BBL Finals
Ein Titel zum Geburtstag
Alba Berlin hat nach fünf Jahren wieder eine Meisterschaft in die Hauptstadt geholt. Im vierten Spiel der BBL Finals besiegten sie die Telekom Baskets Bonn erst nach Verlängerung.
Von Text: Thomas Käckenmeister, Fotos: Fabian Klindt |
18.06.2008 | |
Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin 79:88 OT (1-3)
Sichtlich gerührt war Berlins Trainer Luka Pavicevic nach Spielende der vierten Begegnung gegen die Telekom Baskets. Der entscheidende Erfolg in Bonn war nämlich nicht alles, über das der serbische Trainerfuchs sich freuen konnte: ?Am Geburtstag bekommt man normalerweise keine Meisterschaft geschenkt?, rang der Jubilar, der am Tag des Berliner Finaltriumphes 40 Jahre alt wurde, nach Worten, ?Ich kann meinen Team nur gratulieren.?
Von Stolz, Kampfgeist und Leidenschaft war kurz nach der letzten Begegnung der Saison 2007/08 bei vielen Albatrossen die Rede. Mannschaftskapitän Patrick Femerling empfand den Gewinn seiner insgesamt dritten deutschen Meisterschaft als Produkt langer Arbeit: ?Das ist die Belohnung für elf Monate schwere Arbeit?. So war es ihm auch zu gönnen, dass der 2,15 Meter große Center nach der Trophäenübergabe mit den etwa 300 mitgereisten Berliner Fans auf dem Parkett ausgiebig feierte. Auch seine Teamkollegen mischten sich unter die jubelnde Anhängerschar.
Von den Bonner Zuschauern waren zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige im zuvor erneut ausverkauften Telekom Dome geblieben. Dabei war die letzte Partie des BBL-Spieljahres ein Basketball-Leckerbissen. Nach einem nervösen Auftakt, in dem Bonns Zonenverteidigung den Berliner Offensivmotor einige Male ins Stocken brachte, setzten sich die Hausherren im zweiten Abschnitt zwischenzeitlich auf 15 Zähler (34:19) ab. Dies lag vor allem an Winsome Frazier, der 14 seiner insgesamt 20 Zähler in den ersten 20 Minuten erzielte.
Dass Vorsprünge im Basketball jedoch meist nur von kurzer Dauer sind, bewiesen daraufhin Julius Jenkins und Neu-Nationalspieler Philipp Zwiener, die ihr Team mit insgesamt zehn Punkten wieder auf Schlagdistanz (38:33) kurz vor dem Seitenwechsel bringen konnten. Ein Buzzerbeater von Miah Davis stellte schließlich den 40:33-Halbzeitstand her.
Nach der Pause sahen die 6.000 Zuschauer dann einen BBL-Krimi zum Saisonfinale, der erst in der Extrazeit eine Entscheidung fand. Beide Teams begegneten sich in der zweiten Hälfte auf Augenhöhe, nachdem Jenkins ein unsportliches Foul von Bernd Kruel in insgesamt fünf Punkte ummünzte (zwei Freiwürfe und ein anschließender Dreier nach dem Einwurf). Dies gestaltete die Partie wieder ausgeglichen (51:51).
Im vierten Abschnitt gelang es Gästen aus der Hauptstadt dann erstmals seit den Anfangsminuten, wieder in Führung zu gehen. Erneut war es Jenkins (Foto), der in der 33. Spielminute einen Dreipunktewurf zum 58:57 verwandelte. Zum Ende der Begegnung entwickelte sich dann ein Freiwurfmarathon auf beiden Seiten, der erst zehn Sekunden vor der Schlusssirene endete, als Miah Davis zwei Schüsse von der Linie zum 71:71-Unentschieden versenkte. Die letzte Chance, das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden, besaß Liga-MVP Jenkins. Sein Distanzwurf küsste jedoch nur den Ring.
In der Verlängerung ging den Bonnern dann die Puste aus. Wieder war es Jenkins, der sein Team im Spiel hielt und gemeinsam mit Immanuel McElroy für den spielentscheidenden Vorsprung (80:74) sorgte. Am Ende stellte Berlin die Meisterschaft an der Freiwurflinie sicher.
Als die letzte Sirene der Saison ertönte, stürmten die Albatrosse das Parkett und mit ihnen die anwesenden Fans. Nur wenige verharrten am Spielfeldrand und ließen die Eindrücke auf sich wirken. Einer von ihnen war Berlins Manager Marco Baldi, der seinen Tränen der Freude und Erleichterung freien Lauf ließ. ?Der Titel ist nach der schwierigen Saison noch emotionaler. Der Verein war so durstig nach dieser Meisterschaft?, beschrieb er im Nachhinein die Bedeutung des achten Meistertitels der Klubgeschichte.
Vor allem im Hinblick auf die bevorstehende Spielzeit ist die Championship wichtig, da Berlin dann als deutscher Vertreter in der Euroleague an den Start gehen wird. Wie bereits in der Playoff-Vorschau erwähnt http://crossover-online.de/BBL/BBL-Playoffs/x_4321,2.html, wird das Final Four 2009 in Berlin ausgetragen, sodass die Albatrosse mit hohen Zielen in die neue Spielzeit gehen werden. Sie sind nicht nur Titelverteidiger, sondern wollen auch auf internationaler Ebene etwas bewegen. Baldi setzt daher auf Kontinuität: ?Das Gerüst des Teams steht, es wird nicht viele Änderungen geben. Nun wollen wir uns in der Euroleague präsentieren.?, fügte Baldi hinzu.
Während die einen bereits auf das kommende Jahr blicken, wird bei den anderen das Bild des Erreichten in den nächsten Tagen umso klarer werden. Bonns Head Coach Michael Koch zeigte sich trotz der Finalniederlage äußerst positiv gestimmt. Kein Wunder, erreichte der 42-Jährige in seinem zweiten Jahr als Cheftrainer doch den Sprung vom siebten Playoff-Platz zum Vizemeister. ?Wir sind das zweitbeste Team Deutschlands. Darauf bin ich stolz?, strahlte Koch nach dem Spiel, ?Heute ist ein Traum geplatzt, doch er ist positiv zu Ende gegangen.?
Somit haben also beide Mannschaften etwas Positives davongetragen: Berlin wurde trotz einer Achterbahnsaison mit viel Verletzungspech seiner Favoritenrolle gerecht, Bonn zeigte, das Teamchemie im Basketball ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor ist. Beide Klubs wurden am Mittwochabend an den jeweiligen Rathausplätzen der Stadt gefeiert. Klaus Wowereit, Berlins amtierender Bürgermeister, fasste die Spielzeit Albas treffend zusammen: ?Die Albatrosse haben wieder eine Saison lang hart gearbeitet, das nötige Quäntchen Glück gehabt, und sie sind belohnt worden.?
Lediglich zwei Niederlagen mussten die Berliner auf dem Weg zur Meisterschaft in den Playoffs hinnehmen. Zeichneten zuvor mehrere Stützen für den Erfolg der Mannschaft verantwortlich, überzeugte in den vier Endspielen vor allem Julius Jenkins mit 20,5 Punkten, 3,5 Rebounds, vier Assists und zwei Steals pro Spiel, womit er verdientermaßen zum MVP der Finalserie ernannt wurde.
Dennoch bleibt für Head Coach Pavicevic das Team der Star: ?Ich bin sehr stolz auf die Jungs.? Ein schöneres Geschenk als die Meisterschaft hätte der serbische Coach sich nicht wünschen können.



von Sh1va 20.06.08 um 14:50:54
damit steht oldenburg jetzt im uleb-cup oder ?
von Suck My Diktiergerät 20.06.08 um 17:54:28
je ne sais pas cherie.
aber bonn is auch selber schuld dass es so gelaufen ist...hab das spiel im fernsehen gesehen (rbb rockt halt ;) )...und wenn bonn etwas lernen muss, dann ist es foulen. sie ermöglichten erst (in der OVERTIME!!!) 2 dreipunktespiele und dann, als sie foulen mussten um die uhr anzuhalten ließen sie immer massig zeit runterspielen, und anstatt sichere schützen wie jenkins hart zu decken und schlechtere schützen wie femerling freier zu lassen ermöglichten sie jenkins dann noch ständig freiwürfe..also, selber schuld bonn, berlin du rockst!!!
von Tomdawg 20.06.08 um 21:51:08
@ Sh1va: Oldenburg besitzt schlechte Karten für den Uleb-Cup.
Quakenbrück und Bamberg sind gesetzt. Bonn hat evtl. noch die Möglichkeit, über eine Qualifikationsrunde oder eine Wildcard in den Wettbewerb zu gelangen.