BBL Finals
Die Meisterschaft geht nach Bamberg
Die Brose Baskets Bamberg sind Deutscher Meister 2010. In einem Herzschlagfinale sicherten sich die „Brösels“ durch einen 72:70-Erfolg nach dem Pokalsieg den zweiten Titel des Jahres. Zum wertvollsten Spieler der Finalserie wurde Casey Jacobsen ernannt.
Von Joshua Wiedmann |
17.06.2010 | |
Ein entscheidendes Spiel um die Meisterschaft – was gibt es Schöneres? Während in den Vereinigten Staaten bis zu sieben Partien ausgetragen werden, bleibt es hierzulande bei fünf Begegnungen. Einen großen Unterschied macht das allerdings nicht. Denn das Empfinden vor seinem Entscheidungsspiel ist stets dasselbe: In keinem Augenblick ist der Druck für alle Beteiligten höher, ebenso wie der Puls, die Spannung erreicht den Scheitelpunkt. Nach vier schweißtreibenden Schlachten kennt man jeden Schritt des Gegenspielers in- und auswendig, die Taktiken sind nur allzu gut bekannt. In solch einem fünften Spiel geht es nur noch um die mentale Stabilität und die körperliche Fitness, die nach einer langen Saison einer wahren Zerreißprobe ausgesetzt ist.
Vor dem fünften Spiel um die deutsche Meisterschaft in Bamberg stellte sich nur eine Frage: Wer würde im letzten Spiel der Saison 2009/10 den längeren Atem haben? Die gastgebenden Bamberger, die ihren Gegner in Spiel drei mit 45 Zählern Unterschied düpiert hatten? Oder Frankfurt, das im vierten Aufeinandertreffen beim 69:56-Erfolg die passende Antwort gegeben hatte? „Das wird ein Spiel des Willens“, kündigte TV-Experte Stephan Baeck an.
Den größeren Willen legten in den Anfangsminuten die Hausherren an den Tag. Durch zwei Dreier von John Goldsberry und Predrag Suput, dessen Weiterverpflichtung gerade bekannt gegeben worden war, ging Bamberg schnell hoch in Führung. Nach zwei Minuten zwang ein 10:0-Rückstand Skyliners-Coach Gordon Herbert zu einer ersten Auszeit. Erinnerungen an Spiel drei wurden früh wach. Während Bamberg wieder aus allen Rohren feuerte, biss sich Frankfurt insbesondere an der Ein-Mann-Mauer der Gastgeber – namentlich Tibor Pleiß – die Zähne aus. Spätestens beim Stand von 22:6 kurz vor Ende des ersten Viertels hatten wohl viele Zuschauer in der Jako Arena ein Déjà-vu-Erlebnis. Auch die Tatsache, dass Frankfurt nun allmählich besser am offensiven Brett arbeitete, änderte nur marginal etwas am Spielstand (22:8).
Doch im zweiten Vierteln endeten zunächst die Parallelen zum vergangenen Sonntag, als Frankfurt völlig kollabiert war. Zwei Treffer von „Downtown“ durch Pascal Roller und Seth Doliboa brachten die Gäste plötzlich wieder in Reichweite (22:17). Auch Derrick Allen schloss nun einige Aktionen erfolgreich ab. Die Bamberger konnten die kurze Drangphase der Skyliners aber stoppen und ihrerseits wieder einige Treffer einstreuen.
In der Folge kam kein Team in einen wirklichen Rhythmus. Bamberg gelang es nicht mehr, sich die offenen Wurfgelegenheiten aus der Anfangsphase zu kreieren. Stattdessen haderten die Franken nun mit diversen Entscheidungen der Schiedsrichter. Auch die kurze Schwungphase der Frankfurter war nun wieder völlig verpufft. Die Mannen aus der Bankenmetropole sorgten lediglich dann für Korbgefahr, wenn Pascal Roller den Ball in den Händen hielt. Der 33-Jährige knüpfte an seine starken Leistungen aus den Vorwochen an und netzte aus den schwierigsten Lagen ein. Mit dem Ablauf der Vierteluhr beförderte Roller einen schwierigen Distanzwurf zum 32:27 in den Korb und ließ damit einmal mehr Hoffnung unter den mitgereisten Skyliners-Anhängern aufkommen.
Rollers Gegenpart nahm Anton Gavel ein. Der Slowake brachte seine „Brösels“ mit fünf schnellen Zählern im dritten Viertel in Schwung. Bambergs Vorsprung pendelte sich nun wieder bei rund zwölf Punkten ein. Auf der Gegenseite wussten die Franken nun die Kreise von Roller einzuschränken; dafür trug sich nun endlich auch Aubrey Reese mit einer Hand voll Punkten in die Scorerliste ein. Nichtsdestotrotz fehlte es Frankfurt zunächst an Konstanz in der Offensive, um Bamberg wirklich auf die Pelle rücken zu können. Erst gegen Ende des dritten Spielabschnitts sahen sich die Gäste plötzlich wieder auf Schlagdistanz, nachdem Reese einen wilden Dreier im Bamberger Korb versenkt hatte (52:46).
Im letzten Viertel entwickelte sich – trotz der hohen Bamberger Führung zu Beginn – noch ein richtiger Krimi. Die Skyliners kämpften sich Punkt um Punkt heran: Vor allem Seth Doliboa und Jimmy McKinney zeigten keine Nerven und netzten reihenweise Würfe von außen ein. Auf der Gegenseite versenkten Tibor Pleiß und Mark Worthington Dunkings im Frankfurter Korb. Durch einen Drei-Punkte-Wurf von Pascal Roller wurde die Partie zwei Minuten vor Schluss endgültig zum Thriller (63:62). Im Gegenzug vergrößerte Pleiß mit einem Turnaround-Jumper den Vorsprung der Gastgeber wieder. Nach zwei Treffern von der Freiwurflinie durch Reese und einem Bamberger Ballverlust vergab der bis dato überragende Doliboa am „Stripe“ die Möglichkeit, seinem Team die erste Führung des Spiels zu bescheren. Stattdessen wurde Anton Gavel nun endgültig zum Helden in „Freak City“: Der Slowake versenkte mit nur noch 33 Sekunden auf der Uhr einen Dreier zum 68:64.
Allerdings steckte Frankfurt mitnichten auf: Nach einer Auszeit umkurvte Pascal Roller Bambergs Suput und verkürzte wieder auf zwei Punkte (68:66). Auf der Gegenseite bewies John Goldsberry, dass er Eis in den Adern hat und blieb an der Freiwurflinie nervenstark. Erneut stellte Ex-Nationalspieler Roller aber seine Extraklasse unter Beweis und traf zum wiederholten Male einen wichtigen Distanzwurf (70:69). Nach zwei weiteren Goldsberry-Treffern wurde Roller allerdings zum tragischen Helden auf Frankfurter Seite: Der Routinier vergab einen von zwei Freiwurfversuchen und somit die Chance, eine Verlängerung herbeizuführen. Ein Foul und zwei Freiwürfe von Pleiß später stand Bamberg endgültig als Deutscher Meister 2010 fest.
Das 72:70 war ein knappes Ergebnis mit einem hochspannenden Ende. Letztlich gewann Bamberg durchaus verdient das Meisterschild, auch wenn Frankfurt – wie in der kompletten Endrunde – buchstäblich bis zur letzten Sekunde gekämpft hatte. Gewissermaßen wiederholte sich in Bamberg auch Geschichte, denn erneut führte Casey Jacobsen „Freak City“ zum BBL-Titel und räumte die Auszeichnung als bester Spieler der Finalserie ab. Neben dem US-Boy, der schon 2007 ein Schlüsselspieler bei der letzten Meisterschaft der „Brösels“ war, dürfen aber vor allem auch Anton Gavel, Topscorer Predrag Suput und Defensivanker Tibor Pleiß nicht vergessen werden, die enormen Anteil am guten Saisonverlauf der Franken hatten. Letztendlich feierte Bamberg, wie nur Bamberg feiern kann. Die Meisterschaft ist zurück in „Freak City“ – und Bamberg wird diesen Titelgewinn ausgiebig zelebrieren.



von Jude 18.06.10 um 00:38:41
yeah baby yeah!!!!!!! sensationell! ich glaub so stellt man sich ein fünftes spiel vor! what a great game!!!! :)
von wintermute19 18.06.10 um 09:31:26
Ein rundum tolles und hochspannendes Spiel. Basketball at it's best - und die beste Werbung für die BBL.
von Webocat 18.06.10 um 10:36:09
Glückwunsch nach Freak-City!!!
Pascal Roller hat ganz starke Finals gespielt, ihm hätte man den Titel gönnen können.
Toll finde ich es auch, dass Pleiß in den Finals teilweise gute Aktionen hatte, war ja wieder bester Bamberger lt. Effizienz, könnte seinen Draftwert noch etwas steigern.
von realbaum 18.06.10 um 12:54:47
jau wirklich supergeiles spiel. als ludwigsburger war mir das ergebnis relativ egal, hauptsache ein spannendes spiel und es war mehr als spannend. am schluss war ich erst für frankfurt, genauer gesagt in person von pascal roller(der mit in die türkei MUSS!!) doch als dann tibor pleiss den turnarround reingemacht hat war ich mir nicht mehr so sicher. nach so nem spiel frage ich mich echt was alle an der bisher langweiligen wm finden. das war sport auf höchstem niveau und um ein vielfaches spannender als jedes fussballspiel (für mich zumindestens) je sein kann !!
von TheGlide 18.06.10 um 16:25:10
klasse spiel, spannend ohne gnade. aber schade, ich hätte es den frankfurtern gegönnt, naja...
unglaublich wie die immer zurückgekommen sind, obwohl die teilweise an die wand gespielt wurden, nur um anschließend einen 3er nach dem anderen zu versenken...
glückwunsch an bamberg
von Mt.Mutombo 19.06.10 um 09:43:31
Hätte ich den ARtikel hier nicht gelesen hätte ich nicht mitbekommen, dass die deutschen Finals vorbei sind. Traurig, dass in der medienlandschaft Deutschland Basketball total ignoriert wird :-/
von realbaum 20.06.10 um 10:56:28
naja vor nem jahr hätte ich dir noch recht gegeben. aber das die bbl auf sport1 übertragen wird ist ja schon mal ein anfang. ausserdem hats ja immer noch das internet oder wo bekommst du deine infos über die nba her ;-)? also die mediensituation ist zwar nicht so überragend die mitte bis ende der 90er aber es tut sich was. wenn jetzt nur noch etwas mehr euroleauge im frei empfangbaren tv kommen würde wäre ich ein glücklicher basketballfan... auch wenn unser sport noch viel zu weit unter dem (medien)radar fliegt.
von Mt.Mutombo 20.06.10 um 21:47:23
geb dir voll recht, aber dass die BBL auf Sport1 kommt hatte ich schon wieder vergessen :-D Liegt aber auch daran, dass ich den deutschen BBall unglaublich unattraktiv finde, ist aber mein persönlicher Geschmack. Ich meinte aber eher so generell die breiten Medien und Newsportale, keine spezifischen Basketballseiten. Dass die Lakers Meister geworden sind, stand ja auf Stern.de und Bild.de, aber nicht der deutsche Meister (oder so klein, dass es zu überlesen war). Das sagt doch schon genug aus...