Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




BBL Finals

Bauermanns Drachentöter

Bamberg hat im Finale das Überraschungsteam der Artland Dragons bezwungen. Wir blicken auf eine Finalserie zurück, die spannender nicht hätte sein können.

Von Thomas Käckenmeister, Jens Möller
 27.06.2007 |

Es war der erste Moment der Ruhe nach Wochen voller Anspannung und Euphorie. Als Chris Fleming, Trainer der Artland Dragons, nach Spiel 4 der Finalserie mit der versammelten Pressemeute auf seinen Bamberger Kollegen Dirk Bauermann wartete, schaute er nur still auf den Tisch vor ihm. Niemand sagte ein Wort. Erst als Bauermann mit Handy am Ohr und noch tropfnass von der Sektdusche auf dem Parkett in den Raum kam, wurde es wieder lebendig in den Katakomben der Artland Arena. "Meine Mutter", lächelte der Meistertrainer, und ihre telefonischen Glückwünsche zum Sieg in der Finalserie über die Artland Dragons hatten natürlich Vorrang vor den Journalisten.

In einem am Schluss nervenzerreißend spannenden Spiel hatten sich Bauermanns Spieler mit einem 64:63 den entscheidenden dritten Sieg gegen die Dragons geholt. "Ich bin so stolz auf die Spieler und unsere Fans, die auch in der schweren Zeit die Halle voll gemacht haben", sagte Bauermann und meinte damit vor allem die schwierige Hinrunde für Bamberg, in der die Franken mächtig strauchelten. Nun fand eine chaotische Saison mit dem zweiten Meistertitel nach 2005 doch noch ihr perfektes Ende. In den vergangenen sechs Wochen hatten die Bamberger auf dem Weg zu ihrer vierten Finalteilnahme in den vergangenen fünf Jahren zunächst Bonn in fünf Spielen und anschließend Ludwigsburg in vier Begegnungen aus dem Weg geräumt.

Im Finale beendeten Bauermanns Drachentöter dann ein norddeutsches Sommermärchen, dass den Namen "Quakenbrück" auf Deutschlands Basketballlandkarte eingebrannt hat. Die Artland Dragons aus dem 13.000-Einwohner-Städtchen Quakenbrück, nur als Achter so eben in die Playoffs gerutscht, hatten sich als Favoritenschreck entpuppt und erst die völlig konsternierten Berliner (3-0) und danach den Meister des Vorjahres aus Köln (3-2) aus der Titelrunde gekickt. Eine Leistung, für die aus allen Richtungen Lob und Anerkennung für die Spieler von Chris Fleming kamen, hatte man sich auf diese Weise doch glanzvoll für die Niederlage im Pokalfinale revanchiert. Dieser konnte sich über die vorher kaum für möglich gehaltene Vizemeisterschaft nicht richtig freuen. "Wir können das alles noch nicht richtig genießen", sagte der 37-jährige Trainer. Zu tief saß die Enttäuschung bei den Dragons nach einer Finalserie, in der sich beide Teams auf Augenhöhe duellierten.

Spannung bis zum Schluss

Schon die erste Partie sorgte für Herzflimmern. Die Drachen enterten mit 600 mitgereisten Fans aus Niedersachsen die Frankenhölle von Bamberg. In einer engen Partie bereiteten die Dragons den Defensivkünstlern aus Bamberg viele Probleme. 40 gegnerische Punkte in einer Halbzeit schmeckten Trainer Bauermann überhaupt nicht. In der zweiten Halbzeit wechselte die Führung hin und her. Sieben Sekunden vor Schluss hatte der Bamberger Vincent Yarbrough mit zwei Freiwürfen die Chance, sein Team wieder in Front zu bringen. Der US-Amerikaner traf jedoch nur einmal. Quakenbrücks Bryan Bailey (Foto), der für den im dritten Viertel verletzt ausgeschiedenen puertoricanischen Playmaker Filiberto Rivera in die Bresche sprang, schnappte sich den Ball und sprintete über das gesamte Feld. Sein Korbleger fiel zwar nicht, doch Drachen-Center Darius Hall legte den abprallenden Ball mit der Schlusssirene in den Korb. Artland siegte mit 70:69 und trat mit breiter Brust die Heimreise an.

Als Wermutstropfen mussten die Niedersachsen jedoch die Verletzung von Rivera hinnehmen. Der bis dahin in den den Playoffs überragend aufspielende Guard (15,6 PpG, 5,8 ApG, 3,3 RpG)zog sich eine Oberschenkelverletzung zu. Riveras schmerzender Oberschenkel wurde zum Stadtgespräch in Quakenbrück. Aus seiner erhofften Rückkehr wurde jedoch nichts. Der Spielmacher musste die restliche Finalserie aussetzen. Bei den Bambergern war derweil Center Chris Ensminger zum Zuschauen verdonnert. Sein Sehnenanriss im Knie, den er sich im Viertelfinale gegen Bonn zuzog, ließ ihn kein Spiel mehr bestreiten.

Auf dem Parkett sorgte im zweiten Aufeinandertreffen ein anderer Big Man der Franken für Aufsehen. Darren Fenn (Foto), der letztes Jahr noch im Team von Bremerhaven stand und gegen die Dragons im Viertelfinale durchschnittlich 16 Zähler und 5,6 Rebounds auflegte, avancierte an diesem Abend in der Artland Arena zum Matchwinner. Er traf sieben von elf Würfe für insgesamt 19 Punkte und schnappte sich sechs Rebounds. Gemeinsam mit Yarbrough (18 Punkte) sicherte er am Ende den 77:74-Auswärtssieg. Es war die erste Playoff-Heimniederlage der Drachen überhaupt.

Zurück in Bamberg ließen die Franken vor der Partie den "Drachentöter Siegfried" über das Parkett tanzen. Doch bei der Kulisse bekommen auch Heldenfiguren weiche Knie. Zum ersten Mal in der Bundesliga hatte eine Gastmannschaft das gesamte ihr zustehende Kartenkontingent (20 Prozent der Plätze) in der 6.800 Besucher fassenden Jako-Arena ausgeschöpft. In Quakenbrück war alles gechartert worden, was vier Reifen hatte, um über 1.400 Drachen-Fans ins Frankenland zu bringen. Die Invasion der Norddeutschen sorgte für große Augen und trieb den Lärmpegel in der ohnehin lauten "Frankenhölle" in einen Bereich zwischen Manowar-Konzert und startendem Düsenjet. Bambergs Casey Jacobsen (Foto) behielt in dieser hitzigen Kulisse jedoch die Ruhe und machte gegen Ende mit zwei Freiwürfen den 62:59-Sieg seiner Mannschaft perfekt. Der gerade zum besten Offensivspieler der Liga gewählte US-Guard sammelte 15 Punkte.

Ein Meister, zwei Gewinner

Mit vier Flugzeugen machte sich die Bamberger Mannschaft auf den Weg zum vierten Spiel in das knapp 500 Kilometer entfernte Quakenbrück am Flüsschen Hase. Der dritte und entscheidende Sieg sollte her und dafür wollte man "Killerinstinkt" zeigen, wie Robert Garrett verlauten ließ. Der deutsche Nationalspieler ließ Taten folgen. Er war es, der in der zweiten Halbzeit eines umkämpften und wenig ansehnlichen Spiels, in dem beiden erschöpften Teams nur wenig im Angriff gelang, mit drei Dreiern direkt in das Herz der Drachen traf.

Doch die Niedersachsen wollten das letzte Heimspiel der Saison nicht verloren geben. Zwar lagen sie kurz vor Ende mit zehn Punkten in Rückstand, kämpften sich aber noch einmal heran. Ein Dreier von Adam Hess sowie zwei Freiwürfe von Bryan Bailey ließen die Bamberger Führung 30 Sekunden vor Schluss auf 63:64 schrumpfen. Nach einem Fehlwurf von Casey Jacobsen griffen die Drachen acht Sekunden vor Schluss nochmal an. Doch weder Lamont McIntoshs Wurf über Fenn hinweg noch die anschließenden Wurfchancen nach Offensivrebound von Nik Caner-Medley und Chad Prewitt fanden ihr Ziel. Mit der Sirene fielen sich die Bamberger jubelnd in die Arme. Der zweite Titel nach 2005 war perfekt.

Beim Überreichen des Meistertitels wurde anschließend auch der wertvollste Akteur der Playoffs gekürt. Casey Jacobsen lieferte in 13 Spielen 14,5 PpG, 3,9 RpG und 3,0 ApG ab. Auch während der Siegerehrung feierten die Heimfans ihre unterlegenen Dragons. Nach der Übergabe des schönsten hässlichsten Plexiglas-Schilds der Republik, der Meistertrophäe, kannte dann jedoch der Bamberger Jubel keine Grenzen mehr. Champagner-Duschen nässten das Parkett. Auf einen Konfettiregen wurde in Quakenbrück jedoch verzichtet. Allerdings nicht aus Trotz, sondern aus pragmatischen Gründen: Zusammen mit dem Alkohol wäre es eine klebrige Angelegenheit geworden.

Nichtsdestotrotz wurden die Bamberger Titelträger nach ihrer internen Jubelei in der Gästekabine von Hunderten begeisterter Freaks auf dem Flugfeld Bamberg-Breitenau gegen 1 Uhr frenetisch empfangen. Autokorsos verstopften die Stadt. Bereits seit Ende der Begegnung feierten etwa 10.000 Fans ausgelassen auf dem Maxplatz der Domstadt, wo zuvor das Spiel auf einer Großbildleinwand übertragen wurde. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte dort die Siegesfete.

Zur offiziellen Meisterfeier wurde am heutigen Mittwoch und Donnerstag geladen. Doch nicht nur in Bamberg, sondern auch in Quakenbrück kann man auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Der dort extra angebaute Holz-Balkon am Rathaus muss heute zum ersten und letzten Mal herhalten für die Feierlichkeiten des Basketballwunders aus "Entenhausen".

Der Blick auf die Deutschen

Spieler mit deutschem Pass spielen normalerweise (leider) eine überschaubare Rolle in der Bundesliga. Anders war es jedoch in Spiel 4 der Finalserie, als sich die Bamberger Titelhoffnungen plötzlich auf das Trio Steffen Hamann, Robert Garrett und Tim Ohlbrecht stützen konnten. Trainer Dirk Bauermann rutschte auf der anschließenden Pressekonferenz dann auch prompt in seine Rolle als Bundestrainer. "Eines der erfreulichsten Dinge für den deutschen Basketball ist, dass ein 18-Jähriger erfolgreich seine Duftmarke in der Playoffs hinterlassen hat", sagte der Meistercoach über Ohlbrecht, der durch die Verletzung von Ensminger in die Rotation gerutscht war. Dort hielt sich der Center-Schlaks während der Finalserie beachtlich. Im vierten Spiel legte er den Drachen bis zur Halbzeit sieben Punkte ins Netz.

Über Steffen Hamanns Qualitäten als Spieler (Foto) wird kaum diskutiert - viel mehr über ihn selbst. Selbst als Hamanns Namen bei der Siegerehrung aufgerufen wurde, gellte ein Pfeifkonzert durch die Artland Arena. Wohl kein anderer Akteur zieht durch sein Auftreten, das die einen als Selbstbewusstsein, die anderen als Arroganz auslegen, dermaßen den Hass der gegnerischen Fans auf sich. Zu Unrecht, wie Bauermann nach Spiel 4, in dem Hamann acht wichtige Punkte erzielte, scharf kritisierte. "Ich finde es einfach schade, dass er, egal wo er auftaucht, zur Zielscheibe wird. Das ist im hohen Maße unfair."

Besser gelaunt war Bauermann, als er auf Robert Garrett zu sprechen kam, der nach ziemlich verkorksten Playoffs gerade zu Spiel 4 "seine beste Leistung seit langem zum richtigen Zeitpunkt" zeigte, wie Bambergs Trainer feststellte. 16 Punkte erzielte der Nationalspieler. "Dieses Gefühl für wichtige Würfe hat man eben oder nicht", sagte Bauermann. Diesmal hatte "Robse" Garrett den "Touch" auch gefunden.

Höchstleistungen der Deutschen in der Finalserie

Punkte: 16, Robert Garrett (Bamberg, Spiel 4)
Rebounds: 6, Steffen Hamann (Bamberg, Spiel 3)
Assists: 9, Steffen Hamann (Bamberg, Spiel 1)
Steals: Ivan Pavic (Bamberg, Spiel 1), Steffen Hamann (Bamberg, Spiel 1 und 2), Tim Ohlbrecht (Bamberg, Spiel 2), Robert Garrett (Bamberg, Spiel 2 und 4)
Blocks: 1, Steffen Hamann (Bamberg, Spiel 2), Tim Ohlbrecht (Bamberg, Spiel 4)
Dreier: 3, Jan Rohdewald (Quakenbrück, Spiel 2), Robert Garett (Bamberg, Spiel 4)

Robert Garrett: 5,5 PpG (36,8% FG), 2,3 RpG
Tim Ohlbrecht: 5,0 PpG (63,6% FG), 1,8 RpG
Steffen Hamann: 9,5 PpG (48,2% FG), 2,5 RpG, 3,8 ApG

Höchstleistungen der Finalserie

Punkte: 25, Bryan Bailey (Quakenbrück, Spiel 2)
Rebounds: 13, K'Zell Wesson (Bamberg, Spiel 1 und 2)
Assists: 9, Steffen Hamann (Bamberg, Spiel 1)
Steals: 3, Casey Jacobsen (Bamberg, Spiel 4)
Blocks: 4, Vincent Yarbrough (Bamberg, Spiel 3)
Dreier: 4, Bryan Bailey (Quakenbrück, Spiel 2)

Höchstleistungen in den BBL Playoffs 2007

Punkte: 33, Michel Ferreira do Nascimento (Ludwigsburg gg. Bamberg, Spiel 3)
Rebounds: 16, Aleksandar Nadjfeji (Köln gg. Quakenbrück, Spiel 1)
Assists: 13, Filiberto Rivera (Quakenbrück gg. Berlin, Spiel 2)
Steals: 4, Devin Green (Köln gg. Bremerhaven, Spiel 1 und 5), Zygimantas Jonusas (Bremerhaven gg. Köln, Spiel 3), Brandon Woudstra (Leverkusen gg. Ludwigsburg, Spiel 4), Tim Begley (Bamberg gg. Ludwigsburg, Spiel 1)
Blocks: 4, Sharrod Ford (Berlin gg. Quakenbrück, Spiel 1), Darren Fenn (Bamberg gg. Bonn, Spiel 3), Vincent Yarbrough (Bamberg gg. Quakenbrück, Spiel 3)
Dreier: 6, Lamont McIntosh (Quakenbrück gg. Köln, Spiel 1)




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von dalla13 28.06.07 um 07:37:26


Wenn Steffi auch immer diese Scheissaktionen abzieht, soll er auch nicht so pussy sein...



von BerlinAir 29.06.07 um 15:47:00


Es nervt, dass hier (und in der Presse) immer nur geschrieben wird, dass Steffi ausgepfiffen wird und der gute DB das Scheisse findet, ohne dass auch nur andeutungsweise erwaehnt wird, WARUM das so ist. Eine Formulierung wie z.B. "Die Zahl der Kritiker, die ihm vorwerfen, gerne mal den einen oder anderen Freiwurf durch theatralische Einlagen zu schinden, selber aber gerne mal Fouls an der Grenze zur Unsportlichkeit auszuteilen, wenn die Referees gerade wegschauen, bewegt sich auf konstant hohem Niveau." sollte schon drin sein.



von Jensen 29.06.07 um 17:10:31


warum hamann seinen ruf hat, steht da ja schon: "sein Auftreten, das die einen als Selbstbewusstsein, die anderen als Arroganz auslegen"

und in dieser finalserie liefen auf beiden seite echt keine lämmer über das parkett. hamann, hess, fenn, prewitt, jacobsen, hall: das ging schon ordentlich zur sache.

das man so einen spieler wie hamann als fan (und ich war in der halle 80 Prozent Fan, 20 Prozent sowas ähnliches wie neutral...mit Tendenz für die Dragons) während des spiels ordentlich ausbuht, ist ja völlig verständlich.

aber nach dem spiel, bei der siegerehrung nur einen spieler auszubuhen? da hat er dann schon respekt für seine leistung verdient. auch wenn man die faust in der tasche ballt.



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