannt - was freilich auch mit an der intensiven Verteidigung der Dragons lag.
Vor allem mit den flinken Außenspielern der Drachen hatte Bamberg bisweilen große Probleme - und da ist an vorderster Front Tyrese Rice zu nennen. Der 24-jährige BBL-Rookie sprengte die fränkische Verteidigungskette allzu oft mit seinem Zug zum Korb; die Folge waren Freiwürfe oder Korbleger für den US-Point-Guard (18,3 PpG in der Serie), Assists zu den offenen Mitspielern (4,6 ApG) oder Offensiv-Rebounds in Folge aushelfender Bamberger. So spielte sich Quakenbrück bisweilen in einen wahren Rausch.
Letztendlich hatten die Dragons dem tiefen und vielseitigen Kader der „Brösels“ aber nicht genug entgegen zu setzen. Ohne die verletzten Ali Seggelke (Handbruch) und Johannes Strasser (Meniskusschaden) fehlten Dragons-Coach Koch auf den Flügelpositionen die Alternativen. Der nachverpflichtete Cecil Brown und Nachwuchsspieler Andrej Mangold konnten die Lücke nicht schließen. Auf der anderen Seite stachen aus dem Bamberger Kollektiv insbesondere zwei Akteure hervor: Anton Gavel (Foto; 13,2 PpG, 59,5% FG) unterstrich als Topscorer des Teams, dass er in der wichtigsten Phase der Saison zur Hochform auflaufen kann. Center Kyle Hines stellte die größere, aber fußlahme Big-Men-Garde der Dragons mit seiner Athletik vor gehörige Probleme (11,6 PpG, 7,2 RpG).
Die Serie der Auswärtssiege
Im Gegensatz zum von Heimsiegen geprägten Duell zwischen Bamberg und Quakenbrück kam es im anderen Halbfinale zu einer Seltenheit in der BBL-Historie. In einer der kuriosesten Serien aller Zeiten gab es fünf Auswärtserfolge, welche die Maxime vom so wichtigen Heimvorteil auf den Kopf stellten. Mit Ausnahme des engen Auftaktspiels (80:81), das einen bitteren Nachgeschmack für die Frankfurter hinterlässt, brachte das jeweilige Gästeteam die Begegnungen immer recht souverän über die Bühne. Hervorzuheben ist dabei sicherlich der geschichtsträchtige Fauxpas der Berliner in Spiel zwei: Wie gelähmt präsentierten sich die Hauptstädter im letzten Viertel in der O2 World (5:24), während die Skyliners im Stechschritt an den „Albatrossen“ vorbeimarschierten und sich so einen 72:80-Erfolg sicherten.
Auf der anderen Seite stellte Berlin aber unter Beweis, welche Klasse in dem Team von Muli Katzurin steckt, wenn es in mit höchster Konzentration und voller Intensität zu Werke geht. Nicht nur in der erwähnten zweiten Partie, sondern auch im dritten (52:68) und fünften Spiel (68:87) in der Frankfurter Ballsporthalle dominierten die Spreestädter über weite Strecken. Ein Spieler wurde dabei zum Symbol für die neu gewonnene Intensität, den Kampfgeist und die Führungsqualitäten, welche Berlin im Laufe der Saison oft hatte vermissen lassen: Yassin Idbihi. Der Nationalspieler stieg im Halbfinale vom einen auf den anderen Moment zum Schlüsselspieler auf, dominierte die Bretter (6,0 RpG) und netzte mit traumwandlerischer Sicherheit ein (13,2 PpG, 80% FG).
In Verbindung mit der ausgeglichenen Mannschaftsleistung - acht Berliner Akteure erzielten im Schnitt mehr als fünf Punkte in der Serie - musste sich Frankfurt schlussendlich geschlagen geben. Die Hessen waren in der Serie lange von MVP DaShaun Wood (17,8 PpG) und der gewohnt hartnäckigen Einstellung getragen worden. Bisweilen hatte Berlin Probleme, den Skyliners in puncto Leidenschaft ebenbürtig zu sein, und genau dann geriet Katzurins Mannschaft in Probleme. Als es aber im fünften Spiel darauf ankam, ließ sich Berlin nicht lumpen und dominierte die Frankfurter.
Das Finale der „dicken Bs“
Bamberg gegen Berlin - die deutsche Fangemeinde erwartet, wie eingangs schon erwähnt, ein Basketball-Schwergewichtskampf. Trotz der jahrelangen Vorherrschaft der beiden Basketball-Despoten sind direkte Aufeinandertreffen im Kampf um die BBL-Krone in den letzten Jahren Mangelware: In der Saison 2002/03 standen sich Bamberg und Berlin zuletzt in einer Final-Serie gegenüber, die die Hauptstädter damals dominierten (3-0). Ein Jahr später kam es im Halbfinale der Playoffs erneut zum Nord-Süd-Duell (Bamberg siegte nach fünf Spielen). Seitdem gingen sich die beiden „dicken Bs“ aber gekonnt aus dem Weg.
Blickt man auf die anstehende Serie, stechen einem gleich mehrere hochinteressante Machtups ins Auge, bei denen man nur mit der Zunge schnalzen kann. Auf dem Flügel treffen mit Casey Jacobsen und Immanuel McElroy die zwei wahrscheinlich besten Small Forwards der Liga aufeinander: während Jacobsens Fokus die Offensive ist, dürfte „Imacs“ Hauptaugenmerk darauf liegen, die Kreise des Ex-NBA-Spielers gehörig einzuschränken. Auch das Duell zwischen Anton Gavel und Julius Jenkins (Foto), der sich schon im Halbfinale ein aufregendes Gefecht mit DaShaun Wood lieferte, dürfte für viel Unterhaltung sorgen.
Von größerer Bedeutung als die Privatduelle auf den Flügelpositionen dürften aber zwei andere Faktoren sein. Für Berlin muss es darum gehen, im Spielaufbau Akzente zu setzen: Mit Taylor Rochestie und Heiko Schaffartzik verfügen die Hauptstädter über zwei Point Guards, deren Qualitäten mehr im Scoring als in der Gestaltung des eigenen Angriffs liegen. Schon gegen die aggressive Verteidigung der Skyliners tat sich Alba bisweilen schwer, Systeme zu initiieren und konsequent durchzulaufen.
Das Einbinden der Mitspieler liegt dabei allzu oft auch in den Händen von McElroy (Foto) und Jenkins. Gegen Bamberg, das mit Goldsberry, Gavel und Tadda eine Troika an Edelverteidigern im Backcourt aufweisen kann, muss es den Berliner Aufbauspielern dennoch gelingen, die richtigen Hebel umzulegen und damit das System von Coach Katzurin aufs Spielfeld zu übertragen.
Essentiell dürfte außerdem sein, welches der beiden Teams sich auf den großen Positionen Vorteile erspielen kann. Bamberg entblößte im Halbfinale gegen reboundstarke Dragons einige Schwächen am Korb; Berlin dagegen nutzte gegen Frankfurt die eigenen Längen- und Qualitätsvorteile in Brettnähe allzu selten aus. Für die „Albatrosse“ wird es daher extrem wichtig sein, nicht nur die Rebounds möglichst gut zu kontrollieren, sondern die eigenen Big Men in der Offensive auch einzubinden. Auch hier gilt der Appell an die Berliner Aufbauspieler: Die
lange Garde um Miroslav Raduljica (2,13 Meter), Yassin Idbihi (2,08 Meter) und Derrick Allen (2,03 Meter) muss früh und oft genug den Ball in Korbnähe erhalten. Gelingt es Berlin, Bambergs Center - und besonders Defensiv-Anker Tibor Pleiß (Foto; 2,15 Meter) - in Foulprobleme zu bringen, haben die „Albatrosse“ Chancen auf eine enge Serie.
Bis dahin dürfte Bamberg aber der Favoritenstatus in der Serie gebühren. Die Franken sind das gefestigtere Team mit einer klaren Rotation, die endspielerprobt ist. Bamberg hat den Heimvorteil auf seiner Seite, und auch wenn Berlin im Halbfinale drei Auswärtserfolge erringen konnte: In der Stechert Arena ist in dieser Saison (Hauptrunde und Playoffs zusammen genommen) noch kein Gast als Sieger vom Parkett gegangen! Berlin muss eine hochkonzentrierte Serie spielen, defensiv höchstes Niveau erreichen und sich in Korbnähe Vorteile verschaffen, soll es zum ersten Alba-Titel seit 2008 reichen. Ausgeschlossen ist das nicht, aber die Zeichen stehen eher auf Titel Nummer vier in zwei Jahren für die Brose Baskets Bamberg.



von Suck My Diktiergerät 05.06.11 um 16:05:58
Obwohl ich Alba Fan bin sage ich:
3-1 für Bamberg ;(
von eightch 06.06.11 um 11:19:16
3/4 waren wirklich der hammer...
dann hat karl-heinz aufgedreht und nicht mal d-bos kleiner bruder (allen) konnte mit seinen finsteren blick gegenhalten... aber was zur hölle war mit mola adebisi los? da ging ja gar nix ;)
von Suck My Diktiergerät 06.06.11 um 14:10:43
Karl-Heinz war bei uns auch running-Gag ^^
der hat uns zwar leider zerstört, aber egal ;)